Albanien im Mittelalter

Albanien im Mittelalter trennt eine Epoche der Geschichte Albaniens heraus, die etwa in die Zeit zwischen dem 6. und dem 15. Jahrhundert eingeordnet wird. Dabei sind die Kontinuitätslinien, bedingt durch die Zugehörigkeit zum Byzantinischen Reich mit seinen römischen Traditionen und seiner ausgeprägten Staatlichkeit, stärker als in weiten Teilen Westeuropas. Das Ende der Epoche bezeichnet die Übermacht des Osmanischen Reiches ab dem späteren 15. Jahrhundert, wobei die albanischen Versuche der Abwehr in den Mittelpunkt rücken.

Überblick

In der Spätantike gehörte Albanien, wie der gesamte Mittelmeerraum, zum Römischen Reich. Mit der Reichsteilung des Jahres 395 kam das Gebiet an das Ostreich, womit es stärker östlich-griechischem Einfluss unterlag als westlich-lateinischem. Auch erreichten in Westeuropa entwickelte Strukturen, wie das Lehnswesen, den Balkanraum erheblich später. Sprachlich entwickelten sich der Norden und der Süden verschieden, denn im Norden dominierte die lateinische Sprache, im Süden die griechische. Im 4. und 5. Jahrhundert folgte der Romanisierung die Christianisierung.

Nachdem zunächst Germanen und Slawen das Land zeitweise erobert hatten, und sich die byzantinischen Machtkerne nur in den größeren Städten vor allem an der Küste hielten, kam es in den frühen 840er Jahren zum ersten Bulgarischen Reich. 864 kam es zu einer Grenzregelung, die bulgarischen Herrscher setzten Ende des 9. Jahrhunderts zu einer erneuten Missionierung der inzwischen wieder heidnischen Albaner an, deren Mittelpunkt Devol wurde. Dabei erfolgte der Unterricht in altslawischer Sprache. Danach fiel Albanien aber an Byzanz zurück, das sich weiterhin als Nachfolger des Römerreiches sah. Im Binnenland dominierten inzwischen heidnische Slawen, eine Reihe von Bistümern verschwand, während Byzanz den Küstensaum verteidigen konnte, zusammengefasst zur Provinz (Thema) Dyrrhachion. Das Gebiet um den Skutarisee löste sich aus dem byzantinischen Gebiet und gehörte zu Dioclea, dessen Fürstenresidenz auf der Westseite des Sees lag. Über die ethnische Gruppe der Albaner, die im Hinterland lebten, gibt es vor dem 11. Jahrhundert keinerlei Quellen.

Mit der Eroberung der Bulgarenhauptstadt Ohrid im Jahr 1018 begann für Albanien eine weitere byzantinische Epoche, die bis in die Zeit um 1200 reichte, spätestens jedoch mit dem Vierten Kreuzzug und der Eroberung Konstantinopels im Jahr 1204 endete. Bereits Ende des 12. Jahrhunderts wurde der Norden Albaniens Teil des Königreichs Serbien, dem im 14. Jahrhundert das serbische Zarentum folgte, das ganz Albanien eroberte. Der Süden fiel zunächst an den Despotat Epirus, einen der byzantinischen Nachfolgestaaten. Dort siedelten Stämme der albanischen Wanderhirten im 13. Jahrhundert. Nach dem Zerfall des Serbenreiches nach 1355 reichte die Siedlungstätigkeit der Albaner bereits bis in den Süden Griechenlands und über den Kosovo hinaus.

Während des Spätmittelalters, wenn auch Byzanz bis Mitte des 14. Jahrhunderts noch eine Rolle spielte, ebenso wie die Mächte Süditaliens, entstanden für einige Zeit unabhängige Fürstentümer, die sich 1444 in der Liga von Lezha vereinigten. Diese wurde vor allem vom Königreich Neapel, den Päpsten und der Republik Venedig unterstützt. Mit dem Fall von Shkodra, der letzten Festung der Liga, zerfiel das Bündnis 1479 und in der Folge besetzten die Osmanen das Land für mehr als vier Jahrhunderte.

Kulturell hatte diese Epoche zur Folge, dass sich im Kerngebiet der Albaner ihre eigene Sprache hielt, während die Albaner im Süden die griechische Sprache adaptierten. Die mundartliche Teilung des Landes in Gegen und Tosken im Norden und Süden des Landes geht auch auf den entsprechenden starken venezianisch-neapolitanischen Einfluss im Norden und den stärkeren byzantinischen im Süden zurück. Dabei war das nördliche und mittlere Albanien überwiegend katholisch, der Süden orthodox. Um 1600 war ein großer Teil der Albaner, insbesondere in Süd- und Mittelalbanien, zum Islam übergetreten. Der Siedlung in anderen Reichsgebieten, aber auch dem gesellschaftlichen Aufstieg, stellten die Osmanen nur wenige Hindernisse in den Weg.

Spätantike

Nachdem die Region 168 v. Chr. endgültig an das Römerreich gefallen war, wurde sie im 3. Jahrhundert n. Chr. Teil der Provinz Epirus nova, die wiederum zu Macedonia gehörte.

Die Provinzen wurden nach der Reichsteilung Teile des Oströmischen Reiches, später als Byzanz bezeichnet. Dort wurden später Themen gegründet. Dieses Verwaltungssystem der Themen trug möglicherweise zum Aufstieg des Feudalismus bei, als von ihren Kriegsherren entlassene Bauernsoldaten Besitzer von Grund und Boden wurden.

Mit der Rückeroberung von Teilen des Weströmischen Reiches unter Kaiser Justinian I., also insbesondere des Vandalenreichs in Nordafrika (bis 535) und des Ostgotenreichs in Italien, wurde zugleich der Balkan auf Anweisung Kaiser Justinians stark befestigt. So ließ der Kaiser etwa 600 Festungen bauen, wohingegen im asiatischen Teil des Reiches nur ein Achtel dieser enormen Menge entstand.[1] Eine albanische Inschrift aus Ballshi bei Byllis belegt, dass Victorinus, der Architekt Justinians, die Festungen in den Provinzen Moesia, Scythia Minor, Illyricum und Thracia errichten ließ. In Albanien ließen sich allerdings nur drei Forts aus dem 6./7. Jahrhundert identifizieren. Diese waren Drisht-Shkoder, Shurdhah und Kruja.[2]

Albaner

Die Geschichte Albaniens wurde lange Zeit mit derjenigen der Albaner gleichgesetzt, daher wurde sie meistens teleologisch aufgefasst, nämlich mit dem Ziel der Befreiung von Fremdherrschaft. Daher waren die „anderen“ entweder „Barbaren“, „Unterdrücker“ oder „Fremdherrscher“.

