Ye’elimit

Ye’elimit
Ye’elimit (weiß) verwachsen mit Hydroxylellestadit (rötlichbraun) in grauem Anhydrit aus Ronneburg, Thüringen (Bildbreite 6 mm)
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1984-052[1]

IMA-Symbol

Ye[2]

Andere Namen
  • Ye'elimit
  • Yeélimit
  • Yeelimit
Chemische Formel
  • Ca4Al6O12(SO4)[1]
  • Ca4Al6[O12|SO4][3]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Sulfate (Selenate, Tellurate, Chromate, Molybdate und Wolframate)
System-Nummer nach
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VI/B.04-020[4]

7.BC.15
30.01.15.01
Ähnliche Minerale Sodalith
Kristallographische Daten
Kristallsystem kubisch
Kristallklasse; Symbol pentagon-ikositetraedrisch; 432
Raumgruppe I4132 (Nr. 214)Vorlage:Raumgruppe/214[3]
Gitterparameter a = 18,39 Å[3]
Formeleinheiten Z = 16[3]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte nicht definiert
Dichte (g/cm3) berechnet: 2,61[5]
Spaltbarkeit nicht definiert
Farbe weiß, farblos[4]
Strichfarbe weiß[4]
Transparenz durchscheinend[5]
Glanz nicht definiert
Kristalloptik
Brechungsindex n = 1,568
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten hydratisiert leicht

Ye’elimit (vereinfacht Ye'elimit; auch Yeélimit oder Yeelimit) ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfate (und Verwandte)“ mit der chemischen Zusammensetzung Ca4Al6[O12|SO4][3].

Ye’elimit kristallisiert im kubischen Kristallsystem und konnte bisher nur in Form durchscheinender, farbloser bis weißer Mineral-Aggregate, bestehend aus bis zu 15 μm großen Kristallen, gefunden werden.

Etymologie und Geschichte

Erstmals entdeckt wurde Ye’elimit zusammen mit Ellestadit am Har Je’elim (englisch: Har Ye’elim) im Südbezirk von Israel. Die Analyse und Erstbeschreibung erfolgte durch die israelische Mineralogin Shulamit Gross (1923–2012),[6] die das Mineral nach dessen Typlokalität benannte.[7] Gross sandte ihre Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen 1984 zur Prüfung an die International Mineralogical Association (interne Eingangsnummer der IMA: 1984-052[1]), die den Ye’elimit als eigenständige Mineralart anerkannte. Die Erstbeschreibung wurde noch im gleichen Jahr bei der Geological Survey of Israel veröffentlicht.

Das Typmaterial des Minerals wird in der Geochemischen Abteilung der Geological Survey of Israel (GSI; Inventarnummer hier nicht dokumentiert) sowie in der Geologischen Abteilung der Hebräischen Universität Jerusalem (DGHU) in Israel (Inventarnummer 62815) aufbewahrt.[8][9]

Klassifikation

Da der Ye’elimit erst 1984 als eigenständiges Mineral anerkannt wurde, ist er in der letztmalig 1977 überarbeiteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz noch nicht verzeichnet.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VI/B.04-020. Dies entspricht der Klasse der „Sulfate, Chromate, Molybdate und Wolframate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Sulfate, mit fremden Anionen“, wo Ye’elimit zusammen mit Adranosit, Adranosit-(Fe), D’Ansit, D’Ansit-(Fe), D’Ansit-(Mn) und Therasiait eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer VI/B.04 bildet.[4]

Die von der IMA zuletzt 2009 aktualisierte[10] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Ye’elimit ebenfalls in die Abteilung „Sulfate (Selenate usw.) mit zusätzlichen Anionen, ohne H2O“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „Mit mittelgroßen und großen Kationen“ zu finden, wo es als einziges Mitglied eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 7.BC.15 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Ye’elimit die System- und Mineralnummer 30.01.15.01. Auch das entspricht der Klasse der „Sulfate, Chromate und Molybdate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Sulfate mit Hydroxyl oder Halogen“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Sulfate mit Hydroxyl oder Halogen und (AB)m(XO4)pZq, mit m : p > 2 : 1“ als einziges Mitglied in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 30.01.15.

Kristallstruktur

Ye’elimit kristallisiert kubisch in der Raumgruppe I4132 (Raumgruppen-Nr. 214)Vorlage:Raumgruppe/214 mit dem Gitterparameter a = 18,39 Å sowie 16 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[3]

Eigenschaften

Ye’elimit hydratisiert leicht und wandelt sich im Wasser (H2O) zu Ettringit (Ca6Al2[(OH)12|(SO4)3]·26H2O) und Al(OH)3 um.

Bildung und Fundorte

Ye’elimit ist Teil einer Hochtemperatur-Mineralvergesellschaftung, welche aus den Mineralen Larnit, Brownmillerit, Ellestadit (Chlorellestadit, Fluorellestadit oder Hydroxylellestadit), Fluormayenit und Ye'elimit besteht. Die Bildungsbedingungen von >900 °C bei niedrigem Druck entsprechen der Sanidinit-Fazies.

Als seltene Mineralbildung konnte Ye’elimit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 15 Vorkommen dokumentiert sind (Stand 2026).[11] Außer an seiner Typlokalität in der Umgebung von Har Je’elim und Nahal Je’elim im Hatrurim-Becken trat das Mineral in Israel nur noch im Steinbruch Arad Stone und an einer Bredigit-Fundstelle bei Arad im Südbezirk sowie am Berg Jabel Harmun in der Wüste Judea im Westjordanland (West Bank) auf.

