Alexander Lane (Übersetzer)
Alexander Maria Lane (* 6. Dezember 1913 in Berlin; † 29. November 1995 in Moosinning, Landkreis Erding) war ein deutscher Jurist, Diplomat und Sprachwissenschaftler.
Leben und Werk
Alexander Lane war der Sohn des Universitätslektors Adolf Lane (1880–1946) und seiner Ehefrau Sofia geb. Ozegowska, Tochter des Arztes und Sanitätsrates Andreas Ozegowski (* 1851)[1] aus Posen. Er hatte eine ältere Schwester namens Sofia (* 1910). Sein Vater stammte aus Troizk im russischen Gouvernement Orenburg und war ein Sohn des Staatsrates Emil Lane (* 1849) aus Dorpat,[2] der am Gymnasium in Troizk Deutsch unterrichtete.[3]
Lane besuchte ein Berliner Gymnasium und legte Ostern 1931 das Abitur ab. Anschließend studierte er Rechtswissenschaften an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin und betrieb Sprachstudien am Seminar für Orientalische Sprachen, an dem sein Vater ab 1907 Dozent gewesen war.[3] Nach Bestehen des Referendarexamens im April 1935 wurde er in den Justizdienst aufgenommen. Am 9. Mai 1936 promovierte Lane mit dem Thema Bulgariens Arbeitsdienstpflicht und der Reichsarbeitsdienst zum Doktor der Rechte. Darüber hinaus erwarb er im Juni 1936 ein Diplom in der polnischen Sprache. Anschließend ist in den Jahren 1936[4] und 1937[5] eine Tätigkeit Lanes in der Akademie für Deutsches Recht nachweisbar. Am 25. November 1937 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. Mai desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 5.585.484).[6] Im Februar 1939 legte er das Assessorexamen ab und war daraufhin ab August 1939 in einer Rechtsanwaltskanzlei in Berlin tätig.[7]
Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges trat Alexander Lane noch Ende Oktober 1939 als wissenschaftlicher Hilfsarbeiter der kulturpolitischen Abteilung im Referat für Rundfunkangelegenheiten, Unterreferat Bulgarien, in den Dienst des Auswärtigen Amtes. Anfang Februar 1941 wurde er als Rundfunkattaché in die deutsche Gesandtschaft Sofia entsandt. Im April 1942 zum Militärdienst einberufen kam Lane von 1945 bis Juni 1946 in französische Kriegsgefangenschaft.[7]
Anschließend war er von Juli bis November 1946 Assistent an der Juristischen Fakultät der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und daraufhin Angestellter in einer Mainzer Anwaltskanzlei. Lane erhielt am 26. Oktober 1946 die Zulassung als Rechtsanwalt und war ab Anfang 1950 erneut für das Auswärtige Amt tätig, nun in der Zentralen Rechtsschutzstelle.[7] So gehörte er im 1953 vor einem französischen Militärtribunal in Bordeaux abgehaltenen Prozess gegen Angehörige einer Waffen-SS-Kompanie, die 1944 das Massaker von Oradour verübte, zur Pflichtverteidigung der deutschen Angeklagten.[8]
Ab 1955 war Lane Vorsitzender des Kuratoriums des Sprachen & Dolmetscher Instituts München (SDI) München, wo er von 1969[9] bis 1974 auch als Direktor tätig war.[10] Seine Lehrtätigkeit am SDI umfasste unter anderem Veranstaltungen zu internationalen Beziehungen, französischer juristischer und politischer Terminologie und zur Berufskunde der Fremdsprachenberufe.
1956 trat Lane in den Auswärtigen Dienst der Bundesrepublik und bis zu seinem Ausscheiden aus dem Auswärtigen Dienst war er Vortragender Legationsrat erster Klasse. 1956 begründete er die sprachwissenschaftliche Fachzeitschrift Lebende Sprachen, deren Herausgeber er bis Ende 1982 blieb.[11] Nicht nur im Rahmen seiner Herausgebertätigkeit, sondern auch als gerichtlich beeidigter Übersetzer und Dolmetscher verstand er seine beiden Fachrichtungen erfolgreich zu verbinden.
Von 1975 bis 1979 war Lane der erste deutsche Honorarkonsul in Alicante, Spanien, während des dortigen Übergangs zur Demokratie.[12]
Lane war Mitbegründer der Fédération internationale des traducteurs[13.1] sowie Gründer und Präsident des Internationalen Instituts für Rechts- und Verwaltungssprache, das die Europa-Glossare herausgab. Außerdem gründete er den Landesverbands Rheinland-Pfalz für Dolmetscher und Übersetzer und fungierte als dessen erster Vorsitzender. Für viele Jahre übernahm er auch die Präsidentschaft des Bundesverbands der Dolmetscher und Übersetzer (BDÜ), wofür er später zum Ehrenpräsidenten ernannt wurde.
Er war katholischer Konfession und ab 1954 mit der gebürtigen Sowjetbürgerin Anna geb. Olbricht verheiratet. Mit ihr hatte er einen Sohn, Alexander (* 1955). In zweiter Ehe heiratete Lane im Jahr 1992 Juliane geb. Krainz.[7]
Auszeichnungen
- Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (1986)[14]
- Komturkreuz mit Stern des spanischen Ordens Alfons X. des Weisen[10]
- Komturkreuz des Verdienstordens der Italienischen Republik[10]
- Offizierskreuz der Palmes Académiques[10]
- Ritterkreuz des französischen Verdienstordens Ordre national du Mérite[10]
Veröffentlichungen (Auswahl)
Monografien
- Die Rechtslage der deutschen Spezialisten in der Sowjet-Union. Brücke-Verlag Schmersow, Kirchhain 1933, OCLC 248116487.
