Zdzisław Tomal

Zdzisław Tomal (* 19. März 1921 in Rogów, Powiat Kazimierski; † 18. August 1984 in Warschau) war ein Politiker der Zjednoczone Stronnictwo Ludowe (ZSL) in der Volksrepublik Polen, der unter anderem von 1957 bis 1966 Vorsitzender des Präsidiums des Volksrates der Woiwodschaft Koszalin, zwischen 1969 und 1976 stellvertretender Ministerpräsident Polens sowie außerdem von 1976 bis 1984 stellvertretender Vorsitzender des Staatsrates war.

Leben

Zdzisław Tomal stammte als Sohn von Andrzej Tomal und Maria aus einer Bauernfamilie und war in den Jahren 1938 bis 1939 und 1945 bis 1948 im Verband der Landjugend der Republik Polen „Wici“ aktiv. Während der deutschen Besetzung Polens (1939 bis 1945) war er zwischen 1941 und 1944 in den Bauernbataillonen BCh (Bataliony Chłopskie) im Widerstand und trug im Untergrund den Decknamen „Lis“. 1945 bekleidete er das Amt des Sekretärs des Bezirksvorstands der Bauernselbsthilfe in Pińczów und engagierte sich lange in Bauernparteien. Er arbeitete von 1947 bis 1956 nacheinander im Büro und im Präsidium des Volksrates der Woiwodschaft Breslau. In dieser Zeit absolvierte er auch ein Studium an an der Landwirtschaftlichen Fakultät der Naturwissenschaftlichen Universität Breslau, das er 1956 beendete. Er wurde Mitglied der 1949 entstandenen Vereinigten Volkspartei ZSL (Zjednoczone Stronnictwo Ludowe) und 1957 Vizepräsident des Komitees der ZSL der Woiwodschaft Breslau.

1957 wurde Tomal Vorsitzender des Präsidiums des Volksrates der damaligen Woiwodschaft Koszalin und bekleidete dieses Amt als Präsident der Regierung dieser Woiwodschaft 19 Jahre lang bis 1976. Er gehörte ab 1959 der Parteiführung der ZSL, dem Obersten Komitee NK (Naczelnego Komitetu), an und war zudem von 1964 bis 1981 Mitglied des Präsidiums des NK, zwischen 1966 und 1969 Sekretär des NK, von 1973 bis 1981 dem NK-Vizepräsidenten und zwischen 1976 und 1980 Mitglied des NK-Sekretariats der ZSL. Am 15. Mai 1961 wurde er des Weiteren erstmals Mitglied des Sejm und gehörte diesem von der dritten bis zu seinem Tode in der achten Legislaturperiode am 18. August 1984 an. In der vierten Legislaturperiode (1965 bis 1969) war er Vizepräsident des Außenhandelsausschusses und wurde am 28. Juni 1969 im Kabinett Cyrankiewicz VI erstmals stellvertretender Ministerpräsident. Er bekleidete das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden des Ministerrates auch im Kabinett Jaroszewicz I (23. Dezember 1970 bis 28. März 1972) sowie im Kabinett Jaroszewicz II (28. März 1972 bis 23. März 1976).[1][2][3][4]

Er war außerdem seit 1974 Mitglied des Obersten Rates des Verbandes der Kämpfer für Freiheit und Demokratie ZBoWiD (Związek Bojowników o Wolność i Demokrację) und gehörte auch dem Nationalkomitee der Nationalen Einheitsfront FJN (Front Jedności Narodu) an. Nach seinem Ausscheiden aus dem Ministerrat war Zdzisław Tomal vom 25. März 1976 bis zum 18. August 1984 Stellvertretender Vorsitzender des Staatsrates (Rada Państwa), des kollektiven Staatsoberhauptes, und fungierte gleichzeitig in der siebten Legislaturperiode zwischen dem 25. März 1976 und dem 18. Februar 1980 als Präsident des Parlamentarischen Clubs der ZSL im Sejm. Während des Kriegsrechts in Polen (1981 bis 1983) war er in der achten Legislaturperiode (4. August 1980 bis 18. August 1984) Vizepräsident des Sonderausschusses zur Prüfung des Verfassungsentwurfs zur Verlängerung der Amtszeit des Sejm der Volksrepublik Polen und des Entwurfs der Wahlordnung für die Nationalräte. Nach seinem Tode wurde er auf dem Powązki-Militärfriedhof in Warschau beigesetzt.

Commons: Zdzisław Tomal – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Cabinet Cyrankiewicz 6 (Memento vom 3. Dezember 2022 im Internet Archive)
  2. Cabinet Jaroszewicz (Memento vom 3. Dezember 2022 im Internet Archive)
  3. Cabinet Jaroszewicz 2 (Memento vom 3. Dezember 2022 im Internet Archive)
  4. Poland: Key Ministries. rulers.org, abgerufen am 9. Januar 2026 (englisch).