Zdeněk Štěpánek
Zdeněk Štěpánek (geboren 22. September 1896 in Tvoršovice bei Benešov, Österreich-Ungarn; gestorben 20. Juni 1968 in Prag) war ein tschechischer Schauspieler, Regisseur, Dramatiker und Drehbuchautor.[1] Er war Mitglied des Prager Nationaltheaters und spielte sowohl auf der Bühne als auch in Filmen.
Leben
Štěpánek stammte aus einer Künstlerfamilie. Er war ein Sohn des Gutsverwalters Vincenc František Štěpánek (1862–1936), der sich auch als Laienschauspieler, Musiker und Sänger betätigte. Sein Onkel Karel Štěpánek war Opernsänger und sein Großonkel war der Dramatiker, Regisseur und Theaterautors Jan Nepomuk Štěpánek (1783–1844), der zugleich Direktor des Ständetheaters in Prag war. Štěpánek besuchte zunächst ein Gymnasium in Rakovník und wechselte, aufgrund seiner schlechten Schulnoten 1910 auf eine Wirtschaftsschule, die er 1912 abschloss. Anschließend arbeitete er in einer Brennerei und begann eine Wirtschaftslehre auf einem Bauernhof in Josefov bei Jaroměř. Doch bereits 1913 begann er mit der Erlaubnis seines Vaters eine Karriere als Wanderschauspieler. Während des Ersten Weltkriegs meldete er sich 1915 freiwillig zum Regiment der polnischen Hulanen und geriet an der Ostfront nach schweren Gefechten verletzt in russische Gefangenschaft in die Kiewer Festung. Er wurde von einem tschechischer Landsmann befreit und verdiente er sich seinen Lebensunterhalt als Bäcker, Koch oder Gelegenheitsarbeiter und wirkte als Amateur in tschechischen Theatergruppen mit. Er wurde nach Wladiwostok versetzt, wo er erneut verwundet wurde. In der Zeit seiner Genesung trat er in das tschechoslowakische Armeetheater in Russland ein und war von Februar 1919 bis Mai 1920 an den Strecken der Transsibirischen Eisenbahn als Schauspieler und Regisseur tätig.
1920 kehrte Štěpánek mit den letzten Legionären in die neu gegründete Tschechische Republik zurück. Nach einer kurzen Tätigkeit als Statist wurde er Schauspieler am Stadttheater Kladno. 1921 ging er ans Vinohrady-Theater, wurde bald einer der Hauptdarsteller des Ensembles und führte auch Regie. Ab 1928 hatte er Gastauftritte am Nationaltheater in Prag und wurde Mitte der 1930er Jahre dort fest engagiert. Gegen Ende der 1950er Jahre gab es einen Wechsel in der Leitung des Theaters und Štěpánek erhielt weniger Rollen zugeteilt. Er hatte mit dem Beginn der Stummfilmzeit bereits in mehreren Filmen mitgewirkt und wurde mit dem Aufkommen des Tonfilms zu einem der Hauptstars des tschechoslowakischen Kinos.[2]
Theaterrollen (Auswahl)
- Edmond in Der Graf von Monte Christo
- Jean in Fräulein Julia
- Armand Duval in Die Kameliendame
- Bassanio in Der Kaufmann von Venedig
- Müller in Lucerna (1922)
- Franci in Peripherie (1925)
- Cyrano in Bergerac (1925)
- Francek in Maryše bratří Mrštíků (1926)
Filmografie (Auswahl)
- 1930: Svatý Václav
- 1937: Die weiße Krankheit (Bilá nemoc)
- 1955: Jan Hus
- 1956: Jan Žižka
- 1957: Proti všem
- 1957: Die Bombe (Bomba)
- 1958: Bittere Liebe (Hořká láska)
- 1959: Die Probe geht weiter (Zkouška pokračuje)
- 1961: Fesseln (Pouta)
- 1963: Transport aus dem Paradies (Transport z ráje)
- 1963: Ikarie XB 1 (Ikarie XB-1)
- 1966: Hände hoch oder ich schieße
Auszeichnungen (Auswahl)
- 1926, 1936 und 1951: Tschechischer Nationalpreis
- 1953: Erhielt er den Titel „Nationalkünstler“
- 1958: Orden der Arbeit
- 1963: Orden der Republik
Schriften (Auswahl)
Štěpánek verfasste mehrere autobiografische Bücher über seine Erfahrungen im Theater und im Krieg
- Vlastní cestou. Jos. R. Vilímek, Prag 1948.
- Herec. Prag 1964.
- Za divadlem kolem světa. Mladá fronta, Prag 1970.
Familie
Štěpánek war mehrmals verheiratet:
- seit dem 20. Februar 1918 mit der Schauspielerin Maria Konderlová (geborene Iris, * 1896) verheiratet, mit der er im tschechischen Exil-Amateurtheater und im Theater der tschechoslowakischen Armee in Russland gespielt hatte. Diese Ehe wurde geschieden.
- seit dem 21. Oktober 1931 mit der Schauspielerin Elena (geborene Hálková, 1907–1985). Diese Ehe wurde 1942 geschieden.
- Jana Štěpánková (6. September 1934 – 18. Dezember 2018), wurde Schauspielerin
- seit dem 23. Mai 1945 mit Soňa (geborene Grossová; 1919–1984)
- Zdeněček († 1946 starb im Alter von vier Monaten)
- Martin Štěpánek (11. Januar 1947 – 16. September 2010), wurde Schauspieler
- Petr Štěpánek (* 2. Oktober 1948), wurde Schauspieler
- Kristina Taberyová (24. Juli 1951 – 19. Januar 2023), wurde Theater-Regisseurin, Drehbuchautorin und Dramaturgin
Weblinks
- Literatur von und über Zdeněk Štěpánek im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Literatur und andere Medien von und über Zdeněk Štěpánek im Katalog der Nationalbibliothek der Tschechischen Republik
- Zdeněk Štěpánek bei IMDb
- Klára Bělohoubková: Štěpánek, Zdeněk 2022 encyklopedie.idu.cz (tschechisch)
Einzelnachweise
- ↑ Zdenek Stepánek – Biografie. Abgerufen am 4. April 2024 (deutsch).
- ↑ Klára Bělohoubková: Štěpánek, Zdeněk 2022 encyklopedie.idu.cz (tschechisch).