Zadní Doubice
Zadní Doubice (deutsch Hinterdaubitz) ist eine Wüstung in der Böhmischen Schweiz in Tschechien. Sie liegt zwei Kilometer östlich von Hinterhermsdorf bzw. sechs Kilometer nordwestlich von Doubice im Kirnitzschtal (Křinice) unmittelbar an der Grenze zu Deutschland. Ihre Fluren gehören zur Gemeinde Doubice.
Geographie
Zadní Doubice befindet sich linksseitig der Kirnitzsch zwischen den Einmündungen des Weißbaches und des Heidelbaches. Nördlich erhebt sich der Steinberg (458 m), im Südosten der Kozí hřbety (Ziegenrücken) mit dem Slunečný vrch (442 m) und Pytlák (Bittler, 448 m), südwestlich Taubenstein (403 m). Gegen Nordosten liegen über dem Tal der Kirnitzsch und ihrer Zuflüsse die Reste der Felsenburgen Brtnický hrádek und Vlčí hrádek.
Nachbaransiedlungen sind Schäferräumicht und Mikulášovice im Norden, Kopec, Brtníky, Šternberk und Vlčí Hora im Nordosten, Dlouhý Důl und Kyjov im Osten, Doubice und Dolní Chřibská im Südosten, Na Tokání im Süden, die Wüstung Zadní Jetřichovice im Südwesten, Niedermühle und Hinterhermsdorf im Westen sowie Im Loch, Neudorf, Langk und Obermühle im Nordwesten.
Geschichte
Die Kirnitzsch bildete seit dem Mittelalter die Grenze zwischen den Herrschaften Hohnstein und Kamnitz. Vermutlich schon um 1400 erfolgte die Errichtung der ersten Wassermühlen im Kirnitzschtal östlich von Hinterhermsdorf.
Die erste Erwähnung einer Brettmühle, der Brettmühle am Steinberg, gegenüber Zadní Doubice erfolgte 1547. Sie befand sich ein einer kleinen Talweitung der Kirnitzsch zwischen der Einmündung des Weißbachs und des Heidelbachs, die heute auf deutscher Seite als Im Loch bezeichnet wird. Die Mühle ging Ende des 18. Jahrhunderts ein. Von ihr blieben keine Spuren erhalten.
Unterhalb dieser Brettmühle lag die ebenfalls 1547 erwähnte Niedermühle Hinterhermsdorf, ebenfalls eine Brettmühle. Ihr Besitzer versuchte Ende des 16. Jahrhunderts die Mühle zur Getreidemühle auszubauen. Da er dafür aber keine Genehmigung des sächsischen Kurfürsten erhielt errichtete er die Mühle etwa 400 Meter flussaufwärts gegenüber der Einmündung des Heidelbachs in die Kirnitzsch auf böhmischem Gebiet. Diese Mühle wurde als Mittelmühle bezeichnet. Alle Mühlen waren ursprünglich zu Hinterhermsdorf gehörig. Als Radslav Kinsky 1614 die Herrschaft Kamnitz erwarb, schlug er die auf seinem Gebiet liegende Mittelmühle auch de facto seiner Herrschaft zu. Sie wurde danach auch als Böhmische Mühle bezeichnet und war somit die erste Baulichkeit im Bereich der späteren Siedlung Zadní Doubice.
