Achaios der Jüngere

Achaios der Jüngere (altgriechisch Ἀχαιός, Achaíos; * spätestens um 250 v. Chr.; † 214/13 v. Chr. in Sardes) war ein Mitglied des griechisch-makedonischen Adels des Seleukidenreichs und unter Antiochos III. Megas Generalstatthalter der Gebiete diesseits des Tauros. Im Sommer 220 entschloss er sich zur offenen Rebellion wider die Seleukiden, wofür er als Verräter hingerichtet wurde.

Nach Polybios war Achaios der Sohn des Andromachos und Enkel von Achaios dem Älteren sowie ein Verwandter von Seleukos III. Keraunos und Antiochos III. Nach dem Tod von Seleukos Keraunos im Jahr 222 v. Chr. übernahm Achaios den Oberbefehl über das Heer, schlug jedoch die Erhebung zum König zu Gunsten des jungen Antiochos III. aus. Später wurde er von jenem mit der Herrschaft über Asien diesseits des Tauros betraut, wo er 223/22 Westkleinasien den Händen des Attalos entriss. Achaios erlangte in seiner Position bald bedeutende Macht und entschloss sich schließlich zur offenen Rebellion gegen Antiochos. Ein Versuch im Jahr 220, das seleukidische Kernland zu erobern misslang noch im selben Jahr, woraufhin sein Herrschaftsbereich auf Kleinasien beschränkt blieb. Im Sommer des Jahres 216 rückte Antiochos in Anatolien ein und belagerte den Rebell in seiner Hauptstadt Sardes. 214 oder 213 bemächtigte man sich seiner durch eine List und brachte ihn vor Antiochos und den Kronrat. Nach reichlicher Beratung verstümmelte man ihn auf brutale Weise und ließ ihn grausam hinrichten. Der zerstückelte Körper des Usurpators wurde anschließend öffentlich an einem Pfahl zur Schau gestellt, wobei die Hintergründe der Art der Hinrichtung Gegenstand einer Fachdebatte sind.

Biographie

Herkunft

Nach Polybios[2] war Achaios ein Angehöriger einer bedeutenden, griechischen Adelsfamilie im Seleukidenreich und ein Verwandter (συγγενὴς) des Antiochos III. Diese Verwandtschaft beruhte dabei auf Heiratsbeziehungen, bleibt jedoch im Detail umstritten, nicht zuletzt da der Name Laodike im betreffenden Adelsgeschlecht häufig erscheinen, was wiederum die Gefahr von Verwechslungen birgt. Frauen der Familie des Achaios haben nach verschiedenen antiken Autoren Seleukidenherrscher geheiratet.

Laodike I., die Antiochos II. Theos geheiratet hatte, war nach Eusebius[3] eine Tochter des Achaios des Älteren, nach Polyainos[4] dagegen eine Schwester des Antiochos II. mit demselben Vater, also offenbar eine Tochter des Antiochos I. und Halbschwester des Antiochos II. gewesen. Die Angabe, dass diese Laodike eine Tochter des Achaios gewesen ist, ist hierbei deutlich wahrscheinlicher, da von Antiochos I. nur eine einzige Ehefrau bekannt ist, keine Tochter namens Laodike und auch keine Kinder von anderen Frauen erwähnt werden.[5]

Dieser Achaios, Vater der Laodike I., ist das erste bekannte Mitglied seines Geschlechts und somit sein Stammvater.[6] Weil seine Töchter Antiochis und Laodike Namen trugen, die in der Seleukidenfamilie oft vorkamen, ist in der modernen Forschung vermutet worden, dieser Achaios sei mit der Seleukidenfamilie verwandt gewesen, nämlich ein Sohn des Seleukos I. Nikator,[7] wofür aber ein Beleg fehlt. Die Namenswahl kann auch aufgrund naher Beziehung ohne leibliche Verwandtschaft getroffen worden sein. Denkbar ist auch, die unbekannte Ehefrau des Achaios habe aus der Familie des Seleukos gestammt. Dies wird u. a. von Alex Mc Auley angenommen.[8]

Nach Polybios[9] war der Vater des jüngeren Achaios Andromachos, Schwester des Andromachos war eine oft als Laodike II. benannte Laodike, die Ehefrau des Seleukos (offenbar Seleukos II.). Polybios zufolge war Achaios der Jüngere also ein Urenkel des seleukidischen Dynastiegründers Seleukos I. Nikator. Seine Tante Laodike war die Frau König Seleukos’ II. und die Mutter Antiochos’ III. Dieser von Polybios entworfene Stammbaum ist in der modernen Forschung wiederum teilweise mit dem Argument eines zu großen Altersabstandes zwischen angeblichen Geschwistern infrage gestellt worden.

Da Achaios nämlich bereits um 228 zusammen mit seinem Vater unter Seleukos II. als Feldherr an einem Feldzug gegen Antiochos Hierax teilnahm, muss er spätestens um 250 geboren sein, womit sich die Frage stellt, ob Achaios wirklich ein Neffe Laodikes II., Gattin des Seleukos II., gewesen sein kann.[10] Julius Beloch[11] hat etwa argumentiert, dass Polybios einen Irrtum begangen habe und die oben als Laodike II. benannte Laodike nicht etwa Andromachos’ Schwester und damit Achaios’ Tante, sondern vielmehr die Schwester des Letztgenannten gewesen sei. Damit wären Antiochos III. wie Seleukos III. Neffen des Achaios. Dies würde auch zu Eusebius[12] passen; doch bleiben diese Mutmaßungen letztlich spekulativ, zumal es nach den Schilderungen des Polybios durchaus möglich scheint, dass zwischen Laodike II. und Andromachos lediglich ein Altersunterschied von 10 oder 15 Jahren lag und sie damit ohne Umstände der gleichen Generation angehören können, womit dem Kernargument von Beloch der Boden entzogen wäre.[13] Achaios war außerdem mit einer weiteren Laodike, der Tochter des pontischen Königs Mithridates II. und seiner Frau,[14] verheiratet, welche wiederum eine Schwester der gleichnamigen Ehegattin Antiochos III. war.[15]