In Deutschland konnte das Mineral bisher nur im Steinbruch Caspar am Ettringer Bellerberg (Eifel) in Rheinland-Pfalz und in der ehemaligen, heute nicht mehr existenten,[12] Absetzerhalde in Ronneburg im Landkreis Greiz in Thüringen entdeckt werden.

Der bisher einzige bekannte Fundort in Österreich ist ein Basalt-Steinbruch bei Klöch in der Südoststeiermark.

Weitere bisher dokumentierte Fundorte sind unter anderem eine Schlackenfundstelle bei Sévérac d’Aveyron in Frankreich, eine Halde des Kohlebergwerks „Nr. 47“ bei Kopeisk in der russischen Oblast Tscheljabinsk und ein Paralava-Vorkommen nahe der Durham Ranch (Reno Junction) im Campbell County (Wyoming) in den USA.[13]

Verwendung

Wirtschaftliche Bedeutung hat Ye’elimit (nach bauchemischer Schreibweise C4A3S, auch Calciumsulfoaluminat, CSA, oder "Klein's Compound" genannt) bei der Zementherstellung. In Sulfataluminatzementen ist Ye’elimit der wichtigste reaktive Bestandteil. In Gegenwart von Wasser und leicht löslichem Sulfat, z. B. in der Form von Anhydrit, Gips oder Bassanit, wandelt er sich in wasserhaltigen Ettringit um,[14] welcher während des Erhärtens ein stabiles Mikrogefüge aus nadeligen, miteinander verzahnten Kristallen ausbildet. Industriell hergestellt wird Ye’elimit-haltiger Zementklinker aus einem Gemisch aus Kalkstein, Bauxit sowie natürlichem oder synthetischem Gips bzw. Anhydrit oder aus calcium-, aluminium- und schwefelhaltigen Sekundärrohstoffen, welche in Drehrohröfen bei Temperaturen zwischen 950 °C und 1350 °C gebrannt werden.[15]

Siehe auch

Literatur

  • Shulamit Gross: Occurrence of Ye’elimite and Ellestadite in an unusual cobble from the "Pseudo-Conglomerate" of the Hatrurim basin, Israel. In: Geological Survey of Israel. Band 84, 1984, S. 1–4 (englisch).
  • F. C. Hawthorne, K. W. Bladh, E. A. J. Burke, E. S. Grew, R. H. Langley, J. Puciewicz, A. C. Roberts, R. A. Schedler, J. E. Shigley, D. A. Vanko: New mineral names. In: American Mineralogist. Band 72, 1987, S. 226–227 (englisch, minsocam.org [PDF; 1,3 MB; abgerufen am 12. Januar 2026]).
Commons: Ye'elimite – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. a b c Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: January 2026. (PDF; 3,1 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Januar 2026, abgerufen am 12. Januar 2026 (englisch).
  2. Laurence N. Warr: IMA–CNMNC approved mineral symbols. In: Mineralogical Magazine. Band 85, 2021, S. 291–320, doi:10.1180/mgm.2021.43 (englisch, cambridge.org [PDF; 351 kB; abgerufen am 12. Januar 2026]).
  3. a b c d e Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 372 (englisch).
  4. a b c d Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9.
  5. a b Ye’elimite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org [PDF; 51 kB; abgerufen am 12. Januar 2026]).
  6. Dmitriy I. Belakovskiy, Olivier C. Gagne: New Mineral Names. In: American Mineralogist. Band 100, 2015, S. 1649–1654 (englisch, minsocam.org [PDF; 292 kB; abgerufen am 12. Januar 2026] Beschreibung Shulamitite und Lebensdaten von Shulamit Gross, S. 5–6).
  7. Shulamit Gross: Occurence of Ye’elimit and Ellestadite in an unusual cobble from the "Pseudo-Conglomerate" of the Hatrurim basin, Israel. In: Geological Survey of Israel. Band 84, 1983, S. 1–4 (englisch).
  8. Catalogue of Type Mineral Specimens – Y. (PDF 78 kB) Commission on Museums (IMA), 10. Februar 2021, abgerufen am 12. Januar 2026 (Gesamtkatalog der IMA).
  9. Catalogue of Type Mineral Specimens – Depositories. (PDF; 311 kB) Commission on Museums (IMA), 18. Dezember 2010, abgerufen am 12. Januar 2026 (englisch).
  10. Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Original am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (englisch).
  11. Ye'elimite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 12. Januar 2026 (englisch).
  12. Typlokalität Absetzerhalde, Uranerzrevier Ronneburg/Thüringen. In: Mineralienatlas Lexikon. Geolitho Stiftung, abgerufen am 12. Januar 2026.
  13. Fundortliste für Ye’elimit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 12. Januar 2026.
  14. V. Kasselouri, P. Tsakiridis, C. Malami, B. Georgali, C. Alexandridou: A study on the hydration products of a non-expansive sulfoaluminate cement. In: Cement and Concrete Research. Band 25, Nr. 8, Dezember 1995, S. 1726–1737, doi:10.1016/0008-8846(95)00168-9 (englisch).
  15. J. Beretka, B. de Vito, L. Santoro, N. Sherman, G. L. Valenti: Hydraulic Behaviour of Calcium Sulfoaluminate-based Cements derived from Industrial Process Wastes. In: Cement and Concrete Research. Band 23, Nr. 5, 1993, S. 1205–1214, doi:10.1016/0008-8846(93)90181-8 (englisch).