Zentralkrankenhaus Bozen

Das Zentralkrankenhaus Bozen ist das größte Krankenhaus in der italienischen Provinz Südtirol. Es befindet sich im Stadtteil Gries-Quirein in der Lorenz-Böhler-Straße. Der Gesundheitsbezirk von Bozen ist für ein Gebiet von 1525 km² zuständig. Das Einzugsgebiet des Krankenhauses umfasst etwa 45 % der Gesamtbevölkerung des Landes. Verwaltet wird die Einrichtung durch den Südtiroler Sanitätsbetrieb.[1]

Struktur

Das Zentralkrankenhaus Bozen verfügt über diverse farbkodierte Bereiche und gliedert sich baulich wie folgt:

  • Hauptgebäude: ältester Krankenhausteil, umfasst blauen, roten, violetten, gelben und grünen Bereich
  • Neue Klinik: jüngster Krankenhausteil, umfasst die vier Trakte A, B, C und D
  • Mehrzweckgebäude: Erweiterungsbau des Hauptgebäudes, deckungsgleich mit dem hellblauen Bereich
  • Gebäude W: zusätzliches Gebäude im Südosten der Neuen Klinik, deckungsgleich mit dem schwarzen Bereich

Zur Nutzung der einzelnen Gebäude sei auf den Abschnitt Administrative und funktionale Gliederung verwiesen.

Das Klinikum verfügt über fast 800 Betten und eine Nutzfläche von insgesamt 25.000 m². Auf dem Dach der Neuen Klinik befindet sich ein Hubschrauberlandeplatz mit direktem Zugang zum Schockraum. Die Räumlichkeiten des Krankenhauses sind mit einem modernen Luftfiltersystem ausgestattet.[2] Im Jahr 2010 wurden 27.870 Patienten stationär aufgenommen. Die mittlere stationäre Behandlungsdauer beträgt 7,1 Tage, die Auslastung 79,4 %. Gleich neben dem Krankenhaus befindet sich die Claudiana – Universitäres Ausbildungszentrum für Gesundheitsberufe. Im Erdgeschoss des universitären Ausbildungszentrums ist der betriebseigene Kinderhort des Zentralkrankenhauses untergebracht. Die Einrichtung wird von einer Sozialgenossenschaft betrieben und verfügt über einen eigenen Kinderspielplatz.[3]

Administrative und funktionale Gliederung

Krankenhausleitung

Die Leitung des Krankenhauses teilt sich zwischen drei Positionen auf:[4]

  • Geschäftsführende ärztliche Direktorin: Monika Elisabeth Zäbisch
  • Pflegedienstleitung: Thomas Kirchlechner
  • Verwaltungsleitung: Enrico Wegher

Abteilungen und Dienste

Organisatorisch gliedert sich das Zentralkrankenhaus Bozen in Abteilungen, Dienste und ein Zentrallabor. Zudem nimmt das Zentralkrankenhaus den Großteil der landesweiten Dienste des Südtiroler Sanitätsbetriebs wahr.[5][6]

Abteilungen

Insgesamt verfügt das Krankenhaus über 27 Abteilungen im Gebäudekomplex in der Lorenz-Böhler-Straße:[5]

