AnNa R.

AnNa R. (bürgerlich Andrea Neuenhofen, * 25. Dezember 1969 als Andrea Rosenbaum in Ost-Berlin; † vor oder am 16. März 2025 in Berlin) war eine deutsche Sängerin und Texterin. Sie wurde als Mitglied des Duos Rosenstolz bekannt. Daneben war sie auch als Solokünstlerin aktiv und gründete die Band Gleis 8. Von 2019 bis 2022 war sie zudem Sängerin der Band Silly.

Leben

Jugend und Ausbildung

AnNa R. wurde 1969 im Berliner Stadtbezirk Friedrichshain geboren und wuchs in Ost-Berlin auf. Bereits zu DDR-Zeiten versuchte sie, im Musikleben Fuß zu fassen, stieß aber durch ihre kritischen Texte immer wieder auf Schwierigkeiten.[1] 1981 sang sie zur Eröffnung des Sport- und Erholungszentrums (SEZ) in Berlin-Friedrichshain.[2]

Nach der Schule begann sie eine Ausbildung als Chemielaborantin und sang kurzzeitig nebenbei im Berliner Lehrerensemble.[3.1] Sie bewarb sich erfolglos an der Musikschule Friedrichshain. Danach nahm sie Gesangsunterricht sowie an Gesangswettbewerben teil, wurde bei letzteren jedoch immer abgelehnt.[3.2]

Nach erfolgreichem Ausbildungsabschluss arbeitete AnNa R. in der Akademie der Wissenschaften der DDR und managte nebenbei die Rap-Gruppe Eastside Attacks, später Down Town Lyrics, die sich aus Teilen ihrer Jugendclique geformt hatte. Weil sie mit ihrem Beruf unzufrieden war, arbeitete sie stattdessen als ungelernte Musikalienhändlerin im Musikhaus Carl Friedrich Zelter und forcierte in dieser Zeit den Plan, Barsängerin zu werden. Dafür suchte sie einen Pianisten. Über einen gemeinsamen Bekannten lernte sie Peter Plate kennen.[3.3]

Karriere und Engagement

Nach der Wiedervereinigung gründete sie 1991 gemeinsam mit Plate die Gruppe Rosenstolz, deren Sängerin und Texterin sie wurde. Neben ihrer Arbeit für Rosenstolz war sie auch für andere Kulturprojekte tätig. So sang sie Background bei Knorkator und schrieb 1998 mit an der Rosenstolz-Biographie Lieb mich, wenn du kannst, nimm mich, nimm mich ganz.[1][3.4] Sie las unter anderem in der Münchner Langen Nacht der Bücher 2002 Texte von Oscar Wilde.[4] 2005 war sie Gastsängerin bei der deutschen Band Silly.[5]

Ab den frühen 1990er-Jahren setzte AnNa R. sich zusammen mit Plate für Menschen mit HIV und AIDS ein. Rosenstolz sammelte auf den Konzerten Spenden und veranstalteten Benefizkonzerte. AnNa R. war zudem Gründungsmitglied des Kuratoriums der Berliner Aids-Hilfe.[6] 2011 erhielt sie zusammen mit Plate den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland für ihre Bemühungen im Kampf gegen AIDS.[7]

Im Dezember 2012 gab Rosenstolz bekannt, getrennte Wege zu gehen. Im Frühjahr 2013 meldete sich AnNa R. als Sängerin ihrer neuen Band Gleis 8 zurück.[8] Von 2019 bis 2022 war sie Sängerin bei Silly, diesmal zusammen mit Julia Neigel; 2021 erschien das Album Instandbesetzt.[9] 2023 veröffentlichte sie das Soloalbum König:in. Als erste Single wurde im Februar das Lied Die Astronautin ausgekoppelt.

