Antonina Nikolajewna Chanschonkowa
Antonina Nikolajewna Chanschonkowa (russisch Антонина Николаевна Ханжонкова, englische Transkription Antonina Nikolayevna Khanzhonkova; * 27. Julijul. / 8. August 1879greg. in Moskau; † 29. Juli 1925 in Berlin) war eine russische Filmproduzentin, Regisseurin und die erste Ehefrau des Filmproduzenten Alexander Chanschonkow.
Leben und Wirken
Ihr Vater Nikolai Batorowski war Gouvernementssekretär aus verarmtem polnischen Adel, ihre Mutter Kapitolina führte zeitweise einen kleinen Nähmaschinenverkauf. Antonina erhielt eine musische Bildung, sie spielte Klavier und hatte eine schöne Gesangsstimme. 1900 heiratete sie den Offizier Alexander Chanschonkow und lebte mit ihm zunächst in Rostow am Don, wo sie ein Fotogeschäft betrieben. Sie bekam einen Sohn und eine Tochter.
Als ihr Ehemann ab 1905 eine Kinogesellschaft in Moskau kaufte und ausbaute, gehörte ihr Bruder Sergej zu den ersten Anteilseignern. Seit 1907 produzierte das Unternehmen Filme und wurde nach einigen Jahren zur wichtigsten Filmgesellschaft in Russland. Antonina Chanschonkowa war maßgeblich an deren Organisation und dem gesamten Produktionsprozess beteiligt, einige Mitarbeiter bezeichneten sie später als die Zarin, die eigentliche Leiterin des Studios.[1] Sie wählte auch die Schauspieler aus und war Mitglied im Aufsichtsrat. Ihre gelegentlichen Eingriffe in das Bühnenbild wurden von Beteiligten allerdings als sehr störend empfunden, da ihr das künstlerische Feingefühl fehlte. Der weltweit erste Trickfilmregisseur Władysław Starewicz verließ wegen Meinungsverschiedenheiten mit ihr sogar das Studio.
Nachdem Anfang 1917 Alexander Chanschonkow nach Jalta auf die Krim zog und dort ein neues Studio aufbaute, leitete sie alleine die Geschäfte in Moskau. Ende 1919 folgte sie ihrem Mann, nachdem die Bolschewiki das Studio, die Fabriken und sämtliche Kinos enteignet hatten. Ende 1920 emigrierte die Familie auf ihr Drängen in das Ausland. Sie litt darunter aber in der Folgezeit stark und verlor ihre Energie. Ihre Ehe zerbrach, ihr Mann kehrte 1923 mit seiner langjährigen Filmeditorin Wera Popowa nach Moskau zurück und heiratete diese 1925. Antonina Chanschonkowa lebte danach in Berlin und wurde Miteigentümerin der Spektator-Lichtspiele GmbH, die unter anderem die Kammer-Lichtspiele im Wedding betrieb.[1.1][2]
Sie starb am 29. Juli 1925 im Alter von 46 Jahren und wurde auf dem russisch-orthodoxen Friedhof in Tegel beerdigt. Die russischsprachige Zeitung Rul in Berlin berichtete mehrfach über ihren Tod, auch russische Emigrantenzeitungen in New York und Paris würdigten sie mit Nachrufen.[1.2]
Filmisches Schaffen
Antonina Chanschonkowa war die erste Frau in Russland, die allein Regie in mehreren Filmen führte. (Elisabeth Thiemann war 1912 nur Ko-Regisseurin.) Diese sind allerdings nicht mehr erhalten. Sie schrieb außerdem einige Drehbücher.
Ihr erster Film Ein Fehler des Herzens (1915) wurde von den Kritikern gelobt, er hatte eine originelle Handlung: Eine Frau fährt zu ihrem verwundeten Ehemann an die Front, um ihn als Krankenschwester zu pflegen. Als der Kopfverband abgenommen wird, erkennt sie, dass der Verwundete gar nicht ihr Ehemann war. Nach ihrer Rückkehr nach Moskau begegnet sie ihrem wirklichen Mann, erkennt aber nach Eifersuchtsszenen wegen des dankbaren Gepflegten, dass er nicht mehr der Richtige für sie ist und verlässt ihn. Sie wendet sich danach aber auch nicht dem falschen Ehemann zu.
- Regie
- 1915 Ошибка сердца (Ein Fehler des Herzens)
- 1916 Огненньй диавол
- 1917 Княжна Лариса (Prinzessin Larissa)
Weblinks
- Antonina Khanzhonkova, Woman Film Pioneers Project, Columbia University, ausführlichste Biographie (englisch)
- Антонина Ханжонкова, kino-teatr.ru (russisch)
- Antonina Khanzhonkova bei IMDb
Einzelnachweise
- ↑ Anna Kovalova: Antonina Khanzhonkova. In: Jane Gaines, Radha Vatsal, Monica Dall’Asta (Hrsg.): Film Pioneers Projekt. Columbia University Libraries, New York 2025, doi:10.7916/2cvx-8t76 (englisch, online: Antonina Khanzhonkova, Woman Film Pioneers Project, Columbia University [abgerufen am 10. Oktober 2025] – mit vielen biographischen Details).
- ↑ Bericht über ihre Beteiligung an dieser Kinobetreibergesellschaft
- ↑ Siehe Faksimilia der Traueranzeigen in der Rul.
- ↑ Kammer-Lichtspiele, AlleKinos.com: Die Lichtspiele in der Berliner Müllerstraße 65 wurden von der Spectator Lichtspiele GmbH geführt.