Women’s Active Museum on war and peace

Women's Active Museum on war and peace
女たちの戦争と平和資料館
Daten
Ort Nishiwaseda, Shinjuku, Präfektur Tokio
Art
Historisches Museum, Archiv
Eröffnung 1. August 2005
Betreiber
Women’s Fund for Peace and Human Rights
Leitung
Nishino Rumiko
Website

Das Women's Active Museum on war and peace (japanisch 女たちの戦争と平和資料館, Onnatachi no sensō to heiwa shiryōkan, kurz WAM) ist ein historisches Museum und Archiv im Stadtbezirk Shinjuku in der Präfektur Tokio, das sich thematisch mit sexueller Gewalt gegen Frauen im Krieg und mit dem Schicksal sogenannter Trostfrauen beschäftigt. Das Museum wurde am 1. August 2005 eröffnet. Der Betreiber ist die Stiftung „Women’s Fund for Peace and Human Rights“. Die Rechtsform des Museums ist die einer Nonprofit-Organisation.

Überblick

Die Gründung des Museums geht zurück auf die Journalistin und Frauenrechtsaktivistin Yayori Matsui (1934–2002). Yayori arbeitete von 1961 bis 1994 für die Asahi Shimbun und schrieb zahlreiche Artikel zur Gleichstellung der Geschlechter. Sie war unermüdlich darin insbesondere das Schicksal der Trostfrauen im Zweiten Weltkrieg und damit die Schuld für die sexuelle Versklavung von Frauen durch das japanische Militär anzuprangern und öffentlich zu machen. Diese Verbrechen waren nicht Gegenstand der Tokioter Prozesse von 1946, in denen der Kaiser als oberster Befehlshaber des Militärs freigesprochen wurde. Bis heute werden diese Verbrechen kaum thematisiert und verharmlost. Ihre Arbeit gipfelte 2000 im Women's International War Crimes Tribunal on Japan's Military Sexual Slavery (女性国際戦犯法廷), einem nicht staatlich organisierten Gerichtsprozess, der den Opfern Gehör verschaffte und Kaiser Hirohito als Kriegsverbrecher schuldig sprach.[1][2] Der Prozess verstand sich explizit als Wiedereröffnung des Tokioter Kriegsverbrechertribunals der 40er Jahre.

Yayoris Blick war nicht nur auf die Vergangenheit gerichtet. Sie setzte sich auch aktiv gegen den Sextourismus der Gegenwart in Asien ein. Sie richtete die Stiftung ein, die mit 100 Mio. Yen ausgestattet und die Grundlage zur Gründung des Museums wurde. Ihr letzter Wille war es, dass das Museum ihre Arbeit fortsetzt, indem ein Ort geschaffen wird, der als Anlaufstelle dient, an dem die Vorgänge der Vergangenheit und Gegenwart der Öffentlichkeit zugänglich und sichtbar gemacht werden und das als Dokumentationszentrum fungiert.

Die Zielsetzung des Museums ist in den folgenden fünf Grundsätzen festgelegt:

  • Schwerpunkt auf Gewalt in Kriegszeiten mit der Zielsetzung, dass Gerechtigkeit unabhängig von Geschlechtsunterschieden allgemeingültig ist.
  • Sammlung und Ausstellung von Informationen über einzelne Opfer und Klärung der Verantwortlichkeit.
  • Einrichtung eines weltweiten proaktiven Netzwerks, um eine Welt zu ermöglichen, die frei von Gewalt ist.
  • Festigung des Netzwerks, damit es nicht von staatlicher Macht abhängt.
  • Beförderung grenzüberschreitender Solidarität.[3]

Einrichtung

Das Museum befindet sich im zweiten Stock des Avaco Gebäudes. Gegenwärtig ist die Journalistin Nishino Rumiko (* 1952) Direktorin des Museums. Die Innenausstattung des Archivs wurde von der Architektin Reiko Tomita (* 1938) entworfen. Das Museum vergab von seiner Gründung 2005 bis 2014 den Yayori-Preis (Yayori Award) für den Einsatz für Frauenrechte.[4]

Kurz nach der Eröffnung des Museums besuchte Noboyuki Suzuki, Abgeordneter der rechten, nationalkonservativen Partei (National Party of Japan) das Museum. Er protestierte dagegen die Liancourt-Felsen (jap. Takeshima), um die es seit langer Zeit einen Territorialstreit zwischen Japan und Korea gibt, mit dem Thema Trostfrauen in Verbindung zu bringen. Er zitierte die Aufschrift der Takeshima-Stele.

