Almirante Irízar
| Die Almirante Irízar im Jahr 2018
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Die Almirante Irízar ist ein 1978 gebauter Eisbrecher der argentinischen Marine, den sie für die Versorgung der Stützpunkte in der Antarktis nutzt. Während des Falklandkrieges 1982 diente sie als Truppentransporter und Hospitalschiff. 2007 wurde sie durch einen Brand schwer beschädigt und erst 2017 wieder in Dienst gestellt.
Geschichte
Bau und Indienststellung
Auf Bestellung der argentinischen Marine vom 17. Dezember 1975[1] erfolgte auf der finnischen Werft Wärtsilä in Helsinki am 4. Juli 1977 die Kiellegung unter der Baunummer 420. Am 3. Februar 1978 fand der Stapellauf statt, bei dem der Eisbrecher den Namen Almirante Irízar nach dem Admiral Julián Irízar (1869 – 1935) erhielt. Mit der Fertigstellung am 15. Dezember 1978 wurde das Schiff an die argentinische Marine übergeben, in Buenos Aires registriert und kam am 23. März 1979 in Argentinien an. Dort ersetzte die Almirante Irízar den 1954 auf der Seebeckwerft gebauten Eisbrecher General San Martín, der anschließend außer Dienst gestellt wurde.[2]
Antarktiseinsätze
Da die Marine des Landes für Seetransporte in antarktischen Gewässern zuständig ist, zählen die jährlichen Fahrten zur Versorgung und Auswechslung des Personals auf den argentinischen Außenposten in der Antarktis zu den Hauptaufgaben der Almirante Irízar. Einhergehend damit unterstützt das Schiff die Durchführung wissenschaftlicher Forschungen in dem Gebiet. Das Schiff ist in die höchste finnische Eisklasse IA Super für extreme Eisverhältnisse eingestuft[3] und selbst für eine Überwinterung in der Antarktis konzipiert.[2]
Am 8. Januar 1980 verließ die Almirante Irízar Buenos Aires, um die zweite Etappe der antarktischen Sommerkampagne 1979/80 durchzuführen. Zunächst evakuierten zwei von ihr operierende Puma SA 330-Hubschrauber die Belgrano-I-Station. Die 1954 eingerichtete Station musste nach 25 Jahren Betrieb wegen des schnellen Verfalls der Eisbarriere, auf der sie errichtet war, aufgegeben werden. Die Hubschrauber evakuierten das gesamte Personal und Ausrüstung. Aufgrund von ungewöhnlich schlechten Wetterverhältnissen und eines Defekts an einem der Hubschrauber mussten etwa 33 Tonnen Ausrüstung zurückgelassen werden.
Anschließend fuhr die Almirante Irízar rund 200 Kilometer nach Westen, um den Aufbau der neuen Belgrano-III-Station zu unterstützen. Ihre Hubschrauber entluden Material und Ausrüstung am Standort der neuen Station, die am 30. Januar 1980 eingeweiht wurde.[4]
Falklandkrieg
Mit Beginn der Operation Rosario, der argentinischen Besetzung der Falklandinseln ab 2. April 1982, wurde die Almirante Irízar zu militärischen Transportaufgaben herangezogen und mit zusätzlichen Soldaten bestückt. Sie bildete mit dem Landungsschiff Cabo San Antonio und dem Frachtschiff Isla de los Estados die Task Force 40.[5] Sie gehörte zu den ersten Schiffen mit Truppen, die in Port Stanley anlegten. Mit Hubschraubern wurden die auf ihr eingeschifften Truppen an Land gebracht.[6][7]
Nach der Besetzung der Inseln wurde die Almirante Irízar der Task-Force FT-79 überstellt und transportierte Nachschub sowie Flugzeuge. Zugleich fungierte sie als Signalschiff zur Koordinierung argentinischer Luftangriffe auf britische Einheiten. Den durch einen Motorschaden ausgefallenen Tanker Punta Médanos schleppte sie zum Festland.[7] Gegen Kriegsende wurde die Almirante Irízar zum Hospitalschiff umgerüstet, ab 11. Juni als solches registriert und in Stanley stationiert. Unmittelbar nach Kriegsende transportierte sie argentinische Soldaten aufs Festland zurück.[8][9][7]
Wiederaufnahme der Antarktiseinsätze
