39. Taktische Fliegerbrigade

39. Taktische Fliegerbrigade

Aufstellung April 1942
Staat Sowjetunion Sowjetunion (1942–1991)
Ukraine Ukraine (seit 1992)
Streitkräfte Ukrainische Streitkräfte
Teilstreitkraft Ukrainische Luftstreitkräfte
Typ Brigade
Unterstellung Luftwaffenkommando Zentrum
Standort Militärflugplatz Oserne, Oblast Schytomyr
Jahrestage 3. Juli
Schlachten Russisch-Ukrainischer Krieg
Auszeichnungen

Für Mut und Tapferkeit

Führung
Kommandeur Oberstleutnant Oleksij Sachartschuk
Alte Bezeichnungen
2001–2008 9. Jagdfliegerregiment
2008–2011 9. Jagdfliegerbrigade
2011–2018 37. Separates Jagdgeschwader
Insignien
Ehemaliges Schulterpatch
Ehemaliges Wappen
Luftfahrzeuge
Kampfflugzeug/
-hubschrauber
Su-27
Ausbildung Aero L-39
Transportflugzeug/
-hubschrauber
Mi-8

Die 39. Taktische Fliegerbrigade ist eine Einheit der Ukrainischen Luftstreitkräfte, die Su-27-Luftüberlegenheitsjäger und L-39 Albatros-Trainer operiert. Die Brigade geht auf das 894. Jagdfliegerregiment der sowjetischen Luftstreitkräfte zurück, ihre direkte Linie führt jedoch zum 9. Jagdfliegerregiment der ukrainischen Luftstreitkräfte. Sie ist auf dem Luftwaffenstützpunkt Oserne stationiert.

Geschichte

Ihren Ursprung hat die Brigade im 894. Jagdfliegerregiment, das Teil des 28. Luftverteidigungskorps war und im Februar 1992 nach dem Zerfall der Sowjetunion Teil der ukrainischen Luftstreitkräfte wurde. Obwohl das Regiment offiziell mit MiG-29 im Einsatz war, erhielt die Einheit keine neuen dieser Kampfflugzeuge. Daher wurde das Regimentspersonal im August 2001 auf die Su-27 umgeschult, die von der 204. Taktischen Fliegerbrigade übernommen wurden. Das Regiment wurde nun zum 9. Jagdfliegerregiment.[1][2]

Flugtragödie von Lemberg

Am 27. Juni 2002 sollte eine MiG-29UB der 114. Taktischen Fliegerbrigade im Rahmen einer Flugschau, zum 60. Jahrestag des 14. Luftkorps, einen Vorführungsflug absolvieren. Aufgrund der Wetterbedingungen konnte sie jedoch nicht in Lwiw eintreffen. Stattdessen wurde eine Su-27UB des 9. Regiments entsandt. Mehr als 10.000 Zuschauer besuchten die Flugschau.

Die Su-27 wurde von zwei erfahrenen Piloten geflogen. Um 12:52 Uhr leitete sie ein Rollmanöver mit sinkender Flugbahn in geringer Höhe ein. Sie richtete sich wieder auf aber verlor weiterhin schnell an Höhe, als kurz vor dem Aufprall auf den Boden die linke Tragfläche abbrach. Daraufhin rettete sich Besatzung mit Schleudersitz. Die Suchoi schrammte zunächst flach über den Boden, lenkte auf stehende Flugzeuge zu und streifte so die Nase einer Il-76, bevor sie explodierte und in die Zuschauermenge stürzte. Beide Piloten überlebten mit leichten Verletzungen, während 77 Zuschauer, darunter 28 Kinder, bei dem Unglück, das als Flugtagunglück von Lemberg bekannt wurde, ums Leben kamen. Weitere 100 Personen wurden mit Kopfverletzungen, Verbrennungen und Knochenbrüchen ins Krankenhaus eingeliefert. Insgesamt wurden 543 Menschen bei dem Unfall verletzt. Einige Umstehende erlitten aufgrund des Gesehenen schwere psychische Erkrankungen. Nach dem Unglück gaben die Piloten an, dass die ihnen zugesandte Flugkarte vom tatsächlichen Flugverlauf abwich. Auf der Black box ist zu hören wie ein Pilot fragt: „Und wo sind unsere Zuschauer?“. Andere vermuteten, dass die Piloten zu langsam auf die automatischen Warnungen des Bordcomputers reagierten. Gegen den Regimentskommandeur, Oleg Dsjubetskyj, wurde ein Strafverfahren eingeleitet, er wurde jedoch für nicht schuldig befunden.

