Alex Silber

Alex Silber (als Werner Meyer; * 14. Oktober 1950 in Basel) ist ein Konzept- und Performancekünstler, der in Basel lebt und arbeitet. Er gehört zur ersten Generation von Schweizer Kunstschaffenden, die multimedial, installativ und performativ arbeiten. Seit Beginn seiner künstlerischen Tätigkeit beschäftigt ihn der mediale Aspekt von Bildern und Texten.[1]

Leben und Werk

Nach einem einjährigen Vorkurs an der Kunstgewerbeschule Basel 1965–66 folgte eine vierjährige Lehre als Schriftsetzer. Silber begann früh zu fotografieren, machte Animations- und Experimentalfilme[2], Collagen und Karikaturen. Er setzt sich mit Eigennamen und Pseudonymen in Werken der bildenden Kunst, Literatur und der Popkultur auseinander und gab sich 1971 den Kunstnamen Alex Silber, der seinen bürgerlichen Namen 1973 ablöste.[3] 1971 reiste er zum ersten Mal in die USA. Er inszenierte sich als androgyne Gestalt vor der Kamera, so etwa im Video Das Lied der Heimat (1977) oder in den schwarzweissen Fotografien aus dem Zyklus Werner Alex Meyer ist Alex Silber (1973/74).[1] Auf Einladung von Jean-Christophe Ammann nahm er 1974 an der Ausstellung Transformer. Aspekte der Travestie im Kunstmuseum Luzern und ein Jahr später an der IXe Biennale de Paris. Manifestation internationale des jeunes artistes teil. Durch diese und weitere Ausstellungen wechselte Silber «in einer Übereinstimmung von glücklichen Fügungen» als Autodidakt in die Kunstwelt.[4]

Silber integrierte schon früh Texte in seinen Werken. Redewendungen, Statements, Aphorismen werden als Schriftbild, als Werktitel oder wie in der Werkgruppe Der zeitgenössische Bleistift (1973–) in die Texte mit Fotografien und Zeichnungen kombiniert.[5] Die Sentenz «Augen bohren Löcher. Ein Beweggrund, sich auf den Sehstrahl zu legen» stand 1974 zunächst als Typoskript neben einem fotografischen Selbstporträt und wurde später mehrmals als kopiertes Schriftbild reaktiviert.[1] Unter der Rubrik Permanente Schreibe entstanden seit 1992 Texte und Reflexionen. Die Arbeit an der Sprache ist tief verankert in Silbers künstlerischer Praxis und Teil einer Reflexion über die Bedingtheit des Sehens, Denkens und die Natur des Bildes.

In den 1970er und 1980er Jahren wurde er vertreten von den Galerien Stampa (Basel) und Galerie Marika Malacorda (Genève). Mit «Wer hat uns um die bunten Bilder gebracht?»[6] erfolgte 1980 im Kunstmuseum Basel eine erste grössere Einzelausstellung, und ein Jahr später folgte die Ausstellung «6 Künstler aus Basel» in der Kunsthalle Basel.

Für Videos, Fotografien und Performances schaffte Silber schon früh «Settings», Installationen aus Objekten, Bildern, Lebewesen, wie beispielsweise einen Papagei (P für Papagei, 1980/82; News/Neuigkeiten, 1982/83); in anderen Arbeiten setzte er einfache Gegenstände wie einen Feldstecher (Fernseher, 1980; Zwei Ansichten der Einsicht, 1981) oder einen Holzstab (Bruderholz, 1981; Steckenpferd/Telegramme, 1984‒86) ein.[1]

In den 1980er Jahren reiste Silber vermehrt in die USA. Von 1987 bis 1992 lebte und arbeitete er in Philadelphia.[1] 1992 fand die bis dato umfassendste Ausstellung «The Weight of Frames? News and Luminous Bodies» mit raumgreifenden Installationen in der Levy Gallery for the Arts at Moore College of Art and Design in Philadelphia statt.

