Zeitmuseum Teheran

Zeitmuseum Teheran

Zeitmuseum in Teheran (2007)
Daten
Ort Teheran

Das Zeitmuseum in Teheran (persisch تماشاگه زمان) oder auch Hossein Khodadad House ist ein iranisches Museum in Teheran. Es ist sowohl für seine Uhren- und Zeitmessgeräte-Sammlung bekannt als auch für die aufwendigen Stuckdekorationen des Museumsgebäudes. Im Jahr 2003 wurde es in die Liste der nationalen Denkmäler des Iran aufgenommen.

Geschichte

Das Museum befindet sich im Viertel Zaferānieh, das im Norden Teherans gelegen ist.[1] Das zweistöckige Gebäude bietet eine Gesamtfläche von etwa 700 m². Es ist von einer großen Gartenanlage umgeben; das gesamte Gelände misst 5000 m².[2][3]

Die Geschichte des Gartens reicht bis in die Kadscharen-Ära zurück. Als Teil der Ferdows-Gartenanlagen gehörte er zunächst dem Schwiegersohn von Naser al-Din Schah, Moayyer al-Mamalek. Das erste Gebäude auf dem Areal stammt aus der frühen Pahlavi-Periode. 1960 erwarb der iranische Handwerker und Unternehmer Hossein Khodadad das Anwesen. Der Bau, damals ein einstöckiges Lehmziegelgebäude, wurde im Auftrag Khodadads ab 1963 umfassend erneuert. Innerhalb von zwei Jahren wurde unter anderem ein zweites Stockwerk aufgesetzt, das Holztragwerk durch ein Stahltragwerk ersetzt, eine Veranda hinzugefügt und an der Innen- und Außenfassade des Hauses wurden dekorative Elemente angebracht. Khodadad, der großes Interesse an der Wiederbelebung iranischer Stuckkunst und der iranischen Teppichkunst hatte, beauftragte mehr als 40 Künstler mit der Gestaltung und Ausführung von Stuckarbeiten im Gebäude. Für viele Stuckmotive an den Decken des Hauses dienten Designs und Motive iranischer Teppiche als Vorlage. Diese Arbeiten dauerten zehn bis zwölf Jahre an und wurden 1977 fertiggestellt. Entworfen hatten sie u. a. Meister wie Abdul Karim Navid Tehrani, Farhad Yahyapoor und Haj Ali Sheikhi. Nach der Islamischen Revolution wurde Khodadad enteignet. Das Anwesen wurde der Mostazafan Foundation übergeben. Die Generalabteilung für Museen der Mostazafan Foundation eröffnete darin 1999 das Zeitmuseum. 2003 wurde es unter der Registrierungsnummer 10868 in die Liste der nationalen Denkmäler des Irans aufgenommen.[2]

Architektur

Der allgemeine Grundriss des Gebäudes ist rechteckig mit einer Ost-West-Ausdehnung. Der Architekturstil des Gebäudes ist eine Kombination aus persischen und europäischen Stilelementen.[2]

Die Museumsräume sind regelmäßig mit Buntglasfenstern ausgestattet; bei einigen ebenerdigen Fenstern wird das Sternmotiv des Buntglases von Metallgittern hinter den Fenstern erzeugt. Auch Kronleuchter zählen zu den wiederkehrenden Dekorationen. Es sind jeweils künstlerisch gestalte Unikate, die eine Vielzahl unterschiedlicher Materialien, von Glas bis Porzellan, aufweisen.[4]

Stuckarbeiten

Die Motive der Stuckarbeiten lassen sich in die Kategorien Pflanzen, geometrische Muster sowie tierische und menschliche Motive einteilen. Die verwendeten Techniken sind Hochrelief, Halbrelief, Stuck, der auf flachen Spiegeln angebracht ist, Kombination von Stuck und Glas, Koshte Bori (dekorative Stucktechnik, bei der erhabene Motive durch das Auftragen mehrerer Putzschichten gestaltet werden und oft farbig ausgeführt sind), Tong Bori (dekorative Technik in der traditionellen iranischen Stuckarbeit, bei der feine Einschnitte oder Gravuren verwendet werden, um kunstvolle Muster zu erzeugen) und Kop Bori (Stuckverzierungen, in einer Kombination von Gips und konvexen und gebogenen Spiegeln).[2][5]

Motive wie Artischockenblätter, Lotosblüten, Trauben sowie geometrische Motive gehen auf Motive des alten Iran zurück. Andere Formen wie Arabesken, alle Arten von ineinander verflochtenen Blumen und Blättern auf breiten Flächen sowie die Stuckdekorationen des Isfahani-Zimmers sind von Motiven islamischer Perioden abgeleitet, insbesondere der Safawidenzeit. Europäische Motive, wie die naturalistische Gestaltung pflanzlicher Muster, oder Techniken wie Stuck auf flachen Spiegeln wurden von europäischen Designtrends in der Kadscharen- und Pahlavi-Periode beeinflusst.[2]