Man nimmt inzwischen an, dass es bereits im 7. Jahrhundert v. Chr. eine eigenständige Sprache gab, die als Vorgängersprache des Albanischen gilt.[3] Jedoch ist die Quellenlage äußerst ungünstig, wenn auch albanische Forscher lange Zeit eine illyrische Herkunft in Anspruch nahmen. Anzeichen dafür schien ihnen die Komani-Kruja-Kultur zu sein, für die sie die Bezeichnung „proto-albanische Kultur“ bevorzugten, die sich von Nordalbanien bis Thessalien erstreckte und die etwa Artefakte der awarischen, aber auch der römischen und der byzantinischen Kultur aufweist. Diese könnten aber genauso gut von angesiedelten Soldaten der spätantiken römischen Armee stammen.[4] Spätestens seit Milan Šufflay, dem eigentlichen Begründer der mittelalterlichen Geschichte der Albaner, wird diskutiert, ob die ethnische Entwicklung der späteren Albaner aus einer ethnisch-kulturellen Mischzone hervorging, oder, wie es vielfach albanische Historiker sahen, ob es schon sehr früh einen ethnischen Kern gab, der in origineller Weise kulturelle Impulse von außen aufnahm und verarbeitete. Die äußersten Grenzen bilden bei dieser Debatte das 6. und 7. Jahrhundert mit der slawischen Zuwanderung und das 14. Jahrhundert mit der osmanischen Eroberung und der für die Zeitgenossen spürbaren Südwanderung der Albaner.

Erstmals taucht der Ausdruck Albanien im Geschichtswerk (Alexiade) der Kaisertochter Anna Komnena auf, also erst in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Jedoch ist die Bezeichnung des Raumes Albanien unklar, denn in der griechischen Form Arbanon bezeichnete es Mittelalbanien, das Bergland um das Matital. Italienische Quellen verweisen um 1400 darauf, dass der Raum zwischen Kotor im Norden und Naupaktos im Süden als Albanien bezeichnet wurde.[5] Ab dem 13. Jahrhundert findet sich in Quellen die Bezeichnung „Albanenses“ oder „Arbanenses“, wie es im Lexikon zur Geschichte Südosteuropas heißt.[6]

Dabei war eine Abgrenzung als „albanisch“ zunächst wohl nicht im Bewusstsein. Der byzantinische Historiker Michael Attaleiates erwähnt in seinem Werk Historia (1079 bis 1080) Albanoi als Beteiligte an einer Revolte gegen Konstantinopel im Jahr 1043 und Arbanitai als Bürger des Themas Dyrrachion. Es ist umstritten, ob er sich dabei auf die Albaner im ethnischen Sinne bezog. Ansonsten wäre dies die erste gesicherte Erwähnung des albanischen Volks.[7] Allerdings finden die Albaner als „Arbanasi“ Erwähnung in einem bulgarischen Text, der wohl zwischen 1000 und 1018 entstanden ist, und der in einer serbischen Kopie von 1628 erhalten ist.[8]

Zu den führenden Adelsfamilien gehörten im Hoch- und Spätmittelalter die Thopia, Balsha, Shpata, Muzaka, Arianiti, Dukagjini und Kastrioti. Die ersten drei stiegen später zu Herrschern von Fürstentümern auf, die praktisch unabhängig von Byzanz waren.

Völkerwanderung

In den ersten Jahrzehnten unter oströmischer Herrschaft (bis 461) litt Epirus nova an Einfällen von Visigoten, Hunnen und Ostgoten. Hinzu kamen später die Slawen, die zunächst nur Raubzüge und Plünderungen unternahmen, sich aber dann auf der gesamten Balkanhalbinsel ansiedelten (siehe Landnahme der Slawen auf dem Balkan).

Goten und Hunnen drangen im späteren 4. Jahrhundert und 5. Jahrhundert ins Römische Reich ein, einige Gruppen siedelten sich dort an. Mit den Awaren erschienen ab 570 neue Gruppen in den Quellen, in deren Schatten fielen im frühen 7. Jahrhundert slawische Gruppen ein, die sich am Ende von ihren Oberherren freimachten.

In den Jahren 600 und 616 zogen große Verbände von Awaren und Slawen Richtung Konstantinopel, erneut 626, um gemeinsam mit den Awaren die byzantinische Hauptstadt zu belagern. 618 erreichten Slawen den Peloponnes, 623 gar Kreta. Ob sie auf Beute aus waren oder ob sie sich dort ansiedeln wollten, ist unklar.[10]

Bulgarische Herrschaft (Mitte 9. Jahrhundert bis 1018)

Die Städte des Hinterlandes wurden in der Völkerwanderungszeit vielfach aufgegeben, nur an den Küsten konnten sich oströmisch-byzantinische Städte halten. Im 9. Jahrhundert kam es darüber hinaus zu Angriffen von islamisierten Arabern und Berbern, die als Sarazenen bezeichnet wurden. Muslimische Flotten griffen zahlreiche Orte entlang der Adriaküste an. Während die Vorbevölkerung, so sie nicht geflohen war, im Landesinneren schnell slawisiert wurde, konnte sich besonders auf den Inseln und in den Küstenstädten die romanische Bevölkerung halten. Im Besitz der Adriaküste, erbauten die dalmatinischen Slawen Flotten, mit denen sie sowohl Seeraub als auch Handel trieben. Sarazenen setzten derweil in der Seeschlacht vor der Insel Sansego (Susak, südöstlich von Pula) den Venezianern schwer zu und standen 875 vor Grado.

Erst die Makedonische Dynastie erreichte die Unterwerfung unabhängiger slawischer Gruppen auf dem Peloponnes um 850, im Thema Dalmatia (869) erlangte Konstantinopel wieder die Kontrolle über die Küstenstädte Risan, Kotor, Bar und Budva, während sie zuvor wieder die Herrschaft über Südalbanien erlangt hatte. Jedoch expandierte ab den 840er Jahren das Bulgarenreich in den albanischen Raum.

