Yılmaz Atalay

Yılmaz Atalay (geboren am 1. Mai 1933 in Çorum in der Türkei, gestorben am 15. Juni 2021 in Mainz) war einer der ersten türkischen Gastarbeiter, die 1961 nach Deutschland kamen. Der 1968 in Mainz sesshaft gewordene Atalay war Gründer des „Ausländertags“, der heute unter dem Namen „Interkulturelle Woche“ weiterhin veranstaltet wird, sowie des Vereins „Gesundheitsprävention in Mainz und Umgebung“. Er eröffnete später das erste türkische Reisebüro in Mainz.

Für das Zeitzeugenportal des Haus der Geschichte stand er für mindestens sechs Gesprächsvideos zur Verfügung.[1]

Am 22. Oktober 2025 wurde am Mainzer Rheinufer, nördlich des ehemaligen Zoll- und Binnenhafen Mainz ein Straßenabschnitt nach ihm benannt: Yılmaz-Atalay-Ufer.

Werdegang

Türkei

An der Technischen Universität von Istanbul absolvierte er ein Studium und arbeitete im Familienunternehmen als Getreidehändler. Der Getreidehandel der Eltern in der Türkei konnte nicht mehr alle Mitglieder der Familie versorgen. Nachdem ihm ein Kommilitone von den Möglichkeiten einer Arbeit in Deutschland (Anwerbepolitik der Bundesrepublik Deutschland, Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Türkei) erzählt hatte, wollte der 27-Jährige dorthin, um sich Geld für ein Auto zu verdienen.

Deutschland

Yılmaz Atalay erreichte nach mehr als zwei Tagen Zugfahrt am Karfreitag 31. März 1961 den Frankfurter Hauptbahnhof. Von Frankfurt aus reiste Yılmaz weiter zu Verwandten nach Bonn, ging zum Arbeitsamt, und hatte Glück: „Die Leute dort waren äußerst hilfsbereit.“ Schon nach einem Tag Suche fand er eine passende Stelle in einer Fliesenfabrik, für 2,25 DM Stundenlohn – damals ein guter Verdienst (entspräche heute 6,12 Euro).

Nach den Ostertagen nahm er am 4. April seine Arbeit in einer Fliesenfabrik in Bonn auf. Weitaus schwieriger gestaltete sich die Suche nach einer Unterkunft. In den ersten drei Monaten kam er in verschiedenen Jugendherbergen unter, da er dort immer nur jeweils eine Woche bleiben durfte. Um ein eigenes Zimmer zu finden, wartete er nachts drei Stunden vor einer Zeitungsdruckerei. Ganz früh morgens wollte er die Wohnungsanzeigen lesen. Yılmaz bewarb sich für ein Zimmer, das 150 DM im Monat kosten sollte – und machte zum ersten Mal eine schlechte Erfahrung: „50 Mark hatte ich schon angezahlt. Trotzdem haben sie das Zimmer einem Deutschen gegeben, der erst nach mir kam. Die 50 Mark wurden mir aus dem Fenster zurückgeworfen.“[2][3]

Ein türkischer Arzt, der mit ihm im Zug war, half ihm, eine Arbeitsstelle für seine Verlobte, die Krankenschwester war, an einem Krankenhaus zu finden. So konnte sie bereits wenige Monate später nachreisen und die beiden heirateten im Dezember 1961 im türkischen Generalkonsulat in Hamburg.

Nach Mainz zog er 1968, wo er beim Spezialglashersteller Schott AG als Dolmetscher arbeitete. Im Radio hörte er 1970 dass die Arbeiterwohlfahrt Sozialarbeiter für eine Beratungsstelle suchte, auf diese Stelle bewarb er sich und bekam diese. Ab da beriet er andere Türken die in Deutschland lebten.

Später machte er sich mit einem türkischen Lebensmittelgeschäft und einem Reisebüro (1978) selbstständig.

