Yuditu


Yuditu (輿地圖, yúdìtú) ist chinesisch und bedeutet etwa universale Karte,[1] im übertragenen Sinne „Reichskarten“, wörtlich „Wagen-Land-Karten“.[2] Sie wurde von dem Geographen Zhu Siben (朱思本) aus einer einfacheren Kartenversion weiterentwickelt.[3]

Forschungen ergaben, dass seine im Jahr 1320 erschienene „Yuditu“ (與地圖) häufig konsultiert wurde und als eine der Hauptquellen für die Kangnidokarte (Honil gangni yŏktaegukto jido) diente.[4]

Geschichte

In den Riten der Zhou kommen vier Kartentypen vor: Karten für militärisch-strategische Zwecke, Katasterkarten zur Beilegung von Streitigkeiten über Grundbesitz, Karten von Gräbern und Begräbnisbezirken sowie Karten, die Informationen über geografische Merkmale vermitteln. Letztere vermittelte die Informationen über die grundlegenden physischen oder geographischen Merkmale einer Region, die Größe und Verteilung ihrer Bevölkerung, die angebauten Feldfrüchte, den Viehbestand usw.[1] Es scheint, dass solche Karten in der Han-Zeit auch in Form von „Universalkarten“ („Yuditu“) existierten, die den Wohlstand und das Leid (Li-Hai) jeder Region des Reiches darstellten.[1]

Eine wissenschaftliche Kartographierung bildet die 1136 in Stein gemeißelte Yu ji tu (Karte der Reisen von Yu), die mit Nord-Süd- und Ost-West-Koordinaten überzogen ist, wobei die Seitenlänge der jeweiligen Quadrate etwa 50 Kilometern Länge entspricht. Dann wurde zwischen 1311 und 1320 von Zhu Siben (1273 - 1337) die Yuditu oder "Yu ditu" (Landkarte des chinesischen Reiches) angefertigt, welche diese Karte noch übertraf.[5][6] Es war eine neuartige Karte des Reiches, die das Gradnetz anwendete sowie eine Darstellung der mongolischen Eroberungen bot. Seine Karte ist nicht erhalten, aber eine handschriftliche Kopie bildete die Grundlage für die erhaltenen Karten der Ming-Dynastie.[7]

Wortherkunft

Nachdem Qin Shihuangdi das Reich unter der Fahne von Qin geeinigt hatte (221 v.Chr) begann er, alle verfügbaren Karten des Territoriums zu sammeln. Die damalige Weltvorstellung der Chinesen ließen die Welt als viereckig mit China als Insel im Mittelpunkt erscheinen, deren Randgebiete mit Barbaren bevölkert waren, umgeben von den vier Meeren. Damit ist die Erde der Rumpf des Wagens, der Himmel dagegen das (neunstufigen von acht Säulen getragenen) Dach, weshalb es zur Bildung dieses Wortes gegen Ende des 2. Jh. vor Christus kam.[8]

  • Ulrich Theobald, Senior Lecturer, Department of Chinese Studies, University of Tübingen, Germany: yuditu 輿地圖, chinaknowledge.de – An Encyclopaedia on Chinese History and Literature

Einzelnachweise

  1. a b c Fritz-Heiner Mutschler, Achim Mittag: Conceiving the Empire: China and Rome Compared. Oxford University Press, 2008, ISBN 978-0-19-155044-7, S. 181 (google.de [abgerufen am 7. Januar 2026]).
  2. Helwig Schmidt-Glintzer: China: Vielvölkerreich und Einheitsstaat : von den Anfängen bis heute. C.H.Beck, 1997, ISBN 978-3-406-42348-2, S. 62 (google.de [abgerufen am 8. Januar 2026]).
  3. Benjamin A. Elman: Science In China, 1600-1900: Essays By Benjamin A Elman. World Scientific, 2015, ISBN 978-981-4651-12-7, S. 52 (google.de [abgerufen am 13. Januar 2026]).
  4. Sang-un Chŏn: A History of Korean Science and Technology. NUS Press, 2011, ISBN 978-9971-69-402-9, S. 285.
  5. Dieter Kuhn: Neue Fischer Weltgeschichte. Band 13: Ostasien bis 1800. FISCHER E-Books, 2014, ISBN 978-3-10-402413-4 (google.de [abgerufen am 8. Januar 2026] Ebook).
  6. Unryu Suganuma: Sovereign Rights and Territorial Space in Sino-Japanese Relations: Irredentism and the Diaoyu/Senkaku Islands. University of Hawaii Press, 2001, ISBN 978-0-8248-2493-8, S. 65 (google.de [abgerufen am 8. Januar 2026]).
  7. Endymion Porter Wilkinson: Chinese History: A Manual. Harvard University Asia Center, 2000, ISBN 978-0-674-00249-4, S. 147 (google.de [abgerufen am 11. Januar 2026]).
  8. Helwig Schmidt-Glintzer: Das alte China: von den Anfängen bis zum 19. Jahrhundert. C.H.Beck, 1999, ISBN 978-3-406-45115-7, S. 17 (google.de [abgerufen am 11. Januar 2026]).