Zum Arabischen Coffe Baum
Zum Arabischen Coffe Baum ist ein Leipziger Kaffeehaus in der Kleinen Fleischergasse 4. Es ist ein kultur- und kunstgeschichtliches Baudenkmal und steht unter Denkmalschutz.[1] Seit 1711 wurde hier nachweislich Kaffee ausgeschenkt.[2] Damit zählt es neben dem Café Procope in Paris zu Europas ältesten durchgehend betriebenen Kaffeeschenken. Zahlreiche Prominente besuchten das Lokal regelmäßig, so trafen sich z. B. seit dem Jahr 1833 Robert Schumann (1810–1856) und seine Davidsbündler zum Stammtisch im Coffe Baum. Seit Ende Dezember 2018 war[3] es wegen Umbauarbeiten geschlossen. Im April 2025 wurde es nach Sanierungsarbeiten mit Kosten in Höhe von 3,8 Mio. Euro für Gäste wieder eröffnet.
Geschichte
Im Jahre 1556 wurde das an der Kleinen Fleischergasse stehende Hinterhaus des Grundstücks in der Hainstraße 1 von diesem abgetrennt und als selbständiges Bürgerhaus unter dem Namen „Zum Arabischen Coffe Baum“ zum ersten Mal erwähnt.[4]
Im Jahr 1711 erhielt der Besitzer, der Goldplättner Adam Heinrich Schütze, sowohl das Schankrecht, als auch das Recht Kaffee auszuschenken. Seine siebzehnjährige Tochter Johanna Elisabeth wurde 1716 mit dem bereits 51-jährigen Johann Lehmann verheiratet, dessen zweite Ehefrau sie wurde. Als Chocolatier hatte Lehmann es bereits weit gebracht, zu seinem Kundenstamm zählte sowohl August den Starken, als auch den sächsischen Kurfürsten Friedrich August I. Die Stadt erteilte ihm 1716 die Erlaubnis, neben Kaffee und Tee auch Trinkschokolade auszuschenken. Ein Jahr nach der Heirat kaufte Lehmann seinem Schwiegervater das Haus an der Kleinen Fleischergasse ab.[5]
Ab 1718/1719 ließ er das Haus durch den Leipziger Maurermeister Adam Jacob umbauen und aufstocken. Für die Gestaltung der barocken Fassade wird auch der Baumeister Christian Döring (1677–1750) genannt.[6] Nunmehr führte das Haus den Namen Coffee Baum. Der Name Zum Arabischen Coffe Baum taucht im Leipziger Adressbuch 1914 erstmals auf.[7] Inwieweit der Kaffeebaum in Apels Garten, der aber erst 1723 zum ersten Male blühte, zur Namensfindung beigetragen hat, ist nicht bekannt.
Im Jahr 1920 wurde, zeitgleich mit der Neueröffnung des Cafés, das Kaffeetrinken in Deutschland legalisiert. Da Johann Lehmann bereits im Juli 1719 verstarb, übernahm seine Witwe, Johanna Elisabeth Lehmann die Leitung des Kaffeehauses mit Speisenangebot. Neben Kaffee und Gebäck standen auch alkoholische Getränke wie Liköre und Wein auf der Speisekarte. Das Lokal wurde von zahlreichen prominenten Besuchern regelmäßig aufgesucht und zählte neben Johann Sebastian Bach eine Reihe von Musikern, Schriftstellern und Künsterln zu seinen Stammgästen, die das Café teilweise schon als Studenten besuchten, wie Richard Wagner.[5][8]
Im Jahr 1742 ging das Kaffeehaus in den Besitz von Johanna Elisabeth Lehmanns ältester Schwester über. Die neue Wirtin, Johanna Rosina Külbel, führte nach der Übernahme zusätzlich den Ausschank von frisch gezapftem Bier ein.[5] Das erste Obergeschoss, dass bis heute über eine alte Holztreppe erreichbar ist, war kurz nach 1800 von Studentenverbindungen angemietet worden.[8] Zwischen 1815 und 1965 gab es sogar Wohnung, die vermietet wurden im ersten Obergeschoss.[9]