Abteilung Leitung Standort
Allgemeine Chirurgie Antonio Frena Trakt A
Neurochirurgie Andreas Schwarz Trakt A
Gefäß- und Thoraxchirurgie Reinhold Perkmann Trakt B
Hals-Nasen-Ohrenheilkunde Luca Calabrese Trakt B
Orthopädie und Traumatologie Kurt Memminger Trakt B
Augenheilkunde Enrico Bertelli Trakt C
Zentralisierte Day and Week Surgery Christian Schoenthaler Trakt C
Beobachtungsstation Elena Carion Trakt D
Urologie Armin Pycha Trakt D
Anästhesie und Intensivmedizin 1 Peter Trebo Blauer Bereich
Geburtshilfe Martin Steinkasserer Blauer Bereich
Gynäkologie Martin Steinkasserer Blauer Bereich
Hämatologie und Zentrum für Knochenmarktransplantation Atto Billio Blauer Bereich
Innere Medizin Peter Marschang Blauer Bereich
Neonatologie und Neugeborenenintensivstation Alex Staffler Blauer Bereich
Pädiatrie Laura Battisti Blauer Bereich
Gastroenterologie, Physiopathologie und Endoskopie des Verdauungstraktes Piercarlo Farris Gelber Bereich
Nephrologie und Dialyse Maria Grazia Tabbì Gelber Bereich
Neurologie/Stroke Unit Giosuè Gulli Gelber Bereich
Pneumologie und pneumologische Funktionsproben Roberto Dongilli Gelber Bereich
Infektionskrankheiten Elke Maria Erne Grüner Bereich
Neurorehabilitation und postakute Rehabilitation Arrigo Baldo Grüner Bereich
Medizinische Onkologie Luca Tondulli Hellblauer Bereich
Dermatologie Klaus Eisendle Schwarzer Bereich
Geriatrie Francesca Lubian Schwarzer Bereich
Kardiologie und kardiologische Funktionsproben Rainer Oberhollenzer Schwarzer Bereich
Psychiatrie im Krankenhaus Andreas Conca Schwarzer Bereich

Lokale Dienste

Zudem sind im selben Gebäudekomplex folgende Dienste eingerichtet:[5]

Dienst Leitung Standort
Radiodiagnostik Federica Ferro Trakt B
Medizinische und chirurgische Notaufnahme und Beobachtungsstation Elena Carion Trakt D
Kinder- und Jugendneurologie und -rehabilitation Laura Battisti Blauer Bereich
Neuroradiologie Alessio Comai Blauer Bereich
Zahnheilkunde Christian Greco Blauer Bereich
Diabetologie Peter Marschang Hellblauer Bereich
Diätetik und klinische Ernährung Michael Kob Hellblauer Bereich
Physische Rehabilitation Arrigo Baldo Hellblauer Bereich
Psychologie im Krankenhaus Renate Moroder Hellblauer Bereich
Pharmazeutischer Dienst Michaela Falciani Roter Bereich
D.A.M.A. - Übernahme der gesundheitlichen Bedürfnisse von Erwachsenen und Kindern mit komplexen und/oder relationalen kognitiven Behinderungen Monika Zäbisch Violetter Bereich

Zentrallabor

Das Zentrallabor fungiert dabei als landesweiter Dienstleister für Analysen im Kontext der klinischen Chemie, Hämatologie und Gerinnung, aber auch im Rahmen spezialdiagnostischer Anforderungen wie Autoimmun- und Suchterkrankungen. So ist in das Zentrallabor ein toxikologisches Speziallabor eingegliedert, das der Analytik von Drogen und Alkohol in Blut und Urin dient.[7]

Bezeichnung Leitung Standort
Zentrallabor für klinische Pathologie Mirija Svaldi Violetter Bereich

Landesweite Dienste

Überdies betreibt das Zentralkrankenhaus Bozen diverse landesweite Dienste des Südtiroler Sanitätsbetriebs. Diese sind zum Teil in ausgelagerten Strukturen außerhalb der Lorenz-Böhler-Straße untergebracht:[6]

