Materia medica

Materia medica (lateinisch für „heilende Materie[1]) ist die historische Bezeichnung für Textsammlungen über die Wirkung von Substanzen, die zu Heilzwecken verwendet werden. Die (Arznei-)Mittel, deren Wirkungen in Materiae medicae beschrieben wurden, stammen aus den drei Naturreichen (Pflanzen, Tiere, Mineralien) und wurden entsprechend geordnet.[2] Die Bezeichnung leitet sich aus der lateinischen Übersetzung des Titels eines Werkes des griechischen Arztes Pedanios Dioskurides ab: De materia medica, original griechisch Περὶ ὕλης ἰατρικῆς Perí hýles iatrikés. Das mit knapp 400 Seiten umfangreichste Werk des Mittelalters in deutscher Sprache[3] stellt die Handschrift Nr. 1224 der Leipziger Universitätsbibliothek dar,[4] das sogenannte Leipziger Drogenkompendium.

Der Begriff „Materia medica“ wurde international[5] bis ins 20. Jahrhundert verwendet und allmählich durch Pharmakologie oder im Deutschen auch durch „Arzneimittellehre“ ersetzt. In der Homöopathie wird „Materia medica“ weiterhin zur Bezeichnung der homöopathischen Arzneimittellehre benutzt.

Literatur

  • Thomas Richter: Materia medica. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. (2005), Band 2: H–N. De Gruyter, Berlin 2007, S. 895–896.

Einzelnachweise

  1. Vgl. auch Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 422 (zu mittelhochdeutsch matërje und matërge bzw. materij, matirg und matörge: ‚Materie, Arzneimittelsubstanz‘.
  2. Thomas Richter: Materia medica. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. (2005), Band 2: H–N. De Gruyter, Berlin 2007, S. 895–896.
  3. Johannes G. Mayer: ‚Circa instans‘ deutsch. Beobachtungen zum Leipziger Kodex 1224, dem bislang umfangreichsten Kräuterbuch in deutscher Sprache vor dem Buchdruck. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen. Band 13, 1995, S. 67–73.
  4. Johannes Gottfried Mayer: Das ›Leipziger Drogenkompendium‹ (Leipzig, Universitätsbibliothek, Cod. 1224) und seine Quellen ›Circa instans‹, ›Aggregator‹ (Pseudo-Serapion), ›Macer floridus‹ (bzw. ›Älterer deutscher Macer‹), ›Liber graduum‹ (Constantin) und ›Liber iste‹. In: Johannes Gottfried Mayer, Konrad Goehl (Hrsg.): Editionen und Studien zur lateinischen und deutschen Fachprosa des Mittelalters. Festgabe für Gundolf Keil zum 65. Geburtstag (= Texte und Wissen. Band 3). Königshausen & Neumann, Würzburg 2000, ISBN 3-8260-1851-6, S. 207–263.
  5. Martin Levey: Some aspects of the nomenclature of Arabic materia medica. In: Bulletin of the History of Medicine. Band 37, 1963, S. 130–138.