Albrecht von Goertz
Albrecht Graf von Schlitz genannt von Görtz und von Wrisberg (* 12. Januar 1914 auf dem Rittergut Brunkensen/Alfeld (Leine); † 27. Oktober 2006 in Kitzbühel) war ein deutscher Designer.
Leben
Görtz, eigentlich Graf Schlitz genannt Görtz, war das zweite von drei Kindern des Grafen Rudolf von Schlitz genannt von Görtz und dessen jüdischstämmiger Ehefrau Else Meyer. Seine Mutter wurde 1944 in das Ghetto Theresienstadt deportiert.[1] Sein älterer 1911 in Brunkensen geborener Bruder Eberhard verstarb 1951 im Alter von 40 Jahren, war Gutserbe und von 1945 bis 1946 kurzzeitig Landrat des Landkreises Alfeld. Seine 1915 in Berlin geborene Schwester heiratete den bürgerlichen Kaufmann Otto Kurrer und lebte mit diesem in Hamburg.
Nach der Schule begann Albrecht von Goertz 1933 in Hamburg eine Lehre bei der Deutschen Bank und wechselte 1935 nach London an die Privatbank Helbert Wagg & Company.[2][3] 1936 ging er in die USA und lebte schließlich in Los Angeles, wo er Flugmotoren montierte, Autos wusch, Modelle von Ford tunte[4] und dadurch schließlich sein Designtalent an den damals neuen Hot Rods auslebte. Er kreierte sein erstes eigenes Auto, Paragon genannt, und erhielt die Möglichkeit, dieses Fahrzeug auf der Weltausstellung 1939 in San Francisco auszustellen.[5]
Statt damit den Durchbruch zu erringen, wurde Görtz 1940 in die Armee einberufen. In dieser Zeit heiratete er seine erste Frau Luli von Bodenhausen (1902–1951), von der er sich 1942 scheiden ließ. Sie war 1922 in erster Ehe mit Gottfried Freiherr von Meyern-Hohenberg verheiratet, in dritter Ehe kurz mit Paul Kollsman, der ebenfalls 1951 verstarb.
Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm er vorübergehend Marion Gräfin Dönhoff als Flüchtling auf seinem elterlichen Gut Brunkensen auf. Er ging vor 1951 nach New York, wo er Raymond Loewy traf. Loewy stellte Goertz für Studebaker ein. 1953 machte sich Goertz selbständig, kam mit BMW in Kontakt und erhielt die Aufträge, den BMW 503 und BMW 507 zu entwickeln, die 1955 auf der IAA vorgestellt wurden.
1957 heiratete er Susanne Nettel (1925–2014),[6] mit der er den 1959 geborenen Sohn Peter Joseph hatte.
Von 1962 bis 1965 arbeitete Görtz für den japanischen Hersteller Nissan unter anderem an den ersten Silvia-Baureihen. Im weiteren Verlauf seiner Karriere gestaltete er aber auch andere Gegenstände, beispielsweise Radios, Sportkleidung, Küchengeräte und Schulmöbel; seine letzte Arbeit war ein Jubiläums-Flügel[5] für Steinway & Sons.
Im Jahr 1996 wurde Görtz mit der Ehrenmitgliedschaft des Deutschen Designer Clubs ausgezeichnet.[7]
Schaffen
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BMW 507, 1956.
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BMW 503, 1956.
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Datsun Coupe 1500, 1964.
Genealogie
- Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft. (D.A.G.) Teil A (Uradel). 1942. Jahrgang 115, Justus Perthes, Gotha 1941, S. 474–475.
- Hans Friedrich von Ehrenkrook, Elsa von Bethmann, Friedrich Wilhelm Euler, Wilhelm von Salpius, Hans-Jürgen von Witzendorff: Genealogisches Handbuch der Gräflichen Häuser. A (Uradel). 1952. Band I, Band 2 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Glücksburg (Ostsee) 1952, ISSN 0435-2408, S. 353–355.
Einzelnachweise
- ↑ Siehe auch den Diplomaten und Onkel Richard Meyer.
- ↑ Melina Aulinger, Walter Zeichner: You’ve got to be lucky. ( vom 9. Oktober 2007 im Internet Archive) In: Mobile Tradition live, Juni 2004, S. 10–17 (PDF, 1,25 MB).
- ↑ Julian von Heyl: Albrecht Graf Goertz. In: text42.de, 12. November 2006.
- ↑ Paolo Tumminelli, Car Design, teNeues 2004, ISBN 3-8238-4561-6, S. 385.
- ↑ a b Jürgen Pander: Paradiesvogel als Retter für BMW. In: Spiegel Online, 22. Januar 2011.
- ↑ Traueranzeige für Suzanne Gräfin von Schlitz genannt von Goertz und Freifrau von Wrisberg, geb. Nettel am 28. Juni 2014 in der Süddeutschen Zeitung. (Abgerufen am 31. Januar 2023.)
- ↑ Deutscher Designer Club: Ehrenmitglieder ( vom 11. August 2016 im Internet Archive), abgerufen am 10. Februar 2014.