Im Jahr 1993 erwarb die Stadt Leipzig das Gebäude und veranlasste eine umfassende Sanierung, nach welcher das Haus am 2. November 1998 wiedereröffnet wurde, nunmehr mit einem vom Stadtgeschichtlichen Museum betreuten Kaffeemuseum. 2019 wurde eine neuerliche Schließung notwendig, da mit einem Betreiberwechsel eine Angleichung der technischen Gegebenheiten an die aktuellen Anforderungen erforderlich wurde. Im Dezember 2021 beschloss der Stadtrat eine Teilmodernisierung inklusive Entfernung des Hausschwamms, Umbau von Küche und Sanitäranlagen und Aufarbeitung der Fassade für 3 Millionen Euro in den Jahren 2022/2024.[10] Die denkmalgerechte Sanierung kostete schließlich – inklusive neuer Kühltechnik und zeitgemäßem Brandschutz – rund 3,8 Millionen.[11][12]
Im April 2025 wurden das Café Restaurant und das dazugehörige Museum nach sechsjähriger Sanierung wiedereröffnet. Das gastronomische Konzept bleibt auch unter den neuen Pächtern unverändert und umfasst, neben edlen Kaffeespezialitäten, Kuchen und Torten, auch regionale, sächsische Speisen.[11][12]
Im Laufe der 300-jährigen Geschichte des Coffe Baums waren zahlreiche prominente Persönlichkeiten zu Gast:[8][11][13]
- August der Starke
- Georg Ph. Telemann
- Johann S. Bach
- Johann C. Gottsched
- Christian F. Gellert
- Friedrich G. Klopstock
- Gotthold E. Lessing
- Johann W. Goethe
- Napoleon Bonaparte
- E. T. A. Hoffmann
- Felix Mendelssohn Bartholdy
- Robert Schumann
- Franz Liszt
- Richard Wagner
- August Bebel
- Edvard Grieg
- Max Klinger
- Gustav Mahler
- Paul Lincke
- Franz Lehár
- Hans Albers
- Georg Mayer
- Heinrich George
- Max Schwimmer
- Günther Ramin
- Erich Kästner
- Heinz Rühmann
- Johannes Heesters
- Kurt Masur
- Mario Adorf
- Maximilian Schell
- Udo Jürgens
- Horst Köhler
- Gerhard Schröder
- Liza Minnelli
- Bill Clinton
- Otto Waalkes
Architektur
Das Gebäude präsentiert sich zur Straße mit einer viergeschossigen Front mit sieben Fensterachsen. Die Fenster haben Renaissancegewände. Über einer flachen Mittellisene erhebt sich auf dem Satteldach ein Zwerchhaus mit Dreiecksgiebel, flankiert von zwei Gauben mit Bogendach. Die Mittelachse trägt barocken Schmuck in Form von Fensterbedachungen über Ornamenten und eine szenische Plastik.
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Der Coffe Baum (2015)
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Der Innenhof (2007)
Dieses Portalrelief, früher farbig gefasst, zeigt einen Orientalen, der einem Putto eine Schale Kaffee reicht. Das Hauszeichen symbolisiert so die Geschichte des Kaffees als Kulturgeschenk des Orients an den Okzident. Ein blühender Kaffeebaum sprengt die Bedachung, in der der Name des Cafés steht. Eine Inschrift lautet Johan Lehmann | 1719. Als Bildhauer wird der Permoser-Schüler Johann Benjamin Thomae (1682–1751) vermutet.[14] Da weder Auftraggeber noch Rechnungsempfänger festgestellt werden konnten, hält sich hartnäckig die Legende, August der Starke (1670–1733) habe ein amouröses Abenteuer mit der Frau Wirtin gehabt und als Dank diese prächtige Plastik gestiftet.[15]
Die Gesamtanlage besitzt vier Flügel auf einem trapezförmigen Grundstück von etwa 300 m² um einen kleinen, glasüberdachten Innenhof. Die Seiten- und das Hintergebäude sind in Fachwerk ausgeführt, das bei der letzten Sanierung erhalten werden konnte.[14]
Nutzung
Die Gastronomie belegt im Coffe Baum das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss. Im Erdgeschoss befindet sich der Kaisersaal. Die Namensgebung geht vermutlich auf Napoleon Bonaparte zurück.[16] In den 1920er Jahren war hier der Treffpunkt des Literaten- und Künstlerstammtischs „Die Eierkiste“.