Im Februar 2025 wurde AnNa R. zur „Joseph-Breitbach-Poetikdozentin des Jahres 2025“ ernannt.[10] Die seit 2021 in gemeinsamer Trägerschaft der Stadt und Universität Koblenz organisierte Dozentur „zeichnet Persönlichkeiten aus, die sich mit ihren lyrischen oder dramatischen Texten für die internationale und interkulturelle Verständigung einsetzen“.[10][11]

Im Oktober 2025 wurde posthum das Album Mut zur Liebe veröffentlicht. Es erreichte Platz drei der deutschen Albumcharts, was zugleich ihre erfolgreichste Platzierung als Solokünstlerin darstellt. Mit Rang 25 in Österreich konnte sie sich posthum erstmals in ihrer Solokarriere in diesen Albumcharts platzieren.

Künstlername

Im Juli 2013 berichtete sie in einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung, der ihr von Wikipedia zugeschriebene zweite Vorname Natalie sei eine Erfindung. Das großgeschriebene „N“ in ihrem Künstlernamen stehe nicht für einen Vornamen. Die Schreibweise „AnNa“ sei von ihr 1992 lediglich gewählt worden, weil sie diese „sehr hübsch“ fand.[12] Den Namen Natalie habe sich „jemand ausgedacht, der dem großen N offenbar eine Bedeutung geben wollte“.[13] Dessen ungeachtet wird sie auch im 2006 veröffentlichten Handbuch Wer war wer in der DDR? unter dem Namen „Rosenbaum, Andrea Natalie“ geführt.[14]

Die Schreibweise AnNa R. wurde nicht durchgängig verwendet. In allen Rosenstolz-Alben und -Singles von 1993 bis 1998, beginnend mit der Single Schlampenfieber (1993) bis einschließlich der Single Nur einmal noch / Herzensschöner (1998), wird bei den Textcredits die Variante „Anna Err“ benutzt. In den Gesamtcredits findet sich hingegen stets die Schreibweise AnNa R.[15][16][17][18][19] Im Booklet zum ersten Livealbum der Band Zuckerschlampen:Live (1999) steht als Gesang „Anna R.“, bei den Texten dagegen AnNa R.[20]

Privatleben und Tod

2002 heiratete sie ihren langjährigen Partner, den MTV-Senior-Producer und Regisseur Nilo Neuenhofen,[21] der auch in vielen Videos der Gruppe Rosenstolz Regie führte (z. B. Ich will mich verlieben). Als er 2023 starb, war das Paar getrennt, aber noch befreundet gewesen.[22]

AnNa R. lebte in Berlin-Friedrichshain. Sie wurde im März 2025 in ihrer Wohnung tot aufgefunden. Sie war infolge einer Erkrankung im Alter von 55 Jahren gestorben.[23] Vor dem Theater des Westens in Berlin-Charlottenburg wurde ein temporärer Gedenkort für sie eingerichtet.[24]

Diskografie

Chart­plat­zie­rungen
Erklärung der Daten
Alben[25]
König:in
 DE829.09.2023(4 Wo.)
 CH9301.10.2023(1 Wo.)
Mut zur Liebe
 DE317.10.2025(3 Wo.)
 AT2517.10.2025(1 Wo.)
 CH3119.10.2025(1 Wo.)

