Zwergblatthühnchen

Zwergblatthühnchen

Zwergblatthühnchen (Microparra capensis)

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Unterklasse: Neukiefervögel (Neognathae)
Ordnung: Regenpfeiferartige (Charadriiformes)
Familie: Blatthühnchen (Jacanidae)
Gattung: Microparra
Art: Zwergblatthühnchen
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Microparra
Cabanis, 1877
Wissenschaftlicher Name der Art
Microparra capensis
(Smith, 1839)

Das Zwergblatthühnchen (Microparra capensis) ist ein Vogel aus der Ordnung der Regenpfeiferartigen (Charadriiformes), der disjunkt in Feuchtgebieten in Afrika südlich der Sahara vorkommt.

Merkmale

Es erreicht eine Gesamtlänge von 15 bis 16 Zentimeter und ein Gewicht von etwa 40 Gramm. Damit ist es deutlich kleiner als alle anderen Blatthühnchen. Die Vögel ähneln den Jungvögeln der Blaustirn-Blatthühnchen (Actophilornis africanus), haben aber einen dunkleren Rücken. Der für die Familie typische unbefiederte Stirnschild ist sehr klein oder fehlt. Die Stirn ist goldbraun, der Scheitel und der hintere Hals sind braun bis zimtfarben. Der Rücken ist braun, der vordere Hals, Brust und Bauch sind weiß. Die Flügel sind dunkel mit auffälligen weißen Hinterkanten, was man aber nur deutlich sieht, wenn die Flügel ausgebreitet sind. Die Geschlechter sehen fast identisch aus, aber die Weibchen sind etwas größer. Jungvögel ähneln den ausgewachsenen Exemplaren, nur sind die Federn auf dem Rücken, Bürzel und Schwanz hellbraun gesäumt.[1]

Verbreitung, Lebensraum und Lebensweise

Das Zwergblatthühnchen kommt im südlichen Afrika im südöstlichen Angola, in Sambia und Malawi, im Norden von Zimbabwe, im mittleren und südlichen Angola und im östlichen Südafrika vor, sowie im Okavangodelta in Botswana und in Namibia im Etosha-Nationalpark und im Caprivizipfel. In Ostafrika lebt es im Zentrum Tansanias, im westlichen Kenia, im Zentrum von Uganda, im nördlichen Südsudan und in einem kleinen Gebiet im Zentrum von Äthiopien. Das westafrikanische Verbreitungsgebiet der Art umfasst das Gebiet um den Tschadsee den Süden von Niger und den äußersten Norden von Nigeria und kleine, inselartige Vorkommen in Kamerun, Burkina Faso, der Elfenbeinküste und in Mali (Binnendelta des Niger). Das Zwergblatthühnchen lebt an den Rändern von permanenten und saisonal überfluteten Feuchtgebieten und bevorzugt Gebiete mit relativ spärlichem Seggen- und Seerosenbewuchs, nutzt aber Seerosenblätter und Schwimmpflanzen. In Kenia wurde es bis in Höhen von 3000 Metern nachgewiesen, in Äthiopien und Sambia bis in Höhen von ca. 1800 Metern. Fast im gesamten Verbreitungsgebiet lebt das Zwergblatthühnchen als Standvogel in permanenten Feuchtgebieten und über Wanderungsbewegungen ist kaum etwas bekannt. Es kann jedoch zu Beginn der Regenzeit in saisonal überfluteten Regionen und in ungewöhnlich nassen Jahren auch in Gebieten beobachtet werden, die seit fünf oder mehr Jahren trocken sind. Zwergblatthühnchen ernähren sich vor allem von Insekten, gelegentlich werden auch Wasserpflanzen gefressen. Die Nahrung wird vor allem von Pflanzen, hin und wieder auch von der Wasseroberfläche gepickt.[1]

Fortpflanzung

In den verschiedenen Regionen seines großen Verbreitungsgebietes brütet das Zwergblatthühnchen zu unterschiedlichen Zeiten, in Südafrika z. B. im November, in Sambia von Februar bis August und in Kenia im Mai. Im Unterschied zu allen anderen Blatthühnchen ist das Zwergblatthühnchen monogam und beide Geschlechter bauen das Nest zusammen, brüten, kümmern sich um die Küken und verteidigen ihr Revier. Das hügelförmige Nest wird aus den Bestandteilen von Wasser- und Sumpfpflanzen errichtet und ist oft freischwimmend. Das Gelege umfasst 2 bis 4 Eier, die hellbraun mit schwarzen Flecken sind. Sie werden 22 bis 24 Tage lang bebrütet. Die Küken werden gelegentlich von den Eltern gefüttert, finden ihre Nahrung in der Regel aber selbstständig. Sie werden nach ca. 32 Tagen flügge und sind mit einem Alter von etwa 63 Tagen völlig selbstständig.[1]

Systematik

Das Zwergblatthühnchen wurde 1839 durch den britischen Zoologen Andrew Smith erstmals wissenschaftlich beschrieben. Die Gattung Microparra wurde 1877 durch den deutsche Ornithologen Jean Louis Cabanis eingeführt. Das Zwergblatthühnchen ist möglicherweise eine neotene Form des Blaustirn-Blatthühnchens (Actophilornis africanus).[1]

Gefährdung

Der Bestand des Zwergblatthühnchens ist nach Angaben der IUCN ungefährdet. Im Jahr 2024 schätze man ihn auf 16.700 bis 66.700 ausgewachsene, geschlechtsreife Exemplare.[2]

Einzelnachweise

  1. a b c d D. A. Jenni und G. M. Kirwan (2020). Lesser Jacana (Microparra capensis), Version 1.0. In Birds of the World (J. del Hoyo, A. Elliott, J. Sargatal, D. A. Christie und E. de Juana, Hrsg.). Cornell Lab of Ornithology, Ithaca, NY, USA. doi: 10.2173/bow.lesjac1.01
  2. Microparra capensis in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2024. Eingestellt von: BirdLife International, 2024. Abgerufen am 21. Dezember 2025.