Im 7. Jahrhundert hatten die Bulgaren begonnen, den Großteil des Balkans zu erobern. Sie erweiterten ihr Einflussgebiet bis nach Zentralalbanien. Die Eroberer zerstörten griechische, römische und illyrische Zentren, unter anderem Byllis und das angesichts der Slawen verlassene Amantia.[11]

Einige Regionen im Osten Albaniens waren über Jahrhunderte von Bulgaren besiedelt. Der Großteil des Landes wurde in den frühen 840er Jahren dem Ersten Bulgarischen Reich unter der Herrschaft Khan Presians I. angeschlossen.[12]

861 besetzten die Bulgaren Ohrid, 914 war Dyrrhachion im Norden Albaniens die einzige byzantinische Stadt. Sie kam 998 kurzzeitig an die Bulgaren, unterstellte sich 1005 wieder Byzanz. Ende des 9./Anfang des 10. Jahrhunderts traten an die Stelle der beiden Provinzen Alt- und Neu-Epirus die byzantinischen Themen Dyrrhachion im Norden und Nikopolis im Süden.

Zu dieser Zeit erfolgten zahlreiche Stadtgründungen durch die Bulgaren, zumeist jedoch erweiterten sie nur eine bestehende Siedlung (zum Beispiel Pogradec am Ohridsee). Die Festungen des inneren Berglandes verblieben lange letzte Hochburgen der Bulgaren, bevor sie von den Byzantinern 1018 und 1019 während des Falls des Ersten Bulgarischen Reichs erobert wurden.

Byzanz (ab 1018/1041 bis Ende 12. Jahrhundert)

Während dieser Zeit war Albanien eines der Gebiete, in denen sich Bulgaren mehrfach gegen die Herrschaft Konstantinopels erhoben: So unternahm 1040 der bulgarische Feldherr Tihomir in der Region von Durrës einen Aufstand gegen die Steuerlast der byzantinischen Verwaltung. Bald erfasste die Rebellion ganz Albanien und vereinigte sich später mit den Rebellen von Peter Deljan. Nach der Niederlage der Bulgaren im Jahr 1041 übernahmen die Byzantiner wieder die Herrschaft. 1072 wurde ein weiterer Aufstand unter Georgi Vojteh (Mitglied der Kawkhanen) von Byzanz niedergeschlagen.

In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts zerfiel die Herrschaft des Byzantinischen Reiches über den Balkan. Dazu trugen Wanderungsbewegungen großer Völker, wie der Seldschuken im Osten und der Petschenegen im Norden ebenso bei, wie die Angriffe der süditalienischen Normannen, aber auch zentrifugale Tendenzen innerhalb des Reiches. Erste Gebiete im Westen des Reiches machten sich bereits in den 1040er Jahren unabhängig. Unter Mihailo (1046–1081) und dessen Sohn Bodin (1081–1101) erreichte die Duklja ihre größte Machtausdehnung. Bodin gelang die Besetzung Dyrrhachions. Nach seinem Tod brach das Königreich der Duklja jedoch auseinander und der Schwerpunkt der serbischen Lande verlagerte sich – sieht man von einem Intermezzo unter dem Sohn Jakvintas Đorđe Vojisavljević ab, der von 1114 bis 1118 und von 1125 bis 1131 König von Dioklitien war – nach Raszien, unter dessen Herrschaft später auch die Duklja kam.

Bereits in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts zeigten sich erste Anzeichen, dass Konstantinopel die Region immer weniger beherrschen konnte. Nach der Niederlage des byzantinischen Kaisers gegen die Seldschuken in der Schlacht bei Manzikert (1071) im Osten Anatoliens und dem Verlust großer Teile Kleinasiens, verstärkte sich diese Tendenz des Erstarkens regionaler Mächte. 1076 machte sich Kroatien unabhängig und erhob einen König, die Petschenegen überschritten die Donau. Erst nach einer schweren Niederlage 1091 in der Schlacht von Levounion zogen sie sich wieder hinter die Donau zurück.

Wenige Jahrzehnte zuvor war es zu einer diesmal dauerhaften Spaltung des Christentums gekommen. Seit dem Ende des 4. Jahrhunderts war das Christentum die Staatsreligion. Doch obwohl das Land unter byzantinischem Einfluss stand, blieben die Christen der Region unter der Gerichtsbarkeit des römischen Bischofs, bzw. Papstes bis ins Jahr 732. In diesem Jahr trennte der ikonoklastische Kaiser Leo III., verärgert, dass die Erzbischöfe dieser Region Rom beim von ihm ausgelösten Bilderstreit unterstützten, die Kirche des Balkans vom Papst ab und unterstellte sie dem Patriarchen von Konstantinopel. Als sich die Kirche im Jahr 1054 endgültig spaltete (siehe hierzu Morgenländisches Schisma), kam das südliche Albanien zu Konstantinopel, der Norden hingegen wieder zu Rom. Diese Teilung markiert die erste bedeutende religiöse Spaltung der albanischen Bevölkerung.

Doch stand Konstantinopel in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts offenkundigeren Problemen gegenüber. 1077 erhob sich Konstantin Bryennios in Dyrrhachion gegen Konstantinopel. Die Situation an der Adria und zugleich in Kleinasien war für Byzanz nicht mehr zu kontrollieren, zumal die Normannen Süditaliens 1081 begannen Albanien zu erobern. Sie besetzten Korfu, stießen gegen Küstenstädte vor, wie Butrint, Valona und Dyrrhachion, wo sie am 18. Oktober 1081 die Byzantiner schlugen. Sie stießen weiter nach Kastoria und Thessaloniki vor. Nur mit venezianischer Hilfe konnte diese Gefahr abgewehrt werden. Zugleich gelang es, die Seldschuken, die bereits an der Ägäis standen, zurückzuschlagen.

Nach einem Aufstand in Rascien (1149) gelang es Konstantinopel, Serbien zurückzugewinnen. Zwar kam es 1168 zu einem erneuten Aufstand, doch siegte Byzanz erneut im Jahr 1172. Diese letztmalige Herrschaft Konstantinopels endete bereits 1183. Kaiser Manuel I. Komnenos unternahm 1149 und 1150 Strafexpeditionen, 1165 siegte ein kaiserliches Heer, doch seine Nachfolger konnten diese Expansionspläne nicht weiter verfolgen.

