Zentraler Militärklub

Der Zentrale Militärklub (bulgarisch Централен Военен Клуб) ist ein multifunktionales Veranstal­tungs­zentrum in der Innenstadt von Sofia. Das dreistöckige Gebäude wurde 1895 durch den Architekten Václav Kolář im Stil der Neorenaissance entworfen und 1900 durch Nikola Lazarow fertig gestellt. Es gilt als eines der repräsentativsten Gebäude der Stadt.

Lage

Der Zentrale Militärklub befindet sich am Zar Osvoboditel Boulevard Nr. 7, gegenüber der russischen Kirche auf der anderen Seite der Rakowski-Straße und liegt in der Nähe des Iwan-Wasow-Nationaltheaters.[1]

Geschichte und Architektur

Nach Gründung der bulgarischen Armee im Jahr 1878 wurden - nach russischem Vorbild - in allen Garnisonen Organisationen der aktiven Offiziere ins Leben gerufen. Aufgabe dieser sog. Offiziersversammlungen (Офицерки Събрания) war die Gestaltung kultureller und sozialer Aktivitäten für die Offiziere und deren Angehörige. 1889 wurden die Offiziersversammlungen als juristische Personen anerkannt. In größeren Garnisonen begann man darauf, eigene Klubhäuser zu etablieren.

Für den Bau des Klubhauses der Sofioter Offiziersversammlung (Клубна Сграда на Софийски Офицерско Събрание), des heutigen Zentralen Militärklubs, wurde das Eckgrundstück Boulevard Zar Oswoboditel/Uliza Georgi Rakowski erworben. Der Kaufpreis lag bei 180.000 Goldlewa.[2] Auf dem Gelände befand sich zuvor eine Kaserne der Osmanischen Armee, die zuletzt in Bulgarien als Kriegsschule Verwendung fand.[3][4]

Das Klubgebäude wurde 1895 vom böhmischen Architekten Václav Kolář (* 1841, † 1900) im Stile der Neorenaissance entworfen.[5][6] Václav Kolář agierte bereits seit 1878 als Chefarchitekt der Stadt Sofia.[7] Als Vornamen benutzte er z. T. die wechselnden Pseudonyme Adolf, Adolf Václav, Antonin, Antonin Václav oder Jan.[6] Sein Entwurf weist zwei Flügel und drei monumentale Türme auf.[8][9] Die Südwestfassade ist durch Arkaden im Erdgeschoss und eine Loggia im ersten Stock hervorgehoben.

Der Grundstein konnte noch im Jahre 1895 gelegt werden. Zum Gedenken an den Serbisch-Bulgarischen Krieg (14.–28. November 1885) wurde dabei ein Stein vom Schlachtfeld bei Sliwniza in das Fundament eingelassen.[2] Mit der Gestaltung des Fassadenschmucks betraute Václav Kolář den ihm aus Prag bekannten bulgarischen Bildhauer und Steinmetz Marin Wassilew (* 1867, † 1931).[10][11] Als Dekorstein griff Wassilew auf bulga­rischen Marmor aus Belowo zurück.[6] Václav Kolář begleitete die Arbeiten nur bis zur Fertigstellung des Rohbaus im Jahre 1896. Anschließend übernahm er die Bauleitung der Alexander-Newski-Kathedrale.[12]

1898 akzeptierte der junge bulgarische Architekt Nikola Lazarow (* 1870, † 1942) das Angebot der Offiziersversammlung, den Bau fertigzustellen[13] sowie das Interieur zu gestalten.[14] Die Ausschmückung der Säle und Salons mit z. T. vergoldeten Stuckornamenten übertrug er dem öster­reichischen Bildhauer Andreas Greis (* 1843, † 1925).[15] Für die Innenausstattung wählte Nikola Lazarow edle Materialien, wie z. B. schwarzen Marmor und italienische Seidentapeten. Das Mobiliar musste aus Frankreich, Österreich-Ungarn und Italien importiert werden, da es in Bulgarien noch nicht in der gewünschten Qualität gefertigt werden konnte.[16] Die Eröffnung wurde am 15. Novemberjul. / 28. November 1900greg. in Anwesenheit Fürst Ferdinands I. gefeiert.[17] Zwischen 1900 und 1907 realisierte Nikola Lazarow einen Erweiterungsbau, so dass das Haus in vergrößerter Form 1907 seine Pforten eröffnete.[6]