Studioalben

  • 2023: König:in
  • 2025: Mut zur Liebe

Singles

Hörbücher

  • 2001: Die Nachtigall und die Rose
  • 2002: Was denkst Du

Auszeichnungen

Literatur

Commons: AnNa R. – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. a b Rosenstolz Star Porträt. In: elixic.de. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 17. September 2008; abgerufen am 28. März 2008.
  2. Marc Boettcher: Rosenstolz - Wir sind Wir! - Die Erfolgsgeschichte eines Pop Duos | DOKU HD | ARD. 20. Oktober 2011, abgerufen am 4. November 2025.
  3. Rosenstolz: Lieb mich, wenn du kannst, nimm mich, nimm mich ganz: Leben, Geschichten, Lieder (= dtv. Nr. 20058). 3. Auflage. dtv, München 1998, ISBN 978-3-423-20058-5.
    1. S. 23f.
    2. S. 25–27.
    3. S. 27–30.
    4. S. 147
  4. Die Lange Nacht der Bücher. In: muenchner.de. Münchner Kultur GmbH, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 18. Juni 2008; abgerufen am 22. März 2008.
  5. Silly begrüßen Rosenstolz-Sängerin AnNa R. als Gastsängerin (Pressemitteilung). In: meistersingerkonzerte.de. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 18. Juni 2008; abgerufen am 22. März 2008.
  6. Jens Petersen: Zum Tod von AnNa R. - Eine Stimme der Hoffnung und Solidarität. In: Berliner Aids-Hilfe e.V. 17. März 2025, abgerufen am 4. November 2025.
  7. a b Kester Schlenz, Tobias Schmitz: „Wir haben zu spät die Notbremse gezogen“. In: stern.de. Stern, 24. August 2011, abgerufen am 30. August 2011.
  8. Website der Band Gleis8. In: gleis8.net. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 12. März 2013; abgerufen am 6. Mai 2013.
  9. Matthias Jordan: Silly: „Instandbesetzt“, das neue Album, ist draußen. In: kulturnews.de. Kulturnews, 17. September 2021, abgerufen am 18. Dezember 2021.
  10. a b c „Du bist eine Königin“: AnNa R. wird Joseph-Breitbach-Poetikdozentin in Koblenz. 25. Februar 2025, abgerufen am 4. November 2025.
  11. Katharina Göbel-Backendorf: Gedenken für AnNa R.: „Sie wollte einfach ihre Lieder singen“. In: News Koblenz. 26. Mai 2025, abgerufen am 4. November 2025.
  12. GEMA-Eintrag als ANNA R unter der CAI/IPI-Nummer 00242023616
  13. Marcus Tackenberg: Ex-Rosenstolz-Sängerin heißt nicht Natalie. In: noz.de. Neue Osnabrücker Zeitung, 5. Juli 2013, abgerufen am 2. Februar 2019.
  14. Jan Wielgohs: Rosenbaum, Andrea Natalie (»AnNa R.«). In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 2. Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4. S. 841 der Printausgabe von 2006, hrsg. von Helmut Müller-Enbergs.
  15. Rosenstolz. 2006. Nur einmal noch (CD-Booklet). MFE Musik für Erwachsene. EAN: 4 012176 612327.
  16. Rosenstolz - Mittwoch Is' Er Fällig. In: Discogs. 1995, abgerufen am 16. Dezember 2025 (englisch).
  17. Rosenstolz. 1996. Objekt der Begierde (CD-Booklet). Polydor. EAN: 7 31453 17372 9.
  18. Rosenstolz - Die Schlampen Sind Müde. In: Discogs. 2. Juli 2025, abgerufen am 16. Dezember 2025 (englisch).
  19. Rosenstolz. 2007. Die Singles 92-07. Universal Music Group. EAN: 0602517448711.
  20. Rosenstolz. 1999. Zuckerschlampen:Live (CD-Booklet). Polydor. EAN: 7 314547 89424.
  21. Victoria Berg: Rosenstolz – So sind wir privat. In: super-illu.de. 25. März 2006, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 7. Dezember 2008; abgerufen am 21. März 2008.
  22. Christian Gehrke: Rosenstolz-Sängerin AnNa R.: So zurückgezogen lebte sie kurz vor ihrem Tod in Friedrichshain. 18. März 2025, abgerufen am 18. März 2025.
  23. AnNa R. verstorben. In: Berliner Zeitung. 23. März 2025, abgerufen am 26. März 2025.
  24. Nach Tod von AnNa R.: Gedenkort am Berliner Theater des Westens. In: Musikexpress. 19. März 2025, abgerufen am 4. November 2025 (deutsch).
  25. Chartquellen: DE AT CH