Wirken bis zur Rebellion

Achaios der Jüngere diente zunächst wie sein Vater Andromachos und sein Großvater Achaios der Ältere dem Reich als General. Im Sommer 223 v. Chr.[16] wurde Seleukos III. Soter auf einem Feldzug gegen Attalos von Pergamon Opfer einer Hofintrige. Das Heer trug das Diadem zunächst an Achaios, der sich nach dem Mord durch die Hinrichtung aller verdächtigen Höflinge verdient gemacht hatte, heran, doch schlug dieser die Königswürde zu diesem Zeitpunkt noch aus und sicherte dem jungen Antiochos so den Königsthron.[17] Nach seinem Regierungsantritt beließ der junge König den ehrgeizigen Kanzler Hermeias von Karien in seiner Position als oberster Hofminister, ἐπὶ τῶν πραγμάτων, betraute Achaios mit der Verwaltung der kleinasiatischen Provinzen und setzte Molon und dessen Bruder Alexandros als Generalstatthalter in den Oberen Satrapien ein, eine Stellung, die er vor dem Tod seines Bruders offenbar selbst innegehalten hatte. Nach Polybios sollten sich all diese Entscheidungen als Fehler erweisen.[18]

Im Sommer 222 erhob sich der Generalstatthalter der Oberen Satrapien, Molon, gegen die seleukidische Königsmacht.[19] Numismatische Befunde[20] belegen, dass Molon auch nach dem Diadem gegriffen hatte – ein Vorgang, den Polybios unerwähnt lässt.[21] Molon bemühte sich, auch Achaios zur Rebellion gegen Antiochos zu bewegen, doch dieser weigerte sich in dieser Situation noch, seine Waffen gegen seinen Verwandten zu erheben.[22] Im Zusammenhang mit der Molon-Rebellion berichtet Polybios auch, dass Hermeias, der den Krieg gegen Ägypten vorantreiben und daher Antiochos von einem persönlichen Feldzug gegen Molon abhalten wollte, einen Brief gefälscht habe, welcher den Eindruck erweckte, die Ptolemäer versuchten, Achaios zum Abfall zu bewegen.[23] Nach der Niederwerfung des Molon 220[24] wandte sich Antiochos zunächst gegen den Fürsten der Satrapeioi, Artabazanes, wohl da dieser Molon bei seiner Rebellion unterstützt hatte.[25]

Rebellion

In dieser Situation erhob sich der Vizekönig[26] Achaios, der wenige Jahre zuvor noch das Diadem abgelehnt hatte, in Kleinasien gegen die seleukidische Herrschaftsmacht. Als Grund für die Erhebung des Achaios nennt Polybios die Hoffnung, dass Antiochos bei seiner Strafexpedition im Kaukasus umkommen werde. Außerdem habe Achaios geglaubt, dass es leicht sein würde, sich Syriens zu bemächtigen, selbst wenn jener nicht in den Bergen den Tod finden sollte.[27] Geblendet von diesem Irrtum stürmte er mit seinem Heer von Lydien nach Phrygien und setzte sich auf Betreiben seiner Berater dort das Diadem aufs Haupt.[28] Von dort aus gedachte er weiter nach Syrien zu ziehen, wo er sich Unterstützung durch die rebellierenden Kyrrhesten erhoffte. Als jedoch Achaios im Sommer 220 mit seinem Heer die Grenze Lykaoniens erreichte, dämmerte den Truppen, was wohl der wahre Zweck dieses Kriegszugs sei, und sie weigerten sich weiterzuziehen und die Waffen gegen ihren rechtmäßigen Herrscher zu erheben. Achaios beschwichtigte die Truppen daraufhin, indem er beteuerte, er habe gar nicht die Absicht gehegt gegen Syrien zu ziehen, und den Truppen zudem die Landschaft Pisidien zur Plünderung überließ, was die Disziplin im Heer wiederherzustellen vermochte. Sodann zog er sich mit seinen Truppen nach Lydien zurück.[29] Achaios bemühte sich anschließend kein zweites Mal um die Eroberung Syriens, sondern wandte sich stattdessen der Konsolidierung seiner Herrschaft in Kleinasien zu,[30] obgleich die Gewinnung der einst ausgeschlagenen Königskrone sein letztes Ziel blieb. Antiochos erkannte, dass Achaios in nächster Zeit nicht dazu in der Lage sein würde, Krieg gegen ihn zu führen, oder gar seine Herrschaft ernstlich zu gefährden[31] und so widmete er sich von 219 an vorerst der südlichen Front, dem Krieg gegen Ägypten.[32]

In seiner Hauptstadt Sardes prägte Achaios derweilen Münzen mit der Aufschrift BAΣΙΛΕΩΣ AXAIOY - basileōs Achaiou.[33]

Außerdem knüpfte er wertvolle Beziehungen zu den Feinden der Seleukiden – Byzanz, Rhodos und Ägypten wetteiferten gleichermaßen um seine Freundschaft und Gunst.[34] Sein Herrschaftsgebiet beständig, besonders gegen Attalos schirmend und mehrend, namentlich durch die Eroberung von Milyas und Pamphylien 218,[35] schwang er sich bald zum gefürchteten Herrscher in Anatolien auf.[36] Doch machten die Seleukiden keine Anstalten seine Usurpation mehr als nur kurzfristig zu dulden, was Achaios immer mehr den seleukidischen Reichsfeinden, insbesondere den Ägyptern in die Arme trieb. Vergeblich hatten sich die Ptolemäer in den Verhandlungen des Jahres 219 darum bemüht, auch die Frage nach dem weiteren Schicksal der Gebiete diesseits des Tauros in die Verträge mit Antiochos einzuschließen, doch verbat sich dieser jegliche Einmischung in die innerseleukidischen Angelegenheiten und machte deutlich, dass nur er über das weitere Schicksal dieser Gebiete wie auch des Rebellen bestimmen würde.[37]

Nach einem langen Feldzug in Koilesyrien kam es schließlich im Sommer 217 zwischen den Heeren der Ägypter und jenen der Seuleukiden zur Schlacht bei Raphia, welche für Antiochos in einer völligen Katastrophe enden sollte. Allerdings verstand es Ptolemaios IV. Philopator in der Folge nicht, seinen Sieg entsprechend auszunutzen und so konnte sich Antiochos schon bald, trotz dieser schweren Niederlage, der Rebellion seines Schwagers in Kleinasien zuwenden.