Dienst Leitung Standort
Landeszentrum Transplantation Marc Kaufmann Blauer Bereich
Notfall-, Anästhesie- und Intensivmedizin Marc Kaufmann Blauer Bereich
Rheumatologischer Dienst Christian Dejaco Blauer Bereich
Walther-Alexander-Loew-Cadonna-Platz 12, Bozen
Nuklearmedizin Mohsen Farsad Gelber Bereich
Immunhämatologie und Bluttransfusion Cinzia Vecchiato Hellblauer Bereich
Medizinische Strahlenphysik Nadia Oberhofer Hellblauer Bereich
Pathologische Anatomie und Histologie Esther Hanspeter Roter Bereich
Hospice und Palliativbetreuung Maria Rita Lusso Schwarzer Bereich
Innovation, Forschung und Lehre Michael Mian Alessandro-Volta-Straße 21, Bozen
Labor für Mikrobiologie und Virologie Elisabetta Pagani Amba-Alagi-Straße 5, Bozen
Departement für Gesundheitsvorsorge Dagmar Regele Amba-Alagi-Straße 33, Bozen
Dienst für Hygiene der Lebensmittel und der Ernährung S.I.A.N. Dagmar Regele Amba-Alagi-Straße 33, Bozen
Dienst für Hygiene und öffentliche Gesundheit S.I.S.P. Silvia Spertini Amba-Alagi-Straße 33, Bozen
Sport- und Bewegungsmedizin Vincenzo De Nigris Claudia-de’-Medici-Straße 2, Bozen (Marienklinik)
Betriebseinheit für die epidemiologische Überwachung Catalina Doina Cristofor Freiheitsstraße 23, Bozen
Rechtsmedizin Barbara Avesani Galileo-Galilei-Straße 10/H und 10/G, Bozen
Arbeitsmedizin - Klinische Sektion und ärztliches Arbeitsinspektorat Stefano Murano Josef-Ressel-Straße 2/F, Bozen
Tierärztlicher Dienst Christian Piffer Laura-Conti-Weg 4, Bozen
Dienst für onkologische Strahlentherapie Martin Maffei Michael-Pacher-Straße 12, Bozen
Pneumologischer Dienst Antonio Triani Walther-Alexander-Loew-Cadonna-Platz 12, Bozen

Geschichte

Die Wurzeln des Bozner Krankenhauses liegen im Stadtzentrum. Erst in den 1980er Jahren übersiedelte die Struktur in einen umfangreichen Neubau im Bozner Stadtteil Moritzing, der inzwischen um zwei Erweiterungsbauten ergänzt wurde und sich mit Stand 2025 in sukzessiver Renovierung befindet.

Altes Krankenhaus

In einem 1927 ausgeschriebenen Wettbewerb für ein Klinikgebäude konnte sich Architekt Spiro Nachich mit seinem Konzept Littorio 20 gegen sechs andere Einreichungen durchsetzen. Das 1929 fertiggestellte Gebäude verfügt über eine nach Süden gewandte Hauptseite, die durch große Loggien mit Rundbögen geprägt ist. Mit den angrendenden Bauten ist das Alte Krankenhaus über eine Pergola im Obergeschoss verbunden.[8]

Neuerrichtung in Moritzing

In der Nachkriegszeit kamen Überlegungen zur Schaffung eines neuen, modernen Krankenhausgebäudes auf. Zwischen 1963 und 1983 wurde in Moritzing, einem Stadtteil in der Bozner Peripherie, ein umfangreicher Neubau errichtet. Die Arbeiten dazu erwiesen sich als mühsam, denn der fragile Untergrund – wenige Jahrzehnte zuvor noch Sumpfland – erforderte eine Nutzbarmachung durch Auffüllung und Pfahlgründung.[9] 1981 konnte der Betrieb am neuen Standort aufgenommen werden.[10]

Renovierung und Erweiterungsbauten

Ausgangslage

Bereits wenige Jahre nach Inbetriebnahme des neuen Hauptgebäudes in der Lorenz-Böhler-Straße kam die Notwendigkeit einer baulichen Erweiterung und Modernisierung auf. In einem 1998 international ausgeschriebenen Wettbewerb konnte das Stuttgarter Planungsbüro Tiemann-Petri das Projekt für sich gewinnen.[11][10] Im Oktober 2003 goutierte der Technische Landesbeirat das Vorprojekt zum umfassenden Neubau: Die auf 135 Mio. Euro geschätzte Struktur sollte laut Vorprojekt die Notaufnahme, Radiologie, Gynäkologie und Rehabilitation, sowie 18 Operationssäle beinhalten.[12] Auch die Poliambulatorien sollten in der Neuen Klinik, bestehend aus einem zentralen Verbindungsgang zum Hauptgebäude und vier angrenzenden Gebäudekörpern,[13] Platz finden. Bei der Vergabe eines positiven Gutachtens durch den Beirat im Dezember 2005 betrugen die geschätzten Baukosten 146 Mio. Euro.[14]

