Agnes Johannes
Mutter Agnes Johannes OSB (* 30. Juni 1900 in München als Marianne Johannes; † 11. Juli 1993 in München) war eine Benediktinerin und Gründerin und erste Priorin der Benediktinerabtei Venio in München-Nymphenburg.
Leben
Marianne Johannes war das einzige Kind ihrer Eltern, die beide an Schulen in München unterrichteten. Die Familie des Vaters, der bereits 1907 starb, stammt aus Nesselwang im Allgäu. Sie besuchte das Lyceum, die Handelsschule und die Soziale Frauenschule. Die Einsätze in verschiedenen Hilfsdiensten während des Ersten Weltkriegs weisten den Weg für das weitere Leben. Nach 1918 kam Marianne Johannes in Berührung mit der katholischen Sozialen Arbeit und der Frauenbewegung. Mit einigen jungen Frauen machte sie 1920 Exerzitien in der Benediktinerabtei Ettal. Als sie bald in Frauenchiemsee um die Aufnahme ins Kloster fragte, war dort das Noviziat überfüllt. Erst 1923 erhielt sie auf eine weitere Anfrage die Zusage. Damals hatte sie, angeregt durch die Liturgische Bewegung bereits begonnen, mit einigen Frauen die benediktinischen Gebetszeiten von Vesper und Komplet zu beten. Pater Alois Mager OSB (1883–1946) in der Erzabtei Beuron nahm sich der Gruppe an. Johannes wurde sie Oblatin der Erzabtei Beuron und erhielt den Namen Sr. Agnes. Andere Frauen schlossen sich an. Es bildete sich ein eigener Oblatenkreis und sie wurde gebeten, diesen verantwortlich zu leiten. Der Münchner Kardinal Michael von Faulhaber (1869–1952) gab im Jahr 1927 dem Kreis, der sich seit 1926 Venio nannte, die diözesane Erlaubnis zur Vita communis, zum gemeinsamen Leben[1]. Die Vertiefung in Liturgie und Exegese und der Austausch mit Mönchen der Bayerischen Benediktinerkongregation und der Beuroner Kongregation prägten diese Zeit. 1940 teilte sich die stark gewachsene Gemeinschaft in zwei Kreise. Die Frauen im inneren Kreis verpflichteten sich nun zu einer gemeinsamen Lebens- und Gebetsordnung nach der Regel Benedikts unter der Leitung von Mutter Agnes Johannes. Die Frauen im äußeren Kreis lebten nicht gemeinsam und mit weniger Verpflichtungen. Nach dem Krieg gehörte Mutter Agnes Johannes zu den Gründungsmitgliedern des Katholischen Bildungswerks, engagierte sich später in der Katholischen Akademie Bayerns und arbeitete bei der Bewegung Una Sancta mit. Im Jahr 1952 erwarb die Gemeinschaft in der Döllingerstr. 32 in München-Nymphenburg ein Haus. Im gleichen Jahr wurde nach Entwurf des Architekten Siegfried Östreicher (1919–2003) eine Kapelle mit freistehendem Altar, dem ersten seiner Art in München, der die Zelebration „versus populum“ ermöglicht errichtet und von Kardinal Joseph Wendel (1901–1960) eingeweiht. Durch Zukauf und Neubau wurde der Lebensraum der Gemeinschaft noch einmal vergrößert. 1957 ward Venio, noch im Wartestand der Approbation, der Bayerischen Benediktinerkongregation angegliedert. 1992, ein Jahr vor ihrem Tod, wurde mit amtlichen erzbischöflichem Dekret das Ordensinstitut errichtet.
Literatur
- Agnes Johannes/Agape Gensbaur: Stimmen der Freunde. Eine Gedenkschrift für Mutter Agnes Johannes OSB, von Freunden zusammengetragen, durch Stimmen aus dem Haus ergänzt, München 2000.
- Johanna Domek: M. Agnes Johannes. In: dies.: Benediktinische Frauen bewegen die Welt. 24 Lebensbilder. Münsterschwarzach: Vier-Türme-Verlag 2009
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. X, S. 594