Anna Gordosné Szabó
Anna Gordosné Szabó (* 7. Juli 1928 als Anna Szabó in Debrecen, Königreich Ungarn; † 18. November 2012 in Budapest)[1] war eine ungarische Sonderpädagogin, Autorin und Chefredakteurin der Fachzeitschrift Gyógypedagógiai Szemle (deutsch Sonderpädagogische Rundschau).
Lebensbeginn und Ausbildung
Ihre Eltern waren beide Lehrer. Sie unterrichteten an der örtlichen Grundschule und wohnten dort in der Lehrerwohnung. Nach der Grundschule absolvierte sie die Oberstufe in Hajdúböszörmény und besuchte anschließend das Gymnasium. Danach studierte sie Lehramt in Nagyvárad. Ihre Idee Arzt zu werden, verwarf sie.
Wegen des Zweiten Weltkriegs musste sie ihr Studium jedoch unterbrechen und die Familie floh nach Budapest. Nach dem Krieg zogen sie zurück nach Debrecenbe, wo sie 1947 ihr Lehrdiplom am Dóczi-Lehrerkolleg erhielt. Im Laufe des Studiums befasste sie sich mit der Sonderpädagogik und wollte dann auch Sonderpädagogin werden.
Anschließend beschloss sie die Hochschule für Sonderpädagogik zu besuchen. Ihr Vater fuhr deshalb nach Budapest, wo er Gusztáv Bárczi traf und mit ihm über die Aufnahme seiner Tochter sprach. Sie erhielt daraufhin Unterkunft und Vollpension im staatlichen Wohnheim in der Nähe der Schule und ein monatliches Kindergeld von 18 Forint.
Karriere
Zu ihrer Zeit gab es kein Zulassungssystem für das Kolleg und sie wurde auf Antrag aufgenommen. In ihrem Jahrgang gab es etwa 30 Studenten. Die Ausbildung am Kolleg war damals mit der Ausbildung im Sonderpädagogischen Dienst vergleichbar, und Bárczi versuchte, die Studenten aus den für den Dienst vorgesehenen Mitteln zu finanzieren. Darüber hinaus unterstützte er das Kolleg hauptsächlich mit Spenden u. a. des Roten Kreuzes.
Ihr Lehrer waren neben Bárczi auch József O. Vértes, Gyula Lazíczius, Dezső Kanizsai, András O. Vértes und Pál Roboz. Zu dieser Zeit gab es auch noch keine Lehrbücher, sondern nur ein paar litographierte Notizen, sodass sie mit ihren Mitschülern anhand der Vorlesungsnotizen lernte.
1949 schloss sie ihr Studium ab und wollte nach Debrecenbe zurückkehren, um am Institut für Gehörlose anzufangen. Bárczi bat sie jedoch, an der Hochschule zu bleiben und die akademische Abteilung zu organisieren, da die Abteilung damals noch sehr unterbesetzt war. So arbeitete sie bis Dezember 1952 dort, dann wurde sie auf Ersuchen von Bárczi und des Ministeriums für öffentliche Bildung in die Abteilung für Lehrerausbildung des Ministeriums als administrativer Hauptdozent der Hochschule für Sonderpädagogik versetzt. Der erste Schritt in ihrer Tätigkeit war die Umstellung der verkürzten dreijährigen Ausbildung auf 4 Jahre und die Ausarbeitung eines neuen Lehrplans.
In den 1950er Jahren wurde Tibor Lovász Direktor der Hochdchule und sie stellvertretende Direktorin. Unter Viktor Göllesz und später unter Flóra Illyés Gyuláné Kozmutza arbeitete sie weiter als Abteilungsleiter. Nachdem Ruhestand von Frau Illyés Gyuláné 1979 wurde sie Generaldirektor und blieb dies bis 1991. Dann folgte ihr Sándor Illyés als Generaldirektor.
Zusammen mit Illyés erstellte sie 1992 einen neuen Lehrplan. Nachdem dieser Entwurf von Zsuzsa Mesterházi, Yvonne Csányi, Ágnes Lányiné Engelmayer und Illyés unterzeichnet worden war, ging sie in den Ruhestand.
