Ödernhardt
Ödernhardt Gemeinde Berglen
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| Koordinaten: | 48° 51′ N, 9° 28′ O |
| Höhe: | 372 m ü. NN |
| Eingemeindung: | 1. April 1972 |
| Eingemeindet nach: | Buchenberg |
| Postleitzahl: | 73663 |
| Vorwahl: | 07195 |
| Lage von Ödernhardt in den Berglen
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Ansicht aus dem 17. Jahrhundert (1686)
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Ödernhardt (früher Oedernhardt) ist ein Dorf und seit 1972 ein Gemeindeteil der Großgemeinde Berglen im baden-württembergsichen Rems-Murr-Kreis. Der Ort gehört zu der Region Stuttgart und liegt vollständig im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald.
Geographische Lage
Ödernhardt wird zu der Landschaft Berglen gezählt. Umliegende Ortschaften sind Oppelsbohm im Norden, Birkenweißbuch im Osten, Kottweil im Südosten, Steinach im Südwesten sowie Bretzenacker im Nordwesten.
Zur Altgemeinde Ödernhardt gehört der Weiler Erlenhof.
Ortsname
Nach dem Historiker Lutz Reichardt wurde bei der Gründung Ödernhardts ein Flurname auf den Ort übertragen. Der Namensbestandteil Ödern ist wahrscheinlich auf das Adjektiv öde zurückzuführen, der Bestandteil -hardt hat wie bei Mainhardt oder Murrhardt die Bedeutung Bergwald. Somit bedeutet der Ortsname so viel wie öder, unbewohnter oder abgeholzter Bergwald. Der Ortsname änderte sich im Laufe der Zeit nur geringfügig. Im 16. und 17. Jahrhundert taucht als Variante der Name Edernhardt auf. In Andreas Kiesers Forstkarte von 1686 hieß das Dorf bereits Ödernhardt. Im 19. Jahrhundert war die Schreibweise Oedernhardt noch verbreitet.[1]
Geschichte
Ödernhardt wurde im Jahr 1428 erstmals als Ödenhart urkundlich erwähnt, als Hans Truchsess von Höfingen und seine Frau Mia Schenkin von Winnenden einen Hof in Ödernhardt an die Edelfrau Adelheid von Gaisberg verkauften. Allerdings ist Ödernhardt deutlich älter. Vermutlich gehörte die Gegend während der Stauferzeit den Herren von Neuffen. Über die hochadelige Luitgard von Neuffen, die mit Konrad von Weinsberg verheiratet war, kam der Ort an die Herren von Weinsberg. 1323 verpfändeten die Weinsberger ihren Besitz im Raum Winnenden an Graf Eberhard den Erlauchten von Württemberg. 1325 verkauften die Weinsberger endgültig ihren Besitz an Graf Ulrich III. von Württemberg. Somit kam Ödernhardt zum Herrschaftsgebiet Altwürttemberg. Das Dorf wurde später dem Amt und Oberamt Winnenden zugeteilt. Grundbesitz in Ödernhardt hielten auch die Prämonstratenser vom Kloster Adelberg und die Benediktiner vom Kloster Lorch. 1535 wurde in Ödernhardt die Reformation eingeführt.
1808 wurde Ödernhardt dem Oberamt Waiblingen zugeschlagen. Im 19. Jahrhundert wurde Ödernhardt für seinen Obstbau bekannt. Besonders gut gedieh Steinobst, hauptsächlich Kirschen. Es wurde Kirschgeist gebrannt und Früchte für den Rohverzehr ausgeführt. In guten Jahren konnten die Kirschen bis nach Bayern verkauft werden. Es wurde auch qualitativ guter Wein gekeltert, jedoch mangelte es an Getreide und es konnte kein Korn ausgeführt werden. Es gab eine Schäferei im Ort und es wurde Viehhandel betrieben. Das Handwerk war ganz unbedeutend. Durch die Reblaus und andere Schädlinge ging der Weinbau ab und verschwand mit dem Ersten Weltkrieg (1914 bis 1918) endgültig.
