Asta Friedrichs
Asta Friedrichs (* 25. Juni 1898 in Deutschland; † 18. Dezember 1981 in New Rochelle, Vereinigte Staaten) war eine deutsche Kryptoanalytikerin, die während des Zweiten Weltkriegs im Chiffrierdienst des Auswärtigen Amtes (Deckname: Pers Z) an der Entzifferung US‑amerikanischer Verschlüsselungen mitwirkte.
Leben
Geboren als Tochter von Karl Friedrichs und dessen Ehefrau Elisabeth Entel Friedrichs, war sie die Schwester des Mathematikers Kurt Otto Friedrichs (1901–1982), der im Jahr 1937 zusammen mit seiner jüdischen Verlobten, Nellie Bruell (1908–1994), seiner späteren Ehefrau, in die USA emigrierte.
Als sie 16 Jahre alt war, brachte man sie in ein Internat, auch, um sie von ihrem Vater zu trennen. Kurz darauf wurde dies jedoch geschlossen – der Erste Weltkrieg (1914–1918) hatte begonnen. Es glückte ihr, zusammen mit ihrer britischen Englischlehrerin, die offiziell nun als „Feindin“ galt, nach Düsseldorf zu ihrer Familie zu gelangen. Am nächsten Tag brachte ihr Vater die beiden per Eisenbahn über die Grenze in die nahen Niederlande. Dabei achteten sie darauf, dass niemand die Nationalität der Lehrerin erfuhr.
Nach dem Krieg, im Jahr 1921, war sie Studentin der Politikwissenschaft („stud. rer. pol.“). Ihre Adresse „Gartenstraße 46“ in Düsseldorf ist zusammen mit dem Anzeigetext „möchte brieflich mit Dekanskollegen in England, den USA, Dänemark, Schweden usw. sowie mit Universitätsstudenten korrespondieren“ in der esperantosprachigen Wochenzeitung Esperanto Triumfonta vom 1. Mai 1921 zu finden.[1]
Nach dem Vorbild ihres Großvaters plante sie, Buchhändlerin zu werden. Doch die Chancen waren damals schlecht und so sah sie sich gezwungen, diesen Wunsch aufzugeben. Daraufhin begann sie ein Lehramtsstudium, brach es jedoch ab. Anschließend studierte sie Wirtschaftswissenschaften, beendete jedoch auch dies nicht. Nachdem ihr Vater seine Tätigkeit als Anwalt aufgegeben und aus Düsseldorf weggezogen war, um sich hauptsächlich dem Schreiben zu widmen, wurde sie zur Weltenbummlerin und nahm verschiedene Stellen an, wie als Deutsch- und Lateinlehrerin an einer amerikanischen Missionsschule in Bulgarien und danach als Englischlehrerin an der Berlitz Sprachschule in Paris.
Aufgrund der sich nach 1933 (Machtergreifung) rasant ändernden politischen Verhältnisse, insbesondere auch der deutsch-französischen Beziehungen, sah sie sich gezwungen, von Paris nach Deutschland zurückzukehren. In Berlin nahm sie eine Stelle als Kryptoanalytikerin im Auswärtigen Amt (AA) an, genauer bei Pers Z S, also dem für Kryptanalyse zuständigen „Sonderdienst“ (S) des AA mit Sitz in Berlin-Dahlem, wo sie während des Zweiten Weltkriegs arbeitete: In der von Adolf Paschke geleiteten Stammabteilung gelang es ihr unter anderem, zusammen mit ihren Kollegen und unter der Leitung von Hans Karstien, dessen Stellvertreterin sie war, zahlreiche verschlüsselte Funktelegramme des Sonderbotschafters des amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelts, namens Robert Murphy, zu brechen. Dieser verwendete zur Geheimhaltung einen diplomatischen Code, bestand jedoch aus Prestigegründen darauf, seine Geheimdepeschen stets mit den Worten „From Murphy“ oder „For Murphy“ beginnen zu lassen.[2] Diese stereotypen Anfänge erleichterten der Gruppe um Asta Friedrichs die Entzifferungsarbeit ganz wesentlich.
