Andrew Duncan (Mediziner, 1773)

Andrew Duncan (* 10. August 1773 in Edinburgh; † 13. Mai 1832) war ein schottischer Arzt und Hochschullehrer an der University of Edinburgh.[1]

Leben

Duncan wurde in Edinburgh als Sohn von Andrew Duncan dem Älteren geboren.[1] Er zeigte früh eine Neigung zur Medizin und lernte bei den edinburgher Chirurgen Alexander und George Wood von 1787 bis 1792 Medizin.[1][2.1] Er schloss sein Studium 1793 an der Universität Edinburgh mit M.A. und wurde 1794 M.D. promoviert.[1] 1794 bis 95 vertiefte er seine Studien in London an der Windmill Street School unter Matthew Baillie[2.1] und William Cumberland Cruikshank und besuchte für zwei längere Perioden auch das europäische Festland, wo er an den medizinischen Schulen in Göttingen, Wien, Pisa, Neapel und einigen anderen Studienaufenthalte verbrachte.[1] Während dieser Aufenthalte lernte er Persönlichkeiten wie Johann Friedrich Blumenbach, Johann Peter Frank, Antonio Scarpa, Lazzaro Spallanzani und weitere kennen.[1] Als er nach Edinburgh zurückkehrte, war er für die damalige Zeit außergewöhnlich gut mit den Sprachen und den Kollegen auf dem Kontinent vertraut.[1]

Nach seiner Rückkehr wurde er als Fellow des Royal College of Physicians of Edinburgh berufen und nahm eine Stelle an der Royal Public Dispensary an.[1] Außerdem unterstützte er seinen Vater bei dessen Werk (Annals of Medicine).[1][2.2] Später wechselte er an das Fever Hospital im Queensberry House.[1] 1803 verlegte er das Edinburgh New Dispensatory, eine deutlich verbesserte Auflage der Arbeit des Chemikers William Lewis.[1] Das Buch gewann schnell an Popularität und erlebte 1822 seine zehnte Auflage.[1] Es wurde nach Deutsch und Französisch übersetzt und in den USA mehrfach aufgelegt.[1] Die notwendigen Aktualisierungen konsumierten einen erheblichen Teil von Duncans Zeit.[1] Zudem übernahm er ab 1805 die Redaktion des Edinburgh Medical and Surgical Journal.[1][2.3]

Seine Erfahrungen auf dem Kontinent hatten in Duncan die Überzeugung gefestigt, dass die Beziehungen von Staat und Medizin vertieft werden müssten, insbesondere im Zusammenhang mit der Strafgerichtsbarkeit.[1] Er trug seine Argumente mehrere Jahre bei jeder sich bietenden Gelegenheit vor.[1] Als Georg III. 1807 die Regius Professor of Forensic Medicine stiftete, war Duncan der Kandidat der Wahl.[1][2.4][2.1] Zwar war die Entlohnung aus der königlichen Kasse mit GBP 100 dotiert, aber der Besuch der Vorlesungen war nicht zwingend.[1] Duncan musste also neben der Professur weitere Positionen erfüllen.[1] So wirkte er von 1809 bis 1822 als Sekretär des Senatus und Bibliothekar der Universität.[1] Von 1816 bis zu seinem Tod war er ein aktives Mitglied der Baukommission der Universität.[1] 1819 gab er die Professur auf und übernahm gemeinsam mit seinem Vater den Lehrstuhl der Institutes of Medicine.[1][2.5] Sein Nachfolger in der Forensik-Professur wurde William Pulteney Alison.[2.1] 1821 wurde er ohne Gegenkandidat zum Professor of Materia medica gewählt.[1][2.5] Dies war seine letzte Professur, in der er unermüdlich weiterarbeitete, sowohl die britischen als auch die Veröffentlichung des Kontinents studierte und seine Vorlesungen verbesserte.[1] Seine wichtigste Arbeit war die Isolierung von Cinchonin aus der Chinarinde.[1][3]

Duncans Schriften und seine kultivierte Art machten ihn zu einer Berühmtheit nicht nur auf den britischen Inseln, sondern auch auf dem Kontinent von wo ihn viele Besucher erreichten.[1] Seine Arbeiten waren origineller als die seines Vaters, aber er verfügte nicht über dessen eiserne Konstitution.[1]

1827 erkrankte Duncan an einem Fiber und seine Kräfte schwanden nach und nach.[1] Er lehrte weiter Materia Medica, bis er am 13. Mai 1832 in Edinburgh verstarb.[1]

Bibliografie

Duncan veröffentlichte viele Artikel im eigenen Journal und schrieb gelegentlich für die Edinburgh Review

  • ab 1803: Edinburgh New Dispensary (mehrere Auflagen und Übersetzungen)
  • 1809: Treatise on the Diseases which are incident to Sheep in Scotland
  • 1818 Reports of the Practice in the Clinical Wards of the Royal Infirmary of Edinburgh

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab ac ad George Thomas Bettany: Duncan, Andrew (1773–1832). In: Dictionary of National Biography, 1885–1900, Volume 16. Abgerufen am 4. Januar 2022 (englisch).
  2. John D. Comrie: History of Scottish Medicine in Two Volumes. 2. Auflage. Band 2. The Wellcome Historical Medical Museum, London 1932.
    1. a b c d S. 623.
    2. S. 508.
    3. S. 507.
    4. S. 473.
    5. a b S. 607.
  3. Johann Samuel Ersch, Johann Gottfried Gruber: Allgemeine Encyklopädie der Wissenschaften und Künste in alphabetischer Folge. 79. Teil. F.A. Brockhaus, Leipzig 1865, S. 262.