Ambrogio Brambilla
(Giovanni) Ambrogio Brambilla (* in Mailand, nachgewiesen 1575–1591) war ein italienischer Kupferstecher, Radierer, Zeichner, Kartograf und Dichter. Seine Mailänder Herkunft ist durch die (seltene) Signatur „Ambrosius Mediolanensis“ belegt. Brambilla stach und radierte Darstellungen antiker und moderner Kunst- und Bauwerke der Stadt Rom, religiöse und volkstümliche Motive, Karikaturen, Porträtserien sowie Landkarten und Stadtpläne. Viele seiner Blätter sind Kopien fremder Werke.
Leben
Über das Leben Brambillas ist wenig bekannt. Sein Name taucht 1575 zum ersten Mal im Zusammenhang mit der Accademia Milanese della Val di Bregn (Mailänder Akademie des Valle di Blenio) auf, deren Mitglieder Gedichte im Dialekt dieses Schweizer Tals verfassten. Bei deren Veröffentlichung 1589 wurde Brambilla auch als Schöpfer von Bronzefiguren und Maler (scultore in bronzo e pittore) aufgeführt, entsprechende Werke sind jedoch nicht nachweisbar.[1] Die von Thieme/Becker angenommene Tätigkeit als Baumeister ist ebenfalls kaum wahrscheinlich.[2][3]
Spätestens 1579 siedelte Brambilla nach Rom über, was die Erwähnungen als Mitglied der seit 1542 offiziell anerkannten Künstlervereinigung Virtuosi al Pantheon, dem Vorgänger der Accademia dei Virtuosi al Pantheon, vom 12. April und 14. Juni des Jahres belegen.[1] Aus diesem Jahr stammen auch seine ersten signierten Druckgrafiken. Zu seinen Auftraggebern gehörte Claudio Duchetti, dessen Onkel, der Verleger Antonio Lafreri, seine Druckplatten ohne Testament hinterlassen hatte und dem nach einem langen Rechtsstreit etwa die Hälfte des Bestands zugesprochen wurde. Für neue Ausgaben des erfolgreichen Speculum Romanae magnificentiae ließ der Neffe die fehlenden Platten von Brambilla kopieren. Ein Teil der anderen Platten ging wenige Jahre später kurz hintereinander in das Eigentum von Pietro de‘ Nobili († Mai 1586) und der Partner um Giovanni Battista Cavalieri über. Claudios Erbteil gelangte zunächst an Giacomo Gherardi, dann an Giovanni Orlandi, Hendrik van Schoel und Giovanni Giacomo de‘ Rossi.[4] Eine Zusammenarbeit kam auch mit Nicolas van Aelst zustande.[3]
Zu den Umständen des Todes ist nichts bekannt. Das häufig zu findende Sterbedatum „nach 1599“[3] ist bisher unbelegt und beruht möglicherweise auf einer Verwechslung mit dem etwa gleichaltrigen Mailänder Bildhauer Francesco Brambilla. Ambrogios letztes überliefertes Kunstwerk, Grabmal von Papst Adrian VI in der Kirche Santa Maria dell’Anima, stammt aus dem Jahr 1591.
Werk
Brambillas Œuvre umfasst Ansichten römischer Kunst- und Bauwerke, Darstellungen von Veranstaltungen und aus dem Alltagsleben, Karikaturen, Papst- und Herrscherbildnisse sowie Kartenmaterial. Einige seiner ab 1582 für Duchetti und Van Aelst kopierten Stadtpläne und -ansichten (z. B. Rom, Mailand, Genua, Turin, Pozzuoli und Toledo) fanden Eingang in Neuauflagen des einst „Lafreri-Atlas“ genannten kartografischen Werks Geografia. Tavole moderne di geografia de la maggior parte del mondo […].[1]
Die meisten seiner Arbeiten sind Kopien von Werken anderer Künstler, die zuvor für Lafreri, dann auch für dessen Nachfolger tätig waren. Zu diesem Künstlerkreis zählten Nicolas Beatrizet, Federico Zuccari, Pirro Ligorio und Étienne Dupérac. Die humoristischen Motive und Commedia-dell’arte-Szenen entstanden hingegen nach eigener Invention. Brambilla signierte seine Kupferstiche und Radierungen mit Ambrosius Brambilla, Ambrosius Br., Ambr. Bramb. oder (häufiger) mit seinem Monogramm: AMB oder AMBR.