Gegen Ende des Krieges wurde sie durch das Target Intelligence Committee (Ticom) in Burgscheidungen verhört. Dabei fiel sie den Amerikanern als kompetente und kooperative Mitarbeiterin auf: „Fluent English speaker. Co‑operative: professional & great proprietary interest in her job. Strong character & not overscrupulous.“[3] (deutsch „Fließend Englisch sprechend. Kooperativ: professionell und mit großem Eigeninteresse an ihrer Arbeit. Charakterstark und nicht übermäßig skrupellos.“) Überliefert ist auch eine Aussage von ihr, die sie mit Bezug auf Murphy äußerte: „Fräulein Asta Friedrichs, die daran beteiligt war, sagte, als sie in Marburg interniert, ihn vorbeifahren sah: ‚Ich wollte ihn anhalten und ihm die Hand schütteln, – so viel hatte er für uns getan‘.“[4]
Kurze Zeit später erhielt sie eine attraktive Stelle als Lehrerin an einer angesehenen Mädchenschule in einer Kleinstadt nahe Stuttgart. Im Jahr 1947 verlor sie diese Stelle wieder, als die inzwischen entnazifizierten ursprünglichen Lehrer zurückkehrten und ihre alten Positionen dort wieder einnahmen. Nach dieser Enttäuschung entschloss sie sich, in die Vereinigten Staaten zu ihrem jüngeren Bruder Kurt auszuwandern. Dort arbeitete sie zunächst als Haushälterin an verschiedenen Privatschulen und nahm vier Jahre später eine Stelle im St. Barnabas House, einem Kinderheim in New York City an.
Im Jahr 1966 erlitt sie einen Unfall, als sie von einem Lastkraftwagen überfahren wurde. Nach einer langen und schmerzhaften Genesungszeit lebte sie zunächst im St. Barnabas House, bevor sie in eine Wohnung zog, die sie sich mit ihrer Cousine Hanna Brandt teilte. Schließlich zog sie in das Seniorenheim Flushing House. Im Oktober 1980 musste sie sich einer Operation unterziehen und wurde danach, Anfang 1981, in das Bayberry-Pflegeheim in New Rochelle verlegt. Sie fühlte sich dort wohl, musste jedoch nach einem schweren Sturz ins Krankenhaus von New Rochelle verlegt werden. Dort starb sie.
Asta Friedrichs wurde auf dem Quäkerfriedhof von Flushing im New Yorker Stadtbezirk Queens beigesetzt.[5][6]
Literatur
- Army Security Agency: European Axis Signal Intelligence in World War II. Band 4, 1. Mai 1946, S. 14 (englisch, archive.org [PDF] Miss Asta Friedrichs).
- Friedrich L. Bauer: Entzifferte Geheimnisse – Methoden und Maximen der Kryptologie. Springer, Berlin 2000, ISBN 3-540-67931-6.
- Dermot Turing: Misread Signals – How History Overlooked Women Codebreakers. The History Press, Cheltenham 2025, ISBN 978-1-80399-793-3 (englisch, Porträtfoto auf S. 151).
Weblinks
- Foto (1968).
- Kurt Friedrichs: Remarks about Asta Friedrichs. In: friedrichs.us. 25. Dezember 1981 (englisch).
Einzelnachweise
- ↑ Esperanto Triumfonta. (PDF; 19 MB) Korespondo kai lnterŝanĝo. In: bitarkivo. 1. Mai 1921, S. 4, abgerufen am 19. Dezember 2025 (Esperanto).
- ↑ Friedrich L. Bauer: Entzifferte Geheimnisse – Methoden und Maximen der Kryptologie. Springer, Berlin 2000, ISBN 3-540-67931-6, S. 70.
- ↑ Dermot Turing: Misread Signals – How History Overlooked Women Codebreakers. The History Press, Cheltenham 2025, ISBN 978-1-80399-793-3, S. 168 (englisch).
- ↑ Friedrich L. Bauer: Entzifferte Geheimnisse – Methoden und Maximen der Kryptologie. Springer, Berlin 2000, ISBN 3-540-67931-6, S. 71.
- ↑ Kurt Friedrichs: Remarks about Asta Friedrichs. In: friedrichs.us. 25. Dezember 1981, abgerufen am 19. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Dermot Turing: Misread Signals – How History Overlooked Women Codebreakers. The History Press, Cheltenham 2025, ISBN 978-1-80399-793-3, S. 167 (englisch).