Ángel Gallardo (Politiker, 1867)
Ángel Juan Pedro Gallardo (* 19. November 1867[1] in Buenos Aires; † 13. Mai 1934[2] ebenda) war ein argentinischer Bauingenieur, Naturwissenschaftler und Politiker. Er war Vorsitzender des Consejo Nacional de Educación, argentinischer Außenminister[3] und amtierte als Rektor der Universidad de Buenos Aires. Er erhielt Auszeichnungen von wissenschaftlichen Institutionen im In- und Ausland.
Gallardo war für sein theoretisch einflussreiches Werk im Bereich der Naturwissenschaften bekannt, insbesondere zu Fragen der biologischen Vererbung und der Zellteilung.
Leben
Gallardo war der Sohn von Ángela Lebrero Castaño und des aus Uruguay stammenden León Gallardo Esnaola. Im September 1892[4] heiratete er Dalmira Cantilo Ortiz Basualdo. Das Ehepaar hatte fünf Kinder: Teresa, Ángel, Beatriz, Guillermo und Francisco. Sein Enkel José María Alfonso Félix Gallardo (1925–1994) machte sich als Herpetologe einen Namen.[5] Seine Enkelin Sara Gallardo war eine bekannte Schriftstellerin.
Gallardo absolvierte seine akademische Ausbildung zunächst am Colegio Nacional de Buenos Aires. 1887 schrieb er sich in die Fakultät für Exakte, Physikalische und Naturwissenschaften der Universidad de Buenos Aires ein und schloss 1894 das Studium des Bauingenieurwesens ab. Bereits während seiner Studienzeit engagierte er sich politisch und gehörte der Unión Cívica Radical an.
1892 wandte er sich den Naturwissenschaften zu und begann als Lehrer für Naturgeschichte am Instituto Libre de Enseñanza Secundaria. Zu seinen prägenden Lehrern zählte der aus Preußen stammende Naturforscher Carlos Berg. Gallardo unterrichtete anschließend Botanik und Naturgeschichte am Colegio Nacional sowie Zoologie an der Fakultät für Exakte und Naturwissenschaften der Universität Buenos Aires, deren Rektorat er 1932 übernahm.
1896 wurde er Präsident der Sociedad Científica Argentina und organisierte während seiner Amtszeit den ersten wissenschaftlichen Kongress in Buenos Aires. 1897 übernahm er die Professur für Botanik, zwischen 1898 und 1899 leitete er die Anales der Gesellschaft. Seine Arbeiten fanden internationale Beachtung. 1900 und 1901 vertrat er die Universität Buenos Aires auf wissenschaftlichen Kongressen in Europa.
Während der Präsidentschaft Hipólito Yrigoyens stand er dem Consejo Nacional de Educación vor. Unter Marcelo Torcuato de Alvear war er zwischen 1922 und 1928 Außenminister von Argentinien.
Gallardo veröffentlichte grundlegende Arbeiten zur Zellteilung. Eine 1912 an der Universität Sorbonne vorgelegte Abhandlung über eine bipolare, elektrizitäts- oder magnetismusähnliche Wirkung bei der Zellteilung wurde über Jahre hinweg als maßgebliche Studie betrachtet. 1902 promovierte er mit der Dissertation Interpretación dinámica de la división celular. Nach dem Tod Florentino Ameghinos wurde er 1911 zum Direktor des Museo Argentino de Ciencias Naturales Bernardino Rivadavia ernannt, das er bis 1916 leitete und anschließend in den Vorsitz des Consejo Nacional de Educación wechselte.
Als Direktor des Museums stärkte er die Bereiche Botanik und Paläontologie, führte Forschungsreisen zur Suche nach hominiden Fossilien durch und setzte sich für ein neues Museumsgebäude ein. Nach seinem Tod erhielt das Museum 1934 einen Neubau im Parque Centenario in Buenos Aires.
Gallardo war ein ausgewiesener Entomologe und veröffentlichte das bedeutende Werk Las hormigas de la República Argentina über argentinische Ameisen.
Seine wissenschaftliche Tätigkeit wurde zeitweise durch seine Arbeit als Leiter der Abteilung Landwirtschaft im Ministerium unter Damián Torino unterbrochen, wo er sich – unterstützt von Ricardo Huergo – intensiv der landwirtschaftlichen Bildung widmete.