Umstrukturierung

Im Dezember 2004 wurde das Regiment auf die MiG-29, und im Dezember 2008 wieder auf die Su-27 umgeschult. Somit wurde sie zur 9. Jagdfliegerbrigade. Während dieser Zeit war Juli Mamtschur Kommandeur der Brigade.[3]

Am 22. und 23. Januar 2010 führten die Besatzungen der Su-27 und Su-27UB der Brigade Tag- und Nachtflüge unter schwierigen Wetterbedingungen durch. Hauptzweck der Flüge war die weitere Ausbildung.

Im Jahr 2011 wurde die 9. Jagdfliegerbrigade zum 37. Separaten Jagdgeschwader umstrukturiert, die Teil der 40. Taktischen Fliegerbrigade war. Im Februar 2013 nahm die Staffel an Luftwaffenübungen auf der Krim teil und wehrte mit Su-27 einen Luftangriff zweier MiG-29 der Taktischen Fliegerbrigade Sewastopol ab. Im April 2013 absolvierten die Piloten der Su-27 und L-39 45 Einsätze mit einer Gesamtflugzeit von rund 40 Stunden. Ziel der Übung war die Vorbereitung der Flugbesatzungen auf Luftverteidigungs- und Kampfeinsätze, die Durchführung regelmäßiger Inspektionen, Flugtraining und die Aufrechterhaltung der Flugfertigkeiten unter schwierigen Wetterbedingungen bei Tag und bei Nacht. Im August nahm das Geschwader an der internationalen Flugshow International air show-2013 in Radom, Polen, teil.[4]

Vor Beginn des russisch-ukrainischen Krieges bestand die Überlegung, das Geschwader aufzulösen, da geplant war, dessen Personal zum Luftwaffenstützpunkt Wassylkiw zu verlegen.

Russisch-Ukrainischer Krieg

Im Februar 2014 absolvierten die Piloten des Geschwaders 19 Flüge mit einer Flugzeit von etwa 14 Stunden.

Am 5. Januar 2015 wurden eine MiG-29 und eine MiG-29UB des Geschwaders an die 114. Taktische Fliegerbrigade übergeben und zwei in Saporischschja reparierte Su-27 wurden an das Geschwader geliefert.[5]

2016 wurde eine Su-27UB nach einer Reparatur in Saporischschja an das Geschwader übergeben, zusätzlich zu zwei weiteren reparierten und modernisierten Su-27.[6]

Im Jahr 2017 wurde ein Su-27P1M Abfangjäger des Geschwaders an die 831. Taktische Fliegerbrigade übergeben.[7]

Am 15. Dezember 2018 gegen 15 Uhr stürzte eine Su-27 der Brigade bei der Landung in der Nähe von Oserne ab. Der Pilot, Major Oleksandr Fomenko, kam bei dem Absturz ums Leben.[8][9]

Am 1. Januar 2018 wurde das Geschwader dann zur 39. Taktischen Fliegerbrigade umstrukturiert. Die organisatorische Personalstruktur der Brigade, der Wach- und Sicherheitseinheiten, der Logistik, der Kasernen und aller anderen Einrichtungen wurde wiederhergestellt. Außerdem wurden eine modernisierte SU-27, eine AN-26, eine L-39 und ein Mi-8MT-Hubschrauber an die Brigade übergeben.[10]

Am 24. Februar 2022, zu Beginn der Vollinvasion, hoben die Flugzeuge der Brigade ab um einem russischen Raketenangriff zu entkommen. Während des Angriffs wurde Oberstleutnant Eduard Wahorowskyj getötet, als seine Su-27 getroffen und zerstört wurde. Er ermöglichte es anderen Piloten, zu starten und die übrigen Flugzeuge zu retten. Posthum wurde ihm der Titel Held der Ukraine, die höchste militärische Auszeichnung für ukrainisches Personal, verliehen.