- Bulgariens Arbeitsdienstpflicht und der Reichsarbeitsdienst. Heymann, Berlin 1936, OCLC 705572398 (zugleich: Dissertation, Humboldt-Universität zu Berlin, 1936).
- Handbuch der Dolmetscher, Übersetzer und Fremdsprachensachverständigen = Handbook of Translators, Interpreters and Foreign-Language Experts = Manuel des traducteurs, interprètes et experts en langues étrangères. Diemer, Mainz 1955, OCLC 63387448.
- Die Fremdsprachenberufe. Isar Verlag, München 1957, OCLC 251003212.
- Die Gebühren der Dolmetscher, Übersetzer und Fremdsprachensachverständigen nach dem Gesetz über die Entschädigung von Zeugen und Sachverständigen vom 26. Juli 1957; Kommentar. Stoytscheff, Darmstadt [u. a] 1959, OCLC 73522725.
- Dolmetscher, Übersetzer und andere Fremdsprachenberufe. berufskundliches Blatt, Bertelsmann, 1962.
- mit Roger Catrice: Internationales Formularbuch. Deutsch-französisch, französisch-deutsch; Urkundenmuster, Formeln und Redewendungen für die Rechts-, Wirtschafts- und Verwaltungspraxis = Formulaire international. Hueber Verlag, München 1969; Dunod, Paris 1969, OCLC 256238155.
- mit Günther Haensch: Bibliography of Dictionaries and Works of Reference. Legal and Administrative Terminology – Economy – Politics in 37 Languages = Bibliographie der Wörterbücher und Nachschlagewerke. International Institute for Legal and Administrative Terminology, Berlin 1975, OCLC 923420191.
Sonstiges
- Ljuben Dikow: Die Neugestaltung des deutschen bürgerlichen Rechts. Duncker & Humblot, Berlin 1937, OCLC 25021977 (Übersetzung aus dem Bulgarischen).
- Verfassung und Verwaltung der vier Besatzungszonen Deutschlands (= Universum-Rechtskarte). Internationaler Universum-Verlag, Mainz 1948, OCLC 253841850.
Literatur
- Ingo Hohnhold: Dr. Lane beendet seine Tätigkeit als Herausgeber der „Lebenden Sprachen“. In: Lebende Sprachen. Band 28, Nr. 1, 1983, S. 1, doi:10.1515/les.1983.28.1.1.
- Lane, Alexander. In: Biographisches Handbuch des deutschen Auswärtigen Dienstes 1871–1945. Band 3: L–R. Schöningh, Paderborn 2008, ISBN 978-3-506-71842-6, S. 12 f.
Weblinks
- Literatur von und über Alexander Lane im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Direktorengalerie: Dr. jur. Alexander Lane (1913–1995). Sprachen & Dolmetscher Institut München, archiviert vom am 15. September 2017.
Einzelnachweise
- ↑ Ozegowski, Andreas. In: Gemeinsame Normdatei. Abgerufen am 14. Dezember 2025.
- ↑ Lane, Emil. In: Erik-Amburger-Datenbank. Leibniz-Institut für Ost- und Südosteuropaforschung, abgerufen am 14. Dezember 2025.
- ↑ a b Lane, Adolf. In: Biographisches Handbuch des deutschen Auswärtigen Dienstes 1871–1945. Band 3: L–R. Schöningh, Paderborn 2008, ISBN 978-3-506-71842-6, S. 11.
- ↑ Mitarbeiter dieses Heftes sind. In: Osteuropa. Band 12, Nr. 3, 1936, S. 224, JSTOR:44929831.
- ↑ Mitarbeiter dieses Heftes sind. In: Osteuropa. Band 12, Nr. 10, 1937, S. 682, JSTOR:44929107.
- ↑ Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/24621556
- ↑ a b c d Lane, Alexander. In: Biographisches Handbuch des deutschen Auswärtigen Dienstes 1871–1945. Band 3: L–R. Schöningh, Paderborn 2008, ISBN 978-3-506-71842-6, S. 12 f.
- ↑ Andrea Erkenbrecher: Oradour und die Deutschen. Geschichtsrevisionismus, strafrechtliche Verfolgung, Entschädigungszahlungen und Versöhnungsgesten ab 1949. De Gruyter Oldenbourg, Berlin 2023, ISBN 978-3-11-063363-4, S. 175 f.
- ↑ Der VDÜ teilt mit:. In: Der Übersetzer. 6. Jahrgang, Nr. 2, Februar 1969, S. 4 (zsue.de [PDF; 4,0 MB]).
- ↑ a b c d e Direktorengalerie: Dr. jur. Alexander Lane (1913–1995). Sprachen & Dolmetscher Institut München, archiviert vom am 15. September 2017; abgerufen am 8. Dezember 2025.
- ↑ Ingo Hohnhold: Dr. Lane beendet seine Tätigkeit als Herausgeber der „Lebenden Sprachen“. In: Lebende Sprachen. Band 28, Nr. 1, 1983, S. 1, doi:10.1515/les.1983.28.1.1.
- ↑ Judith Finsterbusch: Im Büro der Honorarkonsuln: Spanierin kümmert sich seit 1977 um Deutsche an der Costa Blanca. In: costanachrichten.com. 19. Dezember 2024, abgerufen am 4. Dezember 2025.
- ↑ Charlotte P. Kieslich: Dolmetschen im Nationalsozialismus. Die Reichsfachschaft für das Dolmetscherwesen (RfD). Frank & Timme, Berlin 2018, ISBN 978-3-7329-0515-7.
- ↑ S. 367 f.
- ↑ Bundesanzeiger. Jahrgang 38, Nr. 171, 16. September 1986, S. 13161–13163.