Serbien machte sich von Byzanz unabhängig, während Ungarn und Kumanen – letztere saßen seit 1171 statt der Petschenegen nördlich der Donau – den Tod Kaiser Manuels im Jahr 1180 nutzten, um ihre Gebiete auszudehnen. Serben fielen 1183 gemeinsam mit Ungarn in das Reich ein und plünderten Niš und Sofia. Dann vereinigte König Stefan Nemanja die Zeta mit seinem Reich und legte damit den Grundstein für das spätere serbische Großreich.

Die Normannen Süditaliens versuchten ab 1181 abermals Byzanz zu erobern, besetzten im Juni 1185 wieder Dyrrhachion und marschierten erneut Richtung Thessaloniki. Sie mussten aber abziehen, nachdem sie von Alexios Branas geschlagen worden waren. Dieser Sieg ließ jedoch das Reich keineswegs zur Ruhe kommen. Der Feldherr, dem es gelungen war, die Normannen zu besiegen, wurde 1186 zum Kaiser erhoben. Doch er unterlag vor Konstantinopel.

Schließlich beunruhigte Kaiser Friedrich Barbarossa, der den Dritten Kreuzzug quer durch das Reich führte, den Balkan. Am 27. Juli 1189 traf Stefan Nemanja mit Kaiser Friedrich in Niš zusammen. 1190 musste Byzanz den Staat der Serben anerkennen, der jedoch seinerseits 1202 unter ungarische Oberhoheit geriet.

Der byzantinische Machtbereich auf dem Balkan zerfiel nun rapide. Bulgarien machte sich wieder unabhängig und wehrte Rückeroberungsversuche ab. Hingegen konnte sich das Reich des Ivanko südlich von Philippopel nur bis 1198 halten. Die Bulgaren ihrerseits zerschlugen das Reich des Dobromir Chrysos, das etwa von 1196 bis 1198 in Mazedonien bestand. Damit dehnten sie ihren Machtbereich bis an den Ohridsee aus.

Serben und Byzanz, Venezianer und Normannen

An der östlichen Adria hatte schon seit dem 10. Jahrhundert Venedig immer mehr an Macht gewonnen, seinen Herrschaftsanspruch über Istrien und Dalmatien ausgedehnt.[13] Kaiser Alexios I. übertrug dem Dogen den Titel „Herzog von Dalmatien und Kroatien“. Zugleich öffnete er den Venezianern die Märkte des Reiches unter so günstigen Bedingungen, dass sie zu den mächtigsten Verbündeten wurden. Dabei nutzten sie die äußeren Bedrohungen des Reiches aus, um eigene Expansionspläne in der Adria zu verfolgen und das Reich wirtschaftlich zu beherrschen. Mitte des 11. Jahrhunderts war Zara venezianisch und 1076 erklärten Split, Traú, Zara und Biograd, jede Verbindung mit den Normannen, mit denen Venedig im Krieg stand, als Hochverrat betrachten zu wollen. 1125 eroberte die Flotte des aus dem Heiligen Land zurückkehrenden Dogen Domenico Michiel große Teile Dalmatiens, stieß dabei allerdings auf ungarischen Widerstand. So fiel noch vor 1138 Split, vor 1151 Traú an die Ungarn.

Mit dem Wiedererstarken der byzantinischen Macht, die sich 1165 Splits bemächtigte, trat neben Venedig und Ungarn eine dritte politische Kraft auf den Plan, zu der sich außerdem noch die Normannen Süditaliens gesellten. Diese unternahmen allein vier Versuche, sich am Ostufer der Adria festzusetzen, was ihnen zeitweise in Ragusa gelang (1186), während Byzanz ab 1176 stärker auf dem anatolischen Kriegsschauplatz beschäftigt war. Dabei war Ragusa 1171 von Venezianern erobert worden, nachdem der byzantinische Kaiser sie aus Konstantinopel hinausgeworfen hatte. Den fortgesetzten Konflikt beendete erst der Vierte Kreuzzug mit der Eroberung Konstantinopels und der Aufteilung des Byzantinischen Reichs. Venedig wurden drei Achtel zugesprochen.

Die Serben konnten Teile des nördlichen und östlichen Albaniens Ende des 12. Jahrhunderts besetzen. Im Jahr 1204, nachdem die besagten Kreuzfahrer die byzantinische Hauptstadt erobert hatten, übernahm die Republik Venedig die nominelle Kontrolle über Albanien und Epirus. Auch Durazzo kam in seinen Besitz.

Im selben Jahr jedoch konnte ein Prinz der gestürzten byzantinischen Herrscherfamilie, Michael I. Komnenos Dukas Angelos, verschiedene Allianzen mit albanischen Stammesführern schließen und das Despotat Epirus mit der Hauptstadt Ioannina gründen, das neben Nordwestgriechenland auch ganz Albanien umfasste, nur das Bergland im Norden gehörte zu Raszien. Dieser Zweig der Komnenen vertrieb dabei nach und nach die Venezianer aus diesen Gebieten. Der Despot von Epirus unter Führung des Neffen Theodors, Michael II., suchte nach Verbündeten und fand sie in Süditalien. Michael II. gab seine Tochter Helena dem Staufer Manfred zur Ehe, wofür sie als Mitgift die Region zwischen Korfu, Dyrrhachium, Berat und Butrint erhielt. Michael II. verbündete sich mit Lateinern, d. h. seinem Schwiegersohn Manfred, Wilhelm von Villehardouin, dem Herrn der Morea, Guido I., dem Herrn von Athen, seinem unehelichen Sohn Johannes, der in Thessalien residierte, und den Walachen, die sich in Thessalien angesiedelt hatten.

Ab 1230 wurde ein anderer Splitterstaat des Byzantinischen Reichs immer mächtiger, nämlich das kleinasiatische Kaiserreich Nikaia. Nikaia nahm Kontakt mit albanischen Gruppen auf, doch wurden die Unterhändler zurückgeschickt, denn sie bevorzugten das Bündnis mit Epirus.