Engagement

Yılmaz Atalay engagierte sich sowohl beruflich als auch ehrenamtlich für die Integration türkischer und muslimischer Menschen in der Stadt Mainz, unter anderem als Mitbegründer der „Interkulturellen Woche“ in Mainz (damals „Ausländertag“). 2002 gründete er die erste Diabetiker-Selbsthilfegruppe in türkischer Sprache und war Vorsitzender des Vereins „Gesundheitsprävention im Mainz und Umgebung“. Wichtig war ihm auch die Einrichtung eines muslimischen Gräberfeldes auf dem Mombacher Waldfriedhof.[4]

Zitat

„Mein Vaterland ist die Türkei, mein Mutterland ist Deutschland.“

Yılmaz Atalay

Ehrungen

Mainzer Pfennig

Für sein soziales Engagement überreichte ihm der damalige Oberbürgermeister Jens Beutel (SPD) 2009 den „Mainzer Pfennig“.

Ufer

Der Antrag, eine Straße nach Yılmaz Atalay zu benennen, war zum ersten Mal im Herbst 2022 auf der Tagesordnung des Ortsbeirats Mainz-Neustadt. Damals wurde er von den anderen Fraktionen vertagt und von der SPD-Fraktion Anfang 2024 wieder auf die Tagesordnung gesetzt.[5][6][7]

Mit der Benennung eines Uferweg auf der Nordmole im Mainzer Zollhafen soll an seinen großen Einsatz für die Integration von türkischen und muslimischen Menschen erinnert werden, sagte die Mainzer Bau- und Kulturdezernentin Marianne Grosse bei der Enthüllung des Straßenschildes am 22. Oktober 2025.

Zum ersten Mal wurde in Mainz eine Straße nach einer Person mit türkischem Migrationshintergrund benannt.

„Yılmaz Atalay hat wie kaum ein anderer für das Miteinander, den Respekt und die Verständigung zwischen den Kulturen gestanden. Dass der Uferweg jetzt seinen Namen trägt, ist eine Bereicherung für das Mainzer Stadtbild“, sagte Kathleen Herr, Fraktionsvorsitzende der SPD-Stadtratsfraktion.[8][9][10][11]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. https://www.zeitzeugen-portal.de/personen/zeitzeuge/yilmaz_atalay
  2. Herausforderung Wohnungssuche
  3. "Integration muss aus der Seele kommen" Serie Gastarbeiter vom 14. April 2009
  4. Mainzer, Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter der ersten Generation; Seite 17
  5. Neustadt-Ortsbeirat beschließt Nordmolen-Ufer-Benennung nach Yilmaz Atalay auf sensor-magazin.de vom 24. Januar 2024
  6. Rheinufer-Abschnitt in Mainz soll nach Yılmaz Atalay benannt werden auf merkurist.de vom 26. Januar 2024
  7. SPD-Initiative erfolgreich: Neustadt-Ortsbeirat beschließt Nordmolen-Ufer-Benennung nach Yılmaz Atalay auf spd-mainzneustadt.de vom 26. Januar 2024
  8. Rheinufer-Abschnitt in Mainz nach Yılmaz Atalay benannt – Noch nie trug in Mainz eine Straße den Namen einer Person mit türkischem Migrationshintergrund – bis heute. Denn am Mittwoch wurde das Yılmaz-Atalay-Ufer auf der Nordmole offiziell eingeweiht. merkurist.de vom
  9. Ehrung für einen Türken, der in Mainz seine zweite Heimat fand – Ein Abschnitt des Mainzer Rheinufers ist nach Yılmaz Atalay benannt worden. Er war einer der ersten "Gastarbeiter" aus der Türkei und setzte sich jahrzehntelang für Integration ein. swr.de vom 23. Oktober 2025
  10. Yılmaz-Atalay-Ufer Neuer Straßenname in Mainz erinnert an türkischen "Gastarbeiter" – Ein Abschnitt des Mainzer Rheinufers ist nach Yılmaz Atalay benannt worden. Er war einer der ersten "Gastarbeiter" aus der Türkei und setzte sich jahrzehntelang für Integration ein. swr.de vom 22. Oktober 2025, 18:03 Uhr
  11. Uferweg auf der Nordmole trägt nun den Namen von Yilmaz Atalay: „Eine Bereicherung für das Mainzer Stadtbild“