Yasmeen Mjalli
Yasmeen Mjalli ist eine US-amerikanische Modedesignerin und Menschenrechtlerin, welche das in Ramallah im Westjordanland ansässige Modekollektiv Nöl gründete und traditionelle Techniken wie Tatreez mit zeitgenössischem Design verbindet.[1] Sie wurde zuvor mit dem feministischen Label BabyFist und der Kampagne Not Your Habibti gegen sexuelle Belästigung bekannt.[2]
Leben
Mjalli wuchs in den Vereinigten Staaten auf, wurde in einer palästinensischen Familie in North Carolina groß und studierte Kunstgeschichte an der University of North Carolina.[3][2] Nach ihrem Abschluss zog sie ins Westjordanland zurück und baute von Ramallah aus ihr Schaffen auf.[4] Im Jahr 2017 gründete sie das Label BabyFist, zunächst mit markanten Slogans wie Not Your Habibti als Reaktion auf eigene Erfahrungen mit Straßenbelästigung, und eröffnete wenig später einen Laden in Ramallah.[2][5] Aus der kritischen Auseinandersetzung mit Herkunft, Produktion und Arbeitsbedingungen entstand daraus das Modekollektiv Nöl, das seit 2017/2018 von Ramallah aus entwickelt wird.[1][4]
Wirken
Mit Nöl arbeitet Mjalli eng mit Frauenkooperativen, familiengeführten Werkstätten und Kunsthandwerkerinnen in Bethlehem, Hebron (al-Khalil), Nablus/Askar und Ramallah zusammen und verknüpft zur Sichtbarmachung kulturellen Wissens und Sicherung fairer Löhne lokale Materialien, Naturfärbungen und die von der UNESCO anerkannte Stickkunst Tatreez mit moderner Gestaltung.[1][4] Ein besonderes Element ist die Zusammenarbeit mit der Weberei-Gemeinschaft in Gaza, die Majdalawi-Stoffe herstellen; zugleich prägen Einschränkungen, Kontrollstationen und Versandprobleme die tägliche Arbeit des Labels.[1][4] Aufmerksamkeit erregte Nöl durch eine Bühnenkooperation mit der Grammy-Preisträgerin Arooj Aftab, für die Mjalli 2023 ein Ensemble fertigte, das palästinensische und pakistanische Referenzen vereinte.[6] Inhaltlich versteht Mjalli Mode als politisches Medium, das Aspekte von Nachhaltigkeit, Arbeit, Geschlechtergerechtigkeit und kolonialer Geschichte aufnimmt; entsprechend verfolgt Nöl eine Slow-Fashion-Praxis und nutzt die Kollektionen als Erzählraum über palästinensisches Leben und Handwerk.[1][7] Im Zuge des Krieges in Gaza setzte sie sich 2024 für die Evakuierung eines Teils der mit Nöl verbundenen Weberfamilie ein und machte zugleich die ökonomischen Brüche für Werkstätten und Näherinnen öffentlich.[8] Zugleich dient die Arbeit als Beitrag zur Bewahrung und Weiterentwicklung palästinensischen Handwerks – von Naturfärbungen über Weberei bis zu Tatreez – und als Plattform zur Konfrontierung der internationalen Kundschaft mit der Lebenswirklichkeit von Produktion unter Besatzungsbedingungen.[3][1][4]
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f ‘Fashion is inherently political’: the woman mixing Palestinian design with sustainable clothing. In: The Guardian. 31. Juli 2023, abgerufen am 22. November 2025 (englisch).
- ↑ a b c 'Not Your Habibti': Meet the young Palestinian woman bringing #MeToo movement to the West Bank. In: The Independent. 3. Februar 2018, abgerufen am 22. November 2025 (englisch).
- ↑ a b This “Made in Palestine” Label Is Supporting Local Business and Gender Equality. In: Vogue. 29. Januar 2020, abgerufen am 22. November 2025 (englisch).
- ↑ a b c d e What It’s Like to Be a Fashion Designer in the West Bank. In: The Cut. 17. Dezember 2024, abgerufen am 22. November 2025 (englisch).
- ↑ Palestinian designer seeks to empower women. In: The Times of Israel (AFP). 15. Januar 2019, abgerufen am 22. November 2025 (englisch).
- ↑ Arooj Aftab Found Her Latest Performance Outfit in the Heart of a Palestinian Refugee Camp. In: Vogue. 12. Juni 2023, abgerufen am 22. November 2025 (englisch).
- ↑ Through Nöl Collective, fashion designer Yasmeen Mjalli brings indigenous Palestinian crafts back to life. In: The New Arab. 5. Juni 2025, abgerufen am 22. November 2025 (englisch).
- ↑ How one Palestinian American business owner helped evacuate her colleagues in Gaza. In: WUNC/NPR. 24. März 2024, abgerufen am 22. November 2025 (englisch).