Gefangennahme und Hinrichtung

Im Sommer des Jahres 216 v. Chr. rückte der Seleukidenkönig in Anatolien ein, nachdem er zuvor ein Bündnis mit Attalos von Pergamon geschlossen hatte.[38] Achaios wurde daraufhin in seiner Hauptstadt Sardes belagert. Zwei Jahre lang widerstand die Stadt der Einnahme, ehe sie durch eine List fiel.[39] Auch Achaios, der sich nach der Eroberung der Stadt auf die Feste auf dem Burgberg zurückgezogen hatte, konnte 214/13 durch eine geschickt eingefädelte Täuschung gefangen genommen werden.[40] Der ptolemäische Unterhändler Bolis, ein listiger Kreter, der sich insgeheim mit Antiochos verbündet hatte, lockte Achaios mit der Aussicht auf einen Aufstand in Koilesyrien und dem Versprechen, ihn zu seinen Verbündeten zu bringen, aus der Festung.[41] Nach dem Verlassen der Burg wurde der Usurpator von den Helfern des Bolis ergriffen,[42] gefesselt, sogleich in das Zelt des Königs gebracht und auf den Boden gelegt, woraufhin Antiochos vor Ergriffenheit in Tränen ausbrach.[43] Am Morgen beriet der Kronrat, welche Strafe für den Verräter wohl angemessen wäre. Zuletzt entschloss man sich, den Unglücklichen erst zu verstümmeln, ihm den Kopf abzutrennen und ihn zuletzt, in eine Eselshaut eingenäht, an einer Stange zur Schau zu stellen.[44] Die Festungsgarnison teilte sich anschließend in zwei Lager, denn man war sich uneins, wie nun weiter verfahren werden sollte. Schließlich streckten beide Fraktionen die Waffen und übergaben, da sie einander misstrauten, die Festung an den Seleukidenherrscher, womit die Rebellion des Achaios ihr Ende fand.[45]

Die ungewöhnliche Form der Hinrichtung hat in der Forschung vielfältige Deutungen erfahren. Während das Abtrennen von Händen, Füßen und Kopf[46] sowie das Anbringen des Torsos an einen Pfahl[47] in assyrischen und achämenidischen Traditionen wurzelt, scheint das Einnähen in eine Eselshaut zunächst keine direkten Vorbilder im Orient zu besitzen.[48] Boris Chrubasik[49] führt die Zerstückelung und öffentliche Zurschaustellung des Leichnams auf die Hinrichtung des Rebellen Fravartis unter Dareios I. zurück und deutet sie weniger als persönlichen Akt der Rache, sondern als bewusste Machtdemonstration und Abschreckung für zukünftige Empörer.[50] Ziel der grausamen Hinrichtung und der Zurschaustellung des Leichnams war es wohl vor allem, das Königtum des Rebellen zu dekonstruieren,[51] seine Herrschaft delegitimieren und seine Person entmenschlichen.[52] Zudem erwägt Chrubasik eine mögliche Spiegelstrafe im Abtrennen der rechten Hand, mit der Achaios die Waffe gegen Antiochos geführt hatte,[53] wenngleich Polybios darauf keine Hinweise auf eine solche liefert. Die Verweigerung eines Begräbnisses und die öffentliche Verrottung des Leichnams werden ferner als Versuch interpretiert, Achaios aus dem kollektiven Gedächtnis zu tilgen.[54]

Das eigentümliche Element der Eselshaut ist erstmals mit dem Aufsatz von van Proosdij[55] aus dem Jahr 1934 in das Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. In seiner Arbeit vergleicht er den Tod des Usurpators mit dem Tod des Kyros. Herodot berichtet für dessen Lebensende, dass die Skythenkönigin Tomyris seiner Leiche zunächst den Kopf abhieb und diesen anschließend in einen mit Menschenblut gefüllten Lederschlauch steckte.[56] Robert Fleischer[57] und Gerhard Kleiner[58] haben dieser Deutung als nicht haltbar zurückgewiesen. Sie verweisen darauf, dass Antiochos auf einen Barbarentopos zurückgegriffen hätte, wäre die Bestrafung des Empörers tatsächlich auf jene Erzählung bezogen gewesen. Fleischer hebt ferner hervor, dass die Strafe des Kyros bei Herodot in direktem Zusammenhang mit dem Versprechen der Skythenkönigin Tomyris steht, den unersättlichen Blutdurst des Perserkönigs zu stillen, sollte er ihren Sohn nicht freigebe und seinen Feldzug fortsetzen.[59] Überdies deutet van Proosdij[60] die Hinrichtung des Usurpators als bewusste Anspielung auf den Gegensatz zwischen dem Esel, der aufgrund seines „von Geburt an gegebenen Wunsches, sich fortzupflanzen“, das Leben symbolisiere, und dem abgeschlagenen Kopf, der den Tod verkörpere. Diese Deutung weist Fleischer[61] als „konstruiert“ und wenig überzeugend zurück; dasselbe Urteil fällt er über Proosdijs Spekulation,[62] die Hinrichtung des Achaios habe auf die erhoffte militärische Unterstützung aus Koilesyrien[63] angespielt, wo nach griechischer Vorstellung der Esel von den Juden als heiliges Tier verehrt worden sei.[64]