1905 verließ Gallardo die Unión Cívica Radical infolge der radikalen Revolution jenes Jahres und entwickelte anschließend eine ablehnende Haltung gegenüber Hipólito Yrigoyen. Beim Präsidentschaftswahlkollegium des Jubiläumsjahres 1910 stimmte er für Roque Sáenz Peña. Im selben Jahr gehörte er einer Delegation an, die Chile besuchte.
Während seiner Leitung des Consejo Nacional de Educación (1916–1921) verdoppelte sich die Zahl der nationalen Schulen. 1920 spielte er eine zentrale Rolle bei den Feierlichkeiten zum 100. Todestag von Manuel Belgrano, insbesondere bei der Fahnenzeremonie am 19. Juni auf der Plaza de Mayo.
1921 wurde Gallardo zum Botschafter in Italien ernannt. Er vertrat offen antikommunistische Positionen und äußerte in seinen Memorias para mis hijos y mis nietos seine Bewunderung für Benito Mussolini, den er früh kennengelernt hatte.[6] In seinen Erinnerungen schilderte er zudem Vorgänge aus seiner interimistischen Amtszeit als Innenminister, darunter Auseinandersetzungen um die Beschäftigung ausländischer Beamter.[7]
Gallardo war Organisator und führendes Mitglied der Liga Patriótica Argentina, einer ultranationalistischen Vereinigung, die nach den Arbeiterkonflikten 1918/19 entstand und paramilitärische Gruppen umfasste.[8] Während der Semana Trágica war die Liga an gewaltsamen Übergriffen beteiligt, darunter an pogromartigen Ausschreitungen im Stadtteil Once.
Als gläubiger Katholik hielt Gallardo Vorträge zum Verhältnis von Wissenschaft und Glauben. 1909 wurde er Mitglied der Academia Nacional de Medicina – nach eigenen Angaben, um die Wahl von José Ingenieros zu verhindern.[7] Er gehörte auch der Academia Nacional de Agronomía y Veterinaria an.
Ehrungen und Dedikationsnamen
Nach Gallardo sind der Lago Ángel Gallardo, die Avenida Ángel Gallardo, die Estación Ángel Gallardo sowie der Ortsteil Ángel Gallardo in der argentinischen Stadt Santa Fe benannt. 1974 benannte der argentinische Ornithologe Mauricio Rumboll den Goldscheiteltaucher (Podiceps gallardoi) zu Ehren von Ángel Gallardo.
Einzelnachweise
- ↑ Entomologia. Biografías. Dr. Ángel Gallardo (1867 – 1934). Archiviert vom am 23. Oktober 2004; abgerufen am 10. Dezember 2025 (spanisch).
- ↑ Articulos de Divulgacion - Biografía Ángel Gallardo (1867-1934). In: www.bvconline.com.ar. Archiviert vom am 11. Mai 2009; abgerufen am 10. Dezember 2025 (spanisch).
- ↑ Listado de miembros del Consejo Nacional de Educación desde 1881 a 1937. Archiviert vom am 29. November 2014; abgerufen am 10. Dezember 2025.
- ↑ Norberto Padilla: «Ángel Gallardo». Los Diplomáticos (Buenos Aires, Argentina: Consejo Argentino para las Relaciones Internacionales). In: cari.org.ar. Januar 1995, archiviert vom am 14. Februar 2017; abgerufen am 10. Dezember 2025 (spanisch).
- ↑ Bo Beolens, Michael Watkins, Michael Grayson: The Eponym Dictionary of Reptiles. Johns Hopkins University Press, Baltimore MD, 2011. ISBN 978-1-4214-0135-5, S. 97
- ↑ 1920 Conmemoración del Centenario del Fallecimiento del General Manuel Belgrano. Archiviert vom am 5. Juli 2019; abgerufen am 10. Dezember 2025 (europäisches Spanisch).
- ↑ a b Mirta Moscatelli: La Liga Patriótica Argentina. Una propuesta nacionalista frente a la conflictividad social de la década de 1920. In: La Trama de la Comunicación. Band 7, 2002, ISSN 2314-2634, S. 197–203, doi:10.35305/lt.v7i0.258.
- ↑ Mirta Moscatelli (Docente-Investigadora de la carrera de Comunicación Social). «La Liga Patriótica Argentina. Una propuesta nacionalista frente a la conflictividad social de la década de 1920.». S. 3.