Im Erdgeschoss ist auch das Schumann-Zimmer. Zum Kreis, der sich um Robert Schumann versammelte, gehörten zu Jahresbeginn 1844 u. a. der Konservatoriumslehrer Ernst Ferdinand Wenzel, der Musikalienhändler Carl Friedrich Whistling, der Mediziner Moritz Emil Reuter, der Jurist Dr. Hermann G. Schlesinger, der Diakon Wilhelm Adolph Lampadius sowie die Schriftsteller Theodor Oelckers, Adolf Böttger, Johann Peter Lyser, Karl Tropus und Ernst Willkomm.[17]
Das Restaurant Lusatia im ersten Stock war im 19. Jahrhundert das Domizil der gleichnamigen Studentenverbindung. In der ersten Etage wurde 1978 das „Leipziger Künstler-Café“ gegründet, das ab 1982 der monatliche Treffpunkt des „Literaturzentrums Leipzig“ war.[16]
In der Mitte des kleinen dreieckigen Platzes vor dem Coffe Baum steht der Lipsia-Brunnen. Der Platz wird unter anderem als Freisitz des Kaffeehauses genutzt. In unmittelbarer Nähe befinden sich das Lipsia-Haus und viele bekannte Lokalitäten des sogenannten Drallewatsch.
Museum Zum Arabischen Coffe Baum
Das Museum als Einrichtung des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig präsentiert in 16 Räumen des zweiten und dritten Obergeschosses Exponate aus 300 Jahren sächsischer Kaffeekulturgeschichte, z. B. Kaffeemühlen, Meißener Kaffeeporzellan, Kaffeetassen, Röstgeräte und Kaffeezubereitungsgefäße, ergänzt durch Ton- und Filmdokumente sowie Vergangenes und Gegenwärtiges rund um den Kaffee als Genuss und Klischee, als Kolonialgut, als brisante Mangelware in der DDR und als globales Handelsgut. Während der Renovierung ab Ende 2018 war auch das Museum geschlossen, am 1. Juli 2025 wurde es konzeptionell überarbeitet wieder eröffnet.[18]
Siehe auch
Literatur
- Ernst Müller: Die Häusernamen von Alt-Leipzig (= Schriften des Vereins für die Geschichte Leipzigs. Band 15). Leipzig 1931, Reprint Ferdinand Hirt 1990, ISBN 3-7470-0001-0, S. 20 f.
- Wolfgang Hocquél: Leipzig – Architektur von der Romanik bis zur Gegenwart. Passage-Verlag, Leipzig 2001, ISBN 3-932900-54-5, S. 63–65.
- Hannelore Stingl: Der „Kaffeebaum“ in Leipzig. Lehmstedt, Leipzig 2003, ISBN 978-3-937146-02-7.
- Horst Riedel, Thomas Nabert (Red.): Stadtlexikon Leipzig von A bis Z. 1. Auflage. Pro Leipzig, Leipzig 2005, ISBN 3-936508-03-8, S. 666.
- Annette Menting: Stadtzentrum – Profanbauten, Zum Arabischen Coffe Baum. In: Reclams Städteführer Leipzig. Architektur und Kunst. Reclam, Stuttgart 2015, ISBN 978-3-15-019259-7, S. 91.
Weblinks
- Zum arabischen Coffe Baum, in: Stadt Leipzig, Dezernat Stadtentwicklung und Bau (Hrsg.), Leipzig-Innenstadt. Städtebaulicher Denkmalschutz 1994-2017, Beiträge zur Stadtentwicklung (Blaue Reihe), Heft 61, o. J., S. 28–29
- Haus „Zum Arabischen Coffeebaum“ Leipzig. In: architektur-blicklicht. Abgerufen am 18. Oktober 2020 (Zur Architektur des Hauses).