Nach Fleischer habe das Einnähen des Torsos in ein Eselsfell vielmehr der bewussten Verspottung des Empörers gedient und verweist hierbei auf die bei Josephus bezeugte Bestrafung des Satrapen Mithridates ins Gedächtnis ruft, welcher von seinen Gegnern nackt auf einem Esel sitzend umhergeführt wurde, was den Parthern als „ärgste Schmach“ gegolten hätte.[65] Darüber hinaus erkennt Fleischer eine sekundäre Verbindung zum Marsyasmythos.[66] Der mit dem Esel assoziierte phrygische Silen habe in seinem Übermut Apoll herausgefordert und sei dafür durch Häutung bestraft worden.[67] Da Apoll als Reichsgott und Stammvater der Seleukiden galt und Achaios sich in Phrygien zum König hatte ausrufen lassen, habe eine symbolische Gleichsetzung des Empörers mit Marsyas für Zeitgenossen im Nachgang der Ereignisse nahegelegen.[68] Zwei vermutlich um 200 v. Chr. entstandene, später vielfach kopierte Marsyasgruppen, die den an einem Baum aufgehängten Marsyas mit Apoll zeigen, dürften demnach als Sinnbilder des Sieges über Achaios sowie als Warnung an künftige Empörer verstanden worden sein.[69]

Wie Robert Fleischer vertritt auch Werner Huß die Auffassung, dass die Zeitgenossen die Symbolsprache der Hinrichtung des Rebellen umgehend erkennen konnten.[70] Huß nimmt an, Antiochos III. habe mit dem Einnähen des Rebellen in ein Eselsfell auf die dem Tier zugeschriebenen Eigenschaften von Dummheit und Störrigkeit angespielt.[71] Huß verweist dabei auf die Darstellung des Esels in den Fabeln des Äsop, in denen das Tier häufig Opfer seiner eigenen Tücke wird. Darüber hinaus zieht er Parallelen zu den Schmachhandlungen an der Leiche des Spartanerkönigs Kleomenes, der nach seinem gescheiterten Aufstand gegen das ägyptische Königshaus und seinem Suizid im Jahr 219 v. Chr. – also nur wenige Jahre vor der Ergreifung des Achaios – Plutarchs zufolge in eine Tierhaut eingenäht und an einem Pfahl aufgehängt wurde.[72] Zwar macht Plutarch keine spezifischen Angaben zur Art der Tierhaut, doch verweist Huß auf die Bedeutung des Esels in der ägyptischen Mythologie, wo er als dämonisches Tier des Seth bzw. Typhon galt.[73] Vor diesem Hintergrund sei es möglich, dass Kleomenes in eine Eselshaut eingenäht wurde und Antiochos diese Symbolsprache aufgriff,[74] um mit der Bestrafung des Achaios eine deutliche Warnung an die Ptolemäer zu richten, sich künftig aus den inneren Angelegenheiten des Seleukidenreichs herauszuhalten.[75]

Der Althistoriker und Numismatiker Kay Ehling hat demgegenüber eine alternative Deutung der Hinrichtung des Achaios vorgeschlagen, die im Wesentlichen eine Weiterentwicklung der von Fleischer vertretenen Thesen darstellt. Zugleich wendet er sich gegen die Annahme, die Exekution des Achaios habe der des Kleomenes entsprochen. Kleomenes sei, so Ehling, nach seinem Freitod nämlich nicht in eine Tierhaut eingenäht, sondern gehäutet worden.[76] Im Hinblick auf das Einnähen des Leichnams des Achaios in eine Eselshaut argumentiert Ehling, dass der Seleukidenkönig damit bewusst auf das Bildmotiv des Pferdekopfes auf den Münzen des Achaios angespielt habe,[77] um den Usurpator, seine königlichen Ansprüche sowie sein Wappen der Lächerlichkeit preiszugeben.[78] Die Wahl eines Eselsfells anstelle einer Pferdehaut sei getroffen worden, da man den Esel als minderwertiger Ersatz für das Pferd angesehen habe.[79] Bei der Hinrichtung wäre demnach eine überaus personalisierte und individualisierte Symbolsprache zum Ausdruck gekommen.[80] Ehlings Interpretation hat in der Fachwelt vereinzelt zustimmende Aufnahme gefunden.[81]

Quellen

Die Hauptquelle für das Leben des Achaios bildet Polybios, der in seinem 4., 5., 7. und 8. Buch ausführlich auf dessen Person eingeht. Spätere Autoren, die teils auf andere Quellen zurückzugreifen scheinen, sowie archäologische Befunde ergänzen Polybios’ Darstellung um vereinzelte Informationen. Für die Gefangennahme und Hinrichtung bleibt Polybios die alleinige Quelle.

