Albert Everken

Albert Everken (* 5. April 1900 in Essen; † 27. April 1958 in Meschede) war ein deutscher Parteifunktionär (NSDAP).

Leben

Albert Everken wurde als Sohn des Gießereidirektors Hermann Everken geboren und meldete sich nach dem Besuch des Realgymnasiums Essen (1917 Obersekundareife) als Kriegsfreiwilliger bei den Pionieren, kam aber nicht zum Einsatz. Sein Vater war im Besitz eines landwirtschaftlichen Betriebes bei Worbis in Thüringen, dessen Leitung er von 1920 bis 1922 innehatte. Nach einem Studium der Landwirtschaft an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg war er in Mecklenburg und auf der Insel Rügen eingesetzt und kam in die Olsberger Hütte, die sein Vater 1920 als GmbH übernommen hatte und von 1939 an als Olsberger-Hütte Hermann Everken KG führte. Dort war Albert zuletzt leitender Betriebsdirektor und Gesellschafter der Kommanditgesellschaft. Everken engagierte sich politisch und trat zum 1. September 1930 in Lippstadt in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 303.215)[1] und war von Dezember 1930 bis Jahresmitte 1932 Ortsgruppenleiter in Olsberg. Am 1. Februar 1931 wurde er vom Gauleiter Josef Wagner für den Parteigenossen Fritz Dorls zum Bezirksleiter des Kreises Brilon und eines Teils des Kreises Meschede ernannt und gründete Ortsgruppen in Medebach, Eversberg, Ostwig und Elpe[2]. 1933 war er Kandidat für den Preußischen Landtag und ebenso für den Reichstag (Reichstagswahl März 1933). Am 13. September 1931 fand auf dem Borberg ein Internationales Friedenstreffen des Friedensbundes deutscher Katholiken statt, an dem mehrere Tausend Personen teilnahmen. Eine Gruppe Olsberger Nazis stürmte den Borberg und versuchte unter Führung Everkens, die Redner zum Abbruch zu zwingen. Als der Veranstalter Rudolf Gunst einem schwarzen Franzosen den Verbrüderungskuss gab, kommentierte Everken dieses mit „Pfui Teufel“ und die Menge rief: „Deutschland erwache“[3][4].

Von Oktober 1934 bis Dezember 1944 war er ehrenamtlich als Kreisleiter tätig, denn eine zugesagte Ablösung durch einen hauptamtlichen Kreisleiter kam nicht zustande.[5] In dieser Zeit gehörte er dem Kreistag und dem Kreisausschuss des Kreises Brilon an.

Am 15. April 1945 wurde er festgenommen und kam in das Internierungslager Staumühle und in das Lager Recklinghausen, wo er am 22. März 1947 aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig entlassen wurde. Die Spruchkammer Hiddesen verurteilte ihn am 1. Dezember 1948 zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und 9 Monaten, die durch die Internierung verbüßt war. Dazu wurde wegen seines beträchtlichen Vermögens eine Geldstrafe von 20.000 DM festgesetzt. Nach Everkens Gnadengesuch im März 1951 auf Stundung/Erlass der Geldstrafe verfügte der Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen am 16. August 1954 den endgültigen Erlass der Strafe, nachdem diese zuvor für drei Jahre zur Zahlung ausgesetzt worden war.

Im Entnazifizierungsverfahren wurde Everken vom Hauptausschuss Norden am 16. Dezember 1947 in die Kategorie III (Minderbelastet) und im Berufungsverfahren vor dem Bezirksausschuss Arnsberg am 27. September 1949 in die Kategorie IV (Mitläufer) eingestuft und dabei eine Berufsbeschränkung bis zum 27. September 1951 (keine leitende Position in einem Unternehmen mit mehr als 20 Beschäftigten) verhängt. Damit sollte er aus der Geschäftsführung der Olsberger Hütte ausgeschlossen werden.

Nach seiner Freilassung lebte er auf der Insel Norderney und betrieb eine kleine Ferienpension. Mitte der 1950er Jahre war er zeitweise als Handelsvertreter im Sauerland tätig.

Mitgliedschaften

Literatur

  • Wolfgang Stellbrink: Die Kreisleiter der NSDAP in Westfalen und Lippe. Veröffentlichung der staatlichen Archive des Landes Nordrhein-Westfalen: Reihe C, Quellen und Forschung; Band 48, Münster 2003, ISBN 3-932892-14-3, S. 229f. (Digitalisat)

Einzelnachweise

  1. Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/8170418
  2. Sauerländische Friedensboten, Friedensarbeiter, Antifaschisten und Märtyrer des kurkölnischen Sauerlandes. Erster Band 2016. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. Sauerländische Lebenszeugen, Friedensarbeiter, Antifaschisten und Märtyrer des kurkölnischen Sauerlandes. Zweiter Band 2018. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. BV Opfer NS_Militärjustiz, Friedenslandschaft Sauerland, S. 127 Digitalisat
  5. Landkreis Brilon. In: territorial.de