Wolfram Sangmeister

Wolfram Sangmeister (* 1. Dezember 1912 in Berlin; † 1978) war ein deutscher Landeskriminaldirektor des LKA Berlin.

Leben

Sangmeister stammte aus einer bürgerlichen Familie. In Berlin besuchte er das Gymnasium in Steglitz und studierte Jura. 1933 wurde er Mitglied von NSDAP und SA. 1939 machte Sangmeister sein Assessorexamen. Von 1939 bis 1941 wirkte er als Leiter der Rechtsabteilung und Handlungsbevollmächtigter bei der Deutschen Umsiedlungs-Treuhand. Ab 1941 war er Soldat im Zweiten Weltkrieg.[1]

1949 kehrte Sangmeister aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft heim. Im Dezember 1949 wurde Sangmeister Justitiar in der Verwaltung der Berliner Polizei, im Herbst 1950 dann deren Leiter. 1952 wurde er zum Chef der Berliner Kriminalpolizei ernannt, bis 1968 blieb er in diesem Amt.

In seiner Position als Chef des West-Berliner LKA machte sich Sangmeister wegen seiner Neuausrichtung der polizeilichen Verfolgung der Homosexualität einen Namen. Er setzte sich Ende der 1950er-Jahre öffentlich für eine Entkriminalisierung der Homosexualität ein. Dabei ging es Sangmeister um eine strategische Entlastung der Polizeiarbeit, um stärker gegen männliche Prostituierte vorgehen zu können, die er pauschal für „gemütskalte Psychopathen“ und „kalblütige Gewaltverbrecher“ hielt. Die Zahl der Berliner männlichen Prostituierte bezifferte er auf rund 3000, während seine eigene Kriminalpolizei lediglich 1500 registriert hatte und die Zahl der aktiven Prostituierten auf 350 bis 500 schätzte. In der Folge war in Berlin die „einfache Homosexualität“ unter Erwachsenen nur relativ selten effektiver Strafverfolgung ausgesetzt, während die Verfolgung in West-Deutschland intensiviert wurde. Sangmeister rechtfertigte die Strategie, nicht gleichmäßig gegen alle Verstöße gegen den § 175 Strafgesetzbuch vorzugehen, damit, „daß die Homosexualität weit verbreitet“ sei, und dennoch „in den letzten Jahren in Westberlin nur je 150 bis 180 Fälle von den Gerichten verfolgt wurden“.[2] Die Springer-Presse konstatierte 1967, West-Berlin sei zur „heimliche[n] Hauptstadt der ‚anderen‘“ geworden, in der sich „Treffpunktlokale“ sowie das „Strichjungen-Unwesen“ „sprunghaft“ vermehrt hätten und viele Homosexuelle zugewandert seien.[3]

Literatur

Einzelnachweise

  1. Andrea Rottmann: Gefährdete Geselligkeit. Queeres Nachtleben in West-Berlin zwischen Überschwang, Überwachung und Überfall, 1945–1970. In: Teresa Walch, Sagi Schaefer, Galili Shahar (Hrsg.): Räume der deutschen Geschichte. (= Tel Aviver Jahrbuch für deutsche Geschichte 49). Wallstein, Göttingen 2022, S. 217–165, hier S. 234.
  2. Michael Schwartz: Lebenssituationen homosexueller Männer im geteilten Berlin 1949 bis 1969. In: Bernhard Gotto u. Elke Seefried (Hrsg.): Männer mit „Makel“. Männlichkeiten und gesellschaftlicher Wandel in der frühen Bundesrepublik. De Gruyter Oldenbourg, München 2017, S. 88–103, hier S. 97 f.
  3. Michael Schwartz: Lebenssituationen homosexueller Männer im geteilten Berlin 1949 bis 1969. In: Bernhard Gotto u. Elke Seefried (Hrsg.): Männer mit „Makel“. Männlichkeiten und gesellschaftlicher Wandel in der frühen Bundesrepublik. De Gruyter Oldenbourg, München 2017, S. 88–103, hier S. 98 f.