Nach dem Tod des bulgarischen Zaren Iwan Asen II. im Jahr 1241 lud der Kaiser von Nikaia, Johannes III., den Despoten Theodoros I. Komnenos Dukas zu einer Konferenz ein, die eine gemeinsame Politik gegen Bulgaren und Lateiner vorbereiten sollte. 1241 ließ ihn Johannes III. während der Beratungen verhaften. Nikaia gelang es 1246 Ostthrakien zu erobern, es folgte Thessaloniki, schließlich wurde 1256 Dyrrhachion besetzt.

Michael VIII., dem Nachfolger Theodors, des Kaisers von Nikaia, kam zu Ohren, dass sich diese weit ausgreifende Allianz gegen ihn zusammengefunden hatte. Er stellte ein vorwiegend aus kumanischen und seldschukischen Söldnern bestehendes Heer auf, das bereits im März 1259 in Makedonien stand. Johannes, der Bruder des neuen Kaisers, besetzte Ohrid und drang nach Albanien vor, noch ehe sich die Epiroten mit ihren Verbündeten vereinigt hatten. Im Spätsommer 1259 schlug diese Armee die inzwischen zerstrittenen Verbündeten bei Pelagonia (bei Bitola). Michael II. hatte aufgrund dieser Streitigkeiten das Schlachtfeld mit seinen Truppen eilig verlassen. Trotz der Niederlage gelang es ihm, sich zu halten und bald seinen Machtbereich wieder auszudehnen, und auch Manfred konnte einige verlorene Festungen zurückerobern. Dennoch war Nikaia deutlich erstarkt, was sich besonders zeigte, als in einem Handstreich Konstantinopel 1261 wieder in seine Hand fiel.

Innere Machtkämpfe in Konstantinopel schwächten das Byzantinische Reich jedoch erneut. 1272 eroberte Karl I. von Neapel, der bereits die Staufer in Süditalien besiegt hatte, die Hafenstadt Dyrrachium und gründete das Regnum Albaniae, das während seiner größten Ausdehnung den Hauptteil Albaniens sowie die griechische Insel Korfu umfasste. Er bezeichnete sich im Februar 1272 als „König Albaniens“. Bald darauf folgte eine Gegenoffensive der Byzantiner, die die Anjou aus dem Landesinneren bis 1281 vertrieb. 1282 sorgte schließlich die Sizilianische Vesper, ein Volksaufstand gegen die Anjou, dafür, dass die Franzosen die Insel verlassen und ihre Eroberungspläne zunächst aufgeben mussten. Schließlich schrumpfte das Reich durch das Despotat Epirus auf eine kleine Region um Durrës zusammen, bis es 1368 vom albanischen Fürsten Karl Thopia endgültig erobert wurde.

Der serbische Herrscher Milutin (1282–1321) nahm die Expansion nach Süden auf Kosten des Byzantinischen Reiches wieder auf. Er eroberte Westmazedonien, riss aber auch nach Norden bis zur Donau-Save-Linie bulgarisches Gebiet an sich. Er eroberte 1295 Dyrrhachium. In den folgenden Jahrzehnten dehnten die Serben ihr Territorium weit in griechisches Gebiet aus und besetzten Albanien. So entstanden zwei serbische Königreiche, das nemanjidische Serbien mit Makedonien unter Milutin und das nördliche Königreich, das sich stärker an Ungarn orientierte.

Schließlich eroberten die Serben unter Stefan Dušan (1331–1355) ganz Albanien. Die Serben expandierten später sogar weit in den griechischen Süden. Byzanz seinerseits hatte schon 1338 eine Strafexpedition ausgesandt, da sie das Gebiet um die Festungen Berat, Kanina, Klisura und Skrapari unsicher machten.[14] Kaiser Andronikos III. hatte seine Truppen 1336 in Ioannina einmarschieren lassen. In den folgenden beiden Jahren bekämpfte er erfolgreich die mittlerweile in Thessalien und Epirus ansässigen albanischen Kleinreiche.

Der innergriechische Kampf der folgenden Jahre um die Macht in Epirus endete zwar mit einem byzantinischen Sieg und Byzanz fielen alle wichtigen Städte und Burgen des Landes von Berat im Norden bis Arta im Süden zu, aber albanische Stammesführer kontrollierten nach 1340 das flache Land und der byzantinischen Verwaltung blieb nichts übrig, als sich mit ihnen zu arrangieren, denn der Großteil der Truppen war nach dem Tod des Andronikos (1341) im Osten in einen langwierigen Bürgerkrieg verwickelt.

Im eroberten Epirus setzte Zar Dušan seinen Halbbruder Simeon Uroš Palaiologos als Regenten ein, der selbst 1359 Despot wurde. Zur Festigung seiner Position heiratete dieser Thomais, die Tochter der Anna Palaiologina und Schwester Nikephoros II. Dukas. Byzanz war endgültig zur Regionalmacht geworden und verlor weitgehend seinen Einfluss bei den Albanern, allerdings sicherten sie weiterhin ihre Macht durch den kaiserlichen Nimbus.

Arbëria/Arbanon (1190–1255)

Schon viel früher entstand im Jahr 1190 als erste eigenständige albanische Gründung das Fürstentum von Arbër (oder von Arbëria), in der Forschung zumeist Arbanon genannt. Seine Hauptstadt, im Norden Albaniens gelegen, war Kruja. Als Gründer werden Progon, später auch Gjin und Dhimitër genannt. Beide waren Söhne Progons, alle drei zusammen bildeten das Haus Progon. Gëziq oder Ndërfandina (Ort in der Mirdita) war dabei das wichtigste Zentrum des Fürstentums. Dafür sprechen verschiedene Funde aus der katholischen Marienkirche (alb. Shën Mëri).[16]

Nach dem Sturz des Hauses Progon kam das Fürstentum unter die Herrschaft von Gregor Kamona und Gulam von Albanien. Letztendlich wurde dieses Reich 1255 aufgelöst. Seine Blütezeit erreichte es unter Dhimitër Progon (1208–1216).

