Ursus arctos gyas

Alaska-Halbinsel-Braunbär

Alaska-Halbinsel-Braunbär in Hallo Bay, Katmai-Nationalpark, Alaska

Systematik
Klasse: Säugetiere (Mammalia)
Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
Familie: Bären (Ursidae)
Art: Braunbär (Ursus arctos)
Unterart: Alaska-Halbinsel-Braunbär
Wissenschaftlicher Name
Ursus arctos gyas
Merriam, 1902

Der Alaska-Halbinsel-Braunbär, Alaska-Küstenbraunbär, Alaska-Braunbär oder Großer Alaska-Braunbär (Ursus arctos gyas) ist eine mögliche Unterart des Braunbären (Ursus arctos). Die in den Küstenregionen im Süden Alaskas lebende Population[1][2] unterscheidet sich genetisch deutlich von den anderen nordamerikanischen Braunbärpopulationen, die mit Ausnahme des Kodiakbären (Ursus arctos middendorffi), als Grizzlybären (Ursus arctos horribilis) bezeichnet werden.[3]

Die Form wurde 1902 als eigene Unterart beschrieben und später unter dem Namen Ursus gyas sogar als eigene Art betrachtet. Sie wird heute aber von Wissenschaftlern überwiegend als lokale Population des nordamerikanischen Grizzlybären (Ursus arctos horribilis) gesehen. Allerdings unterscheidet sie sich äußerlich stark von den Grizzlybären im Binnenland von Alaska. Die Braunbären an der Küste der Alaska-Halbinsel sind sehr groß und kräftig und wiegen normalerweise zwischen 360 und 540 kg. Diese Unterscheidungsmerkmale haben dazu geführt, dass der englischsprachige Trivialname Alaska Peninsula brown bear (Alaska-Halbinsel-Braunbär) bzw. Alaska coastal brown bear (Alaska-Küstenbraunbär) für diese Küstenpopulation beibehalten wurde.

Ernährung

An der Südküste Alaskas kommen sie in großer Dichte vor. Dies liegt an den großen Mengen an Seggengras und dem großen Lachsvorkommen dort. Dadurch können sie enorme Größen erreichen und gehören zu den größten Bärenarten der Welt. Sie versammeln sich in großer Menge an Futterplätzen, wie zum Beispiel an den Brooks Falls und den McNeil Falls, beide im Katmai-Nationalpark in der Nähe von King Salmon.

Die Alaska-Braunbären nutzen viele verschiedene Methoden, um die laichenden Lachse zu fangen. Sie warten beispielsweise am Fuße der Wasserfälle, bis die Fische springen, oder sie stehen oben am Wasserfall und fangen die Fische in der Luft (manchmal mit dem Maul). Außerdem werden die Fische gejagt und dann mit den Bärenkrallen aufgespießt. Neben dem Lachs ernähren sich die Bären hauptsächlich von den dortigen Beeren und Gras. Sie legen ausreichend Fettreserven an und verfallen dann in einen Winterschlaf.[4]

Name und Etymologie

Der Name entstand vermutlich deshalb, weil er bis 1975 als eigene Art gegenüber der Grizzlybären im Binnenland Alaskas betrachtet wurde. Zwar wurde er nie näher mit den europäischen Braunbären verwandt gesehen als mit den Binnenland-Grizzlys, erhielt jedoch aufgrund der Größen- und Farbunterschiede zwischen Küstenbraunbären und Binnenlandgrizzlys eine eigene Bezeichnung. Seit 1975 wird er zwar zu der Art der Grizzlybären gesehen, wenngleich die küstennahen Tiere weiterhin als Braunbären bezeichnet werden. Im allgemeinen Sprachgebrauch sind Braunbär und Grizzlybär dasselbe Tier, das lediglich in unterschiedlichen Regionen lebt. Durch die großen Unterschiede und Besonderheiten sehen viele Menschen den Bär auf der Alaska-Halbinsel eigenständig und differenziert.[2] Die Küstenbären erreichen durch ihre lachsreiche Ernährung in der Regel größere Körpermaße. Die Gesamtzahl der Braunbären in den Vereinigten Staaten wird auf etwa 32.000 Tiere geschätzt, von denen rund 95 % (ca. 30.400) in Alaska vorkommen. Etwa 4.000 davon sind Alaska-Küstenbären.[5]

Aussehen

Die Braunbären der Alaska-Halbinsel gehören zu den größten Vertretern der Art weltweit. Sie erreichen in der Regel eine Körperlänge von etwa 2,4 Metern, eine Schulterhöhe von 1,22 bis 1,37 Metern und eine Hinterfußlänge von rund 28 Zentimetern. Das Durchschnittsgewicht eines männlichen Küstenbären liegt bei etwa 408 Kilogramm, während Weibchen im Mittelmaß rund 227 Kilogramm wiegen. Einer der größten bekannten Braunbären Alaskas erreichte eine Höhe von 2,74 Metern. Vereinzelt wurden Männchen dokumentiert, die die gewöhnlichen Maße deutlich übertreffen und Gewichte von bis zu 680 Kilogramm erreichen.[6] Ein Männchen dieser Größe kann aufgerichtet bis zu drei Meter hoch sein und eine Schulterhöhe von bis zu 1,5 Metern haben. Das schwerste bekannte Exemplar wurde 1948 nahe Cold Bay erlegt: sein Gewicht wurde auf 725 bis 771 Kilogramm geschätzt. Da das Tier direkt aus dem Winterschlaf kam und kaum Fettreserven trug, hätte es am Ende des Sommers vermutlich rund 839 Kilogramm gewogen. Die Fellfarbe der Grizzlybären variiert von blond bis nahezu schwarz, ist jedoch meist braun mit hellen Spitzen. Charakteristisch ist zudem ein ausgeprägter Muskelhügel auf den Schultern, der eine Unterscheidung zum Schwarzbären erleichtert, da dieser keine entsprechende Ausprägung besitzt.[7][8][9]

