Wolseley 18/85

Wolseley
Wolseley 18/85 (1968)
18/85
Six
Produktionszeitraum 1967–1975
Klasse Mittelklasse
Karosserieversionen Limousine
Motoren Ottomotoren:
1,8 Liter und 2,2 Liter
Länge 4190 mm
Breite 1690 mm
Höhe 1400 mm
Radstand 2690 mm
Leergewicht 1190 kg

Vorgängermodell Wolseley 16/60
Nachfolgemodell Wolseley

Der Wolseley 18/85 ist eine viertürige Limousine des britischen Automobilherstellers British Motor Corporation (BMC), die von 1967 bis 1972 unter der Marke Wolseley vor allem auf den britischen Inseln verkauft wurde. Von 1972 bis 1975 stand das Auto mit einem größeren Sechszylindermotor unter der Bezeichnung Wolseley Six im Programm. Die Wolseleys gehören zur BMC-Familie ADO17. Schwestermodelle gab es in der gleichen Zeit bei den Konzernmarken Austin und Morris. Von ihnen unterschied sich der Wolseley abgesehen von Designdetails vor allem durch eine wesentlich bessere Ausstattung.

Entstehungsgeschichte

BMC war im Mittelklassesegment seit 1958 mit den konventionell konstruierten, von Pininfarina gestalteten Modellen der AD09/ADO38-Reihe vertreten, die unter den Marken Austin, Morris, Riley und Wolseley verkauft wurden. Die Wolseley-Variante trug die Bezeichnung 15/60 bzw. – ab 1961 – 16/60. Diese konservativen Modelle standen im konzeptionellen Widerspruch zum innovativen, von Alec Issigonis entwickelten Kleinwagen Mini und der nach änhlichen Merkmalen konstruierten, etwas größeren ADO16-Reihe.

Wegen des Erfolges des Mini entschied sich BMC 1959 dazu, die landläufig Farina Saloons genannten hinterradgetriebenen Mittelklassemodelle der AD09/ADO38-Reihe durch eine neue Modellfamilie zu ersetzen, die ihrerseits dem Issigonis-Konzept folgte.[1] Dessen Kernelemente waren vorn quer eingebaute Vierzylindermotoren, Frontantrieb und ein langer Radstand mit knappen Überhängen vorn und hinten. Auf dieser Grundlage entstand BMCs ADO17-Reihe, die 1964 auf den Markt kam. Wegen ihres ungewöhnlichen Profils erhielt sie inoffiziell den Beinamen Landcrab (Landkrabbe). Die Autos wurden ab 1964 als Austin 1800 und ab 1965 auch als Morris 1800 verkauft. Im März 1967 kam als luxuriöseste Ausführung schließlich eine Wolseley-Variante hinzu,[2] die die bereits in der Zwischenkriegszeit verwendete Bezeichnung 18/85 erhielt. Eine Riley-Version gab es nicht mehr.[Anm. 1] Die Aufteilung auf verschiedene Marken hatte ihren Grund vor allem darin, dass BMC für die Konzernmarken ungeachtet der lange zurückliegenden Fusion der Hersteller noch immer eigenständige Händlernetze unterhielt. Nach Markteinführung der neuen ADO17-Modelle verkaufte sich die alte, konventionell gestaltete AD09/ADO38-Reihe weiterhin gut, nicht zuletzt deshalb, weil die alte Reihe zu deutlich günstigeren Preisen verkauft wurde als die ADO17-Autos.[1] BMC stellte den AD09/ADO38 deshalb nicht wie ursprünglich geplant Mitte der 1960er-Jahre ein, sondern führte die Produktion parallel zur neuen Landcrab-Reihe bis 1971 fort. Für Wolseley bedeutete das, dass der neue 18/75 neben dem alten 16/60 erhältlich war. Damit standen bei Wolseley ebenso wie bei den Schwestermarken im gleichen Marktsegment bis 1971 zwei völlig unterschiedliche Autos im Programm.

Zum Modelljahr 1972 nahm BMC einen Reihensechszylindermotor in die Landcrab-Reihe auf. Bei den Marken Austin und Morris war er alternativ zum bisherigen Vierzylindermotor erhältlich, während bei Wolseley der Vierzylindermotor gestrichen und der Sechszylindermotor zur einzigen Antriebsquelle wurde. In dieser Form erhielt das Auto die Bezeichnung Wolseley Six.

Anfang 1975 löste BLMC die Landcrab-Reihe durch den neu konstruierten BLMC ADO71 ab, eine keilförmig gestaltete Schräghecklimousine, die inoffiziell als Wegde (Keil) bezeichnet wurde. Anfangs waren wiederum Varianten der Marken Austin, Morris und Wolseley erhältlich, wobei das Spitzenmodell ohne eigene Modellbezeichnung als Wolseley verkauft wurde. Bereits sieben Monate nach Einführung des ADO71 gab BLMC die Differenzierung in unterschiedliche Markenversionen auf; anstelle der Austin-, Morris- und Wolseley-Varianten, die eingestellt wurden, gab es den ADO71 ab Oktober 1975 nur noch unter der neu etablierten Marke Princess.

Modellbeschreibung Wolseley 18/85

Karosserie

Wolseley 18/85 (1969)

Der Karosseriekörper des Wolseley 18/85 entspricht denen seiner Parallelmodelle von Austin und Morris. Ein besonderes Designmerkmal aller ADO17-Limousinen ist neben seinem langen Radstand die großflächig verglaste Fahrgastzelle. Der ADO17 hat sehr dünne Fahrzeugsäulen. Auch der Raum zwischen den hinteren Türen und der D-Säule ist verglast. Die D-Säule fußt hinter der Hinterachslinie. Daran schließt sich ein sehr kurzer Kofferraum mit angedeutetem Stufenheck an, der in der Literatur gelegentlich als Stummelheck bezeichnet wird.