1993 wirkte Silber als Dozent für Präsentationsformen und Performance; bis 2015 unterrichtete er an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel (HGK FHNW).[7] 1996 rief Silber die Initiative Imagologisches Institut ins Leben, eine Sammlung eigener und fremder Bilder.[1] 2006 stellte Silber im Kunstraum Riehen aus und veröffentlichte Alex Silber Company im Schwabe Verlag.[8][9] 2019 begann zusammen mit dem Kurator und Archivar Johannes Nilo eine Aufarbeitung seines Werkes, die in die Monografie «Alex Silber – In die Zeit gefallen: Werke 1971–2021» und in die gleichnamige Retrospektive in der Kunsthalle Palazzo mündete.[10][11]

Kollaborationen

Silbers künstlerische Praxis war schon früh geprägt von Kollaborationen. Bis Mitte der 1980er Jahre entstanden Arbeiten in Zusammenarbeit u. a. mit Kat Zickendraht[12], Hannah Villiger, Sara Spinelli, Daniel Robiani und René Pulfer.[1] 1991 war Silber Mitbegründer des Künstlerkollektivs Protoplast Aktionsgesellschaft (PAG)[13], ein «Unternehmen für imaginäre Produkte», zu dem auch Philipp Cuny, Enrique Fontanilles und Kare Isler gehörten. 1996 endete diese Zusammenarbeit.[14][15] Ab 2006 verwendete er den Namen «Alex Silber Company» für Lesungen mit befreundeten Literaten und Kunstschaffenden und auch für eine Serie von Performances mit jungen Migranten aus Eritrea.[16] Silber ist auch als Autor und Herausgeber tätig, unter anderem des Buches «Werkraum Schlotterbeck» und «Blumen für Anita» über die Galeristin Anita Neugebauer.

Werke in Sammlungen

Alex Silber ist vertreten in öffentlichen und privaten Kunstsammlungen u. a. im Kunstmuseum Basel[17], Kunstmuseum Luzern, Kunstmuseum Aarau, Fonds Cantonal d’Art Contemporain, Genf, in der Sammlung Ricola, Laufen, und der Sammlung Kunstkredit Basel-Stadt, im Osthaus Museum, Hagen NRW.

Ausstellungen und Performances

Ausstellungen (Auswahl)

  • 2023: In die Zeit gefallen, Kunsthalle Palazzo, Liestal
  • 2022: Maybe It’s All A Big Mistake, Galerie Mueller, Basel (Gruppenausstellung)
  • 2019: Vom Band zum Byte, Kunstmuseum Luzern (Gruppenausstellung)
  • 2015: AS Transformer. Arbeiten bis heute, Hochschule für Gestaltung und Kunst (FHNW), Basel
  • 2013: Transformer. Aspects of Travesty, Richard Saltoun, London (Gruppenausstellung)
  • 2011: 6 Künstler aus Basel x 2, Kunsthalle Basel (Gruppenausstellung)
  • 2006: Alex Silber Company, Kunst Raum Riehen
  • 1999: The Nature of Sweetness, Edinburgh College of Art, Edinburgh (Gruppenausstellung)
  • 1992: The Weight of Frames? News and Luminous Bodies, Levy Gallery for the Arts at Moore College of Art and Design, Philadelphia
  • 1988: Swiss Video-Week, Swiss Institute, New York (Gruppenausstellung)
  • 1987: Leuchtkörper, Galerie Stampa, Basel
  • 1985 L’autoportrait à l’àge de la photographie, Musée Cantonal des Beaux Arts, Lausanne; The Museum of Fine Arts, Houston, Texas
  • 1985: Telegramma, Galleria Fina Bitterlin, Firenze
  • 1984: Telegramme. La couleur des rêves, Galerie Rivolta, Lausanne
  • 1982: Alles fallen lassen, was den Kopf nicht stützt, Galerie Stampa, Basel
  • 1981: 6 Künstler aus Basel. Miriam Cahn, Rut Himmelsbach, Alex Silber, Anselm Stalder, Vivian Suter, Hannah Villiger, Christine Brodbeck, Anna Winteler, Welcome, The Wondergirls, Kunsthalle Basel (Gruppenausstellung)
  • 1981: AS – You take it, Galerie Marika Malacorda, Genève
  • 1980: Wer hat uns um die bunten Bilder gebracht?, Kunstmuseum Basel
  • 1979: Alex Silber, Galerie Annemarie de Kruijff, Paris
  • 1978: Bienal de Febrero, nuevas tendencias, Salon, 1977–1978, Museo de Arte Moderno, Mexico City (Gruppenausstellung)
  • 1977: Alex Silber ist in der Milchstraße, Galerie Milchstraße, Freiburg i. Br.
  • 1975: 9e Biennale de Paris, Musée d’Art moderne de la Ville de Paris (Gruppenausstellung)
  • 1974: Transformer. Aspekte der Travestie, u. a. mit: Urs Lüthi, Luciano Castelli, Katharina Sieverding, Jürgen Klauke, Luigi Ontani, Walter Pfeiffer, Kunstmuseum Luzern; weitere Ausstellungsstationen: Graz und Bochum (Gruppenausstellung)

