Wolfgang Peuker

Wolfgang Peuker (* 27. Mai 1945 in Ústí nad Labem, Tschechoslowakei; † 9. Mai 2001 in Groß Glienicke, Landkreis Potsdam-Mittelmark) war ein deutscher Maler und Graphiker der Leipziger Schule.

Leben

Peukers Familie siedelte 1945 im Zuge der Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei nach Halle (Saale) um. Von 1952 bis 1962 besuchte er dort die Schule. 1957 starb sein Vater. Von 1963 bis 1965 absolvierte Peuker eine Lehre als Offsetdrucker. Daneben besuchte er die Abendschule der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (HGBK). Von 1965 bis 1970 studierte er an der HGBK bei Harry Blume, Hans Mayer-Foreyt, Werner Tübke, Bernhard Heisig und Wolfgang Mattheuer.

Von 1970 bis 1977 war er als freischaffender Künstler in Leipzig und Zwickau tätig. 1983 trat er an der HGBK eine Dozentenstelle an, nachdem er schon seit 1977 dort gelehrt hatte. Er zählt zur Leipziger Schule, speziell zur sachlichen Strömung, die durch Tübke, Mattheuer, Arno Rink u. a. repräsentiert wird. Porträtdarstellungen gehörten zu den Hauptthemen im Gesamtschaffen Peukers. „Im Mittelpunkt meiner Arbeit steht die Dialektik der Bewegungen und Veränderungen im Menschen selbst und in seiner Beziehung zur Umwelt.“[1]

Peuker war bis 1990 Mitglied des Verbands Bildender Künstler der DDR und dort u. a. 1978 bis 1989 stellvertretender Vorsitzender des Bezirksverbandes Leipzig und Mitglied des Zentralvorstandes. Er hatte in der Zeit der DDR im In- und Ausland eine große Zahl von Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen, u. a. von 1972 bis 1988 an VII. bis X. Kunstausstellung der DDR in Dresden und an der Biennale Venedig.

Nach mehreren Auftragswerken in Leipzig und einer längeren Österreichreise wurde Peuker 1993 als Professor an die Kunsthochschule Berlin-Weißensee berufen. Zu seinen Schülern gehörten u. a. Philipp Schack, Matthias Steier, Luise Wagener und seine letzte Meisterschülerin Sandra Rienäcker. Bis zu seinem frühen Tod war Peuker künstlerisch tätig. Er war ab 1990 Mitglied des Künstlersonderbunds in Deutschland.

Peuker war von 1971 bis 1985 mit der Malerin Annette Krisper verheiratet, die seine Kommilitonin war. 1985 trennte er sich von ihr und heiratete Annette Lunow, geborene Meyer, die unter dem Pseudonym Paula Kress selbst malte. Nach schwerer Erkrankung starb sie im Jahr 1996. 1997 lernte er Erika Donner kennen, die ihn bis zu seinem Tod begleitete.

Die Grabstätte Peukers befindet sich auf dem Landschaftsfriedhof Berlin-Gatow.

Ehrungen (mutmaßlich unvollständig)

  • 1976: Preis für Malerei der Ausstellung Junge Künstler der DDR

Museen und öffentliche Sammlungen mit Werken Peukers (unvollständig)

Werkbeispiele

Baugebundene Werke

  • Gemeinsam mit Sighard Gille: Wandgemälde Lied von der Erde im Gewandhaus Leipzig, das allerdings noch vor der Fertigstellung übermalt wurde, weil die lebensgroßen Aktfiguren im Foyer Irritation und Ablehnung hervorriefen. Heute befindet sich dort ein Gemälde Gilles.
  • Deckengemälde für den Bachsaal (heute Sommersaal) des Bosehauses in Leipzig, 1985.
  • Deckengemälde und zwei Tondi im Schloss Allstedt, 1989.

Illustrationen

  • Platon: Atlantismythen. Hrsg.: Bernhard Kytzler (mit Reproduktionen von 15 Federzeichnungen; auch als Vorzugsausgabe mit einer Original-Radierung, Auflage 120 Ex.) B. G. Teubner Verlag, Leipzig 1991, ISBN 978-3-322-00790-2.