In der Talweitung Im Loch entstanden im Laufe der Zeit weitere Häuser beiderseits der Kirnitzsch. Die Meilenblätter von Sachsen verzeichnen hier 1782 auf sächsischer Seite ein als „Räumigthaus“ bezeichnetes Anwesen und ein Gebäude auf böhmischer Seite.[1]
Weitere Gebäude entstanden im 19. Jahrhundert, darunter auch ein Jägerhaus, das seit 1846 auch als Einkehr diente. Die Bewohner ernährten sich von der Forstwirtschaft und der Fischerei. Die Einschicht wurde auf den Karten der Franziszeischen Landesaufnahme in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts als ""Hinter Daubitz" bezeichnet.[2]
Nachdem 1806 die böhmische Lehnshoheit über das Amt Hohnstein erlosch, änderte sich an der engen Verwurzelung der Böhmischen Mühle und Zadní Doubice mit Hinterhermsdorf wenig. Die Häuser am linken Kirnitzschufer waren zwar den Grafen Kinsky auf Kamnitz in Böhmen untertänig, das nächstgelegene Dorf war jedoch das sächsische Hinterhermsdorf, zu dem enge Verbindungen bestanden. Nach der Aufhebung der Patrimonialherrschaften wurde Zadní Doubice ab 1850 amtlich ein Ortsteil der Gemeinde Doubice im Bezirk Rumburk (Rumburg). Weil Zadní Doubice jedoch weitab lag und nur schwer durch die Felstäler zu erreichen war, besuchten die Kinder des Ortes die Schule in Hinterhermsdorf. Ebenso waren die Einwohner nach Hinterhermsdorf gepfarrt und evangelisch.
1860 brannte die Niedermühle Hinterhermsdorf und drei Jahre später (1863) auch die Böhmische Mühle. Dies gab Anlass zu Spekulationen, da die Besitzerinnen der Mühlen, zwei Enkelinnen des Müllers Puttrich, einander nicht wohlgesinnt waren. Während an der Niedermühle Hinterhermsdorf nur geringe Schäden entstanden, war der Schaden an der Böhmischen Mühle deutlich größer. Sie wurde wieder aufgebaut, diente jedoch nicht mehr als Mühle, sondern nur noch als Wirtschaftshof für die zur Mühle gehörenden landwirtschaftlichen Flächen.
Der Ende des 19. Jahrhunderts einsetzende Tourismus und die seit 1879 begonnene Kahnfahrt auf der Oberen Schleuse machten Hinterdaubitz zu einem Anlaufpunkt von Ausflüglern aus Böhmen und Sachsen. Die Böhmische Mühle wurde 1903 zu einem Ausflugsgasthaus mit Hotelbetrieb im bayerischen Stil umgebaut. Neben dem Hegerhaus betrieb der Heger Alfred Pohl eine weitere Schankwirtschaft.
Mit dem Bau einer Straße durch den als Khaatal (Kyjovske údoli) bezeichneten böhmischen Teil des Kirnitzschtals erhielt Zadní Doubice 1906 eine Straßenanbindung ins Böhmische nach Kyjov (Khaa). Zuvor war der Ort nur über die Straße von Hinterhermsdorf bzw. Neudorf sowie über Wege aus Böhmen erreichbar. Eine Besonderheit war, dass die Böhmischen Mühle, die in einer Flussschleife unterhalb des Ortes lag, nur über eine durch sächsisches Gebiet führende Straße erreichbar war.
1910 lebten in den sechs Häusern von Zadní Doubice 13 Menschen. 1921 waren es 21 Bewohner. 1932 bestand Zadní Doubice aus acht Häusern und hatte 37 Einwohner.
Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten im Deutschen Reich verweigerten die tschechischen Behörden einen weiteren Schulbesuch der Kinder in Hinterhermsdorf. Im Ort bestand deshalb von 1933 bis 1936 eine eigene Schule. Sie zählte nur 4 Schüler und war in dieser Zeit die kleinste Schule in der Tschechoslowakischen Republik. Ab 1937 erfolgte die Umschulung nach Brtníky (Zeidler).[3]
1934 wurde an der Brtnický most (Zeidlerbrücke) eine tschechoslowakische Zollstation eingerichtet. Nach dem Münchner Abkommen wurde Zadní Doubice 1938 dem Deutschen Reich zugeschlagen und gehörte bis 1945 zum Landkreis Rumburg.
In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges führte Ende April 1945 der Todesmarsch der Häftlinge des KZ-Außenlagers Schwarzheide über Hinterhermsdorf und Zadní Doubice nach Varnsdorf (Warnsdorf) und weiter ins Ghetto Theresienstadt. Dabei erschoss die SS-Wachmannschaft acht Häftlinge. An sie erinnert ein Denkmal im Temný důl (Finsterer Grund) südlich des Ortes.