Einfluss auf die Schwerhörigenpädagogik
Anna Gordosné Szabó führte die Sonderpädagogik als Wissenschaft in Ungarn ein und schrieb ihr Wissen in Bücher und Artikel nieder. Sie veröffentlichte unzählige Schriften und Bücher.[2]
In ihren Büchern fasst sie die Sonderpädagogik zusammen, in dem sie darstellt, wer ein Mensch mit Behinderung ist, welche Art von Behinderungen er haben kann und wie man Menschen mit Behinderung unterrichtet.
Sie befasste sich auch ausführlich mit dem rechtlichen Hintergrund der Sonderpädagogik, beschrieb die verschiedenen Institutionen und fasste die Arbeit der nationalen Experten- und Rehabilitationskommissionen kurz zusammen.
Darüber hinaus befassen sich mehrere ihrer Werke mit der Geschichte der Sonderpädagogik.
2013 wurde posthum ihre Studie über Pál Ranschburg unter dem Titel Ranschburg Pál folyamatos jelenléte a 110 éves magyar gyógypedagógusképzésben – és "elmélkedés" a képzés jövőjéről veröffentlicht.[3]
Werke
- Bevezetés a gyógypedagógiába. Budapest : Nemzeti Tankönyvkiadó, 1996.
- Bevezető : általános gyógypedagógiai ismeretek. Budapest : Nemzeti Tankönyvkiadó, 2004
- Gyógypedagógia. Budapest : Tankönyvkiadó, 1982
- A gyógypedagógia általános elméletének alapjai. Budapest : Tankönyvkiadó, 1977.
- Gyógypedagógia-történet I. Budapest : Tankönyvkiadó, 1991.
- Gyógypedagógia-történet II. Budapest : Tankönyvkiadó, 1983.
- Szemelvénygyűjtemény a „Gyógypedagógia-történet”-hez. Budapest : Tankönyvkiadó, 1991. (Első kiad. 1972)
- Szemelvénygyűjtemény az Andragógia c. tantárgyhoz : a Szociális Szervező Szak számára. Budapest : Tankönyvkiadó, 1975. 217 p.
- Látássérültek Magyarországon : a Magyar Vakok és Gyengénlátók Országos Szövetsége 80. születésnapjára. Budapest : Magyar Vakok és Gyengénlátók Országos Szövetsége, 1998. 240 p. ISBN 963 03 8088 9
- Gyógyító pedagógia : nevelés és terápia. Budapest : Medicina, 2004. 586 p. ISBN 963 242 757 2
Weblinks
- Gordosné dr. Szabó Anna | főiskolai tanár, főigazgató, a Gyógypedagógiai Szemle alapító főszerkesztője, gyógypedagógia-történet kutató. Webseite über Anna Gordosné Szabó inkl. Lebenslauf. (ungarisch).
- Bánfalvy Csaba - Szauder Erik - Zászkaliczky Péter: Gyógypedagógus - történetek. Budapest: ELTE Eötvös Kiadó, 2006.
- Tágabb értelemben vett gyógypedagógia : a fogyatékosság jelensége a gyógypedagógia határtudományaiban : tanulmányok Gordosné Szabó Anna tiszteletére / szerk. Zászkaliczky Péter, Verdes Tamás. Budapest : Eötvös Loránd Tudományegyetem Bárczi Gusztáv Gyógypedagógiai Főiskolai Kar : Kölcsey Ferenc Protestáns Szakkollégium, 2004. 638 p. ISBN 963 463 682 9
- Gordosné Dr. Szabó Anna interjú első rész
- Gordosné Dr. Szabó Anna interjú második rész
Einzelnachweise
- ↑ Elhunyt Gordosné dr. Szabó Anna, ELTE.hu
- ↑ Gordosné Szabó Anna: Illyés Gyuláné dr. Kozmutza Flóra, az alapító, Gyógypedagógiai Szemle, 2007. Archiviert vom am 4. März 2014; abgerufen am 26. November 2011 (ungarisch).
- ↑ Lásd Ranschburg Pál és a magyar pszichológia. Ranschburg Pál (1870-1945). Szerk. Lányi Gusztáv. Budapest, ELTE Eütvös Kiadó. 2013. 89-112. p.