Ein weiterer Pilot, Dmytro Kolomijez, lenkte den Angriff feindlicher Flugzeuge heldenhaft ab, indem er mit seiner L-39 die Aufmerksamkeit russischer Jäger auf sich lenkte. Dabei wurde seine Maschine jedoch schließlich von einem der Kampfflugzeuge abgeschossen. Auch er wurde mit dem Titel Held der Ukraine ausgezeichnet.

Andrij Ziganow wurde ebenfalls am 24. Februar getötet, als eine Su-27 und ein Tankwagen der Brigade auf dem Vorfeld des Luftwaffenstützpunkts Oserne durch einen russischen Raketenangriff zerstört wurden.

Am 21. August 2022 fiel Oberstleutnant Pawlo Babych bei einem nicht näher spezifizierten Kampfeinsatz. Am 24. August 2022 wurde der Brigade der Ehrenorden Für Mut und Tapferkeit verliehen.

Am 12. Oktober 2022 kam Oberst Oleh Schupik ums Leben, als sein Flugzeug in der Oblast Poltawa abstürzte, nachdem es auf dem Rückflug von einem Bombenangriff auf russische Stellungen in der Ostukraine von einer Rakete getroffen worden war.[11]

Am 22. Dezember 2023 wurde eine weitere Su-27 abgeschossen, wobei der Pilot Pawlo Babich ums Leben kam.[12]

Kommandeure

  • Oberst Mykola Tkatschenko (1992–1994)
  • Oberst Oleksandr Deikun (1994–1998)
  • Oberst Serhij Kuschnir (1998–2002)
  • Oberst Walerij Lossyzkyj (2000–2001)
  • Oberst Oleh Dsjubetskyj (2002)
  • Oberst Walerij Lossyzkyj (2003–2006)
  • Oberst Pawlo Bilko (2006–2010)
  • Oberstleutnant Oleksij Sachartschuk (2010–)[13][14]

Einzelnachweise

  1. Архівована копія. Archiviert vom Original am 25. August 2013; abgerufen am 25. November 2014 (ukrainisch).
  2. Архівована копія. Archiviert vom Original am 29. November 2014; abgerufen am 25. November 2014 (ukrainisch).
  3. Архівована копія. Archiviert vom Original am 3. Februar 2019; abgerufen am 24. November 2014 (ukrainisch).
  4. Архівована копія. Archiviert vom Original am 25. August 2013; abgerufen am 25. November 2014 (ukrainisch).
  5. Архівована копія. Archiviert vom Original am 3. Februar 2019; abgerufen am 24. November 2014 (ukrainisch).
  6. Архівована копія. Archiviert vom Original am 3. Februar 2019; abgerufen am 24. November 2014 (ukrainisch).
  7. Архівована копія. Archiviert vom Original am 3. Februar 2019; abgerufen am 24. November 2014 (ukrainisch).
  8. Архівована копія. Archiviert vom Original am 3. Februar 2019; abgerufen am 24. November 2014 (ukrainisch).
  9. Архівована копія. Archiviert vom Original am 25. August 2013; abgerufen am 25. November 2014 (ukrainisch).
  10. Архівована копія. Archiviert vom Original am 3. Februar 2019; abgerufen am 24. November 2014 (ukrainisch).
  11. Архівована копія. Archiviert vom Original am 3. Februar 2019; abgerufen am 24. November 2014 (ukrainisch).
  12. Архівована копія. Archiviert vom Original am 3. Februar 2019; abgerufen am 24. November 2014 (ukrainisch).
  13. Олексій Тригуб, Комеск діяв рішуче (Memento vom 29. November 2014 im Internet Archive)
  14. Народна армія (Memento vom 3. Februar 2019 im Internet Archive; PDF; 5,31 MB), 7 вересня 2013