Literatur

Anmerkungen

  1. Zur Münze vgl. Gerhard Kleiner: Der Münchner Goldstater des Achaios. In: Jahrbuch für Numismatik und Geldgeschichte, Bd. 5–6 (1954/55), S. 143–49. Die Rückseite der Münze ist im zugehörigen Objekt-Eintrag in bavarikon abgebildet.
  2. Polybios 4,48,5; Kapitelzählung durchgehend nach der Edition von Paton (Polybius. The Histories, 6 Bde. (Loeb Classical Library), London 1922–27).
  3. Eusebius, Chronik 1 (Sp. 251 Schöne (Eusebius Chronicon, Bd. 1, Berlin 1875)) = Porphyrios FGrH 260 F32,6.
  4. Polyainos 8,50; Ἀντίοχος ὁ προσαγορευθεὶς Θεὸς ἔγημε Λαοδίκην ὁμοπάτριον ἀδελφὴν, ἐξ ἧς αὐτῷ παῖς ἐγένετο Σέλευκος.
  5. Alex Mc Auley: The House of Achaios. Reconstructing an early Client Dynasty of Seleukid Anatolia. In: The Seleukid Empire, 281–222 BC. War Within the Family, hrsg. v. Kyle Erickson, Swansea 2018, S. 37–58, hier: S. 47f.
  6. Zu diesem vgl. die detaillierte Untersuchung von Michael Wörrle: Antiochos I., Achaios der Ältere und die Galater. Eine neue Inschrift in Denizli. In: Chiron, Bd. 5 (1975), S. 59–88.
  7. So u. a. von Karl Julius Beloch: Griechische Weltgeschichte, 4. Bd., Abtlg. 2, 2. Aufl., Berlin/Leipzig 1927, S. 204–6.
  8. Alex Mc Auley: The House of Achaios. Reconstructing an early Client Dynasty of Seleukid Anatolia. In: The Seleukid Empire, 281–222 BC. War Within the Family, hrsg. v. Kyle Erickson, Swansea 2018, S. 37–58.
  9. Polybios 4,51,4; 8,20,11.
  10. Polyainos 4,17; vgl. Karl Julius Beloch: Griechische Weltgeschichte, 4. Bd., Abtlg. 2, 2. Aufl., Berlin/Leipzig 1927, S. 205.
  11. Julius Beloch: Griechische Weltgeschichte, 4. Bd., Abtlg. 2, 2. Aufl., Berlin/Leipzig 1927, S. 204–6.
  12. Eusebius, Chronik 1 (Sp. 251 Schöne (Eusebius Chronicon, Bd. 1, Berlin 1875)) = Porphyrios FGrH 260 F32,6.
  13. Hatto H. Schmitt: Untersuchungen zur Geschichte Antiochos’ des Großen und seiner Zeit, Wiesbaden 1964, S. 30f.
  14. Diese Frau, die ebenfalls den Namen Laodike trug, und war nach Eusebius, Chronik 1 (Sp. 251 Schöne (Eusebius Chronicon, Bd. 1, Berlin 1875)) = Porphyrios FGrH 260 F32,6; die Tochter von Antiochos II. Theos und Enkelin des Achaios des Älteren.
  15. Polybios 8,20,11; Zu den Verwandtschaftsverhältnissen siehe insbes. Alex Mc Auley: The House of Achaios. Reconstructing an early Client Dynasty of Seleukid Anatolia. In: The Seleukid Empire, 281–222 BC. War Within the Family, hrsg. v. Kyle Erickson, Swansea 2018, S. 37–58; sowie Richard A. Billows: Kings and Colonists. Aspects of Macedonian Imperialism, Leiden u. a. 1995, S. 96–99; und Hatto H. Schmitt: Untersuchungen zur Geschichte Antiochos’ des Großen und seiner Zeit, Wiesbaden 1964, S. 10, 30f.
  16. Zur Datierung vgl. Hatto H. Schmitt: Untersuchungen zur Geschichte Antiochos’ des Großen und seiner Zeit, Wiesbaden 1964, S. 2f.
  17. Polybios 4,48.
  18. Polybios 5,40,4–42,9.
  19. Polybios behandelt die Molon-Rebellion in 5,40–54.
  20. Siehe dazu: Thomas Fischer: Molon und seine Münzen. (222–220 v. Chr.), Bochum 1988.
  21. Die Gründe dafür sind unklar; Hatto H. Schmitt: Untersuchungen zur Geschichte Antiochos’ des Großen und seiner Zeit, Wiesbaden 1964, S. 128; mutmaßt, dass die seleukidischen Quellen des Polybios dieses Ereignis verschweigen wollten.
  22. Polybios 5,41,1.
  23. Polybios 5,42,7–9. Das Motiv gefälschter Briefe erscheint bei Polybios auffallend häufig im Zusammenhang mit der Herrschaft des Antiochos. Schmitt hält es für möglich, dass es sich dabei um einen von den seleukidischen Quellen des Polybios verbreiteten Topos handelt, diskutiert aber auch die möglichen Hintergründe des Briefes ausführlich; Hatto H. Schmitt: Untersuchungen zur Geschichte Antiochos’ des Großen und seiner Zeit, Wiesbaden 1964, S. 125, 161–64.
  24. Unmittelbar nach Beginn der Entscheidungsschlacht zwischen Molon und Antiochos desertierte der linke Flügel des Rebellen; darauf brach auch der rechte, zunächst standhafte Flügel zusammen. Molon entzog sich der erwarteten Folter und grausamen Hinrichtung durch Suizid, ebenso seine Brüder Neolaos und Alexandros. Neolaos erschlug zuvor die gemeinsame Mutter und seine Neffen, um sie vor dem Zorn des Antiochos zu bewahren. Die Leiche des Molon wurde anschließend an einem Pfahl an den Hängen des Zagros zur Schau gestellt; Polybios 5,54. Zur Molon-Rebellion und deren Niederwerfung vgl. insbes. Hatto H. Schmitt: Untersuchungen zur Geschichte Antiochos’ des Großen und seiner Zeit, Wiesbaden 1964, S. 116–50. Die Präsentation der Leichen von Molon und Achaios wird aufgrund der Ähnlichkeit und zeitlichen Nähe häufig gemeinsam diskutiert. Umstritten ist, ob Molons Leiche gepfählt oder gekreuzigt wurde. Der Diskurs tendiert dabei zu Schmitts Deutung, wonach ανασταυρόω hier auf eine Pfählung weise; Schmitt: Untersuchungen, S. 147, Anm. 2; Sonja Plischke: Die Seleukiden und Iran, Wiesbaden 2014, S. 260; Boris Chrubasik: Kings and Usurpers in the Seleukid Empire. The Men Who Would Be King, Oxford u. a. 2016, S. 2, 119; und Marc Mendoza: Decapitation in Sources on Alexander the Great, Lleida 2023, S. 91, Anm. 31. Für Achaios geht Schmitt ebenfalls von einer Pfählung aus; Hatto H. Schmitt: Antiochos der Große. In: Große Gestalten der griechischen Antike. 