Ausgewählte Projekte

  • 2019–22: Hans Rudolf Schiess Glasmosaik von 1962, Neufassung Lichtbrecher II, Restaurierung und Installation für das White Plaza, Basel, in Zusammenarbeit mit René Herzogenrath, Lörrach, Blaser Architekten AG, Basel und Allreal, Zürich.[18]
  • 2007–14: Anita Neugebauer, Galerie photo art basel Inventarisierung der Sammlung; Herausgabe des Buches Blumen für Anita. Anita Neugebauer und die Galerie photo art basel, Basel 2007; Initiator und Kurator der drei Ausstellungen: Blumen für Anita. Eine Hommage an Anita Neugebauer und 30 Jahre Galerie photo art basel, Museum Tinguely, 17.08.–02.12.2007[19]; Anita Neugebauer – photo art basel. Porträt der Fotografin, Galeristin und Sammlerin, Das Verborgene Museum, Berlin, 18.10.2012–27.01.2013; Analog / Dialog. Die Sammlung photo art basel von Anita Neugebauer, Kunst Raum Riehen, 24.05.–06.07.2014.[20]
  • 1996 bis heute Initiative Imagologisches Institut: B. Hagen – Utopielos, Installation und Seminar in der Ausstellung Museutopia. Schritte in andere Welten. Eine Ausstellung zum 100-Jahr-Jubiläum der Folkwang-Idee, Karl Ernst Osthaus-Museum, Hagen, 11.06.–15.10.2002. Ausstellungen, Seminare und Vorträge: «Der Blick rundet sich», Unternehmen Mitte, Basel, 2009–2013: «Was ist Imagologie?», monatlich, Unternehmen Mitte, 26.03.2013–18.02.2014.
  • 1991–96: Protoplast Aktionsgesellschaft (PAG) Kulturfirma für virtuelle Produkte; Direktorium mit Philippe Cuny, Enrique Fontanilles (bis 1994) und Kate Isler (ab 1994); Lancierung von 13 Produkten.

Auszeichnungen

  • 1992: Förderung durch Pro Helvetia; The Pennsylvania Council on the Arts, USA
  • 1986: Werkbeitrag der Stadt Zürich; Cité Internationale des Arts Paris, Atelier der Stadt Basel
  • 1983/1984/1989: Eidgenössisches Kunststipendium (heute: Swiss Art Award)
  • 1982: Aufnahme in die Bahnhof-Akademie; Artist in Residence der Stadt Zürich, New York
  • 1979: Kiefer-Hablitzel-Stipendium[21]
  • 1976: Preis der Stadt Genf, 2e Biennale Suisse de l’Image multipliée, Genève

