Česlavs Stančiks

Česlavs Stančiks
Personalia
Voller Name Česlavs Jozefs Stančiks
Geburtstag 26. September 1896
Geburtsort RigaGouvernement Livland
Sterbedatum 17. Juli 1980
Sterbeort SchriesheimDeutschland
Größe 165 cm
Position Mittelfeld
Herren
Jahre Station Spiele (Tore)1
1912 FK Amatieris
1913 SV Kaiserwald Riga
1913–1915 Union Riga
1915–1916 KFS Moskau
1921 Union Riga
1922–1925 SV Kaiserwald Riga
1926–1927 RFK Riga
1928–1932 Riga Vanderers
1936 LSB Riga
Nationalmannschaft
Jahre Auswahl Spiele (Tore)
1922–1931 Lettland 20 (2)
1 Angegeben sind nur Ligaspiele.

Česlavs Jozefs Stančiks (* 14. Septemberjul. / 26. September 1896greg. in Riga; † 17. Juli 1980 in Schriesheim) war ein lettischer Fußballspieler polnischer Herkunft. Mit der Lettischen Nationalmannschaft spielte Stančiks im Jahr 1922 im allerersten Länderspiel der Republik Lettland gegen eine Auswahl aus Estland und nahm zwei Jahre später an den Olympischen Sommerspielen in Paris teil. Er wurde mit dem SV Kaiserwald Riga zweimal und mit dem RFK Riga einmal Lettischer Meister.

Karriere und Leben

Česlavs Stančiks wurde im Jahr 1896 in Riga in die Familie des polnischstämmigen Beamten der Polizeiverwaltung des Gouvernements Kowno, Bolesław Stančiks (1863–1914), und dessen Ehefrau Anna, einer Klavierlehrerin (geb. Skaczys, 1871–1942) geboren. Er hatte zwei Schwestern, Irena und Wanda. In seiner Kindheit lebte die Familie im Rigaer Stadtteil Mīlgrāvis, zog jedoch nach dem Tod des Vaters im Jahr 1914 innerhalb der Stadt nach Āgenskalns um. Stančiks besuchte das Rigaer Stadtgymnasium, musste seine Schulausbildung jedoch wegen der Evakuierung nach Moskau während der Ersten Weltkriegs abbrechen. Im Jahr 1916 wurde Stančiks in die Kaiserlich Russische Armee einberufen. Er absolvierte die Offiziersschule in Oranienbaum und wurde Marineoffizier der Kaiserlichen Marine. Bis 1917 diente er in Sewastopol bei der Schwarzmeerflotte. Im Dezember 1917 begab er sich nach Dorpat, wo er in deutsche Kriegsgefangenschaft geriet. Nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft im Dezember 1918 hielt er sich kurze Zeit in Riga auf und ging dann nach Litauen. Dort trat er der polnischen Armee bei, geriet jedoch in die Gefangenschaft der Bolschewiken. Später lief er zur Weißen Armee von Anton Denikin über und kehrte von dort im Jahr 1921 nach Riga zurück.

Aufgrund seines langen Auslandsaufenthaltes erhielt er die Staatsbürgerschaft der 1918 gegründeten Republik Lettland erst 1924. Im Jahr 1921 wurde in seinen Ausweisdokumenten als Beruf „Student“ angegeben, doch wo genau er studierte, ist nicht bekannt. Später arbeitete er in Riga als Büroangestellter. Laut Presseberichten war Stančiks ab 1933 Berufssoldat in der lettischen Armee mit dem Dienstgrad Obersekretär, außerdem trat er als Balletttänzer an der Oper in Liepāja auf. Seine spätere Teilnahme an einem Fußballturnier für Beamte in der Mannschaft des Zolldienstes lässt darauf schließen, dass Stančiks als Zollbeamter beschäftigt war.

Stančiks Ehefrau Herta (geb. Šmīdeberga, deutsch: Schmiedeberg, 1903–1982) war Deutschbaltin. Daher wurden sie im Herbst 1939 zusammen mit der gemeinsamen Tochter Irena (1927–1998) in das Deutsche Reich umgesiedelt. Es ist bekannt das die Familie Anfangs in Posen lebte. Später lebten sie eine Zeit lang in Braunschweig. Stančiks wurde vermutlich 1943 in die Kriegsmarine eingezogen. Vor der Einberufung war er als Spediteur tätig. Nach dem Krieg arbeitete er in einem Camp des US-amerikanischen Labor Service für ehemalige Soldaten in Kaiserslautern. In den folgenden Jahren war er als Händler tätig, zunächst selbstständig, später im Unternehmen seines Schwiegersohns. Er lebte bis zu seinem Lebensende in Heidelberg und verstarb in einem Pflegeheim in Schriesheim.

Fußball

Česlavs Stančiks begann dem Fußballsport im Jahr 1907. 1912 spielte er für den FK Amatieris, der gemeinhin als erster lettischer Fußballverein gilt. Vor dem Ersten Weltkrieg spielte Stančiks noch beim SV Kaiserwald Riga und Union Riga. Während des Ersten Weltkriegs, als seine Familie sich im Asyl in Russland aufhielt, spielte er Fußball beim KFS Moskau aus dem Stadtteil Sokolniki. Nach seiner Rückkehr nach Lettland spielte er für die stärkste Mannschaft Rigas zu Beginn der 1920er Jahre – dem „SV Kaiserwald“, mit der er 1922 und 1923 lettischer Meister wurde. Gleichzeitig war er ein konstant eingesetzter Nationalspieler, der an allen Spielen der lettischen Nationalmannschaft von 1922 bis 1926 teilnahm. Stančiks debütierte am 24. September 1922 für die Lettische Fußballnationalmannschaft gegen Estland. Er war zugleich das erste Länderspiel in der Geschichte des Landes. Zudem nahm er mit der Mannschaft am Baltic Cup 1931 teil. Er war Teilnehmer der Olympischen Sommerspiele 1924 in Paris und nahm dort am Achtelfinalspiel gegen Frankreich teil, das allerdings klar verloren wurde. Stančiks absolvierte insgesamt 20 Länderspiele und erzielte zwei Tore. Nach der Auflösung der Mannschaft von Kaiserwald wechselte er zum damaligen Top-Verein RFK Riga, mit dem er 1926 seinen dritten lettischen Meistertitel errang. Später schloss sich Stančiks den Riga Vanderers an und spielte dort bis 1932. Nach der besten Saison in der Geschichte von „Vanderers“, in der das Team das Finalspiel um die lettische Meisterschaft jedoch verlor, beendete Stančiks seine aktive Karriere, wobei ihm ein Abschiedsspiel gewidmet wurde. Er war Kapitän der „Vanderers“ und galt auch am Ende seiner Laufbahn als einer der besten Spieler des Vereins. Im Jahr 1933 wurde er mit dem Ehrenzeichen des Lettischen Sportverbands (LSOA) „Für Verdienste“ anlässlich des 15-jährigen Jubiläums der Republik Lettland ausgezeichnet – als einer von nur zehn Fußballspielern. Ebenfalls im Jahr 1933 wurde er in das Kollegium der Fußballschiedsrichter gewählt. Einige Jahre spielte er noch in der Mannschaft der Zollbeamten, letztmalig im Jahr 1936 kehrte als Spieler des LSB Riga in die zweite Liga zurück. Dort wurde der fast 40-jährige Stančiks zu einer der tragenden Säule, und die Mannschaft wurde Meister der Liga. In den anschließenden Entscheidungsspielen um den Aufstieg in die Virslīga hatte das Team jedoch keinen Erfolg.