58 historische Portraits von Homer bis Kleopatra, hrsg. v. Kai Brodersen, München 1999, S. 458–64, hier: S. 460; Kay Ehling: Der Tod des Usurpators Achaios. In: Historia, Bd. 56, H. 4 (2007), S. 497–501, hier: S. 498 ist hingegen der Auffassung, dass der Leichnam des Molon eine Pfählung, jener des Achaios hingegen eine Kreuzigung erfahren hat, obgleich Polybios in beiden Fällen den gleichen Terminus gebraucht.
  25. Polybios 5,55.
  26. Zu den Titeln und Ämtern des Achaios vgl. insbesondere Hatto H. Schmitt: Untersuchungen zur Geschichte Antiochos’ des Großen und seiner Zeit, Wiesbaden 1964, S. 158–60.
  27. Polybios 5,57,4.
  28. Polybios 5,57,5.
  29. Polybios 5,57,4–8.
  30. Polybios 5,72.
  31. Polybios 5,58,1.
  32. Polybios 5,58,1–2. Zu diesen Vorgängen Hatto H. Schmitt: Untersuchungen zur Geschichte Antiochos’ des Großen und seiner Zeit, Wiesbaden 1964, S. 175.
  33. Zu den Münzen siehe Kay Ehling: Der Tod des Usurpators Achaios. In: Historia, Bd. 56, H. 4 (2007), S. 497–501; und Gerhard Kleiner: Der Münchner Goldstater des Achaios. In: Jahrbuch für Numismatik und Geldgeschichte, Bd. 5–6, 1954/55, S. 143–49.
  34. Polybios 4,48,13; 50–51.
  35. Polybios 5,72–77.
  36. Polybios 4,48,12–13; 5,77, 1.
  37. Polybios 5,66,3; 67,12–13; Zum Agieren des Achaios nach seiner gescheiterten Invasion vgl. Ulrich Wilcken: Achaios 4. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE), Bd. I,1, Stuttgart 1893, Sp. 206f. Zu den Verhandlungen zwischen Antiochos und Ptolemaios vgl. auch Linda-Marie Günther: Innergriechische Diplomatie und zwischenstaatliche Beziehungen in den Historien des Polybios. In: Polybios und seine Historien, hrsg. v. Volker Grieb & Clemens Koehn, Stuttgart 2013, S. 219–32.
  38. Polybios 5,107,4.
  39. Polybios 8,15–18.
  40. Polybios 8,15–20.
  41. Carl Schneider: Kulturgeschichte des Hellenismus, Bd. 1, München 1967, S. 618; sieht in Bolis die „Orientalisierung des Hofes“ verkörpert, „wie sie unter den ersten Seleukiden nicht möglich gewesen wäre.“ Zum Kreterbild bei Polybios vgl. Henri van Effenterre: La Crète et le monde grec de Platon à Polybe, Paris 1948, S. 283–92, 295f., 308–12.
  42. Polybios 8,20, 5–7.
  43. Polybios 8,20,9–12.
  44. Polybios 8,21,1–3.
  45. Polybios 8,21,4–11.
  46. Boris Chrubasik: Kings and Usurpers in the Seleukid Empire. The Men Who Would Be King, Oxford u. a. 2016, S. 120, Anm. 167; hat eine andere Lesart vorgeschlagen und argumentiert, dass sich die im Text beschriebene Verstümmelung, ἀκρωτηριάζειν, auch auf das Gesicht des Unglücklichen beziehen könnte. Der persischen Natur der Bestrafung täte dies freilich keinen Abbruch. Für die Behauptung von Michael Scott: Ancient Worlds. A Global History of Antiquity, New York 2016, S. 172; dem Usurpator seien bei lebendigem Leibe die Genitalien abgetrennt worden, findet sich bei Polybios kein Hinweis.
  47. Ob der Torso des Achaios hier gekreuzigt oder gepfählt wurde, ist wie bereits oben dargelegt, nicht endgültig geklärt; Gunnar Samuelsson: Crucifixion in Antiquity. An Inquiry into the Background and Significance of the New Testament Terminology of Crucifixion, Tübingen 2011, 75f. Seltener, vorwiegend im angelsächsischen Raum, findet sich auch die Auffassung, dass nicht der Rumpf, sondern der Kopf in die Eselshaut eingenäht wurde; Paul J. Kosmin: The Land of the Elephant Kings. Space, Territory, and Ideology in the Seleucid Empire, Cambridge, Mass. u. a. 2014, 326, Anm. 80; John Granger Cook: Crucifixion in the Mediterranean World, 2. Aufl., Tübingen 2019, S. 230, Anm. 52; Boris Chrubasik: Kings and Usurpers in the Seleukid Empire. The Men Who Would Be King, Oxford u. a. 2016 S. 119; und Marc Mendoza: Decapitation in Sources on Alexander the Great, Lleida 2023, S. 91. Im deutschsprachigen Raum hat diese Interpretation wenig Rezeption erfahren.
  48. Boricus A. Van Proosdij: De morte Achaei. In: Hermes, Bd. 69, H. 3 (1934), S. 347–50, hier: S. 348; und Robert Fleischer: Marsyas und Achaios. In: Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien, Bd. 50 (1972–1975), Sp. 103–22, hier: Sp. 114.
  49. Boris Chrubasik: Kings and Usurpers in the Seleukid Empire. The Men Who Would Be King, Oxford u. a. 2016, S. 119f.