In der NS-Zeit in Württemberg kam Ödernhardt 1938 zum Landkreis Waiblingen. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam Ödernhardt zur Amerikanischen Besatzungszone.
In den 1970er Jahren strebte die von der CDU geführte Landesregierung eine Gemeindereform an. Durch die Maßnahme sollte die Anzahl der kleineren Kommunen reduziert und neue leistungsfähige Gemeinden geschaffen werden. Für die neuen Großgemeinden wurde eine Einwohnerzahl von 5000 angestrebt. Dies bedeutete für die Gemeinde Ödernhardt das Aus, da die Gemeindefläche und die Einwohnerzahl zu gering war. 1972 wurde die Gemeinde aufgelöst. Ödernhardt schloss sich der neu gegründeten Großgemeinde „Buchenberg“ an, die sich am 27. Dezember 1972 in „Berglen“ umbenannte.
Einwohnerentwicklung
Religion
Seit der Einführung der Reformation unter Herzog Ulrich ist Ödernhardt wie ganz Altwürttemberg evangelisch-lutherisch geprägt. Die wenigen Katholiken sind erst nach dem Zweiten Weltkrieg zugezogen. Ödernhardt verfügte nie über eine eigene Kirche und gehörte kirchlich seit dem 15. Jahrhundert zur Mauritiuskirche in Oppelsbohm. Die wenigen Katholiken sind zumeist nach dem Zweiten Weltkrieg zugezogen und werden von Winnenden aus betreut.[4] Ödernhardt verfügt über einen kleinen Friedhof.
Politik
Schultheißen und Bürgermeister
Schultheißen waren zumeist wohlhabende und angesehene Landwirte, die man umgangssprachlich auch Bauraschultes (Bauernschultes) nannte. Erst 1930 wurde in Württemberg die Amtsbezeichnung Schultheiß amtlich durch Bürgermeister ersetzt.
Liste der Schultheißen (unvollständig, Amtszeiten teilweise unklar):
- 1828: Philipp[2]
Wappen und Flagge
Die Altgemeinde Ödernhardt führte ein Gemeindewappen und eine Flagge.
Die Blasonierung des ehemaligen Gemeindewappens lautet: In rotem Wappenschild ein silbernes (in der Heraldik weißes) Beil.
Wappenbegründung: Das Beil weist auf die Tatsache hin, dass Ödernhardt auf einem gerodeten Wald gegründet wurde.
Die Gemeindefarben waren Rot-Weiß.
Mit der Auflösung der Gemeinde Ödernhardt im Zuge der baden-württembergischen Gemeindegebietsreform von 1972 ist das Wappen erloschen. Es kann jedoch von Vereinen und Privatpersonen zur Traditionspflege weiterhin benutzt werden, etwa als Abzeichen oder Wimpel.
Ortsneckname
In früheren Zeiten wurden die Einwohner von Ödernhardt wegen der steilen Lage des Orts scherzhaft die Bergmäuse genannt, das Dorf Zuckerhut.[5]
Literatur
- Rudolph Friedrich von Moser: Beschreibung des Oberamts Waiblingen. J. G. Cotta, Stuttgart und Tübingen 1850, S. 184f.
- Ilse Böwing-Bauer: Die Berglen. Hopfer Verlag, Tübingen 1958.
- Horst Lässing (Hrsg.): Der Rems-Murr-Kreis. Verlag Konrad Theiss 1980, ISBN 3-8062-0243-5, S. 285.
- Waldemar Lutz, Erich Scheible (Hrsg.): Kennzeichen WN. Heimatkunde für den Rems-Murr-Kreis. Verlag Waldemar Lutz Lörrach und Ernst Klett Schulbuchverlag GmbH, Stuttgart 1990, ISBN 3-12-258290-2, S. 197.
- Lutz Reichardt: Ortsnamenbuch des Rems-Murr-Kreises. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1993, ISBN 3-17011967-2.