Isfahani-Zimmer

Das Ishfahani-Zimmer im ersten Stockwerk wird als besonders beeindruckender Raum beschrieben. Gleichwohl das gesamte Gebäude Stuckdekorationen prägen, ist der Isfahani-Raum ganzflächig mit Stuck verziert. Das Design des Stucks orientiert sich an der Safavid-Periode und wurde dem Musikzimmer des Ālī-Qāpū-Palasts und dem Chehel Sotoon in Eṣfahān nachempfunden. Designer der Stuckarbeiten war Master Isa Bahodri.[4][1][2]

Sammlung

Das Museum bewahrt eine große Anzahl an Uhren und Zeitmessgeräten aus verschiedenen Epochen. Im Garten können Modelle von Sonnenuhren, Öluhren, Seiluhren und Wasseruhren besichtigt werden.[1]

Im ersten Stock sind Uhren vom 17. bis zum 20. Jahrhundert ausgestellt, darunter auch Torsionsuhren und Schiffschronometer. Etliche dieser Uhren, wie Pendel-, Wand- und Standuhren, weisen künstlerisches Dekor auf. Auch Nachbildungen verschiedener Uhren, die Kunst und Handwerkskunst vereinen, sind zu besichtigen. Ein besonderes Exponat ist eine Uhr aus Bronze, die mit einem dünnen Goldbelag überzogen ist. Sie wurde in Frankreich hergestellt. Es ist eine Art Tisch- oder Kaminuhr. Auf ihr befindet sich eine Figur, die Homer nachempfunden und im Stil Ludwigs XVI. geschmückt ist.[6][7][1]

Eine Sammlung historischer Kalender ergänzt die Ausstellung.[7] Von besonderer Bedeutung sind hier der Jalali-Kalender und seine Geschichte im Iran.[8]

Der zweite Stock des Museums widmet sich unter anderem den Werken von Houshang Foroutan. Foroutan hat Collagen aus Teilen nicht mehr im Gebrauch befindlicher alter Uhren kreiert. Auch Uhrenreparaturwerkzeuge sowie eine Kollektion an Taschenuhren können hier besichtigt werden.[7][6]

Ein interessantes Exponat auf diesem Stockwerk ist eine Sonnenuhr aus der Qajar-Ära, die für Naser ad-Din Shah angefertigt wurde. Zudem ist ein altes Astrolabium ausgestellt, das als astronomisches Gerät und ewiger Kalender diente, wie auch eine Himmelskugel, die zur Zeitmessung genutzt wurde.[6]

Serviceeinrichtungen

Das Museum unterhält ein Café-Restaurant, das von neun Uhr bis Mitternacht geöffnet ist. In der Iran Time Museum Gallery können Schmuck, Gemälde und handwerkliche Erzeugnisse erworben werden. Den Besuchern des Museums steht zudem ein Gebetsraum zur Verfügung.[7]

Externe Rezeption

Laut der Website SJX ist das Zeitmuseum eine attraktive Sehenswürdigkeit in Teheran, es rangiert (2022) bei Tripadvisor auf Platz 38 von 189 hinsichtlich der Dinge, die man in Teheran unternehmen kann. Die Uhren- und Zeitmessersammlung ist sorgfältig gepflegt, jedoch wurde bisher (2022) noch nicht das nötige Spezialwissen für eine präzise Katalogisierung der Exponate generiert. Die Angaben zu den einzelnen Ausstellungsstücken, von denen einige 200 Jahre zurückreichen, bleiben daher eher an der Oberfläche. Es wird angemerkt, dass die offizielle Museumsliteratur nur wenig Information zu Khodadad bereitstellt.[4]

Commons: Zeitmuseum, Teheran – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege

  1. a b c d Step into history: a journey to Tehran’s Time Museum. 1. August 2025, abgerufen am 30. November 2025 (englisch).
  2. a b c d e f Alireza Sheikhi. Mina Hosseini: A Study on the Stucco Decorations of Hossein Khodadad House (Time Museum, Tehran); A Relic from the Pahlavi II Era. In: PAYKAREH. Band 13 (36), 2024, S. 1–26, doi:10.22055/pyk.2024.19046.
  3. Time Cultural Museum Center – موسسه فرهنگی موزه ها. Archiviert vom Original am 15. Juni 2025; abgerufen am 30. November 2025 (britisches Englisch).
  4. a b c Hamed Tavakoli: Places: The Time Museum of Tehran Keeping time of a bygone era in a pre-Revolution mansion. In: SJX Watches. JX Su, Founder, 2022, abgerufen am 4. Dezember 2025.
  5. Sahar Basiri: Classification and Technical Evaluation of Stucco in Iranian Architecture Case study: The High and Low-relief Stucco Decorations in the Islamic Period Master of Arts by Research. 2024, abgerufen am 30. November 2025.
  6. a b c Ready for a time travel? Just cross the threshold of Zaman Museum in Tehran. 27. September 2020, abgerufen am 30. November 2025 (englisch).
  7. a b c d The Time Museum of Tehran. TAP Persia, 24. Mai 2023, abgerufen am 2. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).
  8. Visit Iran | Official Travel Guide of Iran. Ministry of Cultural Heritage. Tourism and Handicrafts (MCTH), 2020, abgerufen am 7. Dezember 2025.