Yardymly (Meteorit)

Koordinaten: 38° 55′ 59″ N, 48° 15′ 0″ O
Yardymly
Yardymly Meteorit im Astrophysikalischen Observatorium Şamaxı
Allgemeines
Offizieller Name
nach MBD
Yardymly
Authentizität sicher
Lokalität
Land Aserbaidschan
Fall und Bergung
Datum (Fall) 24. November 1959
beobachtet ja
Beschreibung
Typ Eisenmeteorit
Klasse IAB-Komplex
Referenzen
Meteoritical Bulletin 30352
Mindat (Keswick, VA) 262755

Yardymly (auch bekannt unter dem Namen Aroos-Meteorit, Aserbaidschanisch: Yardımlı meteoriti oder Ərus meteoriti) ist ein Eisenmeteorit, der am 24. November 1959 im Süden Aserbaidschans im Rayon Yardımlı (damals Aserbaidschanische SSR, UdSSR) als beobachteter Fall niedergegangen ist.[1][2] Er gehört zur IAB-Komplex-Gruppe der Eisenmeteorite und ist als grober Oktaedrit klassifiziert. Fünf Fragmente des Meteoriten wurden in der Nähe des Dorfes Aroos (Ərus) gefunden (ihre Massen – in Reihenfolge der Auffindung – betragen etwa 11,3 kg, 5,7 kg, 5,93 kg, 0,36 kg und ca. 127 kg). Die Gesamtmasse der gefundenen Fragmente beträgt rund 150,29 kg.[3] Der Meteorit wird im Geologischen Institut der Nationalen Akademie der Wissenschaften Aserbaidschans aufbewahrt. Nach Angaben des Direktors des Astrophysikalisches Observatorium Şamaxı, Eyub Guliyev, könnte der Yardymly-Meteorit seinen Ursprung im Meteorstrom der Perseiden haben.[4]

Augenzeugen beobachteten in den frühen Morgenstunden eine sehr helle Feuerkugel, die von Südwest nach Nordost durch die Wolkendecke zog.[3] Der Fall wurde von einer blendenden Leuchterscheinung – heller als Tageslicht – und donnerähnlichem Grollen begleitet. Die Leuchterscheinung erstreckte sich über ein Gebiet von etwa 2.800 Quadratkilometern.[5] Beim Fall einzelner Bruchstücke waren pfeifende und dröhnende Geräusche zu hören, ähnlich wie bei einem Düsenflugzeug oder einer Rakete.[3] Die Untersuchung der chemischen und physikalischen Eigenschaften des Meteoriten wurde vom aserbaidschanischen Forscher Mirali Qashqai geleitet. Der Meteorit weist eine ausgeprägte Widmanstätten-Struktur und einen ungewöhnlich niedrigen Tritiumgehalt auf. Ähnliche Tritiumanomalien wurden bereits in anderen Eisenmeteoriten festgestellt.[6]

In der Sowjetzeit wurden auf Anfrage internationaler Forschungseinrichtungen vom sowjetischen Meteoritenkomitee Meteoritenproben an verschiedene Labore in den USA und Europa (u. a. CERN) weitergegeben. Ein Teilstück gelangte auch in das Fersman-Museum in Moskau.

Bedeutung und Rezeption

Yardymly ist einer von nur zwei anerkannten Meteoritenfällen aus Aserbaidschan (neben Indarch) und daher für die regionale Meteoritik besonders wichtig.[7]

2018 schenkte die Regierung Aserbaidschans dem Naturhistorischen Museum Wien ein Stück des Meteoriten (rund 252 g), das mit einer Eisensäge vom Hauptstück abgetrennt worden war, anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Aserbaidschanischen Republik. Es ist in der Meteoritensammlung des NHMW ausgestellt.[8]

Commons: Yardymly – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Meteoritical Bulletin Database - Eintrag Yardymly. In: Meteoritical Bulletin. Abgerufen am 24. November 2025 (englisch).
  2. Yardymly meteorite, Baku, Yardymli District, Azerbaijan. In: mindat.org. Abgerufen am 24. November 2025.
  3. a b c https://www.lpi.usra.edu/meteor/docs/mb16.pdf
  4. Echo :: Общество :: В Азербайджане будут наблюдать за потоками Персеид. In: echo.az. Archiviert vom Original am 6. Juli 2011; abgerufen am 23. November 2025.
  5. Soviet Azerbaijan Encyclopedia (Baku, 1981), vol. 5, p. 80
  6. Argon-37, Argon-39, and Tritium in Meteorites... Office of Scientific and Technical Information, U.S. Department of Energy
  7. Ein Himmelsgeschenk für Österreich. In: derstandard.at. 6. Juni 2018, abgerufen am 23. November 2025.
  8. Naturhistorisches Museum Wien - Pressemitteilung-Detailseite. In: nhm.at. 30. Mai 2018, abgerufen am 24. November 2025.