Apelles (Vormund Philipps V.)

Apelles († 218 v. Chr. in Korinth) war ein makedonischer Politiker. Er gehörte dem Regentschaftsrat des jungen Königs Philipp V. an, wurde aber wegen angeblicher Verbindungen mit den Feinden seines Königs hingerichtet.

Leben

Apelles wurde vom makedonischen König Antigonos III. Doson († 221 v. Chr.) zu einem Mitglied des Regentschaftsrats des noch jugendlichen Thronerben Philipp V. ernannt.[1] Wenige Jahre nach dessen Machtantritt kam es jedoch zu einem Konflikt, der mit Apelles’ Sturz und Hinrichtung endete. Dieser Konflikt ist hauptsächlich aus dem Geschichtswerk des Polybios bekannt, der Apelles dort sehr negativ beurteilt und einseitig die Position von dessen Gegenspielern einnimmt. Dies könnte mit seiner Herkunft aus der achaiischen Stadt Megalopolis zusammenhängen und dürfte jedenfalls nicht den historischen Tatsachen entsprechen.[2]

Bei Polybios wird Apelles als ein herrschsüchtiger Mann beschrieben. Er soll versucht haben, nach Antigonos’ Ableben den Einfluss des achaiischen Feldherren Aratos auf Philipp V. zu brechen,[3] um den jungen König selbst beherrschen zu können.[4] Da sich seine deshalb gegen Aratos erhobenen Beschuldigungen als Verleumdungen erwiesen, habe er im Gegenteil erreicht, dass der Herrscher sich ihm entfremdete und enger mit Aratos verband.[5] Diese Zurücksetzung habe Apelles nicht hinnehmen wollen und sich in Kooperation mit anderen Höflingen bemüht, Philipp V. heimlich bei dessen Feldzügen zu behindern, um selbst unersetzlich zu wirken. Er habe sich nach Chalkis begeben, sei dort bald sehr angesehen gewesen und habe von dort aus insgeheim gegen den makedonischen König agitiert, indem er ihm die Mittel zur Kriegführung zu entziehen suchte.[6] Später habe Apelles sich ebenso wie die mit ihm verbündeten Hofleute darüber geärgert, dass der König im Bundesgenossenkrieg doch Erfolge gegen die Ätoler erzielte.[7] Nach der Rückkehr nach Korinth sei ihm von Philipp V. ein kühler Empfang bereitet worden und er habe erkennen müssen, dass er seinen Einfluss eingebüßt hatte.[8] Bald darauf sei bekannt geworden, dass die Kamarilla, der Apelles angehörte, die Ätoler heimlich zu weiterem Widerstand anstachelte. Der König erteilte nun die Anordnung, Apelles zu ergreifen und nach Korinth zu schaffen. In dieser Stadt wurde Apelles mit seinem Sohn und seinem Geliebten 218 v. Chr. hingerichtet.[9]

Möglicherweise lag der tatsächliche Grund für den Sturz des Apelles nicht primär in den von Polybios überlieferten Intrigengeschichten, sondern in unterschiedlichen Vorstellungen von der makedonischen Politik, da in diesen Jahren über die Wiedereinrichtung einer makedonischen Flotte diskutiert wurde und sich mit der Vertreibung des Demetrios von Pharos an Philipps Hof eine Ausweitung der makedonischen Politik in den illyrischen Bereich anbahnte.[10]

Literatur

Anmerkungen

  1. Polybios, Historíai 4, 76, 1; 4, 87, 8.
  2. Malcolm Errington: Geschichte Makedoniens. Von den Anfängen bis zum Untergang des Königreiches. C. H. Beck, München 1986, ISBN 3-406-31412-0, S. 169–170.
  3. Polybios, Historíai 4, 84.
  4. Polybios, Historíai 5, 16, 10.
  5. Polybios, Historíai 4, 84, 7; 4, 86, 8; 5, 1, 9; vgl. Plutarch, Aratos 48, 1.
  6. Polybios, Historíai 5, 2, 8ff.; 5, 4, 10 ff.
  7. Polybios, Historíai 5, 14, 11.
  8. Polybios, Historíai 5, 26, 8 ff.
  9. Polybios, Historíai 5, 28.
  10. Malcolm Errington: Geschichte Makedoniens. Von den Anfängen bis zum Untergang des Königreiches. C. H. Beck, München 1986, ISBN 3-406-31412-0, S. 168–170.