Der zunehmende Andrang auf das Krankenhaus Bozen führte in den frühen 2000er Jahren auch zu einer gewissen Parkplatznot. Zwar waren mittlerweile Ausweichparkplätze rund um das Bildungszentrum und das Gebäude W eingerichtet worden, eine langfristige Lösung war aber erst mit dem Bau einer zweigeschossigen Tiefgarage unter der damals in Planung befindlichen Neuen Klinik in Sicht. Die neu zu schaffende Struktur, deren Gesamtkosten bei Auftragsvergabe 2004 auf rund 29 Mio. Euro geschätzt wurden, sollte Raum für 1022 PKW bieten und gleichermaßen Personal und Besuchern dienen. Auftragsnehmer war eine Bietergruppe aus dem Consorzio Cooperative Costruzioni Bologna, der Bozner Genossenschaft CLE, den Südtiroler Unternehmen PANA und Atzwanger, sowie den Stadtwerken Bozen SEAB. Das Land Südtirol unterstützte das Bauprojekt mit 11 Mio. Euro und räumte der Bietergruppe das Recht ein, die Tiefgarage für 30 Jahre zu führen.[15]

Im September 2005 bewilligte die Südtiroler Landesregierung 14 Mio. Euro für Instandhaltung, Umbau und klinische Projekte im Hauptgebäude. Zweck der Investition waren die Einrichtung einer zentralen Subintensivstation und eines Zentrums für Schmerztherapie, der Ausbau der Bereiche Neurochirurgie, Radiotherapie, Onkologie und Orthopädie, sowie eine Schlaganfall- und Brustkrebsbehandlung nach internationalem Standard. Unmittelbar zuvor war eine 14 Betten starke Station für Rehabilitation in der Akutphase eröffnet worden.[16]

Beginn der Bauarbeiten

Die erste Bauetappe der Neuen Klinik umfasste die Errichtung des Medienkanals und – nach Fertigstellung der Tiefgarage – des Rohbaus des Klinikgebäudes.[17][13] Das Landesamt für Bauaufträge vergab den entsprechenden Auftrag im Mai 2007 für 29,481 Mio. Euro an die zwei Unternehmen Consorzio Cooperative Costruzioni und Zimmerhofer AG, die sich gegen acht Mitbewerber behaupten konnten. Laut Ausschreibung hatte die Bauzeit der ersten Etappe 1669 Tage nicht zu überschreiten.[18] Die drei weiteren Etappen waren den Fassaden, den technischen Anlagen und den Ausbauarbeiten gewidmet.[19]

Im Februar 2007 wurden Bauarbeiten am Gebäude W abgeschlossen, die hauptsächlich der Neuschaffung von Umkleide- und Spezialräumen für das medizinische Personal, sowie der Erneuerung des Eingangsbereichs dienten.[20] Die Errichtung des 3800 Kubikmeter großen Vorbaus belief sich auf 3 Mio. Euro, die Umkleideräume stehen mehr als 400 medizinischen Angestellten zur Verfügung.[21] Im darauffolgenden Juli erfolgte der Startschuss der Arbeiten zur ersten Bauetappe der Neuen Klinik.[17]

Auf Vorschlag des damaligen Gesundheitslandesrats Richard Theiner wurde die ursprünglich ab 2014 geplante Renovierung der Bettenabteilungen im 4. bis 8. Obergeschoss des Hauptgebäudes vorgezogen werden. Das entsprechende Vorprojekt, das Kosten in Höhe von knapp 44 Mio. Euro vorsah, erfuhr im August 2008 eine Bewilligung durch den Technischen Landesbeirat. Die Umbauarbeiten sollten die alten Vierbettzimmer mit gemeinschaftlich genutzten Sanitäranlagen in moderne Ein- und Zweibettzimmer mit Klimaanlage und individuellen sanitären Einrichtungen überführen.[22]

