Anselm von Nonantola

Anselm von Nonantola (auch St. Anselm; † 3. März 803) war von 749 bis 751 dux (Herzog) von Friaul und von 752 bis etwa 760 und erneut von 774 bis 803 Abt der Abtei Nonantola.

Leben

Familie, Herzog von Friaul

Anselm entstammte über die weibliche Linie einer königlichen Familie, wahrscheinlich derjenigen König Liutprands, über die männliche war er wahrscheinlich mit Wechtari verwandt, einem der Herzöge des Friaul. Ein anderer Wechtari war der Vater von Anselms Bruder Adoin, wie aus einer Urkunde des Jahres 820 hervorgeht.[1] Zugleich war er der Schwager des späteren Königs Aistulf, der seine Schwester Gisaltruda geheiratet hatte.

Als Aistulf König wurde, erhob er Anselm zum Herzog von Friaul. Von Aistulf erhielt er Land zum Geschenk, auf dem er 750 das Kloster Fanano errichten ließ.[2] Möglicherweise war Anselm jedoch nicht Herzog des Friaul, sondern Herzog von Ceneda, wo später Ursus, Sohn des Munichis amtierte.

Diesen erwähnt Paulus Diaconus in seiner Historia Langobardorum in einem ganz anderen Zusammenhang: Als nämlich das vom seinerzeitigen Herzog Ferdulf gedungene Slawenheer das herzogliche Heer besiegte, „Ibi omnis nobilitas periit Foroiulanorum“, der gesamte Adel des Friaul sei also dabei untergegangen. Paulus erwähnt allerdings, dass der Langobarde Munichis, Vater der späteren Herzöge Petrus und Ursus, tapfer gestritten habe. Der Verfasser meint ausdrücklich, er habe diesen Bericht aufgenommen, damit sich derartiges nicht wiederhole (Historia Langobardorum, liber VI, 24).

Benediktiner, Abt von Nonantola (752), Belagerung Roms

Im Jahr 751 legte er seine weltlichen Würden ab und trat in Rom dem Benediktinerorden bei. Darauf wurde er von Papst Stephan II. 752 zum ersten Abt der von ihm und Aistulf gegründeten Abtei Nonantola ernannt. Die Reliquien des hl. Papstes Silvester I. ließ Anselm im Jahre 756 von Rom nach Nonantola übertragen. Anselm gründete mehrere Hospize.

Anselm begleitete Aistulf während der Belagerung Roms von Dezember 755 bis Januar 756. Mit der Schändung der Gräber durch die Truppen des Königs, die an der Via Salaria lagerten, steht sicherlich auch der Diebstahl der Reliquie des heiligen Silvester in Zusammenhang, die aus den nahe gelegenen Katakomben entwendet wurde. Diesen Raub deutete die spätere Überlieferung – wie auch sonst das Kloster eine Reihe von Dokumenten fälschen ließ – zum Geschenk Hadrians I. aus dem Jahr 776 um. Das Kloster nahm den Namen des Heiligen an. Dies führt zu einem schwer auflösbaren Widerspruch, denn es ist bekannt, dass der Leichnam Silvesters im Jahr 761 von Paul I. zusammen mit dem des Heiligen Stephanus in das römische Kloster überführt wurde, das später den Namen San Silvestro in Capite erhielt. Vielleicht nahmen die Langobarden, in der Annahme, die Gebeine des Heiligen Silvester zu entwenden, stattdessen andere Gebeine mit, oder sie raubten nur einen Teil des Leichnams.

Verbannung nach Montecassino unter Desiderius (758, bzw. 761)

König Desiderius enthob den Abt seines Amtes und verbannte ihn im Jahr 758 nach Montecassino. Laut dem Catalogus regum Langobardorum et Italicorum begann zu diesem Zeitpunkt das Exil Anselms in Montecassino, der beim neuen Herrscher in Ungnade gefallen war. Er musste dort während der gesamten Herrschaftszeit des neuen Königs bleiben. Schon die älteste Fassung des Catalogus abbatum Nonantulanorum, die zwischen 933 und 941 entstand, gibt für die Dauer der Verbannung allerdings nur sieben Jahre an.

Ein Diplom Desiderius‘, datiert in das Jahr 758 – sicherlich gefälscht, aber wahrscheinlich auf der Grundlage eines verlorenen Originals erstellt, so Pratesi – ist noch immer an den „venerabilis vir Anselmus abbas“ adressiert, während ein Dokument vom Mai 762 einen in den Katalogen unbekannten Abt „Silvester“ nennt, an den auch ein Diplom von Adelchis aus dem Jahr 771 oder 772 adressiert ist. Demzufolge ist es also wahrscheinlich, dass Anselm nicht unmittelbar nach der Thronbesteigung des Königs ins Exil gezwungen wurde, sondern erst nach 758, vielleicht in der Zeit zwischen 760 und 761. Im Kloster wurde der Abt „Silvester“ vielleicht nie anerkannt, was erklären könnte, warum er in den Abtskatalogen nicht erscheint. Anselm hatte seine Aufgaben an Vigilantius übertragen, der jedoch nie beanspruchte, Abt zu sein.

Rückkehr nach Nonantola unter Karl dem Großen (774–803)

Nach der Eroberung des Langobardenreiches durch Karl den Großen konnte er 774 sein Amt als Abt von Nonantola wieder aufnehmen. Von der weiteren Tätigkeit Anselms ist fast nichts überliefert. Nachdem die Langobardenhauptstadt Pavia erobert und Desiderius abgesetzt worden war, stieß König Karl erneut auf Widerstand durch den Herzog von Brescia und Neffen des Königs. Der fränkische König, der den Rebellen vergebens drohte, versuchte es unter Vermittlung von Anselm. Die Gesandtschaft blieb jedoch erfolglos.

Am 3. März 803 starb Anselm in seinem Kloster. Er wird in der katholischen Kirche als Heiliger und Schutzpatron der Stadt Nonantola verehrt. Sein Gedenktag ist dementsprechend der 3. März.

Literatur

Anmerkungen

  1. Alessandro Pratesi: Anselmo di Nonantola, santo, in: Dizionario Biografico degli Italiani, Bd. 3, 1961, S. 413–415, hier: S. 413.
  2. Herbert Zielinski: Aistulf, in: Lexikon des Mittelalters, Bd. I, dtv, 1999, Sp. 246 f.
VorgängerAmtNachfolger
AistulfHerzog von Friaul
749–751
Petrus