Wolfgangkirche (Hoheneck)
Die evangelische Wolfgangkirche steht in Hoheneck, einem Stadtteil der Kreisstadt Ludwigsburg im Landkreis Ludwigsburg in Baden-Württemberg. Das Bauwerk ist beim Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg als Baudenkmal eingetragen. Die Kirchengemeinde gehört zum Kirchenbezirk Ludwigsburg der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.
Ortsgeschichte
Die erste Erwähnung einer Siedlung bei der Burg „Hohenegge“ datiert auf das Jahr 1291.[1] Durch die Heirat mit Anna von Hoheneck gelangte Johann von Rechberg-Bargau zeitweilig in den Besitz von Teilen der Burg und des Ortes. Er ließ um 1340 die Siedlung mit drei Toren ummauern und durch zwei Schenkelmauern mit der Burg verbinden. Aus ihrem Heiratsgut stiftete das Ehepaar Frucht- und Weingülten aus Benningen an die Dominikaner von Schwäbisch Gmünd.[2] 1345 erhoben die Hacken von Hoheneck den Ort mit Zustimmung der badischen Markgrafen zur Stadt. Nachdem die Württemberger mit ihrer zielstrebigen Territorialpolitik bereits im Jahr 1360 Rechte an der Burg und der Stadt erworben hatten, die sie weiterhin an die Hacken verpfändeten, ging Hoheneck vermutlich schon Ende des 14. Jahrhunderts ganz in den Besitz der Grafen von Württemberg über. Die Pfandschaft der Herren von Hack über Hoheneck ging dann 1432 an den württembergischen Landhofmeister Albrecht von Speth über. 1496 wurde das badische Obereigentum abgelöst und Hoheneck gehörte endgültig zu Württemberg. Die Burg wurde scheinbar nicht mehr genutzt und zerfiel.[3] Unter württembergischer Herrschaft wurde das Amt Hoheneck gebildet. Dazu gehörten u. a. auch Neckarweihingen und Hochberg.
Baugeschichte
Die Wolfgangkirche mit dem Patrozinium des Hl. Wolfgang, Bischofs von Regensburg wurde Ende des 15. Jahrhunderts erbaut. Man kann mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass die Kirche 1496 schon eingeweiht war. Denkbar ist, dass sie am 31. Oktober 1494, am 500. Todestag von Bischof Wolfgang, geweiht wurde. Da sie eine Filialkirche von Neckarweihingen war, erhielt sie statt eines Turmes nur einen Dachreiter. Die Saalkirche besteht aus einem Langhaus und einem eingezogenen Chor mit Fünfachtelschluss im Osten, der von Strebepfeilern gestützt wird. Aus dem Dach des Chors erhebt sich der quadratische, mit einem spitzen Helm bedeckte Dachreiter, der die Turmuhr und den Glockenstuhl beherbergt. Vom spätestens 1496 fertiggestellten Chor aus nach Norden gelang man in einen offenbar älteren Raum, der als Sakristei dient. Ob es sich dabei um die vermutete ältere Hohenecker Marienkapelle handelt, lässt sich nicht sicher belegen. Ein Hinweis darauf könnte das steinerne Türgewände des gotischen Sakristeineingangs mit der Jahreszahl 1378 sein, dessen profilierte senkrechte Rundstäbe oben am Türsturz durch einen krummen Stab quer gekreuzt werden. Der Dreißigjährige Krieg brachte im Jahr 1634 erhebliche Schäden am Kirchenbau, die erst nach Kriegsende behoben werden konnten. Spätere Kirchenrenovierungen sind von 1899 und 1954 (lange nach dem Verlust der Chorfenster-Glasgemälde durch Kriegseinwirkung) bekannt, die letzte Renovierung des Dachreiters erfolgte 1999/2000.
Ausstattung
Der spätgotische Chorraum ist mit einem schönen Kreuzrippengewölbe ausgestattet. Dessen vier Schlusssteine zeigen Maria als Himmelskönigin mit dem Jesuskind, Bischof Wolfgang von Regensburg mit Bischofsstab, Beil und der Hohenecker Kirche, das Wappen der damaligen Burgherren (bis 1496) Speth und ein Steinmetzzeichen, das auch im Turm der Alexanderkirche in Marbach zu finden ist. Die Renaissancekanzel und die Westempore stammen aus dem Jahre 1662. 1973 wurde bis auf ein neben der Sakristeitür verbliebenes Exemplar das neugotische Chorgestühl von 1899 entfernt. In den beiden Nischen der Vorhalle vor dem Westeingang stehen zwei denkmalgeschützte, ursprünglich nebeneinander stehende Epitaphien. Sie wurden 1985 zum Schutz vor weiterem Zerfall von der 10 Meter nordwestlich gelegenen Kapffschen Gruft hier hergebracht. Pfarrer Kapff wirkte von 1696 bis 1741 in Hoheneck und erbaute das mit seinem Wappen verzierte Haus Obere Gasse 10/12. Von 1737 bis 1741 war der bekannte spätere Pfarrer Johann Friedrich Flattich als Vikar bei ihm tätig.
Ein neuer Taufstein kam 1947 und der Altar aus Sandstein 1954 in die Kirche.
Die Orgel wurde 1973 als Opus 5647 von E. F. Walcker & Cie. errichtet[4] und im Chorraum aufgestellt. Es ist eine zweimanualige Orgel mit 13 Registern, Schleifladen und mechanischer Spiel- und Registertraktur.
Literatur
- Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Baden-Württemberg I, Regierungsbezirke Stuttgart und Karlsruhe. Deutscher Kunstverlag, München 1993, S. 366.
- Faltblatt: Die Ev. Kirchengemeinde Ludwigsburg-Hoheneck und ihre Wolfgangkirche; hg. Ev. Pfarramt Ludwigsburg-Hoheneck, Ludwigsburg o. J.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Wirtembergisches Urkundenbuch. Band IX, Nr. 4106. Stuttgart 1907, S. 447 f. (Digitalisat, Onlineausgabe)
- ↑ Rink, Joseph Alois, Familiengeschichte der Grafen und Herren von Rechberg und Rothenlöwen Teil 1, Abschnitt 4, Absatz 4, § 3 – Von Ulrich II zu Hohenstaufen und dessen Nachkommen (Manuskript)
- ↑ Siehe: Landesarchiv Stuttgart, Bestand A 602, Nr. 9577 = WR 9577 und ebenda: Bestand A 602 Nr. 9578 = WR 9578
- ↑ Information zur Orgel auf Organ index, abgerufen am 19. Februar 2024.
Koordinaten: 48° 54′ 54,5″ N, 9° 12′ 40,3″ O