Agape Gensbaur

Helene (Rufname „Hella“) Gensbaur (* 23. Februar 1922 in Kladno, Okres Kladno, Tschechoslowakei; † 5. Juli 2015 in München) war eine deutsche Benediktinerin.

Leben

Ihr Vater, der aus Wien stammte, war bei der Prager Eisenindustrie-Gesellschaft als Ingenieur tätig. Er starb 1942. Die Mutter, deren Familie auf den in Böhmen tätigen Komponisten und Musiker Antonio Casimir Cartellieri zurückgeht, wuchs in einem Forsthaus der Fürsten Lobkowitz in Böhmisch Eisenberg auf. Sie lernte Klavier bei August Stradal am Prager Rudolfinum und war nach dem Zweiten Weltkrieg als Klavierpädagogin und Pianistin tätig. Hella Gensbaur studierte Musikwissenschaft und Neuere Deutsche Literatur an der Deutschen Universität in Prag. Im April 1945, kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs wurde sie bei Gustav Becking (1894–1945) mit der Dissertation Die rhythmische Gestaltung in Beethovens Briefen zum Dr. phil. promoviert. 1946 wurde sie mit ihrer Familie im Zuge der Vertreibung der Sudetendeutschen aus ihrer Heimat nach Niedergründau in Westdeutschland deportiert. Von 1948 bis 1950 war sie Wissenschaftliche Assistentin an der Universität Tübingen und von 1951 bis 1953 an der Universität Freiburg. Von 1954 bis 1956 war sie im Auftrag der Deutschen Forschungsgemeinschaft in der Musiksammlung der Bayerischen Staatsbibliothek München tätig. Von 1957 bis 1963 arbeitete sie als Musikreferentin im Sekretariat der Bayerischen Akademie der Schönen Künste in München. Dank des Kontakts mit Pater Paulus von der Erzabtei Beuron wurde sie dort 1953 Oblatin. 1957 trat sie in die Abtei Venio in München ein. 1959 legte sie die Einfache Profess und 1962 die Ewige Profess ab. Als Novizenmeisterin war sie mitverantwortlich für die Erneuerung des monastischen Lebens nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, insbesondere die Einführung der deutschen Sprache in das Stundengebet. Als Nachfolgerin der ersten Priorin und Gründerin Mutter Agnes Johannes leitete sie von 1973 bis 1993 die Kommunität, die am Ende ihrer Amtszeit die Anerkennung als Kongregation bischöflichen Rechts erhielt und in die Benediktinische Konföderation aufgenommen wurde.[1] Noch zu ihren Lebzeiten wurde 2007 eine Kommunität in Prag gegründet und 2013 die Kommunität Venio zur Abtei erhoben. Agape Gensbaur war u. a. Mitglied des Vorstandes der Vereinigung der Benediktinerinnen im deutschsprachigen Raum (VBD) sowie verschiedenster Gremien der Erzdiözese München-Freising. Sie starb am 5. Juli 2015.[2][3]

Literatur

  • Agnes Johannes/Agape Gensbaur: Stimmen der Freunde. Eine Gedenkschrift für Mutter Agnes Johannes OSB, von Freunden zusammengetragen, durch Stimmen aus dem Haus ergänzt, München 2000.
  • Agape Gensbaur: Bekehrung zur Welt. Die Weltlichkeit als mögliche Form mönchischen Suchens, in: Erbe und Auftrag, Jg. 69 (1993), S. 62–67.
  • Agape Gensbaur: Einblicke oder: Wie schön benediktinisches Leben sein kann, München 2002.
  • Agape Gensbaur: Eine Gottsuche von Ort zu Ort. Die Kommunität Venio gründet in Prag, in: Erbe und Auftrag, Jg. 84 (2008), S. 82–84.
  • Homepage der Abtei Venio
  • Lexikon für Theologie und Kirche (LThK): [2]
  • [3] Bayerisches Musiker Lexikon online

Einzelnachweise

  1. Nachruf auf M. Agape (Hella) Gensbaur OSB. In: Süddeutsche Zeitung.
  2. Gensbaur, Agape, in: Biographia Benedictina, Version vom 12. November 2017, [1]
  3. Orden online