Einzelausstellungen seit der deutschen Wiedervereinigung (unvollständig)

  • 1990: Frankfurt am Main, Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath (Ölbilder und Zeichnungen)
  • 1995: Berlin, Haus am Lützowplatz ("Wolfgang Peuker - Schülerinnen & Schüler")
  • 1995: Freising, Kunsthaus Dr. Hans Hartl (Retrospektive zum 50. Geburtstag)
  • 1997/1998: Frankfurt am Main, Galerie Schwind
  • 2002: Berlin, Galerie Brusberg („Berliner Orte“, Bilder aus dem Nachlass)
  • 2004: Berlin, Stadtmuseum Berlin („Das Bild als Welttheater, Lebenswelten, Mensch und Mythos“, Malerei und Zeichnungen)
  • 2005: Leipzig, Galerie am Sachsenplatz
  • 2006: Berlin, Galerie am Savignyplatz
  • 2010: Frankfurt am Main, Galerie Schwind (mit Falk Gernegroß)
  • 2010: Leipzig, Museum der Bildenden Künste (mit Hubertus Giebe)

Literatur

  • Henry Schumann: Ateliergespräche. VEB E.A. Seemann Verlag, Leipzig 1976.
  • Peuker, Wolfgang. In: Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 703/704

Zeitschriften und Kataloge

  • Ina Adler: Blick ins Atelier ‘Wolfgang Peuker‘. In: Bildende Kunst, Berlin, 1976, S. 19–26
  • Eduard Beaucamp: Mauergewalt. Zum Tode des Malers Wolfgang Peuker. In: FAZ. 16. Mai 2001, S. 49.
  • Gewandhaus zu Leipzig, Kurt Masur (Hrsg.): Forte-Piano. Bilder aus dem Gewandhaus Leipzig (Katalog). Oberhausen o. J.
  • Ina Gille: Anmerkungen zu einem verschwundenen Wandbild. In: Mitteldeutsche Neueste Nachrichten. 31. Dezember 1989, S. 3.
  • Museum der bildenden Künste Leipzig (Hrsg.): Wolfgang Peuker. Malerei und Zeichnung. Katalog. Leipzig 1985.
  • Meinhard Michael: Verkleistert und zugenagelt. Oder: Doppelt hält besser? In: Gewandhausmagazin. Nr. 33, 2001/02, S. 19–24.
  • Meinhard Michael: Die Furcht vor dem Rufer. In: Gewandhausmagazin. Nr. 33, 2001/02, S. 25–26.
  • Wolfgang Peuker: Was mich angeht. In: Leipziger Blätter. 6/1985, S. 42–43.
  • Guenter Roese (Hrsg.): Wolfgang Peuker. Malerei und Zeichnung. Das Bild als Welttheater. Katalog. MCM ART, Berlin 2004.
  • Dominik Bartmann: Wolfgang Peuker 1945–2001: Malerei und Zeichnungen. In: Museumsjournal; Heft 2/2005 Seite 58–59
  • Tobias Thuge: Res Severa – Vom Verschwinden eines Bildes. Wolfgang Peukers Bild „Welttheater“ im Gewandhaus zu Leipzig als Beispiel staatlicher Auftragskunst in der DDR. Grin, München / Ravensburg 2010, ISBN 978-3-640-52857-8.
  • ohne Verfasserangabe: Mit Brettern vernagelt. In: Der Spiegel. Nr. 52, 1994, S. 136–138.
Commons: Wolfgang Peuker – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Bildnis Annette / Bildnis A. K., auf bildindex.de
  2. Recherche | Staatliche Museen zu Berlin. Abgerufen am 9. Dezember 2025.
  3. "Joachim Ringelnatz" auf Sockel aus Muschelkalk :: Kulturhistorisches Museum Wurzen / Ringelnatz-Sammlung :: Ressource :: museum-digital:deutschland