Nach dem Ende des Krieges kam Zadní Doubice zur Tschechoslowakei zurück. Anschließend begann die Vertreibung der deutschen Bewohner. Über die Grenzbrücke nach Hinterhermsdorf zogen Kolonnen von vertriebenen Deutschen. Danach wurde die Grenze geschlossen. 1950 bestand Zadní Doubice weiterhin aus acht Häusern, hatte aber keinen Einwohner mehr.
Die Böhmische Mühle wurde noch bis 1947 als Gasthaus genutzt. Aufgrund der Lage in der Grenzzone wurde sie dann geschlossen und in den 1950er Jahren zusammen mit den anderen Gebäuden von Zadní Doubice abgebrochen. Heute erinnern nur noch wenige Reste von Grundmauern und Felsenkellern an die Siedlung. Die auf sächsischer Seite befindliche Niedermühle Hinterhermsdorf und die Gebäude Im Loch blieben erhalten.
Nach der Samtenen Revolution wurde 1996 ein Grenzübergang für Wanderer und Radfahrer von Hinterhermsdorf nach Zadní Doubice eröffnet. Heute führt der Radwanderweg von Hinterhermsdorf nach Krásná Lípa (Schönlinde) über die Grenzbrücke.
Sehenswürdigkeiten in der Umgebung
- Denkmal für erschossene Häftlinge des KZ-Todesmarsches im Frühjahr 1945 im Temný důl (Finsterer Grund)[4] südlich von Zadní Doubice sowie Figurengruppe von Häftlingen unweit der Grenzbrücke[5]
- Gedenktafel für Johann Hille und Anton Richter, Akteure des Gebirgsverein für das nördlichste Böhmen ca. 1 Kilometer flussaufwärts an einer Felswand im Kirnitzschtal[6]
- Vlčí deska (Wolfstafel), etwa 1,5 Kilometer südlich des Ortes, erinnert an zwei 1640 hier erlegte Wölfe[7]
- Obere Schleuse, etwa 2,5 Kilometer flussabwärts an der Kirnitzsch
- Reste der Felsenburg Brtnický hrádek (Zeidler Raubschloss) etwa 3 Kilometer östlich des Ortes[8]
Galerie
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Historische Ansicht, links die Häuser von Zadní Doubice, rechts die Häuser Im Loch aus sächsischer Seite
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Blick auf die Böhmische Mühle
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Exkursion von Mitgliedern des Gebirgsverein für die Sächsische Schweiz (Sektion Radeberg) zur Böhmischen Mühle im August 1913
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Denkmal für die Opfer des Todesmarsch 1945 im Temný důl (Finsterer Grund)
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Grenzbrücke nach Sachsen südlich des Ortes
Literatur
- Manfred Schober: Die Mühlen der Sächsischen Schweiz. Rechtselbisches Gebiet. Berg- und Naturverlag Rölke, Dresden 2009, ISBN 978-3-934514-24-9
Weblinks
- Zadní Doubice auf sudetengebiete.de
- Zadní Doubice auf deutschboehmen.de
- Zadní Doubice auf luzicke-hory.cz
- Zadní Doubice auf zanikleobce.cz
- Böhmische Mühle und Hinterdaubitz (leicht fehlerhaft)
Einzelnachweise
- ↑ Meilenblatt Nr. 352 von 1782
- ↑ Karte von 1843 mit der Ortsangabe "Hinter Daubitz"
- ↑ Joachim Schindler: Chronik zur Geschichte von Wandern und Bergsteigen in der Sächsischen Schweiz 1933-1945. Dresden 2017, S. 163
- ↑ Lage des Denkmals für die Opfer des Todesmarsch 1945
- ↑ Lage der Figurengruppe des Todesmarsch 1945
- ↑ Lage der Gedenktafel für Johann Hille und Anton Richter
- ↑ Lage der Wolfstafel von 1640
- ↑ Lage der Felsenburg
Koordinaten: 50° 55′ N, 14° 24′ O