Zinkenbacher Malerkolonie
Als Zinkenbacher Malerkolonie wird eine lose Gruppierung österreichischer Künstler unterschiedlicher sozialer Herkunft und politischer Gesinnung bezeichnet, die in der Zwischenkriegszeit in Zinkenbach (heute Abersee) am Wolfgangsee ihre Sommerfrische (Sommerurlaub) verbrachten.
Geschichte
Der Wiener Ferdinand Kitt stand im Zentrum der Gruppe, die Zusammenkünfte begannen 1927. Das Besondere der Gruppierung besteht in deren Diversität, in politischer Einstellung, Herkunft und Malstil. Das Spektrum der politischen Anschauungen reichte von der extremen Linken bis zur äußersten Rechten. Monarchistische, nationalsozialistisch und kommunistisch eingestellte Künstler verkehrten freundschaftlich im „Malschiff“ Zinkenbach. Im sogenannten Blödelalbum, einer von den Kunstschaffenden gemeinschaftlich gestalteten Karikaturensammlung, kommt die entspannte Situation der Sommerfrische gut zum Ausdruck.
Kost und Quartier fanden die am Beginn ihrer Karriere stehenden Künstler beim Adambauern in Zinkenbach, im besonderen wurden sie von der kunstinteressierten und für ihre Zeit sehr fortschrittlichen Adambäuerin gefördert.
Das Jahr 1938 mit dem Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland bildete einen Einschnitt, da die jüdischen Mitglieder zur Auswanderung gezwungen wurden (Lisel Salzer z. B. emigrierte in die USA), während andere, beispielsweise Ernst August von Mandelsloh oder Gudrun Baudisch-Wittke, in der Zeit des Nationalsozialismus Karriere machten.
Es kam nach der politisch bedingten Auflösung der Gruppierung bedauerlicherweise nie wieder zu einem Zusammentreffen der Künstler.
Bis zu 27 Künstler waren am Wolfgangsee versammelt, wer aber zur eigentlichen „Kolonie“ zählte, blieb unscharf. Folgende Kunstschaffende werden genannt: Gudrun Baudisch-Wittke, Leo Delitz, Josef Dobrowsky, Bettina Bauer-Ehrlich, Georg Ehrlich, Ernst Huber, Ludwig Heinrich Jungnickel, Ferdinand Kitt, Oskar Laske, Ernst August von Mandelsloh, Georg Merkel, Louise Merkel-Romée, Sergius Pauser, Viktor Pipal, Lisel Salzer, Gertrud Schwarz-Helberger, Lisl Weil, Franz von Zülow. Vermutlich hatte auch John Quincy Adams, der im Sommer häufig in Sankt Gilgen auf Sommerfrische war, Kontakte zur Malerkolonie; ebenso pflegte Alfred Gerstenbrand, der in St. Gilgen lebte, Kontakt.
Die Ausstellung
Der Zinkenbacher Malerkolonie ist ein Museum im ersten Stock des Kulturhauses St. Gilgen gewidmet. Eine Schenkung der Malerin Lisel Salzer begründete die Sammlung des Museums, welche heute rund 500 Werke umfasst.
Der von Mag. Christina Steinmetzer 1996 gegründete Museumsverein Zinkenbacher Malerkolonie veranstaltet seit 2001 jährlich von Mitte Juni bis Mitte Oktober Ausstellungen zu den Künstlern der ehemaligen Malerkolonie bzw. zu deren Sujets. Bis zu 1.500 Besucher werden bei den alljährlichen, von Juni bis Oktober dauernden Ausstellungen gezählt. Das Museum legt zu jeder Ausstellung einen umfangreichen, von Kunsthistorikern gestalteten Katalog auf.
Ort der Ausstellung
Der Zinkenbacher Malerkolonie ist heute ein Museum im ersten Stock des Kulturhauses Sankt Gilgen gewidmet. Die Museumsräumlichkeiten befinden sich im Obergeschoß der ehemaligen k.u.k. Volksschule von 1894. In dem original restaurierten, denkmalgeschützten Gebäude sind auch das Musikinstrumenten Museum der Völker sowie das Archiv für Ortsgeschichte untergebracht.
Leitung der Ausstellung
Von 2010 bis April 2025 leitete Dr. Günther Friedrich das Museum und konnte 14 Ausstellungen mit acht Kuratoren organisieren. In seine erfolgreichreiche Ära fällt auch 2016 die Verleihung des Museumsgütesiegels.
