Österreichischer Landsmannschafter- und Turnerschafter-Convent
Der Österreichische Landsmannschafter- und Turnerschafter-Convent (ÖLTC) war ein deutschnationaler Korporationsverband von farbentragenden und pflichtschlagenden Studentenverbindungen an österreichischen Hochschulen. Seit 1992 besteht er als Arbeitsgemeinschaft innerhalb des Coburger Conventes (CC) fort.
Geschichte
Der ÖLTC wurde 1933 nach der nationalsozialistischen Machtergreifung in Deutschland von den österreichischen Landsmannschaften und Turnerschaften gegründet,[1] die zuvor der Deutschen Landsmannschaft (DL) bzw. dem Vertreterconvent (VC) angehört hatten. Er nahm damit die nach dem Zweiten Weltkrieg auch in der Bundesrepublik Deutschland vollzogene Vereinigung der Landsmannschafter und Turnerschafter in einem gemeinsamen Verband vorweg. Nach dem Anschluss Österreichs wurde der ÖLTC 1938 verboten.[1]
Der Verband wurde am 2. Mai 1953 zunächst als Arbeitsgemeinschaft der Landsmannschaften und Turnerschaften Österreichs (ALTÖ) wiederhergestellt und nahm seinen alten Namen im folgenden Jahr wieder an. Er war eng mit dem 1951 gegründeten Coburger Convent (CC) der deutschen Landsmannschaften und Turnerschaften verbunden.[2] Seit 1977 konnten seine Mitgliedsverbindungen assoziierte Mitglieder des CC sein.[3]
Nach dem Beitritt seiner Mitgliedsbünde zum CC 1992 ging der ÖLTC in diesem auf und besteht seitdem als Arbeitsgemeinschaft innerhalb des CC fort.[4]
Alle Landsmannschaften des ÖLTC bekennen sich zur Pflichtmensur.
Mitgliedsverbindungen
Folgende Korporationen gehören dem ÖLTC aktuell an:
- Akademische Grenzlandsmannschaft Cimbria zu Wien
- Akademische Landsmannschaft Kärnten zu Wien (vertagt)
- Akademische Landsmannschaft Viruna zu Graz
- Alte Prager Landsmannschaft Böhmerwald zu Linz (vertagt)
- Alte Prager Landsmannschaft Hercynia zu Frankfurt
- Akademische Landsmannschaft der Salzburger zu Salzburg (zu Wien 1884)
- Akademische Landsmannschaft Tyrol zu Innsbruck
Bekannte Angehörige
- Robert Aspöck (1943–2018), Jurist, FPÖ-Abgeordneter zum Nationalrat (Salzburger)
- Kurt-Joachim Betz, Fechtmeister VdF (Salzburger, Böhmerwald Prag)
- Andreas Brix, Fechtmeister VdF (Salzburger, Böhmerwald Prag)
- Bruno Grimschitz (1892–1964), Kunsthistoriker und Museumsleiter (Kärnten Wien)
- Waldemar Jud (1943–2018), Jurist und Universitätsprofessor (Viruna Graz)
- Herbert Haupt (* 1947), Veterinärmediziner, Politiker (FPÖ/BZÖ), Bundesminister und Vizekanzler (Kärnten Wien)
- Andreas Hochwimmer (* 1975), Jurist, FPÖ-Abgeordneter zum Salzburger Landtag (Salzburger)
- Robert Honold (1872–1953), Maschinenbau-Ingenieur und Universitätsprofessor (Viruna Graz)
- Johannes Kaiser (* 1972), deutsch-chilenischer nationallibertärer Politiker (Tyrol Innsbruck)
- Hansjörg Müller (* 1968), Volkswirt, Mitglied des Deutschen Bundestages (AfD) 2017–2021 (Salzburger)
- Gernot Piccottini (1941–2018), Provinzialrömischer Archäologe und Hochschullehrer (Kärnten Wien)
- Elmar Podgorschek (* 1958), Politiker, FPÖ-Landesrat in Oberösterreich (Cimbria Wien)
- Franz Raaz (1894–1973), Mineraloge und Universitätsprofessor (Cimbria Wien)
- Andreas Reichhardt (* 1968), Jurist, Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie 2019–2020 (Cimbria Wien)
- Anton Reinthaller (1895–1958), Land- und Forstwirt, Bundesminister, FPÖ-Bundesparteiobmann (Salzburger)
- Rudolf Scharfetter (1880–1956), Botaniker und Pflanzengeograph (Salzburger)
- Andreas Schöppl (* 1961), Jurist, FPÖ-Politiker (Salzburger)
- Robert Thaller (* 1952), Jurist, FPÖ-Abgeordneter zum Salzburger Landtag, Landesrat (Salzburger)
- Erich Witzmann (* 1945), Historiker und Journalist (Cimbria Wien, Hercynia Prag)
Siehe auch
- Studentenverbindungen in Österreich
- Geschichte der Studentenverbindungen
- Liste der Korporationsverbände
- Liste der Mitgliedsverbindungen des CC
Literatur
- Bernhard Grün, Christoph Vogel: Die Fuxenstunde. Handbuch des Korporationsstudententums. Bad Buchau 2014, S. 194, ISBN 978-3-925171-92-5.
- Paulgerhard Gladen: Gaudeamus igitur. Die studentischen Verbindungen einst und jetzt. Callwey 1986. S. 236.
- Österreichischer Landsmannschafter- und Turnerschafter-Convent. In: Brockhaus Enzyklopädie in zwanzig Bänden, Band 14. F. A. Brockhaus, Wiesbaden 1972. S. 49.
Einzelnachweise
- ↑ a b Brockhaus Enzyklopädie in vierundzwanzig Bänden, Band 4. F. A. Brockhaus, Wiesbaden 1996. S. 615.
- ↑ Paulgerhard Gladen: Gaudeamus igitur. Die studentischen Verbindungen einst und jetzt. Callwey, 1986. S. 236.
- ↑ Alexandra Kurth: Männer – Bünde – Rituale. Studentenverbindungen seit 1800. Campus, 2004. S. 38.
- ↑ Edwin A. Biedermann: Logen, Clubs und Bruderschaften. Droste, 2007. S. 241.