Adolf Streckeisen (Mediziner)
Adolf Streckeisen (* 28. Juli 1857 in Basel; † 28. Dezember 1916)[1] war ein Schweizer Mediziner und Pionier der Rechtsmedizin. Er war der erste offizielle Gerichtsarzt (Forensiker) der Stadt Basel und Professor für gerichtliche Medizin an der Universität Basel.[2]
Wirken
Adolf Streckeisen begründete den gerichtsmedizinischen Dienst in Basel und trug massgeblich zur Etablierung der Rechtsmedizin als eigenständiges Fach an der Universität bei.
Er war der erste offizielle Gerichtsarzt (Forensiker) der Stadt Basel, ein Amt, das 1895 geschaffen wurde. In dieser Funktion begründete er den gerichtsmedizinischen Dienst in Basel, der Untersuchungen bei Unfällen, Selbstmorden und anderen Todesfällen umfasste. Zudem führte er Obduktionen durch, begutachtete Versorgungsbedürftigkeit und Geistesstörungen sowie die medizinische Betreuung von Gefangenen im Lohnhof. Er amtierte als gesetzlicher Sachverständiger in gerichtlichen Prozessen. Streckeisen trug massgeblich zur Etablierung der Rechtsmedizin als eigenständiges akademisches Fach an der Universität Basel bei.
Der gerichtsärztliche Dienst, den er begründete, wurde 1916 formal als Institut für Rechtsmedizin gegründet, das seither stetig ausgebaut und modernisiert wurde.
Nach ihm folgten weitere bedeutende Gerichtsärzte in Basel, darunter Salomon Schönberg und Jürg im Obersteg, die das Institut weiterentwickelten.
Familie
Adolf Streckeisen war ein Sohn des Carl Streckeisen und der Anna Catharina, geborene Ehinger (1825–1881). Er war verheiratet mit Clara, geborene Burckhardt (1861–1945).[3] Das Paar hatte mehrere Kinder,[4] darunter der Pfarrer Adolf Streckeisen (1895–1951) und der Geologe Albert Streckeisen (1901–1998).[5]
Adolf Streckeisen fand seine letzte Ruhestätte auf dem Wolfgottesacker in Basel.
Publikationen (Auswahl)
- Beiträge zur Morphologie der Schilddrüse. Dissertation. Berlin 1886.
- Zur Lehre von der Fragmentatio myocardii. Habilitationsschrift zur Erlangung der Venia legendi der hohen medicinischen Fakultät zu Basel vorgelegt. Jena 1899.
Literatur
- Edgar Bonjour: Die Universität Basel von den Anfängen bis zur Gegenwart, 1460–1960. Helbing & Lichtenhahn, 1971, S. 625 (google.ch [abgerufen am 21. September 2025]).
- C[arl] Ro[th]: Streckeisen. In: Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz (HBLS), Band 6: Saint Gelin - Tingry, Neuenburg 1931.[6]
- Albrecht Burckhardt: Geschichte der Medizinischen Fakultät zu Basel, 1460–1900. Reinhardt, 1917 (google.ch). S. 464.
- Zur Erinnerung an Herrn Prof. Dr. med. Adolf Streckeisen-Burckhardt, geboren den 28. Juli 1857, gestorben den 28. Dezember 1916. Basel, Buchdruckerei zum Hirzen. 1916.
- Universität Basel: Verzeichnis der Vorlesungen: 1896. SS. 1896 (google.ch [abgerufen am 21. September 2025]).
- Verwaltungsbericht des Regierungsrates und … Bericht des Appellations-Gerichts über die Justizverwaltung an den Großen Rat des Kantons Basel-Stadt. Staatskanzlei, 1895 (google.ch.)
Weblinks
- Geschichte der Rechtsmedizin in Basel − Institut für Rechtsmedizin
- Adolf Streckeisen im Staatsarchiv Basel-Stadt
- Unigeschichte: Rechtsmedizin auf der Website der Universität Basel
- Porträts [1] in der Universitätsbibliothek Basel
Einzelnachweise
- ↑ Suzanne Hye: Prof. Dr. med. Adolf Streckeisen (1857–1916). In: Find a Grave. Abgerufen am 21. September 2025 (Adolf Streckeisen wurde auf dem Friedhof Wolfgottesacker in Basel bestattet).
- ↑ Baselstadt. In: Neue Zürcher Zeitung. Erstes Abendblatt. Nr. 48, 17. Februar 1899, S. 2 (online): «Die Akademische Regenz der Universität hat auf Antrag der betreffenden Fakultäten die Venia legendi erteilt: Hrn. Dr. med. Adolf Streckeisen, für gerichtliche Medizin.»
- ↑ C. F. Lendorff: Klara. In: Schweizerisches Geschlechterbuch / Almanach Généalogique Suisse. Basel, C. F. Lendorff, 1907, S. 648 (archive.org [abgerufen am 21. September 2025]).
- ↑ Albert Herzog: Familienporträt der Geschwister Streckeisen [um 1905]. In: e-manuscripta.ch. Abgerufen am 21. September 2025.
- ↑ Auszug Stamm Streckeisen. In: www.stroux.org. Abgerufen am 21. September 2025.
- ↑ Im Historisch-Biographischen Lexikon der Schweiz (HBLS) wird über die Familie Streckeisen folgendes berichtet: Die Familie Streckeisen ist eine alte, um 1500 in Basel eingebürgerte Familie. Karl Streckeisen (1811–1868) wirkte unter anderem als Arzt in Holland und auf Java (1841–1843), als Arzt am Waisenhaus in Basel (1849) und ab 1852 als außerordentlicher Professor der Chirurgie und Geburtshilfe. Er war zudem erster leitender Arzt des 1846 gegründeten Basler Kinderspitals. Sein Sohn Adolf Streckeisen (1857–1916) war ab 1886 Arzt in Basel, wurde 1899 Privatdozent und 1913 außerordentlicher Professor für gerichtliche Medizin. Zur vertiefenden Literatur verweist das HBLS zudem auf Martin Birmann: Gesammelte Schriften I, S. 239 ff., sowie auf eine Publikation KSA 1917 Nr. 18.