Werkauswahl
Das British Museum führt auf seiner Website neben einer Kurzbiografie eine Reihe von Druckgrafiken auf. Soweit bekannt, sind sowohl die Entstehungsdaten als auch die Verleger mit angegeben.[5] Die Sammlung des Metropolitan Museum of Art umfasst 35,[6] die der Europeana 80[7] Drucke und Nachdrucke. Beispiele seines umfangreichen Gesamtwerks sind:
- Girandola (Feuerwerk) in der Engelsburg, Radierung und Kupferstich, 1579 (Claudio Duchetti)
- Circus Maximus, Radierung und Kupferstich nach Nicolas Beatrizet (1552/1553), 1581 (Claudio Duchetti)
- Tiberinsel, Radierung, 1582 (Claudio Duchetti)
- Grabmal für Lucius Septimius, genannt Das Septizonium, Radierung und Kupferstich, 1582 (Claudio Duchetti)
- Michelangelos Grabmal für Julius II., Radierung, 1582 (Claudio Duchetti)
- Pantheum romanum mit Maßeintragungen, Radierung nach Nicolas Beatrizet (1548/1549), 1581–1586
- Trajanssäule, Radierung, 1589 (Nicolas van Aelst)
- Porträt des Papstes Sixtus V., umrahmt von Stadtveduten und Ereignissen, Radierung, 1589 (Nicolas van Aelst)
- Blatt mit 135 Porträts der Kaiser von Julius Caesar bis Rudolf II., Kupferstich, 1582 (Claudio Duchetti)
- Blatt mit 237 Porträts der Päpste vom hl. Petrus bis Sixtus V., Kupferstich, 1585 (Claudio Duchetti)
- Acht groteske Köpfe der Gottheiten des Olymp, Kupferstich und Radierung, ca. 1579
- Allegorie des Karnevals & Allegorie der Fastenzeit, Radierung und Kupferstich, ca. 1579 (Pietro de Nobili)
- Szenen aus der Commedia dell’arte, Radierung und Kupferstich, 1580er-Jahre (Lorenzo Vaccari)
- Plan des antiken Rom (Antiquae urbis perfecta imago), Radierung nach Étienne Dupérac (1573), 1582 (Claudio Duchetti)
- Plan des modernen Rom (Urbis Romae descriptio), Radierung und Kupferstich, 1582 (Claudio Duchetti), 1590 neu aufgelegt (Adresse beibehalten)
- Von Ambrogio Brambilla geschaffene Druckgrafiken
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Girandola in der Engelsburg, 1579
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Pantheum romanum, 1581–1586
-
Tiberinsel, 1582
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135 Kaiser-porträts, 1582
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4 von 8 grotesken Köpfen, ca. 1579
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Allegorie des Karnevals, ca. 1579
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Aus Commedia dell’arte, 1580er-Jahre
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Plan des antiken Rom, 1582
-
Plan des modernen Rom, 1590
Literatur
- Susanna Partsch: Brambilla, Ambrogio. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 13, Saur, München u. a. 1996, ISBN 3-598-22753-1, S. 575.
- Brambilla, Ambrosius. In: Ulrich Thieme, Felix Becker (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 4: Bida–Brevoort. Wilhelm Engelmann, Leipzig 1910, S. 521 (Textarchiv – Internet Archive).
- Clelia Alberici: Brambilla, Ambrogio. In: Alberto M. Ghisalberti (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 13: Borremans–Brancazolo. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 1971.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c Clelia Alberici: Brambilla, Ambrogio. In: Dizionario Biografico degli Italiani (DBI).
- ↑ Brambilla, Ambrosius. In: Ulrich Thieme, Felix Becker (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 4: Bida–Brevoort. Wilhelm Engelmann, Leipzig 1910, S. 521 (Textarchiv – Internet Archive).
- ↑ a b c Susanna Partsch: Brambilla, Ambrogio. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 13, Saur, München u. a. 1996, ISBN 3-598-22753-1, S. 575.
- ↑ Birte Rubach: Ant. Lafreri formis Romae. Der Verleger Antonio Lafreri und seine Druckgrafikproduktion. Lukas Verlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-86732-259-1, S. 69–76.
- ↑ The British Museum: Ambrogio Brambilla. Abgerufen am 1. Januar 2026.
- ↑ The Met Collection: Ambrogio Brambilla. Abgerufen am 1. Januar 2026.
- ↑ europeana.eu: Ambrogio Brambilla. Abgerufen am 1. Januar 2026.