Dhimitër Progon war der dritte und letzte Herrscher Albaniens aus der Progon-Dynastie. Er regierte zwischen 1208 und 1216 und folgte damit seinem Bruder Gjin Progon nach. Lateinische Quellen bezeichnen ihn als judex[17] (Richter) und princeps arbanorum[18] (Fürst der Albaner), während byzantinische Schriften entsprechend ihren Vorstellungen von der kaiserlichen Amtsvergabe ihm den Titel megas archon (großer Archon) geben. Er heiratete Komnena, die Tochter des serbischen Prinzen Stefan Nemanja und Enkelin des byzantinischen Kaisers Alexios III. Angelos. So erhielt er den Ehrentitel panhypersebast.

Die Heirat zwischen Dhimitër und der Tochter Nemanjas schloss nicht eine serbische Expansion Richtung Albanien aus. Indessen kam 1204 die ernstere Gefahr aus dem venezianischen Herzogtum von Durrës. Auf der Suche nach Verbündeten unterzeichnete Dhimitër 1209 einen Pakt mit der Republik Ragusa und nahm Verhandlungen mit Papst Innozenz III. auf, die auf eine Konversion der Untertanen und seiner eigenen Person zum Katholizismus abzielten. Dies wird als strategischer Schritt Dhimitërs angesehen, um Bindungen mit Westeuropa gegen Venedig zu etablieren. Der Papst gab Nicolaus, dem Erzdiakon von Dyrrhachium, Anweisung, ihn im katholischen Glauben zu unterweisen.[19] Wenig später starb der Erzbischof. Der lokale Vertreter Venedigs riss daraufhin die Kirchengüter an sich. Nun rissen Dhimitër und sein griechischer Verbündeter ihrerseits die Kirchengüter rund um die Stadt an sich. Infolgedessen wurde Dhimitër von Rom exkommuniziert. Dieser Vorgang hatte seine Ursache auch darin, dass Dhimitër glaubte, nachdem er die nördlich seines bisherigen Machtgebiets gelegene Zeta (Montenegro) inzwischen unter seine Herrschaft gebracht hatte, keine westlichen Verbündeten mehr gegen Venedig zu brauchen. So dauerte das „Abenteuer“ der Katholisierung nur von Februar 1208 bis August 1209. Mit dem Tod des Dhimitër im Jahr 1216 erscheint der Begriff Principatum Albaniae nicht mehr in den Quellen.[20]

Dhimitër hatte keinen Sohn, der sein Nachfolger hätte werden können. Seine Witwe heiratete den albanischen Adligen Gregor Kamona, der seine Nachfolge antrat.[21] Unter seinem Nachfolger Gulam von Albanien hörte das Reich auf zu existieren.

Albanische Fürstentümer

Das 14. Jahrhundert und der Anfang des 15. Jahrhunderts war die Zeit, in welcher in Albanien unabhängige Fürstentümer unter albanischen Adligen gegründet wurden. Diese Fürstentümer entstanden zwischen dem Fall des serbischen Reiches und der osmanischen Eroberung. 1385 rief Karl Thopia den Sultan um Hilfe gegen seine Rivalen an, die Adelsfamilie Balšić. Diese besiegten Balša II. in der Schlacht von Savra vernichtend. Die albanischen Clans schworen daraufhin dem Sultan die Treue. Die Osmanen erlaubten den albanischen Clanführern im Gegenzug, ihre Stellungen und ihr Eigentum zu behalten, doch mussten sie Tribut zahlen, ihre Söhne als Geiseln an den Hof schicken und die Osmanen mit Hilfstruppen versorgen.[22]

Fürstentümer in Epirus

Im späten Frühling oder Frühsommer 1359 fand zwischen Nikephoros II. Dukas, dem letzten Despoten von Epirus aus der Familie der Orsini, und albanischen Stammesführern unter der Führung von Peter Losha und Shpata die Schlacht am Acheloos in Ätolien-Akarnanien statt. Der Despot wurde abgesetzt und die Albaner gründeten drei neue Fürstentümer im südlichen Territorium des Despotats. Da eine Vielzahl von albanischen Anführern den erfolgreichen Feldzug des serbischen Zaren Stefan Uroš V. mittrug, vergrößerte er die genannten Fürstentümer und, um sich ihre Treue zu sichern, verlieh er ihnen auch den byzantinischen Titel eines Despoten.

Der nördliche Staat hatte seine Hauptstadt in Arta und wurde vom albanischen Adligen Peter Losha regiert. Das südliche Fürstentum befand sich in Angelokastro (auch Lepanto spielte eine wichtige Rolle, deshalb manchmal auch Despotat von Angelokastro und Lepanto genannt) und wurde von Gjin Bua Shpata regiert.

Beide Fürsten erhielten von den damaligen serbischen Königen Despotentitel. Nach dem Tod Peter Loshas im Jahr 1374 wurden die Despotate von Arta und Angelokastro unter der Herrschaft von Gjin Bua Shpata vereinigt. Es dehnte seinen Machtbereich vom Golf von Korinth bis zum Fluss Acheron im Norden aus. Diese Herrschaft bestand bis 1416, als sie von den Osmanen erobert wurde.

Fürstentümer in Albanien und Kosovo

Von 1335 bis 1432 wurden in diesen Gebieten fünf Fürstentümer gegründet. Das erste von ihnen war das Fürstentum von Berat, das 1335 von den Muzaka errichtet wurde und neben der Stadt Berat auch die Ebene Myzeqe im Westen davon umfasste. Das Fürstentum Albanien, entstanden aus dem Gebiet des (Ersten) Königreichs Albanien, war das mächtigste unter den fünfen. Es wurde nach der Auflösung des Regnum Albaniae von Karl Thopia gegründet. Die Herrscher des Fürstentums wechselten immer wieder zwischen den Thopia- und Balsha-Dynastien bis 1392, als es vom Osmanischen Reich erobert wurde.

Ein weiteres Fürstentum war das Herrschaftsgebiet der Kastrioten, einer von Gjon Kastrioti I. gegründeten Dynastie. Es wurde später von den Osmanen erobert, aber wieder vom heutigen Nationalhelden Skanderbeg befreit. Zudem war das Fürstentum von Dukagjin, das sich über die Malësia e Madhe bis nach Priština im Kosovo ausdehnte, von großer Bedeutung.[23] Das fünfte Fürstentum war dasjenige der Arianiten, das über Gebiete Zentralalbaniens herrschte.