Die Grundsteinlegung für die Neue Klinik erfolgte schließlich am 17. Juli 2008 durch Landeshauptmann Luis Durnwalder, Bautenlandesrat Florian Mussner und Gesundheitslandesrat Richard Theiner.[23] Der Technische Landesbeirat bewilligte im November 2008 das Teilprojekt Haustechnik der Neuen Klinik für über 50 Mio. Euro,[24] das im November 2010 für 31,1 Mio. Euro an ein Konsorzium aus Consorzio Cooperative Costruzioni (Bologna), CEIF (Forlì) und ELPO GmbH (Bruneck) vergeben wurde; die Umsetzungsfrist betrug 1280 Tage. Ende 2009 folgte die Genehmigung des vierten Teilprojekts für knapp 29 Mio. Euro.[19] Im März 2011 gewann das Brixner Unternehmen Frener&Reifer Metallbau GmbH den Zuschlag für die Umsetzung des Teilprojekts Fassade; das Angebot belief sich auf 19,786 Mio. Euro, die Umsetzungsfrist auf 1156 Tage.[25]

Erste Fortschritte

Bei einem Lokalaugenschein durch die Südtiroler Landesregierung im September 2010 war die Tiefgarage bereits fertiggestellt, während sich der Rohbau des 250 Meter langen Medienkanals zwischen Gebäude W und neuer Klinik in der Finalisierung befand. Die Gesamtkosten des Projekts wurden mittlerweile auf 237 Mio. Euro geschätzt.[26] Im Februar 2012 wurde das Vorprojekt zur Errichtung des zweiten Teilstücks des Medienkanals durch den Technischen Landesbeirat goutiert. Das zweite Teilstück sollte die Neue Klinik mit dem Hauptgebäude verbinden. Der bis zu 10 Meter breite Kanal war für die gemeinsame Führung aller Kabel und Leitungen zwischen den drei Gebäuden vorgesehen.[27]

Die Verbindung zwischen den Gebäuden sollte auch überirdisch erfolgen, insbesondere zwischen Neuer Klinik und Hauptgebäude. Architektonisch erfolgte dies durch eine zentrale Erschließungs- und Verbindungsgalerie (im vorliegenden Projekt häufig Magistrale genannt), deren Vorprojekt der Technische Landesbeirat im März 2011 zustimmte. Als zu erwartender Kostenpunkt wurden bei Bestätigung des Vorprojektes 18,67 Mio. Euro genannt.[28] Eine Bietergemeinschaft aus Stahlbau Pichler GmbH, Frener&Reifer GmbH, CCC Consorzio Cooperative Costruzioni und Atzwanger AG entschied den Auftrag mit einem Gebot in Höhe von 12,816 Mio. Euro für sich, mit der Abwicklung wurde das Bozner Unternehmen 3M Engineering beauftragt.[29] Mit dem Bau der 36.900 Kubikmeter umfassenden Magistrale wurde 2014 begonnen.[30]

2015 genehmigte der Technische Landesbeirat das Vorprojekt für den Bau einer Technikzentrale sowie eines Ver- und Entsorgungszentrums. Die Strukturen sollten der Bündelung diverser technischer Dienste dienen, darunter die Versorgung mit elektrischer Energie, Wasseraufbereitung, Gasverteilung und Datenverarbeitung. Die Verbindung zu den einzelnen Abteilungen sollte über unterirdische Kanalsysteme erfolgen, Warenzulieferung und Abfallentsorgung über eine neue Zufahrt in der Meranerstraße erfolgen. Zum Zeitpunkt der Genehmigung betrugen die geschätzten Kosten 56,7 Mio. Euro.[31]

Verzögerungen und Finalisierung des Neubaus

Bis Herbst 2016 hatte sich die Fertigstellung der Neuen Klinik bereits signifikant verzögert – Zwischenzeitlich hatte das beauftragte Bauunternehmen Konkurs anmelden müssen.[32] War bei einem Lokalaugenschein durch Landesrat Theiner im Jahr 2010 noch von einer Fertigstellung innerhalb 2014 die Rede,[33] schienen nun Bauarbeiten bis 2021 realistisch, nicht zuletzt aufgrund der technischen Ver- und Entsorgungsstrukturen. Somit bewilligte die Landesregierung im September 2016 4,7 Mio. Euro, um die dringend benötigten neuen Räumlichkeiten der Notaufnahme, Intensivstation und Poliambulatorien provisorisch anzuschließen und bereits 2018 bzw. 2019, noch vor Fertigstellung des Infrastrukturnetzes, vorzeitig in Betrieb nehmen zu können.[34]

