Zum Goldenen Anker (Kempten)
Der frühere Gasthof Zum Goldenen Anker ist ein hochmittelalterliches Gebäude mit gotischem Dachstuhl in Kempten (Allgäu). Das denkmalgeschützte Bauwerk hat die Adresse Ankergässele 2.
Geschichte
Das Objekt entstand wohl zwei Jahrhunderte dem Bau der Stadtbefestigung im 13. Jahrhundert. In der Zeit um 1450 bis 1500 entstand der Dachstuhl. Konstruktiv ähnelt er dem Dachstuhl des Vogthauses.
Während Sanierungsmaßnahmen Anfang der 1990er Jahre, bei denen auch archäologische Untersuchungen stattfanden, entdeckte man einen mittelalterlichen Ofen.[1]
Für das Haus sind mehrere Namen überliefert. Auf einer Wandtafel von Otto Merkt hatte das Haus den Eigennamen „Zum Wilden Lochtörle“, danach war in ihm bis 1766 die Lochwirtschaft untergebracht. Ab da hieß das Gasthaus „Zum Goldenen Anker“. Grund für die Umbenennung war eine Wirtin, die sich durch die Bezeichnung als „Lochwirtin“ gekränkt fühlte. Daraufhin ließ sie vor dem nun umbenannten Gasthaus einen Anker aufstellen und bildete damit den Namen des Ankergässele. Im Lauf der Jahre geriet die spöttische Bezeichnung in Vergessenheit. Auch die Verbreiterung des engen Lochtörles neben dem Haus hat diesen Prozess beschleunigt.
1963 verkaufte Johann Schnitzer vom Allgäuer Brauhaus das Haus an die Stadt Kempten. Daraufhin befand sich in dem Haus bis 1988 ein städtisches Obdachlosenasyl.
1988 verkaufte die Stadt das Bauwerk an eine Privatperson, im Jahr 1991 folgten dann die archäologischen Untersuchungen und eine Sanierung.[2]
Beschreibung
Das dreigeschossige Satteldachhaus an der Stadtmauer hat an der Südseite einen viergeschossigen Vorbau gegen das Ankertörle, der wohl aus dem 18. Jahrhundert stammt.[3][4] Zum Ankergässele weist das Gebäude Ecksteine auf.
Einzelnachweise
- ↑ Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Gesellschaft für Archäologie in Bayern (Hrsg.): Das archäologische Jahr in Bayern 1991. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1992, S. 17: „Neuzeitliche Siedlungsreste mit Ofenanlage und Kellerbrunnen.“
- ↑ Haustafel vom Heimatverein Kempten und Rotary Club Kempten an der Hauswand. Auf dieser Tafel ist inhaltlich nicht ganz korrekt angegeben: Existenz eines Hochofens zur Verhüttung von Eisenerz.
- ↑ Michael Petzet: Stadt und Landkreis Kempten (= Bayerische Kunstdenkmale. Band 5). Deutscher Kunstverlag, München 1959, DNB 453751636, S. 46.
- ↑ Denkmalliste für Kempten (Allgäu) (PDF) beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Fassung vom 11. Juli 2025.
Weblinks
Koordinaten: 47° 43′ 31,2″ N, 10° 19′ 15,2″ O