Andreas Mayr (Maler)

Andreas Mayr (* 30. November 1820 in Unterthingau; † 12. November 1893 ebenda) war ein deutscher Kirchen- und Historienmaler im Kunststil der Nazarener.

Leben

Zunächst war Andreas Mayr Schüler von Franz Sales Lochbihler in Wertach. Ab 1843 studierte er an der Münchner Akademie bei Heinrich Maria von Hess und Joseph Schlotthauer.[1] Von 1846 bis 1853 war er Mitarbeiter Johann Schraudolphs bei der Ausmalung des Kaiserdoms zu Speyer im Auftrag von König Ludwig I.[2] In Speyer war Andreas Mayr Mitglied des Clubs „Schnakengesellschaft“, der seit 1847 aus den Dommalern und kunstinteressierten Bürgern bestand. Ein von Andreas Mayr mitunterzeichneter Aufruf Anfang 1848 zur Gründung eines pfälzischen Kunstvereins war unter anderem wegen der Märzrevolution nicht erfolgreich.[3]

Nach 1853 betätigte er sich an der Königlichen Hofkunstanstalt für Glasmalerei in München und wurde deren Direktor.[4] Für die St.-Pauls-Kirche in Cambridge lieferte er sechs Vorlagen für Glasgemälde.

Im Anschluss an eine längere Reise nach Italien zog es ihn wieder in sein Elternhaus zurück. Ab 1862 lebte Andreas Mayr, den tiefe Religiosität auszeichnete, wieder in seinem Heimatort Unterthingau (Atelier im mittleren Zimmer des oberen Stockwerks von Haus Nr. 87½, jetzt Kemptener Straße 12). Von hier aus führte er eine große Zahl von Aufträgen vorwiegend für Kirchen des Ostallgäus aus. Mayr war Mitglied des Münchner Vereins für Christliche Kunst.[5] Dass er auch ein gefragter Porträtmaler war, wurde bei der „Gemälde-Ausstellung zu Heimatkünstlern in Unterthingau“ im Mai 1929 deutlich, wo posthum 58 von ihm gemalte Porträt-Bilder gezeigt wurden (darunter auch zwei Selbstporträts).[6]

Seine Arbeiten sind heute vor allem in Kirchen zu finden. Das Stadtmuseum Kaufbeuren besitzt mehrere Bilder von Andreas Mayr. Ausgestellt sind unter anderem zwei Porträts seiner Mutter Creszentia Mayr, eines davon 1838 datiert, also vom 18-Jährigen gemalt. Auch im Schloss Unterthingau hängen Gemälde von ihm.

Werkliste (Auswahl)

  • 1856: Kapelle St. Georg in Buchenberg, Altarblatt
  • 1858: Pfarrkirche St. Nikolaus in Unterthingau, Hochaltarblatt
  • 1862: Filialkirche St. Georg in Bodelsberg, Altarblatt
  • 1867: Pfarrkirche St. Georg in Unterbechingen, drei Altarblätter
  • 1868: Filialkirche St. Sebastian in Burk, drei Altarblätter
  • 1870/1880: Pfarrkirche St. Nikolaus in Unterthingau, Ausmalung des Chorgewölbes
  • 1871/1872: Pfarrkirche St. Michael in Bertoldshofen, drei Altarblätter
  • 1874: Erzengel Michael (60 × 38 cm, Öl auf Leinwand, am 10. September 2021 bei Hargesheimer Kunstauktionen Düsseldorf versteigert)
  • 1875: Kreuzabnahme (62 × 71 cm, Öl auf Kupfer, am 9. Mai 1992 bei Kunstauktionshaus Schloss Ahlden versteigert)
  • 1884: Filialkirche Mariä Heimsuchung in Hochgreut, zwei Seitenaltarbilder
  • 1885: Kapelle St. Antonius in Westerried, Altarblatt

Ohne Datierung:

  • Maria Trost bei Unterthingau, Seitenaltarblatt
  • Seine wohl bedeutendste Madonna mit Kind soll sich im Prinz-Carl-Palais in München befinden oder befunden haben.

Fresken im Mittelschiff des Speyerer Doms

  • 1851: Flucht nach Ägypten
  • 1851: Geburt Christi
  • 1852: Jesus in Nazareth bei seinen Eltern
  • 1852: Tempelgang Mariae
  • 1853: Noahs Dankopfer
  • 1853: Die Weissagung des Jesaias

Literatur

  • Clemens Jöckle: Münchner Nazarener in der Pfalz. In: Die Nazarener. Vom Tiber an den Rhein (Katalog zur Nazarener-Ausstellung im Landesmuseum Mainz vom 10. Juni bis 25. November 2012), S. 25–33. Schnell & Steiner, Regensburg 2012, ISBN 978-3-7954-2602-6
  • Herbert Wittmann: Kirchenführer Ostallgäu und Kaufbeuren. Edition Atlantis, Freiberg, 2. Aufl. 2017, ISBN 978-3-9327-1155-8
Commons: Andreas Mayr – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Artikel "Mayr, Andreas", in: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 24: Mandere–Möhl, Leipzig 1930, S. 462.
  2. Jochen Zink: Ludwig I. und der Dom zu Speyer, München 1986, S. 25.
  3. Clemens Jöckle: Münchner Nazarener in Pfalz. In: Die Nazarener. Vom Tiber an den Rhein, Regensburg 2012, S. 28.
  4. Artikel "Mayer, Andreas", in: Allgemeines Künstler-Lexikon, Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler, Bd. 3, Lhérie – Quittry, Frankfurt 1898, S. 146.
  5. Verein für christliche Kunst in München (Hrsg.): Festgabe zur Erinnerung an das 50jähr. Jubiläum. Lentner’sche Hofbuchhandlung, München 1910, S. 110.
  6. Führer durch die anlässlich des 150. Geburtstages von Johann Georg Schilling stattfindende Gemälde-Ausstellung der Heimatkünstler von Unterthingau, Unterthingau 1929.