Anita Gura

Anita Gura, verheiratete Anita Gura-Dörnke (* 20. Februar 1911 in Berlin; † 7. August 1978 in Bad Salzschlirf), war eine deutsche Opernsängerin (Sopran).

Leben

Herkunft

Anita Gura stammt aus einer Familie von Opernsängern. Ihr Großvater war Eugen Gura (1842–1906), königlich bayerischer Kammersänger und Wagner-Sänger. Aus dessen Ehe mit Theresia Maria Gura (1838–1908) ging der Vater von Anita Gura, der mecklenburgische Kammersänger, Bariton und Opernregisseur Hermann Gura (1870–1945) hervor. 1909 heiratete dieser die Mutter von Anita Gura, die Sopranistin Annie Gura-Hummel (1884–1964).

Werdegang

Ihre gesangliche und dramatische Ausbildung erhielt Anita Gura bei ihrem Vater.[1] Nachdem Gura zunächst ab Herbst 1928 bei der Wanderoper ihres Vaters mitgewirkt hatte[2], wurde sie 1931 an die Städtische Oper in Berlin-Charlottenburg verpflichtet, wo sie u. a. als „Micaela“ in Carmen und als Undine in Lorzings Oper Proben ihres Talents abgelegt hat.[3]

Ihre jugendlich-lyrische Stimme verfügte über dramatische Akzente, aber entscheidend für ihre Künstlerschaft war die glückliche Verbindung eines schönen Materials mit einer wohl studierten Beherrschung aller Ausdrucksmöglichkeiten.[4]

Seit 1935 war Gura Mitglied des Opernhauses Hannover, an dem sie 21 Jahre sang. Auch bei Gastspielen hatte sie ihre Erfolge, vor allem an der Staatsoper Hamburg, an der sie 1936 als „Lola“ in Cavalleria rusticana und als „Nedda“ im Bajazzo, 1937 als „Elisabeth“ in Tannhäuser, 1939 als „Komponist“ in Ariadne auf Naxos und 1940 als „erste Norn“ in der Götterdämmerung gastierte.

Zu ihren bevorzugten Partien zählten die „Marie“ in der Verkauften Braut von Smetana, die „Desdemona“ in Verdis Othello, die Titelfigur in Lortzings Undine, die „Gräfin“ in Figaros Hochzeit und die Titelpartie in „Madama Butterfly“.

Die Wandlungsfähigkeit ihrer Stimme zeigte sich in einem Bühnenrepertoire, das 117 Partien umfasste: So sang sie in Hänsel und Gretel den „Hänsel“, die „Gretel“, die „Mutter“, das „Sandmännchen“ und das „Taumännchen“ und zuletzt sogar die „Hexe“.[5]

Familie

1938 heiratete sie den Kaufmann Richard Dörnke (1890–1954) in Hannover. Aus der Ehe gingen ein Sohn und eine Tochter. Nach ihrer Heirat trat sie auch unter dem Namen Anita Gura-Dörnke auf.

Bis 1973 wirkte sie als Konzertsolistin und als Pädagogin in Hannover, dann zog sie sich nach Bad Salzschlirf zurück, wo sie, bis zu ihrem Tod 1978, bei ihrer Tochter und deren Familie lebte.

Tondokumente

Von Anita Gura sind lediglich fünf Schellackplatten für die Firma Telefunkenplatte nachgewiesen.[6] Sie wurden sämtlich in der Berliner Singakademie aufgenommen.

  • 14. Februar 1934

Chor der Städtischen Oper Berlin, Berliner Philharmoniker. Dirigent: Wilhelm Franz Reuss
Der Vogelhändler (Zeller): Querschnitt, Teil 1 und 2. Mit Anni Frind (Sopran) und Willi Wörle (Tenor).
Telefunken E 1614 (Matrizennummer 019600/01)

  • 16. April 1934

Chor und Orchester der Städtischen Oper, Berlin. Dirigent: Wilhelm Franz Reuss
Der Zigeunerbaron (Johann Strauss). Querschnitt, Teil 1 und 2. Mit Peter Anders (Tenor).
Telefunken E 1673 (019779/80). Auch auf Eterna F 22383

  • 21. August 1935

Chor des Deutschen Opernhauses Berlin. Berliner Philharmoniker. Dirigent: Hans Schmidt-Isserstedt
Die lustige Witwe (Lehár). Querschnitt, Teil 1 und 2. Mit Peter Anders (Tenor).
Telefunken E 1866 (020885/86)

Tiefland (d’Albert): Querschnitt, Teil 1 und 2. Mit Carla Spletter (Sopran), Peter Anders (Tenor) und Hanns-Heinz Nissen (Bariton).
Telefunken E 1873 (020887/88)

  • 21. August 1935

Berliner Philharmoniker. Dirigent: Kurt Schröder
„Sie schrieben mir“ aus: Eugen Onegin. In: Komponisten-Bildnis: Peter Tschaikowsky, 1. Teil.
Telefunken E 1888 (020889)

Literatur

  • Gura, Anita in: Karl-Josef Kutsch, Leo Riemens, Hansjörg Rost: Großes Sängerlexikon. Vierte, erweiterte und aktualisierte Auflage. K. G. Saur, München 2003, ISBN 3-598-11598-9 (7 Bände). S. 1897.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Kreuzzeitung, 4. Juli 1934
  2. 26. Oktober 1953: Anita Gura-Dörnke, 25jähriges Bühnenjubiläum in: Deutsches Bühnen-Jahrbuch 1955, S. 58
  3. Berliner Nachtausgabe, 17. Juni 1933
  4. Kreuzzeitung, 4. Juli 1934
  5. Karl-Josef Kutsch, Leo Riemens, Hansjörg Rost: Großes Sängerlexikon. K. G. Saur, München 2003, ISBN 3-598-11598-9, S. 1897
  6. Katalog der Deutschen Nationalbibliothek [1]