Der Wolseley hat eine andere Frontmaske als seine Schwestermodelle. Dem 18/85 fehlt die große, fast die ganze Wagenfront einnehmende Kühlluftöffnung mit waagerechter Verkleidung. Stattdessen hat der Wolseley eine in Wagenfarbe lackierte Verkleidung aus Metall mit einer stilisierten Kühlermaske aus Edelstahl in der Mitte. Die Kühlluftöffnung trägt senkrechte Streben. In der Mitte ist ein Wolseley-Emblem eingelassen, das, der Markentradition entsprechend, beleuchtet ist. Die Rückleuchten des Wolseley weichen ebenfalls von den Austin- und Morris-Ausführungen ab.

Motorisierung

Wie bei allen Varianten des ADO17 ist der Motor im Wolseley 18/85 vorn quer eingebaut; er liegt vor der Vorderachse.

Serienmäßig war der Wolseley 18/85 mit einem Vierzylinder-Ottomotor aus der BMC-B-Serie mit 1798 cm³ Hubraum ausgestattet, der ursprünglich für den Einsatz im Sportwagen MGB konstruiert worden war. Im Wolseley hat der Motor einen Einfachvergaser. In den ersten Jahren lag die Höchstleistung bei 62 kW (84 bhp, 85 PS); ab Sommer 1968 wurde die Leistung durch Detailarbeiten am Motor, zu denen größere Einlassventile und eine höhere Verdichtung gehörten, auf 64 kW (86 bhp; 88 PS) erhöht.[3] Auf Wunsch war ab 1969 der leistungsstärkere Wolseley 18/85S mit Doppelvergaser erhältlich, der auf 72 kW (96 bhp; 97 PS) kam.[4][2]

Ausstattung

Der Wolseley 18/85 war besser ausgestattet als seine Schwestermodelle. Zur Ausstattung zählte unter anderem eine neu konstruierte Servolenkung und eine wahlweise erhältliche Getriebeautomatik (Borg-Warner).[5] Der Instrumententräger ist mit Echtholzeinlagen verkleidet. In der ersten, bis 1968 produzierten Serie waren die Sitze mit Leder bezogen, danach mit Lederimitat.

Modellbeschreibung Wolseley Six

Zum Modelljahr 1972 ersetzte Wolseley den 18/85 durch das Modell Six. Der wesentliche technische Unterschied betrifft die Motorisierung: Anders als bei den Schwestermodellen entfiel der bis dahin angebotene Vierzylindermotor. Im Six kommt ein 2224 cm³ großer Reihensechszylindermotor zum Einsatz, der 82 kW (110 bhp; 112 PS) leistet.

Äußerlich erhielt der Six auf beiden Seiten der Kühlermaske vier statt bisher drei waagerechte Zierleisten oberhalb der Stoßstange. Weitere stilistische Änderungen brachte der Modellwechsel im äußeren Bereich nicht. Im Interieur traten Sitzbezüge aus Nylon an die Stelle der bisherigen Kunstlederbezüge.

Produktion

BMC setzte in acht Jahren etwas mehr als 60.000 Wolseleys der Baureihen 18/85 und Six ab. Damit ist der Wolseley die am seltensten produzierte Variante des ADO17.

Produktionszahlen
Wolseley 18/85 und Wolseley Six und Schwestermodelle
Marke Wolseley Austin Morris
Modell 18/85 Six 1800 2200 1800 2200
Bauzeit 1967–1972 1972–1975 1964–1975 1972–1975 1966–1975 1972–1975
Stückzahl 35.597 25.214 221.000 105.000

Literatur

  • David Culshaw, Peter Horrobin: The Complete Catalogue of British Cars 1895–1975. Veloce Publishing PLC, Dorchester 1997, ISBN 1-874105-93-6
  • James Taylor: British Leyland. The Cars, 1968-1986, Crowood Press, 2018, ISBN 9781785003929.
  • James Taylor: Landcrabs and 3-Litres. BMC 1800, 2200 (ADO17) and 3-litre (ADO61) Cars, Amberley Publishing, 2025, ISBN 9781398121607.
Commons: Wolseley 18/85 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Wolseley Six – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. 1966 gab es Planungen für eine Riley-Version, und in dieser Zeit entstanden auch einige Prototypen. Die Serienfertigung des Riley wurde aber nicht aufgenommen, weil das Auto zu dicht am Wolseley 18/85 positioniert gewesen wäre. Vgl. Keith Adams: The cars : BMC 1800 (ADO17) development story. www.aronline.co.uk, 25. Juli 2025, abgerufen am 3. Dezember 2025.

Einzelnachweise

  1. a b Keith Adams: The cars : BMC 1800 (ADO17) development story. www.aronline.co.uk, 25. Juli 2025, abgerufen am 3. Dezember 2025.
  2. a b James Taylor: Landcrabs and 3-Litres. BMC 1800, 2200 (ADO17) and 3-litre (ADO61) Cars, Amberley Publishing, 2025, ISBN 9781398121607.
  3. Daten für das baugleiche Parallelmodell Austin 1800 nach https://www.automobile-catalog.com/model/austin/1800-2200.html automobile-catalog.com (abgerufen am 3. Dezember 2025).
  4. Beschreibung des Wolseley 18/85 auf der Internetseite des Wolseley Registers (abgerufen am 3. Dezember 2025).
  5. 1800 mit Frontantrieb und Automatik. In: Kraftfahrzeugtechnik. 6/1967, S. 186