Im Mai 2017 waren die Fassaden der Neuen Klinik, sowie der Landeplatz für Rettungshubschrauber auf dem Klinikdach, bereits fertiggestellt und man beschäftigte sich mit dem Gebäudeausbau.[35]

2018 beliefen sich die vorgesehenen Kosten für die medizintechnische Ausstattung der neuen Klinik auf 51,02 Mio. Euro, wovon sich 34,3 % durch die Verwendung bestehenden Inventars einsparen ließen.[36]

Im Herbst 2018 waren die Bauarbeiten im Unter-, Erd- und ersten Obergeschoss abgeschlossen und für den Einzug der Poliambulatorien, der Notaufnahme mit Beobachtungsstation, sowie der Radiologie bereit,[37] im Juli 2018 war die Magistrale fertiggestellt worden.[38]

Der nachgiebige, wasserreiche Boden des einstigen Moritzinger Sumpflandes hatte schon die Ersterrichtung in den 1960er und 1970er Jahren erschwert und erwies sich auch im Zuge der neuerlichen Bauarbeiten als problematisch. So musste der Bau des Medienkanals um 2018 eine Zeitlang unterbrochen werden, da die stetige Absaugung des austretenden Grundwassers die Bodenstabilität unter dem Gebäude für Infektionskrankheiten (grüner Bereich) gefährdete.[39] Außerdem kam es wiederholt zu Wassereinbrüchen und Absenkungen – das soeben genannte Gebäude hatte sich im Zuge der Arbeiten um 10 Zentimeter geneigt und in den oberen Etagen teilweise handbreite Risse bekommen. Ende 2019 bewilligte die Landesregierung 12,5 Mio. Euro für strukturelle statische Überprüfungen am bestehenden Krankenhaus Bozen und seismische Bewertungen.[40]

Die Eröffnung der verfrüht in die Neue Klinik umgezogenen Abteilungen verzögerte sich nochmals. So nahm die neue Notaufnahme ihren Betrieb erst am 4. Juli 2020 auf; anstatt der 1300 Quadratmeter im alten Hauptgebäude verfügt sie fortan über 2900 Quadratmeter Nutzfläche.[41] Am 30. März 2022 war die Übersiedelung der Abteilung Neurochirurgie abgeschlossen.[42]

Am 23. Juni 2023 wurde die Neue Klinik schließlich vollständig in Betrieb genommen. Sie verfügt über 25.000 Quadratmeter Nutzfläche, 63.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche und 273.000 Kubikmeter Bruttorauminhalt. Die Gesamtkosten für die Errichtung der Neuen Klinik, der Magistrale, der Tiefgarage und des Medienkanals beliefen sich auf 450 Mio. Euro.[10]

Weitere Entwicklungen

Im Jahr 2025 wurde bekannt, dass infolge von Personalknappheit die Bettenkapazität abgebaut werden muss. Im Zentralkrankenhaus Bozen wurde die Bettenanzahl entsprechend um 58 Betten (8,6 %) reduziert.[1] Betroffen davon waren unter anderem die klinischen Bereiche der Pneumologie, der Geriatrie und der Inneren Medizin.[43]