Literatur

  • Bice Curiger: Bildmund. In: Johannes Nilo (Hrsg.): Alex Silber. In die Zeitgefallen. Werke 1971–2021. Vexer Verlag, Berlin/St. Gallen 2023, S. 178–180, ISBN 978-3-907112-61-8.
  • Richard Torchia: Eine Position zwischen allen Positionen. Zu Alex Silbers Xerografien. In: Johannes Nilo (Hrsg.): Alex Silber. In die Zeit gefallen. Werke 1971–2021. Vexer Verlag, Berlin/St. Gallen 2023, S. 224–245, ISBN 978-3-907112-61-8.
  • Johannes Nilo (Hrsg.): Alex Silber. In die Zeit gefallen. Werke 1971–2021. Vexer Verlag, Berlin/St. Gallen 2023, ISBN 978-3-907112-61-8.
  • B. Hagen [Alex Silber]: Spiritus Protoplastus – Die performative Strategie von Protoplast. Sabine Gebhardt Fink, Muda Mathis, Margarit von Büren (Hrsg.). diaphanes, Zürich 2016, S. 183–189, ISBN 978-3-03734-634-1.
  • Sabine Gebhardt Fink, Muda Mathis, Margarit von Büren (Hrsg.): Floating Gaps: Performance Chronik Basel (1968–1986). diaphanes, Zürich 2011, ISBN 978-3-03734-172-8.
  • Alex Silber (Hrsg.): Blumen für Anita. Anita Neugebauer und die galerie photo art basel. Schwabe Verlag, Basel 2007, ISBN 978-3-7965-2316-8.
  • Hortensia von Roda: Der Zeichner Alex Silber. In: Alex Silber Company. Schwabe Verlag, Basel 2006, ISBN 978-3-7965-2278-9.
  • Daniel Häni et al. (Hrsg.): Werkraum Schlotterbeck. Im Puls der 90er Jahre. Christoph Merian Verlag, Basel 1993.
  • Jean-Christophe Ammann: «Masculin-féminin, physiognomie du travesti». Art actuel. éditions Skira, Genf 1975.
  • Jean-Christophe Ammann, Margrit Suter (Hrsg.): Künstler aus Basel: Miriam Cahn, Rut Himmelsbach, Alex Silber, Anselm Stalder, Vivian Suter, Hannah Villiger, Christine Brodbeck, Anna Winteler, Welcome, the Wondergirls. Ausstellungskatalog. Basler Kunstverein, 1981.

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g Magdalena Schindler: Alex Silber. In: SIKART Lexikon zur Kunst in der Schweiz. 2011, abgerufen am 25. September 2025.
  2. The Bible. In: tinguely.ch. Abgerufen am 25. September 2025.
  3. Johannes Nilo: Alex Silber. In die Zeit gefallen. Werke 1971–2021. St. Gallen/Berlin 2023, ISBN 978-3-907112-61-8, S. 26.
  4. Bice Curiger: Bildmund. In: Johannes Nilo (Hrsg.): Alex Silber. In die Zeit gefallen. Werke 1971–2021. St. Gallen/Berlin 2023, ISBN 978-3-907112-61-8, S. 178.
  5. Hortensia von Roda: Der Zeichner Alex Silber. In: Alex Silber Company. Schwabe Verlag, Basel 2006, ISBN 978-3-7965-2278-9, S. 7.
  6. Ausstellungen 1980. Kunstmuseum Basel, abgerufen am 25. September 2025.
  7. Alex Silber. In: ARTTV. 27. November 2015, abgerufen am 25. September 2025.
  8. Archiv. Kunstraum Riehen, abgerufen am 25. September 2025.
  9. Alex Silber. Schwabe Verlag, abgerufen am 25. September 2025.
  10. Alex Silber. Vexer Verlag, abgerufen am 25. September 2025.
  11. Archiv. Kunsthalle Palazzo, abgerufen am 25. September 2025.
  12. Sabine Gebhardt Fink: There is no Style but Lifestyle. In: Floating Gaps: Performance Chronik Basel (1968–1986). diaphanes, Zürich, ISBN 978-3-03734-172-8, S. 82.
  13. Künstlerkollektiv Protoplast. SRF, 14. November 1993, abgerufen am 26. September 2025.
  14. B. Hagen [Alex Silber]: Spiritus Protoplastus – Die performative Strategie von Protoplast. Hrsg.: Sabine Gebbhardt Fink et al. diaphanes, Zürich, ISBN 978-3-03734-634-1, S. 183–189.
  15. Jürgen Knapp: Runder Tisch. In: Kunstforum International. 1999, abgerufen am 26. September 2025.
  16. Alex Silber: ALIAS / asali. In: editionZ. Nr. 25. Chur 2013.
  17. Sammlung online. Kunstmuseum Basel, abgerufen am 25. September 2025.
  18. Mélanie Honegger: Schlotterbeck-Kunstwerk wird am alten Ort neu inszeniert. In: bz Basel. Basel 27. Juni 2022 (online).
  19. Blumen für Anita. Eine Hommage an Anita Neugebauer und 30 Jahre Galerie photo art basel. Museum Tinguely, 2007, abgerufen am 26. September 2025.
  20. Alex Silber: Blumen für Anita. Anita Neugebauer und die Galerie photo art Basel. Schwabe Verlag, Basel, ISBN 978-3-7965-2316-8.
  21. Kiefer Hablitzel Stiftung: Preisträger. Abgerufen am 4. Oktober 2025.