Zbigniew Sebastian Siemaszko
Zbigniew Sebastian Siemaszko (* 28. Oktober 1923 auf Gut Lachowszczyzna in der Pfarrei Duniłowicze; † 2. Februar 2021 in London) war ein polnischer Journalist und Historiker.
Leben
Zbigniew Siemaszkos Familie war seit 1618 auf dem Gut ansässig, auf dem er geboren wurde. Er besuchte bis 1939 in Vilnius das Jesuitengymnasium. Sein Vater wurde bereits kurz nach dem Einmarsch der Roten Armee im September 1939 festgenommen. Über sein weiteres Schicksal wurde die Familie nie informiert, doch Zbigniew Siemaszko nahm an, er sei im Frühjahr 1940 erschossen worden. Der Rest der Familie – seine Mutter, sein älterer Bruder Zdzisław und seine sechs Jahre jüngere Schwester – wurde im April 1940 nach Kasachstan (nach Siemiyarsk am Irtysch) deportiert.[1] Zbigniew Siemaszko, der an diesem Tag nicht zu Hause gewesen war, erfuhr am nachfolgenden Tag, was geschehen war, und versuchte seiner Familie nach Kasachstan zu folgen, was nach einiger Zeit auch gelang. Nach zwei Monaten erfuhr er von der sogenannten „Amnestie“ für Deportierte und beschloss, sich zusammen mit seinem Bruder der Armee von Władysław Anders anzuschließen. Die Reise nach Lugowoi, wo die 10. Infanteriedivision stationiert war, kostete die beiden jungen Männer drei Wochen und begann mit einer Fahrt im Pferde- bzw. Kamelschlitten, ehe sie mit dem Zug weiterreisen konnten.[2]
Die beiden Siemaszkos wurden in das 28. Infanterie-Regiment aufgenommen, erhielten eine von Großbritannien gestiftete Ausrüstung und wurden im Frühjahr 1942 in den Iran verlegt.[3] Von dort kam Zbigniew Siemaszko ins Mandatsgebiet Palästina, wo er unter anderem den Morsecode lernte, und dann in den Irak. Über Südafrika gelangte er im April 1943 an Bord der Queen Mary nach Großbritannien.[3]
In Schottland absolvierte er eine Ausbildung zum Fernmeldeoffizier. Im Sommer 1944 wurde er als Funker ins Fernmeldebataillon der Funktelegrafenkompanie des Oberbefehlshabers aufgenommen und in der Nähe von London stationiert.[4]
Nach dem Krieg war es zunächst unklar, ob die Polen, die Zuflucht in Großbritannien gefunden hatten, bleiben dürften. Eine Rückkehr ins nun von der Sowjetunion abhängige Polen schlossen allerdings viele aus; Siemaszko erklärte, für sie habe der Krieg, der Polen in Abhängigkeit zurückgelassen habe, in einer Katastrophe geendet.[5] Der Polish Resettlement Act von 1947 gestattete Menschen wie Siemaszko schließlich die dauerhafte Niederlassung in Großbritannien.[6] Er blieb und absolvierte in London ein Elektronikstudium, das er mit einem Bachelor of Science in Ingenieurwissenschaften abschloss.
In den folgenden 30 Jahren arbeitete er bei Plessey and Racal Electronics. Sein Spezialgebiet wurde die Zuverlässigkeit elektronischer Geräte im militärischen Bereich. Über dieses Thema verfasste er mehrere Artikel.
Sein Interesse galt aber auch der polnischen Geschichte, vor allem, was die Zeit des Zweiten Weltkriegs betraf. Siemaszko publizierte unter anderem in der Zeitschrift Przegląd Powszechny. Ferner wurde er Mitarbeiter des Paters Jerzy Mirewicz, der die Jesuiten-Monatszeitschrift herausgab, und arbeitete für die Emigrantenpresse. Insbesondere kümmerte er sich um Veranstaltungen im Polnischen Sozial- und Kulturzentrum in London. Ab 1959 arbeitete er für das polnische Literaturinstitut, einen Verlag für polnische Emigrantenschriften. Er verfasste zahlreiche Beiträge für Jerzy Giedroycs Zeitschrift Zeszyty Historyczne und für die Zeitschrift Kultura sowie für Wiadomości, Tydzień Polski, Dziennik Polski und Dziennik Żołnierza und hielt Vorträge in polnischer und in englischer Sprache unter anderem in London, New York, Warschau und Lublin.
Seine Korrespondenz mit Jerzy Giedroyc und zahlreiche andere Materialien zu Siemaszko sind im Literaturinstitut archiviert.[4]
Siemaszkos Lebensgeschichte wird in Wendy Websters Buch Mixing It. Diversity in World War Two Britain aufgegriffen.[7]
Schriften (Auswahl)
- Narodowe siły zbrojne. Odnowa, London 1982, ISBN 0-903705-43-5.
- W Sowieckim osaczeniu 1939–1943. Ed. Spotkania, Paris 1991, ISBN 0-85065-210-3.
- Ła̜czność i polityka 1941–1946; antologia. Polska Fundacja Kulturalna, London 1992, ISBN 0-85065-230-8.
- Świadkowie przeżyć sowieckich 1939–1946. Polska Fundacja Kulturalna, London 1999, ISBN 0-85065-239-1.
- Działalność generała Tatara (1943–1949). 2., überarb. und erw. Auflage. Norbertinum, Lublin 2004, ISBN 83-7222-192-8.
- Generał Anders w latach 1892–1942. Wydawnictwo LTW, London/Warschau 2012, ISBN 978-83-7565-251-2.
- Dziewię ć spojrzeń na Powstanie Warszawskie (w latach 1969–2014). Wydawnictwo LTW, London/Warschau 2014, ISBN 978-83-7565-368-7.
Einzelnachweise
- ↑ Wendy Webster, Mixing It. Diversity in World War Two Britain, Oxford University Press 2018, ISBN 978-0-1925-7235-6, S. 135
- ↑ Wendy Webster, Mixing It. Diversity in World War Two Britain, Oxford University Press 2018, ISBN 978-0-1925-7235-6, S. 136
- ↑ a b Wendy Webster, Mixing It. Diversity in World War Two Britain, Oxford University Press 2018, ISBN 978-0-1925-7235-6, S. 137
- ↑ a b Zbigniew S. Siemaszko auf norbertinum.pl
- ↑ Wendy Webster, Mixing It. Diversity in World War Two Britain, Oxford University Press 2018, ISBN 978-0-1925-7235-6, S. 250
- ↑ Wendy Webster, Mixing It. Diversity in World War Two Britain, Oxford University Press 2018, ISBN 978-0-1925-7235-6, S. 238
- ↑ Infos über Wendy Webster, Mixing It. Diversity in World War Two Britain, Oxford University Press 2018, ISBN 978-0-1925-7235-6, auf www.lehmanns.de