  50. Boris Chrubasik: Kings and Usurpers in the Seleukid Empire. The Men Who Would Be King, Oxford u. a. 2016, S. 120; und Rolf Strootman: Courts and Elites in the Hellenistic Empires. The Near East after the Achaemenids, c.330 to 30 BCE, Edinburgh 2014, S. 148f.
  51. Boris Chrubasik: Kings and Usurpers in the Seleukid Empire. The Men Who Would Be King, Oxford u. a. 2016, S. 120.
  52. Rolf Strootman: Courts and Elites in the Hellenistic Empires. The Near East after the Achaemenids, c.330 to 30 BCE, Edinburgh 2014, S. 148.
  53. Boris Chrubasik: Kings and Usurpers in the Seleukid Empire. The Men Who Would Be King, Oxford u. a. 2016 S. 120, Anm. 167. Ein solches Vorgehen hätte persische Vorbilder; Carsten Binder: Plutarchs Vita des Artaxerxes. Ein historischer Kommentar, Berlin u. a. 2008, S. 223f.
  54. Guy Labarre: Bôlis et la mort d’Achaios. Entre diplomatie, services secrets et mani gances. In: Dialogues d’histoire ancienne, Erg. H. 17 (2017), S. 573–92, hier: S. 587. Diese Interpretation steht dabei in einem gewissen Spannungsverhältnis zur Deutung von Robert Fleischer: Marsyas und Achaios. In: Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien, Bd. 50 (1972–1975), Sp. 103–22, hier: Sp. 117f.
  55. Boricus A. Van Proosdij: De morte Achaei. In: Hermes, Bd. 69, H. 3 (1934), S. 347–50.
  56. Herodot 1,214,4.
  57. Robert Fleischer: Marsyas und Achaios. In: Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien, Bd. 50 (1972–1975), Sp. 103–22, hier: Sp. 114f.
  58. Gerhard Kleiner: Der Münchner Goldstater des Achaios. In: Jahrbuch für Numismatik und Geldgeschichte, Bd. 5–6 (1954/55), S. 143–49, hier: S. 146.
  59. Herodot 1,112,3.
  60. Boricus A. Van Proosdij: De morte Achaei. In: Hermes, Bd. 69, H. 3 (1934), S. 347–50, hier: S. 349.
  61. Robert Fleischer: Marsyas und Achaios. In: Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien, Bd. 50 (1972–1975), Sp. 103–22, hier: Sp. 115.
  62. Boricus A. Van Proosdij: De morte Achaei. In: Hermes, Bd. 69, H. 3 (1934), S. 347–50, hier: S. 349.
  63. Polybios 8,17,10–11.
  64. Diese Vorstellung, die Juden würden den Esel als heiliges Tier verehren, ist bei einer ganzen Anzahl antiker Autoren verbürgt, sie kam gemäß Iosephus, Contra Apionem 2,80 allerdings erst nach dem Temperlaub des Antiochos IV. Epiphanes auf; vgl. dazu auch Elias Bickermann: Ritualmord und Eselskult. Ein Beitrag zur Geschichte antiker Publizistik, I. Tempelopfer. In: Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums, Jg. 71; N. F. 35 (1927), S. 171–87; sowie II. Eselskult, ebd., S. 255–64.
  65. Iosephus, Antiquitates 18,356; Robert Fleischer: Marsyas und Achaios. In: Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien, Bd. 50 (1972–1975), Sp. 103–22, hier: Sp. 115ff.
  66. Guy Labarre: Bôlis et la mort d’Achaios. Entre diplomatie, services secrets et mani gances. In: Dialogues d’histoire ancienne, Erg. H. 17 (2017), S. 573–92, hier: S. 588f. vertritt – mit Verweis auf die Interpretation von Fleischer – sogar die These, dass Antiochos schon bei der Hinrichtung des Verräters auf den Marsyasmythos Bezug genommen hätte. Eine Auffassung, die von Fleischer so nicht vertreten wird und aufgrund der geringen Verständlichkeit im zeitgenössischen Diskurs auch als wenig plausibel betrachtet werden muss.
  67. Zur Verbindung des Marsyas mit dem Esel vgl. August Burckhardt-Brandenberg: Marsyas 6. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE), Bd. XIV, 1, Stuttgart 1930, Sp. 1986–95, hier: Sp. 1998f. Jener Geht sogar so weit zu behaupten, dass sich im Marsyasmythos ein an Eseln durchgeführter Opferritus zu Ehren des Apoll spiegelt, bei welchem den Tieren die Haut abgezogen wurde.
  68. Robert Fleischer: Marsyas und Achaios. In: Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien, Bd. 50 (1972–1975), Sp. 103–22. Nach Herodot 7,26 wurde die Haut des Marsyas in Phrygien als Reliquie bewahrt.
  69. Fleischer hat auf den Umstand verwiesen, dass Marsyas in der Statuengruppe als bärtiger Alter, Apoll hingegen als bartloser Jüngling dargestellt wird. Er sieht hierin eine Erleichterung zum „Verständnis für die Parallelität der beiden Vorgänge, des mythischen und des gegenwärtigen“; Robert Fleischer: Marsyas und Achaios. In: Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien, Bd. 50 (1972–1975), Sp. 103–22, hier: Sp. 117f.; John Ma: Antiochos III. and the Cities of Western Asia Minor, 2. Aufl., Oxford u. a. 2000, S. 61; äußert seine Zustimmung zu dieser These. Kritisch aufgrund des Fehlens „fester Äußerer Daten“ etwa Hugo Meyer: Kunst und Geschichte. Zur antiken Historienkunst, München 1983, S. 65.
