Wolfgang Windelband

Wolfgang Windelband (* 31. August 1886 in Straßburg; † 3. Februar 1945 in Halle/S.) war ein deutscher Historiker, Hochschullehrer und Ministerialbeamter.[1][2][3]

Leben und Wirken

Wolfgang Windelband, ein Sohn des Philosophen Wilhelm Windelband, legte seine Reifeprüfung 1903 in Straßburg ab. Anschließend studierte er Geschichte, Klassische Philologie und Romanistik an den Universitäten Heidelberg, Berlin, Straßburg und Freiburg/Br. Im Jahre 1908 promovierte er bei Erich Marcks an der Universität Heidelberg. Zunächst arbeitete er im Archivdienst am Generallandesarchiv in Karlsruhe. Im Jahre 1914 habilitierte er sich an der Universität Heidelberg für Neuere Geschichte. Während des Ersten Weltkriegs war er Soldat. In Heidelberg lehrte er anschließend als Privatdozent, seit 1921 als außerplanmäßiger Professor. 1922 folgte eine Lehrtätigkeit an der Technischen Hochschule Darmstadt. Politisch war er nationalliberal orientiert und gehörte bis 1925 der Deutschen Volkspartei an. 1925 erhielt er einen Ruf als ordentlicher Professor an die Universität Königsberg. Im darauf folgenden Jahr (1926) gab Windelband seine Professur in Königsberg auf, weil er zum Ministerialrat im Preußischen Unterrichtsministerium ernannt wurde. Zugleich wurde er Honorarprofessor an der Universität Berlin. 1933 wurde daraus eine ordentliche Professur. Im November 1935 erfolgte seine wohl aus politischen Gründen erfolgte Versetzung auf eine Professur an der Universität Halle. Aus "gesundheitlichen Gründen" ließ er sich jedoch im gleichen Monat beurlauben. Im folgenden Jahr (1936) wurde er dann entpflichtet.[4] 1942 hielt er sich im Auftrag der Archivkommission des Auswärtigen Amtes in Paris auf.

Wolfgang Windelband veröffentlichte zunächst mehrere Arbeiten über die Markgrafschaft Baden Ende des 18./Anfang des 19. Jahrhunderts. Später arbeitete er vor allem über die Außenpolitik der Großmächte und über Otto von Bismarck, dessen Briefe er herausgab.

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Badens Erwerbungen in den Koalitionskriegen (1795 bis 1805). Laupp, Tübingen 1908 (= Dissertation Universität Heidelberg).
  • Der Anfall des Breisgaus an Baden. Mohr, Tübingen 1908.
  • Staat und katholische Kirche in der Markgrafschaft Baden zur Zeit Karl Friedrichs. Mohr, Tübingen 1912 (= Habilitationsschrift Universität Heidelberg).
  • Badische Finanz- und Wirtschaftspolitik zur Zeit des Markgrafen Karl Friedrich. Ohlenroth, Erfurt 1916.
  • (Hrsg., mit Bruno Bauch): Wilhelm Windelband / Geschichtsphilosophie. Eine Kriegsvorlesung. Fragment aus dem Nachlass (= Kant-Studien, Ergänzungshefte, Bd. 38). Reuther & Reichard, Berlin 1916 (Reprint: Topos, Vaduz 1981, ISBN 3-289-00200-4).
  • (Bearb.): Die Verwaltung der Markgrafschaft Baden zur Zeit Karl Friedrichs. Quelle & Meyer, Heidelberg 1916.
  • Herbert von Bismarck als Mitarbeiter seines Vaters. In: Deutsche Revue, Bd. 46 (1921), S. 193–237.
  • Die auswärtige Politik der Großmächte in der Neuzeit (1494–1919). Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1922 (3. überarb. Aufl. 1936, 6. Aufl. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1964).
  • (Hrsg.): Bismarcks Briefe an seinen Sohn Wilhelm. Verlag für Politik u. Wirtschaft, Berlin 1922.
  • Bismarck und Versailles. Bruckmann, München 1925.
  • Grundzüge der Außenpolitik seit 1871. Zentralverlag, Berlin 1926.
  • (Hrsg.): Otto von Bismarck / Die gesammelten Werke. Bd. 14,1 u. 14,2: Briefe. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1933.
  • Gestalten und Probleme der Außenpolitik. Reden und Aufsätze aus vier Jahrhunderten. Essener Verlags-Anstalt. Berlin/Essen 1937.
  • Berlin, Madrid, Rom. Bismarck und die Reise des Deutschen Kronprinzen 1883 auf Grund unveröffentlichter Akten. Essener Verlags-Anstalt, Berlin/Essen 1939.
  • Bismarck und die Politik der europäischen Großmächte 1879–1895 auf Grund unveröffentlicher Akten. Essener Verlags-Anstalt, Essen 1940.

Einzelnachweise

  1. Windelband, Wolfgang. In: Wolfgang Weber: Biographisches Lexikon zur Geschichtswissenschaft in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Lehrstuhlinhaber für Geschichte von den Anfängen des Faches bis 1970. 2. Aufl. Lang, Frankfurt/M. 1987, S. 665 f., ISBN 3-8204-1051-1
  2. Windelband, Wolfgang. In: Hessische Biographie, abgerufen am 21. November 2025
  3. Wolfgang Windelband. In: Catalogus Professorum Halensis, abgerufen am 21. November 2025
  4. Michael Grüttner/Sven Kinas: Die Vertreibung von Wissenschaftlern aus den deutschen Universitäten 1933-1945. In: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, Bd. 55 (2007), H. 1, S. 157f. (Volltext).