Commons: Zentralkrankenhaus Bozen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Südtiroler Sanitätsbetrieb kämpft mit Personalmangel", Artikel vom 16. November 2025 in Südtirol News (online), aufgerufen am 20. November 2025
  2. "Neue Klinik in Bozen: 'Eröffnung' bei laufendem Betrieb", Meldung vom 23. Juni 2023 auf der Website der Autonomen Provinz Bozen (provinz.bz.it) aufgerufen am 21. November 2025
  3. "Krankenhaus Bozen: Neuer Spielplatz eröffnet", Artikel vom 17. Oktober 2025 im Regionalportal Unser Tirol (unsertirol.com), aufgerufen am 21. November 2025
  4. Leitung des Krankenhauses Bozen. In: Südtiroler Sanitätsbetrieb. Abgerufen am 25. November 2025.
  5. a b c Abteilungen und Dienste im Krankenhaus Bozen. In: sabes.it. Südtiroler Sanitätsbetrieb, abgerufen am 9. November 2025.
  6. a b Betriebliche Dienste. Südtiroler Sanitätsbetrieb, abgerufen am 11. November 2025.
  7. Landesrat Theiner besucht Zentrallabor am Krankenhaus Bozen. In: provinz.bz.it. Autonome Provinz Bozen - Südtirol, 22. November 2012, abgerufen am 11. November 2025.
  8. Altes Krankenhaus. In: arch.atlas. Architekturstiftung Südtirol, abgerufen am 25. November 2025.
  9. SALTO: Einstürzende Altbauten. In: SALTO. 24. Januar 2020, abgerufen am 25. November 2025.
  10. a b c Neue Klinik in Bozen: „Eröffnung“ bei laufendem Betrieb. In: sabes.it. Südtiroler Sanitätsbetrieb, 23. Juni 2023, abgerufen am 11. November 2025.
  11. Autonome Provinz Bozen - Südtirol: Ressort für Umwelt, Energie, Bauten und Vermögen, ladinische Schule und Kultur (Hrsg.): Krankenhaus Bozen - Baustellenbegehung 22.05.2013. 22. Mai 2013 (siag.it).
  12. Krankenhaus Bozen wird wieder erweitert. In: provinz.bz.it. Autonome Provinz Bozen - Südtirol, 21. Oktober 2003, abgerufen am 11. November 2025.
  13. a b Krankenhaus Bozen: LR Mussner und Theiner begutachten Neubau-Projekt. In: provinz.bz.it. Autonome Provinz Bozen - Südtirol, 9. Februar 2006, abgerufen am 11. November 2025.
  14. Grünes Licht für neue Klinik in Bozen und Seniorenheim in Kastelruth. In: provinz.bz.it. Autonome Provinz Bozen - Südtirol, abgerufen am 11. November 2025.
  15. Auftrag für Bau und Führung der neuen Tiefgarage beim Bozner Krankenhaus vergeben. In: provinz.bz.it. Autonome Provinz Bozen - Südtirol, 23. Juni 2004, abgerufen am 11. November 2025.
  16. LR Theiner: Bozner Krankenhaus wird modernisiert. In: provinz.bz.it. Autonome Provinz Bozen - Südtirol, 23. September 2005, abgerufen am 11. November 2025.
  17. a b LH Durnwalder, LR Mussner und Theiner übergeben am 11. Juli Arbeiten für neue Klinik in Bozen. In: provinz.bz.it. Autonome Provinz Bozen - Südtirol, 6. Juli 2007, abgerufen am 11. November 2025.
  18. Krankenhaus Bozen: Arbeiten für Medienkanal und Klinik-Rohbau vergeben. In: provinz.bz.it. Autonome Provinz Bozen - Südtirol, 29. Mai 2007, abgerufen am 11. November 2025.
  19. a b Krankenhaus Bozen: Grünes Licht für Ausbauarbeiten an neuer Klinik. In: provinz.bz.it. Autonome Provinz Bozen - Südtirol, 1. Dezember 2009, abgerufen am 11. November 2025.
  20. LR Mussner auf Ortsaugenschein im Krankenhaus Bozen. In: provinz.bz.it. Autonome Provinz Bozen - Südtirol, 9. Februar 2007, abgerufen am 11. November 2025.
  21. Neue Umkleideräume im Bozner Krankenhaus fertig. In: provinz.bz.it. Autonome Provinz Bozen - Südtirol, 14. Februar 2007, abgerufen am 11. November 2025.
  22. Krankenhaus Bozen: Vorprojekt für Hauptgebäude-Umbau gutgeheißen. In: provinz.bz.it. Autonome Provinz Bozen - Südtirol, 5. August 2008, abgerufen am 11. November 2025.