Nach dem Falklandkrieg nahm die Almirante Irízar die jährlichen Antarktiseinsätze wieder auf. Dabei erreichte das Schiff 1988 bei der Erkundung des vom Schelfeis gelösten Tafeleisbergs mit den Überresten der Belgrano-I-Station sowie der ebenfalls aufgegebenen Shackleton-Station von 1908 und der sowjetischen Druschnaja-Station, mit 78° 21' 02" einen neuen Südrekord für ein Schiff.[10]
Nachdem das deutsche Forschungsschiff Magdalena Oldendorff am 11. Juni 2002 vor Muskegbukta vom Packeis eingeschlossen worden war, nahm zunächst das südafrikanische Forschungsschiff S. A. Agulhas die auf dem Schiff festsitzenden indischen Forscher auf, bevor sich die Almirante Irízar im Juli 2002 an der Rettung beteiligte. Ihre Versuche, das Schiff freizubekommen, scheiterten jedoch und die Magdalena Oldendorff kam erst nach einer Überwinterung im Eis im Dezember frei.[11]
Am 15./16. März 2004 drang die Almirante Irízar in ein unter der Hoheit der Falklandinseln stehendes Seegebiet ein und forderte andere Schiffe auf, sich auszuweisen.[12] Die britische Regierung protestierte dabei der argentinischen Regierung gegen deren Überwachung der Gewässer unter Falklandhoheit. In der diplomatischen Note wurde zudem die britische Souveränität über die Inseln bekräftigt.[13]
Brand und Wiederaufbau
Am 11. April 2007 brach auf dem Eisbrecher im Südatlantik ein Feuer aus, das im Maschinenraum entstanden war. Das Feuer zwang die 296-köpfige Besatzung, das Schiff zu verlassen. Nach dem Löschen des Brandes schleppten drei Marineschiffe die Almirante Irízar nach Puerto Belgrano. Der Brand zerstörte das Schiff zu 75 Prozent, ebenso zwei Sea-King-Hubschrauber und beschädigte einen dritten so schwer, dass er nicht mehr flugfähig war.[2][14]
Trotz der enormen Schäden beschloss die argentinische Regierung aus wirtschaftlichen Gründen, den Kasko zu reparieren statt einen Neuankauf vorzunehmen. Das Schiff wurde auf der Marinewerft Tandanor in Buenos Aires neu aufgebaut und zugleich modernisiert. Das ursprüngliche Versorgungsschiff, auf dem zusätzlich auch Forschung betrieben werden konnte, dient seitdem als Versorgungs- und auch als Forschungsschiff. Die Laborfläche wurde von 70 auf über 400 Quadratmeter erweitert. Nach mehreren Verzögerungen wurde die Almirante Irízar 2017 wieder in Dienst gestellt.[2]
Zurück in der Antarktis
Im Jahr 2018 nahm Almirante Irízar erstmals wieder an der jährlichen Antarktis-Kampagne zur Versorgung der argentinischen Belgrano-III-Station teil. Am 11. März 2018 barg der Eisbrecher fünf amerikanische Wissenschaftler, die auf der nördlichen Antarktischen Halbinsel arbeiteten und aufgrund der Meereisverhältnisse nicht von einem US-Schiff aufgenommen werden konnten.[15] Während der Kampagne 2022/23 wurde sie von den Schiffen Puerto Argentino und San Carlos unterstützt.[16] Ein Neubau soll die Aufgaben der Almirante Irízar in den nächsten Jahren übernehmen.[17]
Technische Daten
Die Almirante Irízar hat eine Länge von 121,3 Meter, sie ist 25,2 Meter breit und weist einen Tiefgang von 9,5 Metern auf. Ihre Tonnage beträgt 10.065 BRT und 3250 NRT bei einer Konstruktionsverdrängung von 14.665 Tonnen. Das Schiff wird dieselelektrisch angetrieben. Für die Stromerzeugung standen ursprünglich vier Achtzylinder-Wärtsilä-SEMT-Pielstick-Dieselmotoren vom Typ 8PC2.5 L/400, die 14.336 kW erzeugten, zur Verfügung. Diese wurden nach dem Brand durch vier MAN-Dieselmotoren ersetzt. Die Motoren treiben vier Generatoren mit jeweils 4000 kVA Scheinleistung an. Die beiden Propeller werden von zwei Elektromotoren mit jeweils 5975 kW Leistung angetrieben. Das Schiff erreicht eine Geschwindigkeit von 16,5 Knoten. Der Rumpf des Schiffes ist eisverstärkt. Die Besatzung besteht aus 133 Mann, zusätzlich können bis zu 100 Passagiere untergebracht werden.[18][1][2]
Literatur
- Weyers Flottentaschenbuch 1994/96, Bernhard & Graefe Verlag, Bonn 1994, ISBN 3-7637-4507-6.