「竹島は日本固有の領土」

„Takeshima wa Nihon koyū no ryōdo“

„Takeshima war schon immer japanisches (Hoheits)Gebiet.“

Weblio: https://www.weblio.jp/content/竹島の碑

Ausstellungen

Das Museum zeigt eine Dauerausstellung mit ca. 150 Porträts von Opfern und Überlebenden sexualisierter Gewalt. Voraussetzung ist die Einwilligung jeder einzelnen in diesem Raum porträtierten Frau. Die Ausstellung ist so aufbereitet, dass sie auch für Schulklassen der Mittelschule geeignet ist.

Ein zweiter Ausstellungsraum zeigt eine Wechselausstellung, die sich einmal jährlich ändert. Schwerpunkt dieses Ausstellungsraums sind die Themen Trostfrauen und das Gerichtsverfahren von 2000. Zudem beschäftigt sich dieser Raum mit Soldatenbordellen für Trostfrauen in ganz Asien.

Neben einem Raum mit Informationsmaterialien verschiedener NGOs und Veröffentlichungen, die man nicht in Buchläden findet, ist ein Raum des Museums dem Leben und Schaffen von Yayori Matsui gewidmet. Außerdem besitzt das Museum eine Bibliothek mit fachspezifischen Publikationen, Aufnahmen von NHK zum Gerichtsprozess und Berichte über Aktivitäten von Unterstützergruppen.[5]

Wechselausstellungen (Beispiele)

  • 16. Ausstellung zu japanischem Kolonialismus, koreanischen Trostfrauen und der Schlacht um die Insel Ganghwa 1875[6]
  • 15. Ausstellung zur staatlichen Diskriminierung und Tabuisierung der Verbrechen in der japanischen Gesellschaft[7]
  • 11. Ausstellung zum Thema Trostfrauen in Taiwan während des Ersten Japanisch-Chinesischen Kriegs, 1894[8]
  • 10. Ausstellung zum Thema Schlacht um Okinawa und dem bestehenden Problem sexueller Übergriffe auf Frauen in Okinawa durch amerikanische Militärangehörige[9]

Weitere Einrichtungen

  • Museum für die Grundrechte von Frauen im Krieg („War and Women's Human Rights Museum“) im Stadtteil Mapo-gu in Seoul, eröffnet im Mai 2012.[10]
  • Ama Museum für Frieden und Menschenrechte von Frauen in Taipeh, Taiwan, eröffnet 2004.[11]
  • Museum zur Geschichte chinesischer Trostfrauen und Ausstellungspavillon zu historischen Soldatenbordellen in Nanjing, China, eröffnet 2005.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Sexuelle Versklavung: Tribunal verurteilt Japan. TAZ, abgerufen am 20. Dezember 2025.
  2. Tribunal hält Kaiser Hirohito für schuldig. Rheinische Post, abgerufen am 20. Dezember 2025.
  3. About us. Women's Active Museum on war and peace, abgerufen am 20. Dezember 2025 (englisch).
  4. The Recipients of Yayori Award / Yayori Journalist Award. Women's Fund for Peace and Human Rights, abgerufen am 20. Dezember 2025 (englisch, Liste der Preisträgerinnen).
  5. Floor map. Women's Active Museum on war and peace, abgerufen am 20. Dezember 2025 (englisch).
  6. Listening to Korean ‘Comfort Women’: Effort to Take Responsibility for Japan’s Colonialism. WAM, abgerufen am 20. Dezember 2025 (englisch).
  7. The Silence of Japanese “Comfort Women”: State-Controlled Sexuality. WAM, abgerufen am 20. Dezember 2025 (englisch).
  8. Taiwan “Comfort Women” Testimonies: How Ah-ma were Made into Japanese. WAM, abgerufen am 20. Dezember 2025 (englisch).
  9. Military Does Not Protect Women: Okinawa, Japan’s Military Comfort Stations and Sexual Violence by the US Military. WAM, abgerufen am 20. Dezember 2025 (englisch).
  10. War and Women's Human Rights Museum. dasselbe, abgerufen am 20. Dezember 2025 (In Koreanisch, Japanisch und Englisch).
  11. Ama Museum. dasselbe, abgerufen am 20. Dezember 2025 (englisch).

Koordinaten: 35° 42′ 29″ N, 139° 43′ 0″ O