  23. Grundstein für neue Klinik in Bozen gelegt. In: provinz.bz.it. Autonome Provinz Bozen - Südtirol, 17. Juli 2008, abgerufen am 11. November 2025.
  24. Technischer Landesbeirat befürwortet acht Bauvorhaben. In: provinz.bz.it. Autonome Provinz Bozen - Südtirol, 19. November 2008, abgerufen am 11. November 2025.
  25. Krankenhaus Bozen: Arbeiten für neue Klinik vergeben. In: provinz.bz.it. Autonome Provinz Bozen - Südtirol, 1. März 2011, abgerufen am 11. November 2025.
  26. Lokalaugenschein am Bozner Krankenhaus: Bau neuer Klinik geht voran. In: provinz.bz.it. Autonome Provinz Bozen - Südtirol, 1. September 2010, abgerufen am 11. November 2025.
  27. Krankenhaus Bozen: Grünes Licht zum Bau des Medienkanals. In: provinz.bz.it. Autonome Provinz Bozen - Südtirol, 7. Februar 2012, abgerufen am 11. November 2025.
  28. Krankenhaus Bozen: Grünes Licht für Magistrale-Projekt. In: provinz.bz.it. Autonome Provinz Bozen - Südtirol, 29. März 2011, abgerufen am 11. November 2025.
  29. Krankenhaus Bozen: Arbeiten für Weiterbau des Magistrale-Durchgangs vergeben. In: provinz.bz.it. Autonome Provinz Bozen - Südtirol, 9. August 2013, abgerufen am 11. November 2025.
  30. Krankenhaus Bozen: LR Tommasini und Stocker begutachten Baufortschritt. In: provinz.bz.it. Autonome Provinz Bozen - Südtirol, 30. Juli 2014, abgerufen am 11. November 2025.
  31. Krankenhaus Bozen: Technikzentrale und Ver- und Entsorgungszentrum genehmigt. In: provinz.bz.it. Autonome Provinz Bozen - Südtirol, 16. Oktober 2015, abgerufen am 11. November 2025.
  32. Krankenhaus Bozen: neue Notaufnahme ab 2018. In: provinz.bz.it. Autonome Provinz Bozen - Südtirol, 20. September 2016, abgerufen am 11. November 2025.
  33. LR Theiner besichtigt Klinik-Baustelle in Bozen: Abschluss bis 2014. In: provinz.bz.it. Autonome Provinz Bozen - Südtirol, 24. Juni 2009, abgerufen am 11. November 2025.
  34. Krankenhaus Bozen: neue Notaufnahme ab 2018. In: provinz.bz.it. Autonome Provinz Bozen - Südtirol, 20. September 2016, abgerufen am 11. November 2025.
  35. Baustelle Krankenhaus kommt voran. In: provinz.bz.it. Autonome Provinz Bozen - Südtirol, 24. Mai 2017, abgerufen am 11. November 2025.
  36. KH Bozen: 33 Millionen Euro für die Medizintechnik der neuen Klinik. In: provinz.bz.it. Autonome Provinz Bozen - Südtirol, 3. Juli 2018, abgerufen am 11. November 2025.
  37. Krankenhaus Bozen: Baustellenbesichtigung morgen. In: provinz.bz.it. Autonome Provinz Bozen - Südtirol, abgerufen am 11. November 2025.
  38. Krankenhaus Bozen: Neuer Trakt wird 2019 eingerichtet. In: provinz.bz.it. Autonome Provinz Bozen - Südtirol, 15. Mai 2018, abgerufen am 11. November 2025.
  39. Stefano Voltolini: Rischio cedimento all’ospedale. In: SALTO. 13. September 2019, abgerufen am 25. November 2025.
  40. Christoph Franceschini: Einstürzende Altbauten. In: SALTO. 24. Januar 2020, abgerufen am 25. November 2025.
  41. Neue Notaufnahme Bozen aktiv. In: rai.it. Rai, 4. Juli 2020, abgerufen am 11. November 2025.
  42. Abteilung Neurochirurgie übersiedelt. In: dererker.it. Wipp Media GmbH, 30. März 2023, abgerufen am 11. November 2025 (deutsch).
  43. "Südtirols Spitäler unter Druck: 150 Betten wegen Personalmangel nicht in Betrieb", Bericht vom 16. November 2025 im lokalen Nachrichtenportal Nachrichten für Südtirol (stol.it), aufgerufen am 21. November 2025

Koordinaten: 46° 29′ 55,6″ N, 11° 18′ 34,2″ O