Das Gebäude weist drei Geschosse auf. Seine Raumaufteilung ist typisch für Klubgebäude des 19. Jahrhunderts. Im Einzelnen verfügt der Bau heute über eine Eingangshalle, die bei Veranstaltungen bis zu 25 Personen Platz bietet. Eine Galerie hat Kapazität für weitere 30 Besucher. Zentraler Ort ist der kunstvoll ausgestattete Konzertsaal mit 450 Sitzplätzen. Daneben existieren ein kleiner Salon und ein Bankettsaal, die jeweils 150 Personen aufnehmen können, sowie ein Musikzimmer mit 80 Plätzen.[2]

Nach den politischen Verhältnissen trug das Haus seit seiner Eröffnung wechselnde Bezeichnungen:[18]

  • Klubhaus der Sofioter Offiziersversammlung (Клубна Сграда на Софийски Офицерско Събрание),
  • Militärklub (Военен клуб),
  • Zentrales Haus des Heeres (Централен дом на войската),
  • Zentrales Haus des Volksheeres (Централен дом на народната войска),
  • Zentrales Haus der Volksarmee (Централен дом на народната армия), und aktuell
  • Zentraler Militärklub (Централен Военен клуб).

Der Zentrale Militärklub gehört zu den emblematischen Gebäuden der Stadt Sofia. Seit 1955 ist er als Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung klassifiziert.[19]

Nutzung

Das Klubhaus wurde für Diners, Empfänge, Festlichkeiten, Bälle, Ausstellungen, Konzerte, Theater- und Opernaufführungen genutzt. Es wird heute als Keimzelle für das kulturelle Leben der Hauptstadt angesehen.[8] Vor dem 9. September 1944 stammten seine Besucher aus dem Offizierskorps, dem Fürsten- bzw. Königshaus sowie der aufstrebenden Oberschicht. Zu verschiedenen feierlichen Anlässen wurden Offiziersbälle veranstaltet. Der wichtigste von ihnen war der Ball am Tag des Heiligen Georgs, des Patrons der Soldaten. Besondere Bedeutung hatte auch der Neujahrsball, da er traditionsgemäß vom Fürsten bzw. ab 1908 Zaren besucht wurde.[4] Daneben konnten Räume auch für Veranstaltungen privater, künstlerischer oder politischer Art gebucht werden.

Heute dient das Gebäude als Kulturzentrum, in dem Räumlichkeiten von privaten Veranstaltern gemietet werden können.[20] Am 18. Mai 2008 fand hier ein bedeutendes Schachturnier, das M-Tel Masters, statt.[21] Im April und Mai 2010 war der Zentrale Militärklub Austragungsort der Schachweltmeisterschaft zwischen Weltmeister Viswanathan Anand und seinem Herausforderer Wesselin Topalow. Betreiber des Hauses ist die Exekutivagentur „Militärklubs und Militärfreizeit“ (Изпълнителна агенция „Военни клубове и военно-почивно дело“) des Bulgarischen Verteidigungs­ministeriums.[22]

Der Gebäudekomplex beherbergt die Zentrale Armeebibliothek (Централна Армейска Библиотека) mit einem Bestand von über 120.000 Bänden.[2][8] Ebenso hat auch die Verwaltung der Exekutivagentur „Militärklubs und Militärfreizeit“ hier ihren Sitz.