Seit 2025 hat die Kulturmanagerin Ingrid Schediwy-Fuhrmann die Funktion des Vorsitzes inne. Für PR und Marketing zeichnet Mag. Robert Schmiedlehner verantwortlich. In Zukunft wird sich das Haus unter dem nunmehrigen Führungsteam strategisch neu ausrichten, zusätzliche Veranstaltungen anbieten und die legendäre Salonkultur des Salzkammerguts wiederbeleben. Als Veranstaltungsort dient das originalgetreu renovierte Gebäude der ehemaligen k.u.k. Volksschule von 1894. Das kleine, aber feine Museum wird oft als Juwel im Salzkammergut bezeichnet.
Literatur
- Adolf Haslinger, Peter Mittermayr: Salzburger Kultur Lexikon. Residenz Verlag, Salzburg 2001, ISBN 3-7017-1129-1.
- Bernhard Barta: Das Malschiff, Österreichische Künstlerkreise der Zwischenkriegszeit, Edition Schütz, Wien 2007, ISBN 978-3-9501052-3-0.
- Ruth Kaltenegger (Hrsg.): Auftakt. Nachschrift zur Ausstellung Sommer 2001. Schriften des Museumsvereins Zinkenbacher Malerkolonie I, St. Gilgen 2001, ISBN 3-9501524-3-1.
- Ruth Kaltenegger (Hrsg.): Heimat, Fremde und Exil. Schrift zur Ausstellung Sommer 2002. Schriften des Museumsvereins Zinkenbacher Malerkolonie II, St. Gilgen 2002, ISBN 3-902301-00-7.
- Georg Steinmetzer (Hrsg.): Lisel Salzer. Von den letzten und den ersten Dingen – Bilder vor und nach 1939. Ausstellungskatalog Sommer 2003. Österreichischer Kunst- und Kulturverlag, Wien 2003, ISBN 3-85437-248-5.
- Renate Oberbeck (Hrsg.): Georg Ehrlich (1897-1966). Von der Zeichnung zur Bronze – Gestalt gewordene Suche nach Versöhnung. Schrift zur Ausstellung Sommer 2004. Schriften des Museumsvereins Zinkenbacher Malerkolonie IV, St. Gilgen 2004, ISBN 3-902301-01-5.
- Ruth Kaltenegger (Hrsg.): Künstlerleben 1945 - 1955. Zwischen Last und Hoffnung. Schrift zur Ausstellung Sommer 2005. Schriften des Museumsvereins Zinkenbacher Malerkolonie V, St. Gilgen 2005, ISBN 3-902301-01-5.
- Ruth Kaltenegger (Hrsg.): Künstlerfreundschaften. Die Welt ist ein Dorf. Schrift zur Ausstellung Sommer 2006. Schriften des Museumsvereins Zinkenbacher Malerkolonie VII, St. Gilgen 2006, ISBN 3-902301-05-8.
- Museumsverein Zinkenbacher Malerkolonie (Hrsg.): Gudrun Baudisch zum 100. Geburtstag. Schrift zur Ausstellung Sommer 2007. St. Gilgen 2007, ISBN 3-902301-07-4.
- Leni Zimmerebner (Hrsg.): Die ideale Landschaft. Der Wolfgangsee. Begleitband zur Ausstellung im Museum Zinkenbacher Malerkolonie, 28. Juni bis. 30. September 2008. Schriften des Museumsvereins Zinkenbacher Malerkolonie VIII, St. Gilgen 2008, ISBN 3-902301-08-2.
- Vorstand des Museumsvereins Zinkenbacher Malerkolonie (Hrsg.): Ernst August Mandelsloh (1886 - 1962). Sommerausstellung 2009. St. Gilgen 2009, ISBN 3-902301-09-0.
- Petra Kronberger (Hrsg.): Alfred Gerstenbrand. Ein Maler und St. Gilgen. Begleitband zur Ausstellung im Museum Zinkenbacher Malerkolonie, 26. Juni bis 26. September 2010. Schriften des Museumsvereins Zinkenbacher Malerkolonie II, St. Gilgen 2010, ISBN 3-902301-10-4.
Weblink
- Die Zinkenbacher Malerkolonie Webauftritt des Museums mit Kurzbiografien