Historisch bedeutend war für diese Fürstentümer die Schlacht auf dem Amselfeld am 15. Juni 1389, an der einige Fürsten wie Pal Kastrioti und Theodor Muzaka II. teilnahmen. Beide fielen in dieser Schlacht. Die Schlacht auf dem Amselfeld wurde sowohl als eine Etappe der osmanischen Eroberung der Balkanhalbinsel gedeutet, als auch der Gegenwehr der albanischen Bevölkerung.

In dieser Zeit ereignete sich die erste Niederlassung von albanischen Flüchtlingen in Süditalien, deren Nachfahren heute die ethnische Minderheit der Arbëresh bilden. Ein Beleg dieser Anwesenheit ist die Gedenktafel an den albanischen Kommandanten Giacomo Matranga in der Santa Caterina Kirche im sizilianischen Enna.[24]

Als Skanderbeg die Stadt Kruja von den Osmanen befreite und das Fürstentum der Kastrioten neu organisierte, konnte der Nachfolger von Georg Thopia, Andreas II. Thopia, die Kontrolle über das Fürstentum Albanien gewinnen.

Liga von Lezha (1444–1479)

Unter dem Druck des Osmanischen Reichs vereinigten sich die Fürstentümer am 2. März 1444 zu einer Konföderation bzw. Eidgenossenschaft. Die Liga von Lezha, benannt nach ihrem Gründungsort Lezha in Nordalbanien, wurde zuerst von Gjergj Kastrioti Skanderbeg und nach dessen Tod von Lekë Dukagjini angeführt. Skanderbeg berief ein Treffen albanischer Adliger nach Lezha ein, darunter die Arianiten, Dukagjiner, Spani, Thopia, Muzaka und freie albanische Fürstentümer des Berglandes, wo die Adligen zustimmten, zusammen gegen den gemeinsamen Feind zu kämpfen. Sie wählten dazu Skanderbeg zu ihrem Anführer.

Die Liga war eine Föderation unabhängiger Herrscher, die einer gemeinsamen Außenpolitik nachgingen, um mit einer einheitlichen Armee ihre Unabhängigkeit zu verteidigen. Natürlich erforderte all dies auch ein gemeinsames Budget, um die hohen Militärausgaben zu decken; und so leistete jede Familie ihren Beitrag zum gemeinsamen Fonds der Liga.

Gleichzeitig behielt jeder Clan seinen Besitz und seine Autonomie. Die Entstehung und das Funktionieren der Liga war der bedeutendste Versuch, einen gesamtalbanischen Widerstand gegen die Eroberer zu bilden.

Unter der Führung von Skanderbeg marschierten die albanischen Armeen nach Osten und nahmen strategisch wichtige Städte wie Dibra und Ohrid ein. Für 25 Jahre, zwischen 1443 und 1468, marschierten die 10.000 Mann Skanderbegs durch das osmanische Territorium und gewannen eine Schlacht nach der anderen gegen die zahlenmäßig überlegenen und gut bewaffneten osmanischen Armeen. Osmanische Erfolge in der eigenen Heimat motivierten Ungarn, später auch Neapel und Venedig, die finanzielle Unterstützung von Skanderbegs Armee sicherzustellen.

Am 14. Mai 1450 erstürmte und überwältigte ein osmanisches Heer die Stadtburg von Kruja. Diese Stadt war besonders für Skanderbeg bedeutend, da er 1438 (noch vor seiner Rück-Konversion zum Christentum) von den Osmanen zum Subaşı (Stadtvogt) von Kruja bestimmt worden war. Laut den Chroniken von Ragusa dauerte die Belagerung vier Monate, dabei verloren Tausende ihr Leben. Dennoch waren die osmanischen Kräfte nicht in der Lage, die Stadt einzunehmen und mussten sich zurückziehen, noch bevor der Winter einbrach. Im Juni 1466 führte Sultan Mehmed II. (genannt der Eroberer) eine 150.000 Mann starke Armee nach Kruja und massakrierte die albanischen Kräfte.

Für sein legendäres Wirken wurde Skanderbeg in der damaligen Zeit bis nach West- und Nordeuropa berühmt. Auch nach seinem Tod im Jahr 1468 hielten die Kämpfe noch bis 1481 an, als unter Lekë Dukagjini die albanischen Kräfte den Osmanen endgültig unterlagen. Shkoder fiel nach fünfzehnmonatiger Belagerung im Jahr 1479, Venedig musste Durazzo 1501 evakuieren. Viele Albaner flohen nach Süditalien und Venedig, aber auch nach Ägypten. Diese Gemeinden in der Diaspora spielten später eine wesentliche Rolle bei der Erhaltung der christlichen Kirchen und dem Aufleben des albanischen Nationalismus im 18. und 19. Jahrhundert.

Quellen

  • Robert Elsie: Early Albania. A Reader of Historical Texts, 11th–17th Centuries, Otto Harrassowitz, Wiesbaden 2003 (für das Mittelalter bis S. 33 relevant). (Google Books)

Literatur

  • Georg Stadtmüller: Albanien, Albaner, in: Lexikon des Mittelalters, Bd. 1, Artemis-&-Winkler-Verlag, München/Zürich 1980, Sp. 273–276.
  • Alain Ducellier: La façade maritime de l’Albanie au Moyen Age. Durazzo et Valona du XIe au XVe siècle, Thessaloniki 1981.
  • Alain Ducellier: L’Albanie entre Byzance et Venise, Xe–XVe siècles, Variorum reprints, London 1987.
  • Anila Omari: La lingua nello stato di Arbanon, in: Palaver 4 n.s. 1 (2015) 299–314. (archive.org, 17. April 2018)
  • Robert Elsie: Historical Dictionary of Albania, Otto Harrassowitz, Scarecrow Press, Lanham/Toronto/Plymouth, 2. Aufl. 2010. (Google Books)
  • Tom Winnifrith (Hrsg.): Perspectives on Albania, Palgrave Macmillan, New York 1992 (v. a. S. 40–88). (Google Books)
  • Danila A. R. Fiorella: Insediamenti albanesi nella Daunia tardo medievale, in: 18° Convegno nazionale sulla Preistoria - Protostoria - Storia della Daunia. San Severo 29 - 30 Novembre 1997. La Capitanata tra medioevo ed età moderna (secc. XIII-XVII), San Severo 1999, S. 107–121 (Albaner im Süden Italiens). (online, PDF)