- David Brown: The Royal Navy and the Falklands War. Leo Cooper, London 1987, ISBN 0-85052-059-2.
- Martin Middlebrook: The Argentine Fight for the Malvinas. Pen & Sword, Barnsley 2003, ISBN 0-85052-978-6.
Weblinks
- Rompehielos ARA "Almirante Irízar" (Q-5), Armada Argentina
- Datenblatt zur Almirante Irízar, bei ship-db.de, abgerufen am 1. Januar 2026
- ARA Almirante Irízar (Q 5), bei globalsecurity.org (englisch), abgerufen am 1. Januar 2026
- Almirante Irízar: Malvinas 1982 – inoffizielle Website zum Schiff, bei irizar.org (spanisch), abgerufen am 1. Januar 2026
Einzelnachweise
- ↑ a b Datenblatt zur Almirante Irízar, bei ship-db.de
- ↑ a b c d e ARA Almirante Irízar (Q 5), bei globalsecurity.org
- ↑ Umweltbundesamt: Gebietsspezifische Anforderungen an einen umweltverträglichen Seeverkehr in der Antarktis unter besonderer Berücksichtigung der Empfindlichkeit dieses Ökosystems. Band I: Bericht, Juli 1999, Kapitel 5, S. 15 (Online-Version als PDF)
- ↑ Base Belgrano II. Fundaciòn Marambio, archiviert vom am 2. Juni 2012 (spanisch).
- ↑ Middlebrook: The Argentine Fight for the Malvinas, S. 23, S. 292
- ↑ Brown: The Royal Navy and the Falklands War, S. 56ff.
- ↑ a b c Almirante Irízar: Malvinas 1982 – inoffizielle Website zum Schiff, bei irizar.org
- ↑ Brown: The Royal Navy and the Falklands War, S. 325
- ↑ Middlebrook: The Argentine Fight for the Malvinas, S. 223, S. 274, S. 292
- ↑ Campaña Antártica 1987–1988. Offizielle Seite der ARA Almirante Irízar, archiviert vom am 14. März 2014 (spanisch).
- ↑ Lisa Erdmann: Flucht aus der Eishölle. In: spiegel.de. Der Spiegel, 9. Dezember 2002, abgerufen am 16. März 2023.
- ↑ Bill Brown: Falklanders anger over "Almirante Irizar" incident ( des vom 22. Juni 2014 im Internet Archive), MercoPress, 23. März 2004 (spanisch).
- ↑ 29 Mar 2004 : Column WS51 – Falkland Islands: "Almirante Irizar". Parliament.uk, archiviert vom am 22. Juni 2014 (spanisch).
- ↑ El rompehielos 'Almirante Irízar' zarpa hacia la Antártida para iniciar las pruebas de hielo (dt. etwa: Der Eisbrecher „Almirante Irízar“ sticht in See Richtung Antarktis, um mit den Eistests zu beginnen), bei infodefensa.com (spanisch)
- ↑ El Rompehielos Almirante Irízar asistirá a cinco científicos estadounidenses que están varados en la Antártida (dt.: Der Eisbrecher Almirante Irízar hilft fünf amerikanischen Wissenschaftlern, die in der Antarktis gestrandet sind), bei nuestromar.org (spanisch)
- ↑ Luis Piñeiro: La Armada Argentina se prepara para la campaña antártica 2022/23. In: Defensa.com. 11. November 2022 (spanisch).
- ↑ Argentina y Finlandia avanzan en la construcción de un buque para la Antártida (dt.: Argentinien und Finnland erzielen Fortschritte beim Bau eines Schiffes für die Antarktis), bei cronista.com (spanisch)
- ↑ Weyers Flottentaschenbuch 1994/96, S. 10f.