Andreas Herber

Andreas Herber (* um 1530; beerdigt am 12. Mai 1614 in Kassel) war ein Bildhauer, Bildschnitzer, Steinmetz und Modelschnitzer[1] der Spätrenaissance. Er gehörte der hessischen Bildhauerdynastie Herber an.

Leben

Andreas Herber war nach der älteren Forschung von Carl Knetsch ein Nachkomme von Johann Herber, der 1460 vom hessischen Landgrafen Ludwig I. als Werkmeister angestellt wurde, vermutlich Zimmermann war und 1463 erneut angestellt werden sollte, wie Karl E. Demandt richtigstellte. 1551 wurde Andreas Herber als Bildschnitzer erstmals urkundlich erwähnt. Aus der ersten seiner insgesamt drei kinderreichen Ehen stammen zwei Söhne, die in seiner Werkstatt mitarbeiteten. Antonius Herber (* 1588; begraben 24. Oktober 1635) und Jorge Herber (* getauft 18. Oktober 1565; begraben am 1. Juli 1611) waren enge Mitarbeiter in der Künstlerwerkstatt von Andreas Herber. Andreas Herber verstarb in Kassel, wo er am 12. Mai 1614 beerdigt wurde.

Werke

Andreas Herber schuf zahlreiche Grabdenkmäler. Bezeichnet hat er Grabdenkmäler in der St.-Nicolaus-Kapelle in Netze bei Waldeck, einige mit der Signatur Andreas Herber, Bildhawer in Cassel. Das in der älteren Forschung als sein Werk geltende monumentale Grabdenkmal in der ev. Stadtkirche in Bad Wildungen wurde bald durch Hermann Steinmetz als Werk von Georg Schellenberg nachgewiesen. Bemerkenswert, aber leider teils zerstört, teils überarbeitet sind die Grabdenkmale der Grablege der Riedesel zu Eisenberg, heute in der ev. Kirche von Lauterbach (Vogelsberg).

Für die Lutherkirche in Kassel, die Kirchen in Kirchberg, Wichdorf, Trendelburg, Hessisch-Oldenburg (Schauenburg) und Fischborn gestaltete er Grabdenkmäler, die mit dem Monogramm AB (in Ligatur) bezeichnet wurden; AB ist aufzulösen in Andreas Bildschnitzer, wie er sich auch selbst nennt. Ein Brustbild von 1572 für die Kasseler Altstädter Ratsstube ist urkundlich erwähnt, aber nicht erhalten. Zwei Epitaphe der Kasseler Brüderkirche werden seiner Werkstatt zugeschrieben. 1577 schuf er ein mit einem Monogramm gesichertes Wappen am Treppenturm im Schloss Waldeck. Zugewiesen wurden ihm auch die Wappen am Kasseler Zeughaus und die Büste des hessischen Landgrafens Wilhelm IV. in der Nische mit Karyatiden von 1583. Das Wappen am Elisabethhospital von 1587 in Kassel wurde ihm ebenfalls zugeschrieben. Das Renaissanceportal des Fritzlarer Hochzeitshauses stammt aus dem Jahr 1590. Für den Friedhof in Naumburg schuf er ein signiertes Portal mit fünf gesicherten Wappen.

Stilistisch werden der Werkstatt von Andreas Herber Grabdenkmäler und ähnliche Grabdenkmale in Lauterbach, Schlitz, Fischborn, Büdingen u. a. Orten zugeschrieben. Die Todesdaten der Grabdenkmäler weisen seine Werke als Kunstwerke des letzten Drittels des 16. Jahrhunderts aus. Darüber soll er, wie anhand eines ihm zugeschriebenen Models vermutet wird, Holzmodelle für die Ofenplattenproduktion der hessischen landgräflichen Eisenhütte in Lippoldsberg geschaffen haben.

Literatur

  • Sonja Hermann: Das Epitaph für Philipp Konrad von Viermund von 1596 im Paderborner Stadtmuseum. Ein bislang unbekanntes Werk des Kasseler Bildhauers Andreas Herber, in: Westfälische Zeitschrift, 2019, S. 235–255.
  • Norbert Zimmermann: Andreas Herber – Kasseler Bildhauer des 16. Jahrhunderts. In: Mitteilungen. Hessische Akademie der Forschung und Planung im ländlichen Raum. Heft 4, März 2012, S. 28 ff. (mit weiterer Literatur)
  • Karl E. Demandt: Der Personenstaat der Landgrafschaft Hessen im Mittelalter, Marburg, 1981, S. 335–336.
  • Hermann Steinmetz: Von wem ist das Denkmal des Grafen Samuel in der Stadtkirche zu Bad Wildungen?, in: Geschichtsblätter für Waldeck, 1955, Bd. 47, S. 135–138.
  • Walter Kramm: Andreas Herber und seine Kasseler Bildhauerwerkstatt, Melsungen, 1932; zugleich: Dissertation Universität Marburg, 1930.
  • Herber, Andreas. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 16: Hansen–Heubach. E. A. Seemann, Leipzig 1923, S. 446 (biblos.pk.edu.pl).
  • Carl Knetsch: Die Casseler Bildhauerfamilie Herber, in: Hessenkunst, 1923, S. 40–45.
  • Hermann Knodt: Die Grabdenkmäler in der Lauterbacher Stadtkirche, in: Geschichtsblätter für den Kreis Lauterbach, 1918–1921, Bd. 3.

Einzelnachweise

  1. Der Model (von latein. modulus) ist im Gegensatz zum Modell eine Negativform. Siehe im Wikipedia-Artikel "Schnitzen" unter Model-Schnitzen.