Anmerkungen

  1. Florin Curta: The Making of the Slavs. History and Archaeology of the Lower Danube Region, c. 500–700, Cambridge University Press, 2001, S. 88 und 150 f.
  2. Florin Curta: The Making of the Slavs. History and Archaeology of the Lower Danube Region, c. 500–700, Cambridge University Press, 2001, S. 167.
  3. Oliver Jens Schmitt, Eva Anne Frantz (Hrsg.): Albanische Geschichte. Stand und Perspektiven der Forschung, München 2009, S. 39.
  4. Zur mitunter schillernden Deutung archäologischer Funde, besetzt von erkenntnisleitenden Interessen vgl. William Bowden: The Construction of Identities in Post-Roman Albania, in: Luke Lavan, William Bowden (Hrsg.): Theory and Practice in Late Antique Archaeology, Brill, Leiden 2003, S. 57–78.
  5. Oliver Jens Schmitt: „Die Monade des Balkans“ – die Albaner im Mittelalter, in: Ders., Eva Anne Frantz (Hrsg.): Albanische Geschichte. Stand und Perspektiven der Forschung, München 2009, S. 61–80.
  6. Konrad Clewing, Holm Sundhaussen: Lexikon zur Geschichte Südosteuropas, 2. Auflage, Böhlau Verlag, 2016, S. 54.
  7. Omeljan Pritsak: Albanians, in: Oxford Dictionary of Byzantium, Bd. 1, Oxford University Press, New York / Oxford 1991, S. 52 f.
  8. Robert Elsie: Early Albania, S. 3.
  9. The Avar Treasure, Heilbrunn Timeline of Art History des Metropolitan Museum of Art.
  10. Michael Wilhelm Weithmann: Slaven auf der griechischen Halbinse, Tofenik 1978, S. 27 und S. 147 bezieht sich auf die Chronik des Thomas Presbyter von Emesa aus dem 7. Jahrhundert (Ernest Walter Brooks, Jean-Baptiste Chabot (Hrsg.): Corpus Scriptorum Christianorum Orientalium, Löwen 1907, 115). Hingegen sprechen ihnen Klaus Gallas, Klaus Wessel, Manolis Borboudakis: Byzantinisches Kreta, Hirmer 1983, S. 16 jede Siedlungsintention ab, sondern halten sie für Plünderer.
  11. Raymond Zickel, Walter R. Iwaskiw: Die Einfälle der Barbaren und das Mittelalter in Albanien. 1994, abgerufen am 3. Oktober 2011.
  12. Yordan Andreev: The Bulgarian Khans and Tsars. Hrsg.: Abaga. 1996, ISBN 954-427-216-X, S. 70 (Originaltitel: Balgarskite hanove i tsare, Българските ханове и царе.).
  13. Zur Ausweitung der Herrschaft über die obere Adria: Antonio Battistella: Il dominio del Golfo, in: Nuovo Archivio Veneto, nuova serie 35 (1918). Walter Lenel: Die Entstehung der Vorherrschaft Venedigs an der Adria, Straßburg 1897.
  14. Edwin E. Jacques: The Albanians. An Ethnic History from Prehistoric Times to the Present, McFarland, 1995, S. 164 f.
  15. Der Text lautet: „† Ego Demetrius, Dei gratia, panhypersebastos et magnos archon, juro super quattuor sancta dei evangelia, sine fraude et malo ingenio, firmam pacem habere et manutenere semper vite mee dum vixero civitati Ragusii et omnibus hominibus raguseis ut ipsi ragusei salvi et securi ambulent per totam teram meam sine ullo datio in omnibus iustitiis suis tam per terram quam per mare liberi et securi et sicut ego hoc iuro et firmo ita precipio omnibus hominibus meis ut hoc iurent et firmiter teneant omnibus diebus vite eorum. Ego Andreas Stapanus iuravi. Ego Ionima iuravi. Ego Marteni iuravi. Ego Alexi iuravi. Ego Paullus iuravi. Ego Demetrius iuravi. Ego Cosmas iuravi. Ego Ferneti iuravi. Ego Lazarus iuravi. Ego Johanes iuravi. Ego Nicolaus iuravi. Ego Postus (?) iuravi. Ego… iuravi. Ego Leti iuravi. Ego Sundia Andrea iuravi.“ (Anila Omari: La lingua nello stato di Arbanon, in: Palaver 4 n.s. 1 (2015) 299–314, hier: S. 306 (archive.org, 17. April 2018)).
  16. Dimitër S. Shuteriqi: Një mbishkrim i Arbërit (1190-1216) dhe mbishkrime te tjera gjetur ne Mirdite (Eine lnschrift aus Arbanon (1190–1216) und andere in der Mirdita gefundene lnschriften), in: Studime Historike 4 (1967) 131–158.
  17. Acta Albaniae I, n. 135, 16. August 1208.
  18. „Hic nominatus Demetrius, Progoni archontis filius et successor et frater archontis Gini, ab Innocentio III Princeps Arbanorum honoratur, terrae scilicet urbis Croiae vicinae, regionis montosae inter Scodram, Dyrrachium, Achridam et Prizrenam sitae. Haec regio Illyriae Romanae correspondet.“ (Acta Innocentii PP. III (1198–1216), 1944, S. 338).
  19. Acta Albaniae I, nr. 133, 28. Februar 1208.
  20. Etleva Lala: Regnum Albaniae, the Papal Curia, and the Western Visions of a Borderline Nobility, Diss., Budapest 2008, S. 17 f.
  21. Moikom Zeqo: Kur lindi shteti tek shqiptarët? auf albasoul.com.
  22. The Ottoman Conquest of Albania, in: Raymond Zickel, Walter R. Iwaskiw (Hrsg.): Albania. A Country Study, Federal Research Division of the Library of Congress, 2. Aufl. 1994, S. 9–12 (online, PDF).
  23. Mortimer Sellers: The Rule of Law in Comparative Perspective. Hrsg.: Springer. 2010, ISBN 978-90-481-3748-0, S. 207 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  24. Danila A. R. Fiorella: Insediamenti albanesi nella Daunia tardo medievale, Foggia 1999, S. 4.