- 300 Jahre Haus „Zum Arabischen Coffeebaum“ Leipzig. In: architektur-blicklicht. Abgerufen am 18. Oktober 2020 (Zur Geschichte des Hauses).
- Museum Zum Arabischen Coffe Baum. In: Website des Stadtgeschichtlichen Museums. Abgerufen am 18. Oktober 2020.
- 300 Jahre sächsische Kaffeekultur: „Sieße muss d’r Coffe sein“. In: Deutsche Apothekerzeitung, 29. September 1999. Abgerufen am 18. Oktober 2020.
Einzelnachweise
- ↑ Listeneintrag. In: Kulturdenkmale im Freistaat Sachsen. Abgerufen am 18. Oktober 2020.
- ↑ Ernst Müller: Die Häusernamen von Alt-Leipzig, S. 20.
- ↑ Klaus Staeubert: Leipzig bekommt neue Schulen, neue Wohnungen – und wird grüner. In: Leipziger Volkszeitung 130 (2024) vom 15. Februar, ISSN 0232-3222, S. 13.
- ↑ Stadt Leipzig, Bauprojekte des Kulturamts: Zum Arabischen Coffe Baum. Abgerufen am 12. März 2023.
- ↑ a b c Frauenpersönlichkeiten in Leipzig: Johanna Elisabeth Lehmann. von Ute Tartz Universität Leipzig, abgerufen am 23. Oktober 2025
- ↑ Nikolaus Pevsner: Leipziger Barock. Die Baukunst der Barockzeit in Leipzig. E. A. Seemann, Leipzig 1990 (Reprint der Ausgabe von 1928), ISBN 3-363-00457-5, S. 80.
- ↑ Leipziger Adreß-Buch. Abgerufen am 17. November 2025.
- ↑ a b c Gisela Jaschik: Leipzigs „Coffee Baum“ Das Mekka der Kaffeesachsen. vom 5. Mai 2016 Deutschlandfunk, abgerufen am 23. Oktober 2025
- ↑ Leipzigs Kaffeehaus „Zum Arabischen Coffe Baum“: Zeitzeugen gesucht. vom 23. Oktober 2023 Leipziger Volkszeitung, abgerufen am 23. Oktober 2025
- ↑ Leipziger Amtsblatt 31 (2021), Nr. 22 vom 4. Dezember 2021, S. 7 (Digitalisat, PDF-Datei, 6 MB, abgerufen am 11. August 2025).
- ↑ a b c Ältestes Kaffeehaus Deutschlands: "Zum Arabischen Coffe Baum" in Leipzig saniert. vom 8. April 2025 Stern, abgerufen am 23. Oktober 2025
- ↑ a b Nach Sanierung Traditionsreiches Kaffeehaus "Zum Coffe Baum" in Leipzig wieder geöffnet. vom 9. April 2025 Mitteldeutscher Rundfunk, abgerufen am 23. Oktober 2025
- ↑ Sowie aus den angeführten Quellen zusammengestellt und nach Geburtsjahren geordnet.
- ↑ a b Wolfgang Hocquél: Leipzig – Architektur von der Romanik bis zur Gegenwart
- ↑ Die Legende „Zum Arabischen Coffe Baum“. In: Leipzig-Lese. Abgerufen am 18. Oktober 2020.
- ↑ a b Stadtlexikon Leipzig von A bis Z
- ↑ Wieder ein Mitglied von Robert Schumann’s Tafelrunde im „Kaffeebaum“ †. In: Leipziger Tageblatt und Anzeiger Jg. 80, Nr. 147, 27. Mai 1886, 3. Beilage, S. 3094.
- ↑ Dominic Welters: Hommage an die "Gaffeesachsen". Museum im Coffe Baum öffnet ab 1. Juli. In: Leipziger Volkszeitung 131 (2025), Nr. 146 vom 26. Juni, S. 18.
Koordinaten: 51° 20′ 27,9″ N, 12° 22′ 22,6″ O