Literatur

  • Иван Николов Аврамов (Iwan Nikolow Awramow): Никола Лазаров - личност, творчество, обществени прояви (bulgarisch, Übersetzung: Nikola Lazarow - Persönlichkeit, Werk, gesellschaftliches Wirken ). 158 S., Държавно Издателство „Техника“, Sofia, 1983.
  • Grigor Doytchinov & Christo Gantschev: Österreichische Architekten in Bulgarien 1878-1918. 226 S., Böhlau Verlag, Wien 2001, ISBN 3-205-99343-8.
  • Марчела Щерн/Marcella Stern: Инженер и архитект Адолф Вацлав КОЛАР (КОАЛРЖ)/Ingenieur und Architekt Adolf Václav KOLÁŘ. In: Музей за история на София (Изд.)/Museum für die Geschichte Sofias (Hrsg.): Австрийски Архитектурни Влияния в София/Österreichische Architektureinflüsse in Sofia. 2. korrigierte und erweiterte Aufl., S. 36–37, Музей за история на София, Sofia 1998, ISBN 954-8853-12-4.
  • Марчела Щерн/Marcella Stern: Скулптор Андреас ГРАЙС/Bildhauer Andreas GREIS. In: Музей за история на София (Изд.)/Museum für die Geschichte Sofias (Hrsg.): Австрийски Архитектурни Влияния в София/Österreichische Architektureinflüsse in Sofia. 2. korrigierte und erweiterte Aufl., S. 47–48, Музей за история на София, Sofia 1998, ISBN 954-8853-12-4.

Einzelnachweise

  1. Beschreibung bei travelsignposts.com
  2. a b c d Централен военен клуб (www.sofia-code.org, 2013; bulgarisch, Übersetzung: Der Zentrale Militärklub)
  3. Военният клуб (www.stara-sofia.com; bulgarisch, Übersetzung: Der Militärklub)
  4. a b Военният клуб – архитектурен символ на българската военна слава (www.vesti.bg, 2018; bulgarisch, Übersetzung: Der Militärklub – ein architektonisches Symbol des bulgarischen Kriegsruhms)
  5. Marcella Stern, 1998a, S. 36–37
  6. a b c d Добрина Желева-Мартинс Виана (Dobrina Zheleva-Martins Viana): Централен Военен Клуб в София (zheleva-martins.com, 2024; bulgarisch, Übersetzung: Zentraler Militärklub in Sofia)
  7. Архитект Адолф Вацлав Колар – първият главен архитект на София от 1878 г. (www.archdesign.info, 2018; bulgarisch, Übersetzung: Adolf Václav Kolář - der erste Chefarchitekt von Sofia ab 1878)
  8. a b c Central Military Club (bulgaria-infoguide.com)
  9. Grigor Doytchinov & Christo Gantschev, 2001, S. 60
  10. Илиана Иванова (Iliana Iwanowa): Спомен за проф. Марин Василев - човека, който създаде паметника на Васил Левски в Карлово (glasove.com, 2021; bulgarisch, Übersetzung: Eine Erinnerung an Prof. Marin Wassilev - den Menschen, der das Denkmal von Wassil Lewski in Karlowo geschaffen hat)
  11. Добрина Желева-Мартинс Виана (Dobrina Zheleva-Martins Viana): Връзката между две значими личности Марин Василев и Вацлав Колар (2022; bulgarisch, Übersetzung: Die Beziehung zwischen zwei bedeutenden Persönlichkeiten Marin Wassilew und Václav Kolář)
  12. Българска банка за развитие/Bulgarian Development Bank: Как София се превръщаше в Европейски Град/How Sofia was transforming into an European city. S. 63, Българска банка за развитие/Bulgarian Development Bank, Sofia 2018.
  13. Iwan Awramow, 1983, S. 20–21
  14. Iwan Awramow, 1983, S. 57
  15. Marcella Stern, 1998b, S. 47–48
  16. Архитектът на най-красивите сгради в България (built.bg, 2021; bulgarisch, Übersetzung: Der Architekt der schönsten Gebäude in Bulgarien)
  17. Държавен Вестник (Staatsanzeiger), Jahrgang 1900, № 251, S. 1–2, Sofia
  18. 110 години от построяването на Централният военен клуб (sofiahistorymuseum.bg, 2017; bulgarisch, Übersetzung: 110 Jahre seit dem Bau des Zentralen Militärclubs)
  19. Известия на Президиума на Народното събрание (Nachrichten des Präsidiums der Nationalversammlung), Jahrgang 1955, № 73, Sofia
  20. Beschreibung auf inyourpocket.com
  21. chessbase.com: MTel R10: Ivanchuk wins Sofia by 1½ points (chessbase.com, 2008)
  22. Изпълнителна агенция „Военни клубове и военно-почивно дело“ (mod.bg; bulgarisch, Übersetzung: Exekutivagentur „Militärklubs und Militär­freizeit“)

Koordinaten: 42° 41′ 43″ N, 23° 19′ 47″ O