Unterschiede zum Binnenlandgrizzly

In Alaska leben auf dem Festland zwei Populationen von Braunbären, deren Verwandtschaftsgrad umstritten und immer wieder Gegenstand neuer Forschungsansätze ist. Sie werden von den Wildtierbiologen einerseits als Binnenlandgrizzlys bezeichnet, wenn sie im Norden und im Inneren Alaska vorkommen, andererseits als Küstenbraunbären, wenn sie an den Küsten im Südwesten Alaskas leben. Sie unterscheiden sich im äußeren Erscheinungsbild und im Verhalten, dennoch ist ihr Status als getrennte Unterarten nicht endgültig geklärt. Dazu kommt der auf dem Kodiak-Archipel vor der Küste Alaskas lebende Kodiakbär (Ursus arctos middendorffi), dessen Status als eigene Unterart von den meisten Zoologen anerkannt wird.

Der Alaska-Küstenbraunbär bildet gewissermaßen eine Zwischenform zwischen dem kleineren Grizzlybären des Landesinneren und dem massigen Kodiakbären. Er erreicht durch das reichhaltige Nahrungsangebot an der Küste deutlich höhere Körpergewichte. Anders als die isoliert lebenden Kodiakbären verfügen die Küstenbraunbären über eine größere genetische Vielfalt, was sie anpassungsfähig gegenüber ökologischen Veränderungen macht.

Weitere Unterschiede bestehen beim Gewicht: Während beim Binnenland-Grizzlybär kein Fall eines Gewichts von 450 Kilogramm dokumentiert wurde, ist dies im Herbst die Regel beim Alaska-Küstenbraunbär.

Die Küstenbraunbären haben außerdem ein meist dunkleres Fell als die Binnenlandgrizzlys.[10]

Die Unterschiede in Größe und Gewicht liegen daran, dass der Alaska-Küstenbraunbär deutlich bessere ökologische Gegebenheiten hat, als die Binnenlands-Bären. Sie haben keine langen Wege und ein starkes Überangebot an Nahrung. Außerdem fehlt ihnen die Konkurrenz. Dadurch können sie sich deutlich besser und kräftiger entwickeln.

Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal im Vergleich zu den Binnenlandgrizzlys ist das Sozialverhalten während der Lachswanderungen: Küstenbraunbären können sich an Flüssen in großen Gruppen von 30 oder mehr Individuen versammeln. Dies ist ein Verhalten, das bei Binnenlandgrizzlys aufgrund geringerer Nahrungsverfügbarkeit kaum vorkommt. Diese Toleranz gegenüber Artgenossen ist direkt an das saisonale Überangebot an Nahrung gebunden und verschwindet, sobald dieses abnimmt. Abgesehen von der Bindung zwischen Muttertieren und ihren Jungen zählt dieses saisonale Verhalten zu den wenigen Situationen, bei denen Braunbären soziale Interaktionen in größeren Verbänden zeigen.[2]

Zoohaltung

Der Ursus arctos gyas wird in fünf Zoos in den Vereinigten Staaten gehalten:

Trivia

  • Ende September/Anfang Oktober jedes Jahres findet die Fat Bear Week statt: Dort wird der fetteste Alaska-Halbinsel-Braunbär gewählt.

Einzelnachweise

  1. a b www.Zootierliste.de. Abgerufen am 28. September 2025.
  2. a b c Küstenbraunbär. Abgerufen am 28. September 2025.
  3. Menno J. de Jong, Aidin Niamir, Magnus Wolf, Andrew C. Kitchener, Nicolas Lecomte, Ivan V. Seryodkin, Steven R. Fain, Snorre B. Hagen, Urmas Saarma, Axel Janke: Range-wide whole-genome resequencing of the brown bear reveals drivers of intraspecies divergence. In: Communications Biology. Nr. 6, 2023, doi:10.1038/s42003-023-04514-w (englisch).
  4. Grizzly Bear. National Park Service, abgerufen am 28. September 2025 (englisch).
  5. Brown or Grizzly Bear. North American Bear Center, archiviert vom Original am 29. August 2015; abgerufen am 28. September 2025 (britisches Englisch).
  6. Aidan Taylor: Brown Bear. In: Bear Trust. Archiviert vom Original am 28. März 2013; abgerufen am 28. September 2025 (amerikanisches Englisch).
  7. M. Özgür Nevres: Largest bear in the world: Polar Bear, Grizzly, or Kodiak Bear? In: Our Planet. 26. August 2022, abgerufen am 28. September 2025 (amerikanisches Englisch).
  8. Gerald L. Wood: Animal facts and feats. Sterling, New York 1977, ISBN 978-0-8069-0104-6 (englisch, archive.org [abgerufen am 28. September 2025]).
  9. Gerald L. Wood: The Guinness book of animal facts and feats. Guinness Superlatives, Enfield 1982, ISBN 978-0-85112-235-9 (englisch, archive.org [abgerufen am 28. September 2025]).
  10. Mel Erikson: Is an Alaskan brown bear the same as a grizzly? In: Bear Viewing in Alaska. 16. September 2024, abgerufen am 1. Oktober 2025 (amerikanisches Englisch).
Wikispecies: Ursus arctos gyas – Artenverzeichnis