    Sicher ist die Datierung in keinem Fall, viel mehr variiert sie teils um mehrere Jahrhunderte; Caterina Maderna-Lauter: Überlegungen zum ‚roten’ und zum ‚weißen’ Marsyas. In: Hellenistische Gruppen, Gedenkschrift für Andreas Linfert, hrsg. v. Peter C. Bol, Mainz 1999, S. 115–40; und Kay Ehling: Die Münzprägung der mysischen Stadt Germe in der römischen Kaiserzeit, Bonn 2001, S. 75–81.
  70. Werner Huß: Untersuchungen zur Außenpolitik Ptolemaios‘ IV. Beiträge zur Papyrusforschung und antiken Rechtsgeschichte, München 1976, S. 92, Anm. 24.
  71. Zu den, dem Tier von römisch-griechischen Autoren zugeschriebenen Charakterzügen und anderen Eigenschaften vgl. Franz Olck: Esel. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE), Bd. VI, 1, Stuttgart 1907, Sp. 626–76, hier: Sp. 634–36, 644f., 649f.
  72. Plutarch, Kleomenes 38,2; 39,1.
  73. Zum Eselbild der Ägypter in hellenistischer Zeit vgl. Franz Olck: Esel. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE), Bd. VI, 1, Stuttgart 1907, Sp. 626–76, hier: Sp. 652 und Ingrid Bohms: Säugetiere in der altägyptischen Literatur, Berlin 2013, S. 71ff.
  74. Werner Huß: Ägypten in hellenistischer Zeit 332–30 v.Chr. München 2001, S. 405, Anm. 8.
  75. Werner Huß: Untersuchungen zur Außenpolitik Ptolemaios‘ IV. Beiträge zur Papyrusforschung und antiken Rechtsgeschichte, München 1976, S. 89–94; vgl. Polybios 5,57,1–2; 67,12–13; 8,15,1; 15,10. Gerhard Kleiner: Der Münchner Goldstater des Achaios. In: Jahrbuch für Numismatik und Geldgeschichte, Bd. 5–6 (1954/55), S. 143–49, hier: S. 145; macht geltend, dass sich Achaios überhaupt nur aufgrund der ptolemäischen Unterstützung überhaupt so lange hatte halten können.
  76. Kay Ehling: Der Tod des Usurpators Achaios. In: Historia, Bd. 56, H. 4 (2007), S. 497–501, hier: S. 498, Anm. 10. Die gleiche Auffassung wird darüber hinaus auch von Gunnar Samuelsson: Crucifixion in Antiquity. An Inquiry into the Background and Significance of the New Testament Terminology of Crucifixion, Tübingen 2011, S. 116; und Georg M.A. Hanfmann: The Crucified Donkey Man. Achaios and Jesus. In: Studies in Classical Art and Archaeology. A Tribute to Peter Heinrich von Blanckenhagen, hrsg. v. Günter Kopcke & Mary B. Moore, New York 1979, S. 205–7; vertreten. Allerdings hätte der entscheidende, von Plutarch gebrauchte Begriff καταβυρσούν (1. Person Singular Indikativ Präsens Aktiv: καταβυρσόω, „ganz mit Haut eindecken“; vgl. καταβυρσόω: Passow (Handwörterbuch der griechischen Sprache, 1,2, Leipzig 1847), S. 1604; und Gabriele Marasco: Commento alle biografie Plutarchee di Agide e di Cleomene, Bd. II, Rom 1983, S. 651), der sich wiederum aus der Präposition κατά und einem Verb zusammensetzt, welches zum Nomen βύρσα mit der Bedeutung „abgezogene Haut“, „Fell“ gehört; βύρσα: Passow (Handwörterbuch der griechischen Sprache, 1,1, Leipzig 1841), S. 528; in solch einem Kontext einen befremdlichen tierischen Beiklang und kann sich daher eher nicht auf die Haut von Menschen beziehen; Wolfgang Habermann: Lexikalische und semantische Untersuchung am griechischen Begriff βύρσα. In: Glotta, Bd. 66, H. 1/2 (1988), S. 93–99.
  77. Der Pferdekopf erscheint auf allen Nominalen der Münzen des Achaios; auf dem Stater und der Tetradrachme ist er offenbar eine Art Beizeichen, auf den Bronzen erscheint er als „Gegenstempel“ und auf den Kleinstbronzen als eigenständiges Motiv; Kay Ehling: Der Tod des Usurpators Achaios. In: Historia, Bd. 56, H. 4 (2007), S. 497–501, hier: S. 499f. Auf dem Stater erscheint er auf dem Revers zu Füßen der Athena; sieh dafür den zugehörigen Objekt-Eintrag in bavarikon. Ehling: Tod des Achaios, 2007, S. 498f.; macht geltend, dass die Münzen nach dem Sieg über Achaios wahrscheinlich eingezogen wurden, was erkläre, weswegen sich nur wenige Beispiele für seine Münzen erhalten hätten. Durch diese Maßnahme ist zugleich auch sein Andenken getilgt worden; Gerhard Kleiner: Der Münchner Goldstater des Achaios. In: Jahrbuch für Numismatik und Geldgeschichte, Bd. 5–6 (1954/55), S. 143–49, hier: S. 146.
  78. Kay Ehling: Der Tod des Usurpators Achaios. In: Historia, Bd. 56, H. 4 (2007), S. 497–501, hier: S. 499f. Gerhard Kleiner: Der Münchner Goldstater des Achaios. In: Jahrbuch für Numismatik und Geldgeschichte, Bd. 5–6 (1954/55), S. 143–49, hier: S. 145; sieht darin eher einen Hinweis auf Lydien oder Sardes, auch eine Verbindung des Motives mit Apoll und damit eine Bezugnahme auf die Seleukidendynastie hält er für möglich.
  79. Kay Ehling: Der Tod des Usurpators Achaios. In: Historia, Bd. 56, H. 4 (2007), S. 497–501, hier: S. 500.
  80. Kay Ehling: Der Tod des Usurpators Achaios. In: Historia, Bd. 56, H. 4 (2007), S. 497–501, hier: S. 500.
  81. Zustimmend etwa Marc Mendoza: Decapitation in Sources on Alexander the Great, Lleida 2023, S. 90f.